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Ortengesêll bis Ortolān (Bd. 3, Sp. 622 bis 623)
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Artikelverweis Der Ortengesêll, des -en, plur. die -en, bey einigen Handwerkern, z. B. bey den Gürtlern, der Altgesell, weil sein Amt unter andern auch darin bestehet, den ankommenden Gesellen den Willkommen zu reichen und sie zu bewirthen. Orte, Örte, Irte und Ürte ist ein altes noch hin und wieder im gemeinen Leben übliches Wort, welches die Zeche, d. i. den Antheil eines jeden an einem gemeinschaftlichem Schmause, und diesen Schmaus und dessen Kosten selbst, bedeutet. Eine Örte Bier, eine Zeche Bier. Die Örte bezahlen, die Zeche. Die Abstammung ist dunkel. Es kann von Ort, ein Theil, herkommen, so fern es eigentlich den Theil eines jeden an den Kosten eines gemeinschaftlichen Schmauses bedeutet; oder von ären, dem Stammworte von Ort, zermalmen, essen, da es denn eine jede Handlung des Essens, eine Mahlzeit, einen Schmaus bedeuten würde; oder auch von Ort, so fern es eine Spitze, eine Linie, bezeichnet, da es denn eigentlich den Strich mit Kreide an der Tafel der Zechenden bezeichnen würde. S. Adelung Wirth und Irte.
 
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Örtern, verb. reg. act. ein nur bey den Tischlern, Kammmachern u. s. f. übliches Wort, die Örter, d. i. Enden, oder Stammenden der Breter und des Holzes, absägen; im gemeinen Leben ertern. Daher die Örterbank, eine längliche Bank, auf welcher es geschiehet, und auf welcher überhaupt die Breter zugeschnitten werden; die Örtersäge, eine grobe Handsäge, womit solches geschiehet. Die Kammmacher örtern des Horn, wenn sie es viereckt sägen, welches gleichfalls durch Absägung der Örter, d. i. der Enden, geschiehet. Ehedem bedeutete örtern auch zu Ende bringen, endigen, entscheiden, wovon noch unser erörtern übrig ist, S. dasselbe.
 
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Der Örterzwitter, des -e, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. im Bergbaue einiger Gegenden, Zwitter, welcher auf den Stollen vor Ort gewonnen worden, S. Adelung Ort 3.
 
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Der Ortfäustel, des -s, plur. ut. nom. sing. im Bergbaue, ein Fäustel, welchen der Bergmann gebraucht, wenn er vor Ort arbeitet, S. Adelung Ort 3.

[Bd. 3, Sp. 623]



 
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Der Órtgróschen, des -s, plur. ut nom. sing. ein in einigen Gegenden üblicher Nahme einer Münze, welche der vierte Theil eines Groschens, oder ein Dreyer ist. Im Meklenburgischen hat man Ortgroschen, welche der vierte Theil eines großen Groschens sind, und 41/2 Pfennig gelten. S. Adelung Ort 1. 2).
 
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Der Orthäuer, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein Bergmann, welcher vor Ort arbeitet, d. i. dessen Beschäftigung es ist, das Erz in den Gruben mit Schlägel und Eisen zu gewinnen; zum Unterschiede von denjenigen Bergleuten, welche andere Arbeiten verrichten. S. Adelung Ort 3.
 
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Das Orthaus, des -es, plur. die -häuser, eine nur im Niedersächsischen übliche Benennung eines Eckhauses; von Ort, Ecke, S. Adelung Ort 2.
 
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Órthodóx, S. Adelung Rechtgläubig.
 
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Die Órthographīe, S. Adelung Rechtschreibung.
 
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Örtlich, adj. et adv. welches von einigen Neuern eingeführet worden, das Latein. localis auszudrucken. 1) Einen Ort habend, einnehmend. Die Engel sind nicht ganz ohne oder außer allem Orte, ob sie gleich keinen Ort einnehmen und ausfüllen; sie haben also eine örtliche aber keine räumliche Gegenwart, welche letztere das Daseyn anderer Körper ausschließt. Gott ist keiner örtlichen Gegenwart und Einschränkung fähig. 2) Einem besondern Orte gemäß, in demselben gegründet; nach dem Franz. local. Die örtliche Schönheit, welche nur in einem Lande, in einem Orte bewundert, in andern aber verachtet wird. In welcher Bedeutung es doch um der Zweydeutigkeit willen am wenigsten anzurathen ist.
 
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Der Ortolān, des -es, plur. die -e, aus dem Ital. Ortolano, der Wälsche Nahme einer in der Lombardey befindlichen sehr lockern Art Ammern oder Ämmerlinge, welche im Deutschen Fettammern genannt werden; Emberiza Hortulanus L. Siehe Fettammer.

 

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