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Ōsterey bis Ōsterluzēy (Bd. 3, Sp. 625 bis 626)
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Artikelverweis Das Ōsterey, des -es, plur. die -er, im gemeinen Leben, bunt gefärbte Eyer, womit man sich noch jetzt auf dem Lande nach einem alten Gebrauche am Osterfeste zu beschenken pfleget. Im Nieders. Paskey, von Pasken, Ostern. Der Gebrauch rühret aus der Römischen Kirche her, da man am Osterabende nach geendigter Fasten, und nunmehr wieder vorhandenen Freyheit, Eyer und andere Fleischspeisen zu essen, ganze Körbe voll solcher bunt

[Bd. 3, Sp. 626]


gemahlten Eyer weihen lässet, und die Mahlzeiten die ganze Osterwoche über damit ausschmücket. In Siebenbürgen werden solche Eyer Mengelahr, Mengeleyer, d. i. gemahlte Eyer genannt, von dem aus mahlen verderbten mengeln.
 
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Das Ōsterfêst, des -es, plur. die -e, Ostern als ein Fest betrachtet, ein hohes Fest, welches in der Jüdischen Kirche zum Andenken des Ausganges aus Ägypten und der dabey vom Würgengel geschehenen Verschonung der Jüdischen Erstgeburten, (S. Adelung Pascha,) in der christlichen Kirche aber zum Andenken der Auferstehung Christi gefeyert, und im gemeinen Leben nur Ostern genannt wird, S. dieses Wort.
 
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Das Ōsterfeuer, des -s, plur. ut nom. sing. Freudenfeuer, welche man ehedem am Osterfeste oder am Osterabende anzuzünden pflegte, und welche noch an einigen Orten auf dem Lande üblich sind, und einigen zu Folge noch aus den Zeiten des Heidenthumes herstammen sollen. S. Adelung Ostern. In der Römischen Kirche wird am Ostersonntage schon von alten Zeiten her alles alte Feuer ausgelöschet, und neues, welches man in den Kirchen von geweihten Lampen oder Kerzen bekam, angezündet, welches im mittlern Lateine gleichfalls Ignis paschalis hieß, und nach einem Briefe des Papstes Zacharias an den Erzbischof Bonifacius zu Mainz aus den ersten Zeiten der christlichen Kirche herrühren soll.
 
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Der Ōsterfeyertag, des -es, plur. die -e, einer von den drey Feyertagen, woraus das Osterfest bestehet.
 
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Der Ōsterfladen, des -s, plur. ut nom. sing. Fladen, d. i. breite dünne Kuchen, welche noch am Osterfeste gebacken werden, und das Andenken des ungesäuerten Brotes, welches in der alten Jüdischen Kirche an diesem Feste genossen werden mußte, erhält; der Osterkuchen. In Niedersachsen bäckt man um Ostern eine Art runder Fladen mit einem aufgebogenen Rande, welche oben mit einem Teige von Mohnsamen bedeckt werden und daselbst Ostermahne heißen, von Mahn, Mohn.
 
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Die Ōsterkèrze, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme der Königskerze oder des Wollkrautes, Verbascum Thapsus L. vielleicht, weil es um Ostern blühet. S. Adelung Königskerze.
 
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Der Ōsterkūchen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Adelung Osterfladen.
 
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Das Ōsterlàmm, des -es, plur. die -lämmer, dasjenige Lamm, welches die ehemahligen Juden an ihrem Osterfeste mit gewissen besondern Feyerlichkeiten zu essen pflegten. Bey dem Notker Osterrfriskin, S. Adelung Frischling.
 
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Ȫsterlich, adj. et adv. was um Ostern ist oder geschiehet. Die österliche Zeit, die Zeit um Ostern. Die österliche Beicht, in der Römischen Kirche, da jeder wenigstens Ein Mahl des Jahres um Ostern zu beichten verbunden ist. Der osterliche tac, der Ostertag, Heinrich von Morunge.
 
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Die Ōsterlilie, plur. die -n, ein Nahme, welchen in einigen Gegenden die gelbe oder unechte Narzisse führet, weil sie um Ostern blühet; Narcissus Pseudo-Narcissus L.
 
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Die Ōsterluzēy, plur. inus. eine Pflanze, welche in Österreich, Frankreich und der Tartarey wächset, und deren Wurzel einen starken widrigen Geruch, nebst einem scharfen bittern Geschmack hat, und Brechen erreget; Aristolochia Clematis L. Hohlwurz, Herzwurz, in Schwaben Fobwurz. Einige andere Arten sind in Amerika und dem wärmern Europa einheimisch. Der Deutsche Nahme ist, wie schon Frisch anmerket, so wie der Engl. Olsterloit, aus dem Griech. Aristolochia verderbt, welchen diese Pflanze, nach dem Dioskorides, um deßwillen erhalten hat, weil sie den Gebärenden sehr heilsam seyn soll.

 

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