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Ordre bis Orgelgeschütz (Bd. 3, Sp. 614 bis 615)
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Artikelverweis Die Ordre, plur. die -n, ein zunächst aus dem Franz. Ordre entlehntes Wort, den gemessenen Befehl eines Höhern in einzelnen Fällen zu bezeichnen; in welchem Verstande es besonders im Kriegswesen und gemeinen Leben üblich ist. Gemessene Ordre haben, gemessenen Befehl. Nichts ohne Ordre thun. Ordre bekommen. S. Beordren. Daß dieß Wort mit der Taktik und ganzen Kriegssprache aus Frankreich zu uns gekommen, ist sehr wahrscheinlich. Indessen bedeutet Order und Odder im Niedersächs. einen jeden Befehl, welches wohl unmittelbar von orden, für ordnen, befehlen, abzustammen scheinet. Daher man auch im Hochdeutschen Order und beordern schreiben kann.
 
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Der Orêngel, des -s, plur. inus. in einigen Gegenden ein Nahme der Mannstreu, Eryngium L. aus welchen Lateinischen Nahmen der Deutsche Orengel oder Ohrengel ohne Zweifel verderbt ist.
 
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Der Orf, des -en, plur. die -en, oder die Orfe, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme des Goldbrassens oder der Goldforelle, Sparus aurata L. Bey andern Schriftstellern Orphus. Er hält sich in den Deutschen, Englischen und Französischen Flüssen auf, und hat den Nahmen von seiner hohen Goldfarbe; Franz. Dorada, Ital. Orata, Orada, von welcher ohne Zweifel auch der Nahme Orf abstammet, welcher in andern Gegenden Erf, Elf, Urf, Orbe, und mit dem vorgesetzten n, Nörfling lautet. Ein anderer in der übrigen Gestalt dem vorigen ähnlicher Fisch, welcher aber statt der feuerrothen Farbe weiß ist, wird in Sachsen die weiße Orfe genannt.
 
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Das Orgān, des -es, plur. die -e, aus dem Griech. und Lat. Organum, womit besonders die Werkzeuge der äußern Sinne, der Empfindung, im weitern Verstande aber auch der Veränderung an und in den Körpern bezeichnet werden. Die Organe der Empfindungen, die Werkzeuge, oder Hülfsmittel, wodurch ein Körper empfindet. Das Organ des Gesichtes, das Auge, mit allen dazu gehörigen Theilen.
 
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Orgānisch, adj. et adv. aus dem Latein. und Griech. organicus, mit Organen, d. i. Werkzeugen der Empfindung, und in weiterer Bedeutung, der Veränderung, begabet und darin gegründet. Ein organischer, oder organisirter Körper, welcher vermöge seiner Zusammensetzung zu Empfindungen und Veränderungen fähig ist; zum Unterschiede von einem unorganischen.
 
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Der Organíst, des -en, plur. die -en, aus dem mittlern Lat. Organista, derjenige, dessen eigentliches Amt es ist, die Orgel in einer Kirche zu spielen; dessen Gattinn die Organistinn. S. Adelung Orgel.
 
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Die Organsin-Seide, plur. inus. aus dem Ital. Organsino, in den Seiden-Fabriken, die feinste und beste Seide, woraus die Kette

[Bd. 3, Sp. 615]


der seidenen Zeuge bereitet wird, und welche aus einzelnen zusammen gezwirnten Fäden bestehet.
 
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Die Orgel, plur. die -n, Diminut. das Orgelchen, ein musikalisches aus vielen Pfeifen zusammen gesetztes Instrument, welches die verlangten Töne vermittelst des künstlichen Windes hervor bringet, und am häufigsten, ja fast nur noch allein in den Kirchen gebraucht wird. Die Orgel spielen oder schlagen. Auf der Orgel spielen. Ingleichen der erhöhete Platz in den Kirchen, auf welchem sich die Orgel befindet. Auf die Orgel gehen. Auf der Orgel stehen. Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt, ist in der Geschützkunst die Orgel ein Geschütz, welches aus mehrern auf einem Blocke neben einander befestigten Flintenläufen bestehet, dessen man sich zuweilen noch auf den Schiffen bedienet.
   Anm. Das Wort stammet aus dem Griech. οργανον her. Das unter diesem Nahmen bekannte musikalische Instrument ist alt, und kommt zuerst in Constantinopel vor, wo man sich desselben bey den gottesdienstlichen Musiken bediente. Pipin erhielt die erste Orgel, welche in der abendländischen Kirche bekannt wurde, als ein Geschenk von dem Kaiser Constantin. Kaiser Ludwig nahm 840 den Priester Gregor, welcher Orgeln nach Griechischer Art zu bauen versprach, mit vielen Freuden auf. Indessen ist leicht einzusehen, daß die damahligen Orgeln von den heutigen gar sehr verschieden waren, ob sie gleich in den wesentlichen Stücken mit ihnen überein kamen, und aus mehrern Pfeipfen bestanden, welche durch Blasebälge zum Tönen gebracht wurden. S. des Du Fresne Gloss. v. Organum. Ottfried gebraucht noch das Wort Organa, dessen Griechisches Original οργανον ehedem ein jedes musikalisches Instrument, und besonders eine Pfeife bedeutete. Psalterium ist genus Organi, ein Slahta Orgin sanges, heißt es bey dem Notker. Übrigens heißt eine Orgel im Ital. gleichfalls Organo, und im Engl. Organ.
 
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Der Orgelbau, des -es, plur. car. der Bau einer Orgel; ingleichen die Kunst, eine Orgel zu bauen. Den Orgelbau verstehen.
 
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Der Orgelbauer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die Kunst verstehet, Orgeln zu bauen, und wirklich daraus sein Hauptgeschäft macht; im mittlern Lat. Organarius.
 
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Das Orgelgeschütz, des -es, plur. die -e, eine Art Geschütz, wo auf Einem Gestelle viele Läufe neben und über einander liegen; wegen der Ähnlichkeit mit den Pfeifen einer Orgel.

 

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