Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Orgeltrêter bis Orseille (Bd. 3, Sp. 615 bis 617)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Der Orgeltrêter, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die Blasebälge an der Orgel tritt; der Balgentreter, und mit einem Lateinischen Ausdrucke der Calcant.
 
Artikelverweis 
Das Orgelwêrk, des -es, plur. die -e, das Innere einer Orgel, die zusammen gesetzten Theile, deren Ganzes die Orgel ausmacht, und die Orgel selbst.
 
Artikelverweis 
Der Orgelwolf, des -es, plur. die -wölfe, bey den Orgelbauern ein Fehler an der Orgel, wenn zwey überein stimmende Pfeifen zugleich gerühret werden, und zwischen sich einen dritten Dissonanz-Ton hören lassen.
 
Artikelverweis 
Der Ōriênt, (dreysylbig,) des -es, plur. car. aus dem Latein. Oriens, die Gegend zu bezeichnen, in welcher die Sonne aufgehet, Morgen, Osten; in welcher Bedeutung es doch wenig mehr gebraucht wird. Am häufigsten bezeichnet es den Europa gegen Morgen gelegenen Welttheil, dessen westlicher oder näher gegen Europa gelegener Theil unter dem Nahmen der Levante bekannt ist; die Morgenländer.

[Bd. 3, Sp. 616]



 
Artikelverweis 
Orientālisch, adj. et adv. aus dem Latein. orientalis, aus dem Oriente herkommend, in demselben gegründet; morgenländisch. Orientalische Edelsteine. Die orientalische Compagnie in Wien, welche nach der Türkey handelt. Die orientalischen Sprachen, in engerer Bedeutung, S. Adelung Morgenländisch.
 
Artikelverweis 
Orientīren, verb. reg. act. aus dem Franz. orienter, ein nur in der Seefahrt und Erdmeßkunst übliches Wort. Einen Riß orientiren, dessen Theile in die gehörigen Weltgegenden bringen. Figürlich, einen deutlichen Begriff von einer Sache beybringen. Sich orientiren, sich die Lage, Beschaffenheit einer Sache deutlich machen.
 
Artikelverweis 
Das Origināl, des -es, plur. die -e, aus dem mittlern Lat. Originalè. 1) Eigentlich, das erste feyerliche ursprüngliche Werk; im Gegensatze der Copie. Ein Bild, welches nach dem Leben gemahlt oder von dem Künstler selbst erfunden worden, heißt das Original, zum Unterschiede von der Copie oder dem wieder nach und von diesem Bilde gemahlten Gemählde. In einem andern Verstande ist die gemahlte Person oder der abgemahlte natürliche Gegenstand das Original, da denn das Gemählde, wenn es gleich nach dem Leben und der Natur gemahlt ist, die Copie heißt. In beyden Fällen ist im Deutschen auch das Wort Vorbild, noch mehr aber Urbild üblich, dagegen Nachbild für Copie erst noch einen mehrern Beyfall erwartet. In Ansehung der Schriften, ist der erste feyerliche Aufsatz das Original oder die Urschrift, zuweilen auch die Urkunde, im Gegensatze der Copie oder Abschrift. Etwas im Originale haben. Das Original eines Briefes, eines Vertrages. Die Originale, oder nach dem Lat. Originalia, die Originalien aufweisen. 2) Figürlich nennt man auch ein außerordentliches Genie, eine Person, welche in ihrer Art Selbsterfinder ist, ein Original; da denn auch wohl in weiterer Bedeutung ein seltsamer Kopf, ein Sonderling, den Nahmen eines Originales, nehmlich der Thorheit, des Seltsamen, bekommt.
 
Artikelverweis 
Der Orkān, des -es, plur. die -e, ein heftiger reißender und gemeiniglich im Wirbel sich drehender Sturm, der heftigste und höchste Grad des Sturmes. Im Ital. Orcano, Orricano, im Franz. Origan, Ouragan, im Engl. Hurricane. Es ist ein ausländisches Wort, welches aus Amerika herstammen soll; vielleicht aus den Antillen, wo vom Julius bis zum October gemeiniglich schreckliche Orkane wüthen. Indessen siehet man doch bald, daß es, so wie Nord, ein nach der Natur gebildetets Wort ist, und das Brausen des Sturmwindes ausdruckt.
 
Artikelverweis 
Der Órlean, (sprich Orleang,) plur. inus. die rothen Samenkörner des Orlean-Baumes, welche zu einem Teige gestoßen, und in der Färberey gebraucht werden, da sie denn eine schöne hohe gelbrothe Farbe geben, welche gleichfalls Orlean genannt wird. Der Orlean-Baum, Bixa Orellana L. wächset in dem wärmern Amerika, und träget eine stachelige Frucht. Die Farbe wird jetzt am häufigsten und besten aus Cayenne zu uns gebracht. Vielleicht erhielt man sie ehedem aus der Stadt Orleans in Frankreich, da sie denn den Nahmen von derselben bekommen haben würde, wenn anders derselbe nicht Amerikanischen Ursprunges ist.
 
Artikelverweis 
* Der Órlog, des -s, plur. die -e, ein altes jetzt nur noch im Niederdeutschen übliches Wort, welches ehedem sehr gangbar war, einen feyerlichen Krieg, im Gegensatze der kleinen Fehden zu bezeichnen. Es kommt nur noch zuweilen in dem Worte Orlogsschiff vor, welches einige Schriftsteller aus dem Holländischen und Niedersächsischen beybehalten, ein Kriegsschiff zu bezeichnen. Bey dem Stryker Vrleuge, bey andern alten Oberdeutschen Schriftstellern Urligung, Urling, im Niederdeutschen Oorlog, Örling, wo auch orlogen Krieg führen ist. Die Ableitungen, welche bisher

[Bd. 3, Sp. 617]


davon versucht worden, sind größten Theils seltsam. Im Angels. bedeutet Orleg und im Schwed. Örlig eine Schlacht, und wenn dieß, wie es scheinet, die erste eigentliche Bedeutung ist, so ist die letzte Hälfte, wie Ihre will, unstreitig das alte Lag, bey dem Ulphilas Laug, wofür wir jetzt mit dem Zischlaute Schlag und in der intensiven Form Schlacht sagen. Die erste Sylbe, welche Ihre von dem alten Or, Aur, ein Pfeil, ableitet, wird richtiger für die Vorsylbe -er oder -ur gehalten, so daß Orlog in der Bedeutung einer Schlacht oder eines Treffens mit unserm Zeitworte erlegen überein kommen würde.
 
Artikelverweis 
Die Orseille, (sprich Orsêlje,) plur. inus. aus dem Französichen Orseille, der Nahme einer Art Flechte, welche strauchförmig, dicht, und wenig ästig ist, aber keine Blätter hat; Lichen Roccella L. Sie wächst an den Felsen des Meeres auf den Canarischen Inseln und im Archipelagus, und gibt die bekannte Columbin-Farbe.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: