Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Ortsgulden bis Ōsten (Bd. 3, Sp. 624 bis 625)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Der Ortsgulden, des -s, plur. ut nom. sing. der vierte Theil eines Guldens, d. i. vier Groschen, und eine Münze, welche vier Groschen gilt, ein Viergroschenstück. Von Ort, der vierte Theil eines Ganzen, S. Adelung Ort 1. 2). Ortsgülden, wie dieses Wort auch geschrieben und gesprochen wird, würde der vierte Theil eines Güldens, folglich 5 Gr. 3 Pf. seyn.
 
Artikelverweis 
Die Ortspuhle, plur. die -n, im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, diejenigen Federspuhlen, welche sich am Orte, d. i. am Ende, des Gänseflügels befinden, und die kleinsten, aber auch die härtesten sind, zum Unterschiede von den Schlagspuhlen, welches die größten sind.
 
Artikelverweis 
Der Ortstein, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben einiger Gegenden. 1) Der Eckstein; von Ort 2, Ecke. So werden die Ecksteine der Häuser und Gebäude in Niedersachsen Ortsteine genannt. Schon Notker nennet einen solchen Stein Ortstein. Auch ein Gränzstein, welcher in einem Winkel oder in ein Eck der Markung gesetzt wird, ein Hauptstein, Eckstein, heißt in manchen Gegenden ein Ortstein. 2) Auch ein fester eisenschüssiger Sandstein, welcher nahe unter der Dammerde lieget, ist unter dem Nahmen des Ortsteines bekannt, entweder von Ort, der Anfang, weil er sich gleich unter der Dammerde befindet, oder auch, weil man die Ortsteine in der vorigen Bedeutung daraus zu verfertigen pflegt.
 
Artikelverweis 
Der Ortsthaler, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, z. B. am Nieder-Rheine, der vierte Theil eines Thalers, d. i. 6 Groschen, welcher auch nur ein Ort schlechthin genannt wird. Ingleichen eine Münze, welche 6 Groschen gilt. Verstehet man unter Thaler einen Species-Thaler, so ist der Ortsthaler 8 Groschen oder ein halber Gulden. Siehe Ort 1. 2).
 
Artikelverweis 
Die Ortung, plur. die -en, von Ort, und der Endsylbe -ung oder -ing; ein nur im Bergbaue übliches Wort, einen Ort, d. i. einen Winkel, eine Ecke eines Berggebäudes in der Grube zu bezeichnen. Die Ortung an Tag oder zu Tage ausbringen, eine Wendung, einen Winkel der Grube auf der Oberfläche der Erde andeuten.
 
Artikelverweis 
Der Ortziegel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Eckziegel, ein Ziegel, welcher sich an dem Orte, an der Ecke eines Daches, befindet; in einigen Gegenden ein Preisziegel.
 
Artikelverweis 
Die Ȫsche, im Oberdeutschen ein Flur, S. 3 Esche.
 
Artikelverweis 
Die Öse, S. Adelung Öhr.
 
Artikelverweis 
Das Ößel, S. Adelung Nößel.
 
Artikelverweis 
Der Ōst, des -es, plur. inus. 1) Diejenige Himmelsgegend, wo die Sonne aufgehet oder doch aufzugehen scheinet, Morgen; wofür doch das folgende Nebenwort osten üblicher ist. Zuweilen wird es auch für das folgende osten ohne Artikel gebraucht. Die Gewitter aus Ost sind oft gefährlich. 2) Ein aus dieser Gegend kommender Wind, besonders in der höhern Schreibart, für Ostwind.
   Anm. Im Nieders. Oost, im Angels. East, im Engl. East, im Pohlnischen Wschod. Der gemeinen Sage nach rühret dieses Wort, so wie die übrigen Nahmen der Himmelsgegenden, von Carln dem Großen her. Ohne Zweifel hat er dieselben nicht so wohl erfunden, als nur feyerlich bestätiget, weil alle diese Wörter das Gepräge eines sehr hohen Alterthumes an sich haben. Wachter ließ es von dem Gothischen ustandan, aufstehen, aufgehen,

[Bd. 3, Sp. 625]


abstammen; allein die Zusammenziehung würde alsdann zu ungewöhnlich seyn. Über dieß kommt dieses Wort von dem Aufgehen der Sonne im Gothischen nicht vor, wo diese Himmelsgegend Vrruns heißt. Frisch findet dagegen viele Ähnlichkeit zwischen diesem Worte und dem Griech. ως, die Morgenröthe, und Ihre mit ἑως, Morgen. Da indessen die übrigen Nahmen der Himmelsgegenden die Eigenschaften der daher kommenden Winde ausdrucken, wie Nord das Brausende und Stürmische, West das sanft Wehende, und Süd das Heiße dieser Winde, so kann auch Ost die scharfe, beißende Eigenschaft des Ostwindes bezeichnen, und alsdann zu heiß, so fern es überhaupt scharf bedeutet, zu Aestus u. s. f. gehören. S. Adelung Ostern.
 
Artikelverweis 
Ōsten, ein Nebenwort, welches nur mit einigen Vorwörtern gebraucht wird, den Ost, d. i. die Himmelsgegend, wo die Sonne aufgehet, zu bezeichnen. Der Wind kommt aus osten oder Osten. Gegen Osten reisen oder segeln. Gegen Osten wohnen, gegen Morgen. Notker gebraucht es auch im sächlichen Geschlechte als ein Hauptwort, daz Osten, und noch jetzt kommt es, wiewohl selten und im männlichen Geschlechte für das Hauptwort Ost von der Himmelsgegend vor.
   Niemahls müsse das Licht den wolkichten (wolkigen)
   Osten bepurpern,
   Zachar. Anm. Schon als ein Nebenwort bey dem Ottfried Ostana. Es ist aus Ost und der adverbischen Endung -en, zusammen gesetzt, wie Norden, Westen und Süden, von Nord, West und Süd. Als ein Nebenwort könnte es mit einem kleinen Buchstaben geschrieben werden; allein der große ist in allen diesen Wörtern einmahl hergebracht, vermuthlich weil man sie für Arten eigenthümlicher Nahmen, oder auch für Hauptwörter gehalten, in welcher Gestalt sie auch wirklich vorkommen. So wie man von außen, hinten, oben, unten und andern Nebenwörtern auf -en, Beywörter auf -er hat, außer, hinter, ober, unter u. s. f. so hatte man von dem Nebenworte osten auch ehedem das Beywort oster, morgenländisch. Oostar rich, das morgenländische Reich, im Isidor. Osterfürst, Österherr, Osterheer, Osterland, Osterling bedeuteten daher ehedem einen morgenländischen Fürsten oder Herren, ein morgenländisches Heer, ein gegen Morgen gelegenes Land, ein gegen Morgen wohnendes Volk. Doch dieses Beywort ist außer dem eigenthümlichen Nahmen Österreich nunmehr veraltet. S. auch Ostern. In den folgenden Zusammensetzungen stehet Oster für Ostern.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: