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Ordnung bis Orgel (Bd. 3, Sp. 612 bis 615)
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Artikelverweis Die Ordnung, plur. die -en. 1. Die Handlung des Ordnens, als das Verbale des vorigen Zeitwortes und ohne Plural; in welcher Bedeutung es doch am seltensten gebraucht wird. Die Ordnung so vieler Menschen ist schwer, so viele Menschen zu ordnen.
   2. Als ein Abstractum; wo der Plural nur von mehrern Arten üblich ist.
   1) In der weitesten Bedeutung, eine jede Folge der Dinge nach und neben einander. Etwas in eine gewisse Ordnung bringen, die Dinge auf eine gewisse Art nach und neben einander stellen. Eine gute Ordnung, eine schlechte Ordnung. Die Ordnung der Wörter in der Rede, ihre Folge auf einander.
   2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, die Übereinstimmung, die Ähnlichkeit des Mannigfaltigen in ihrer Folge auf und neben einander; im Gegensatze der Unordnung.
   (a) Überhaupt, wo es so viele Arten der Ordnung gibt, als Ähnlichkeiten des Mannigfaltigen Statt finden, oder als die Absicht und Bequemlichkeit des Ordnenden es erfordert. Etwas in Ordnung legen, stellen, bringen. Die Truppen in Ordnung stellen. Eine Bibliothek in Ordnung bringen. Die Truppen gingen ohne alle Ordnung unter einander hin. Nach der Ordnung gehen. Ohne alle Ordnung marschiren. Die Soldaten

[Bd. 3, Sp. 613]


in Ordnung halten. Die Ordnung erfordert es. Es ist keine Ordnung unter den Leuten. Etwas ohne alle Ordnung erzählen. Die Ordnung lieben. Ingleichen die Folge einzelner Dinge nach der Ähnlichkeit des Ganzen. Wie ihn die Ordnung trifft, die Reihe.
   (b) In engerer Bedeutung. (α) Die Ähnlichkeit in der Folge der Handlungen, und deren Beobachtung. Ordnung im Essen und Trinken halten, alle Mahl zu einer und eben derselben Zeit essen und trinken. Ich halte meine Ordnung und gehe. Sich an keine gewisse Ordnung binden. Aus seiner Ordnung kommen. Das ist wider meine Ordnung, (β) In noch engerer Bedeutung, die durch allgemeine Vorschriften bestimmte Folge und Intensität der Handlungen und Veränderungen. Die Ordnung der Natur, die Folge aller Veränderungen in derselben nach gewissen Veränderungsgesetzen. Die göttliche Begnadigung der Menschen ist an eine gewisse Ordnung gebunden. Die bürgerliche Ordnung, die Übereinstimmung der Folge und Intensität der Handlungen mit den bürgerlichen Gesetzten. Das ist wider die gute Ordnung. Dort erliegen Gesetze und Ordnung unter dem Übergewichte der Laster, Gell. Ordnung im Essen und Trinken halten, oder beobachten, nicht allein die Ähnlichkeit in Ansehung der Zeit, sondern auch das gehörige Maß und Verhältniß. Es ist weder Zucht noch Ordnung unter den Leuten. Die Truppen in Ordnung halten, ihre Handlungen mit den Vorschriften überein stimmend erhalten. (γ) Im engsten Verstande ist in der Baukunst die Ordnung das angenommene Verhältniß in den einzelnen Theilen der Säulen. Die Toscanische, die Dorische, die Ionische, die Korinthische, die Römische Ordnung.
   3. Als ein Concretum.
   1) In Ordnung gestellte Dinge, so wohl überhaupt. Die Ordnung trennen. Als auch in engerer Bedeutung, ein aus mehrern ähnlichen Individuis bestehendes Ganzes; wo dieses Wort oft für das ausländische Classe gebraucht wird. Die Priester der ersten Ordnung, 2 Kön. 25, 18. Die Ordnung der Thürhüther, 1 Chron. 27, 1. Die Schüler der ersten Ordnung, der ersten Classe. Die Schrifsteller des Naturreiches theilen die natürlichen Körper in Classen, Ordnungen, Geschlechter und Arten, da denn die Ordnung mehrere ähnliche Geschlechter unter sich begreift.
   2) Die Regel oder Vorschrift, nach welcher die Verbindung und Folge mehrerer einzelner Handlungen auf eine übereinstimmige Weise eingerichtet wird. Wer sich wider die Obrigkeit setzet, der widerstrebet Gottes Ordnung, Röm. 13, 2. Seyd unterthan aller menschlichen Ordnung, 1 Petr. 2, 13. Die Feuerordnung, Dorfordnung, Brauordnung, Forst- und Waldordnung, Hofordnung, Kleiderordnung, Klosterordnung, Lebensordnung, Marktordnung, Postordnung u. s. f. Von der obrigkeitlichen Bestimmung einzelner Handlungen ist das Wort Verordnung üblich.
   Anm. Dieses Wort, welches schon bey dem Notker Ordenningo, und im Schwed. Ordning lautet, ist aus Orden und der Ableitungssylbe -ing oder -ung zusammen gesetzet. S. -Ung. Ottfried gebraucht dafür Ordo, die Monseeische Glosse aber das noch kürzere Ort. Im Nieders. heißt die Ordnung Order und Odder, im alten Wallis. Vrdd, im Lat. Ordo, im Engl. Order, im Französ. Ordre, welche letztern denn auch für einen Befehl in einzelnen Fällen gebraucht werden, wie das Niedersächs. Order und Odder, wofür die Hochdeutschen das Französ. Ordre wieder erborgt haben. Das Bretagnische ordreui, und Griech. ορδοειν, ordnen, und ορθος, recht, geordnet, sind sehr genau damit verwandt. Frisch und andere leiten Orden, ordnen und Ordnung unmittelbar aus dem Lat. ordo und ordinare her, welche

[Bd. 3, Sp. 614]


doch für nichts anders als für Seitenverwandte gehalten werden können. Der wahre Stamm ist in unserm Art, Ort, das erste und letzte eines Dinges, eher, erst u. s. f. zu suchen, wohin auch das Lat. Series gehöret, welches, so wie saepe, semel, sine u. s. f. sich bloß durch den vorgesetzten Zischlaut von der alten Quelle entfernet hat. S. Adelung Ort. Übrigens kommen für Ordnung in dem Isidor und Redha, im Kero Antreitida, Antreiti, bey dem Notker Antreht, und im Tatian Antreitu vor, welche nicht so wohl zu unserm Rede, als vielmehr zu dem Oberdeutschen raiten, rechnen, vermuthlich eigentlich ordnen, und zu unserm recht und richten gehören.
 
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Die Ordnungs-Zahl, plur. die -en, in der Sprachkunst, eine Zahl, welche die Ordnung oder Folge der Stelle nach andeutet, die ordnende Zahl, dergleichen der erste, zweyte, dritte u. s. f. sind; nach dem Lat. Numeri ordinales, zum Unterschiede von den Grundzahlen, eins, zwey, drey u. s. f..
 
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Die Ordonnanz, S. Adelung Ordinanz.
 
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Die Ordre, plur. die -n, ein zunächst aus dem Franz. Ordre entlehntes Wort, den gemessenen Befehl eines Höhern in einzelnen Fällen zu bezeichnen; in welchem Verstande es besonders im Kriegswesen und gemeinen Leben üblich ist. Gemessene Ordre haben, gemessenen Befehl. Nichts ohne Ordre thun. Ordre bekommen. S. Beordren. Daß dieß Wort mit der Taktik und ganzen Kriegssprache aus Frankreich zu uns gekommen, ist sehr wahrscheinlich. Indessen bedeutet Order und Odder im Niedersächs. einen jeden Befehl, welches wohl unmittelbar von orden, für ordnen, befehlen, abzustammen scheinet. Daher man auch im Hochdeutschen Order und beordern schreiben kann.
 
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Der Orêngel, des -s, plur. inus. in einigen Gegenden ein Nahme der Mannstreu, Eryngium L. aus welchen Lateinischen Nahmen der Deutsche Orengel oder Ohrengel ohne Zweifel verderbt ist.
 
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Der Orf, des -en, plur. die -en, oder die Orfe, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme des Goldbrassens oder der Goldforelle, Sparus aurata L. Bey andern Schriftstellern Orphus. Er hält sich in den Deutschen, Englischen und Französischen Flüssen auf, und hat den Nahmen von seiner hohen Goldfarbe; Franz. Dorada, Ital. Orata, Orada, von welcher ohne Zweifel auch der Nahme Orf abstammet, welcher in andern Gegenden Erf, Elf, Urf, Orbe, und mit dem vorgesetzten n, Nörfling lautet. Ein anderer in der übrigen Gestalt dem vorigen ähnlicher Fisch, welcher aber statt der feuerrothen Farbe weiß ist, wird in Sachsen die weiße Orfe genannt.
 
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Das Orgān, des -es, plur. die -e, aus dem Griech. und Lat. Organum, womit besonders die Werkzeuge der äußern Sinne, der Empfindung, im weitern Verstande aber auch der Veränderung an und in den Körpern bezeichnet werden. Die Organe der Empfindungen, die Werkzeuge, oder Hülfsmittel, wodurch ein Körper empfindet. Das Organ des Gesichtes, das Auge, mit allen dazu gehörigen Theilen.
 
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Orgānisch, adj. et adv. aus dem Latein. und Griech. organicus, mit Organen, d. i. Werkzeugen der Empfindung, und in weiterer Bedeutung, der Veränderung, begabet und darin gegründet. Ein organischer, oder organisirter Körper, welcher vermöge seiner Zusammensetzung zu Empfindungen und Veränderungen fähig ist; zum Unterschiede von einem unorganischen.
 
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Der Organíst, des -en, plur. die -en, aus dem mittlern Lat. Organista, derjenige, dessen eigentliches Amt es ist, die Orgel in einer Kirche zu spielen; dessen Gattinn die Organistinn. S. Adelung Orgel.
 
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Die Organsin-Seide, plur. inus. aus dem Ital. Organsino, in den Seiden-Fabriken, die feinste und beste Seide, woraus die Kette

[Bd. 3, Sp. 615]


der seidenen Zeuge bereitet wird, und welche aus einzelnen zusammen gezwirnten Fäden bestehet.
 
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Die Orgel, plur. die -n, Diminut. das Orgelchen, ein musikalisches aus vielen Pfeifen zusammen gesetztes Instrument, welches die verlangten Töne vermittelst des künstlichen Windes hervor bringet, und am häufigsten, ja fast nur noch allein in den Kirchen gebraucht wird. Die Orgel spielen oder schlagen. Auf der Orgel spielen. Ingleichen der erhöhete Platz in den Kirchen, auf welchem sich die Orgel befindet. Auf die Orgel gehen. Auf der Orgel stehen. Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt, ist in der Geschützkunst die Orgel ein Geschütz, welches aus mehrern auf einem Blocke neben einander befestigten Flintenläufen bestehet, dessen man sich zuweilen noch auf den Schiffen bedienet.
   Anm. Das Wort stammet aus dem Griech. οργανον her. Das unter diesem Nahmen bekannte musikalische Instrument ist alt, und kommt zuerst in Constantinopel vor, wo man sich desselben bey den gottesdienstlichen Musiken bediente. Pipin erhielt die erste Orgel, welche in der abendländischen Kirche bekannt wurde, als ein Geschenk von dem Kaiser Constantin. Kaiser Ludwig nahm 840 den Priester Gregor, welcher Orgeln nach Griechischer Art zu bauen versprach, mit vielen Freuden auf. Indessen ist leicht einzusehen, daß die damahligen Orgeln von den heutigen gar sehr verschieden waren, ob sie gleich in den wesentlichen Stücken mit ihnen überein kamen, und aus mehrern Pfeipfen bestanden, welche durch Blasebälge zum Tönen gebracht wurden. S. des Du Fresne Gloss. v. Organum. Ottfried gebraucht noch das Wort Organa, dessen Griechisches Original οργανον ehedem ein jedes musikalisches Instrument, und besonders eine Pfeife bedeutete. Psalterium ist genus Organi, ein Slahta Orgin sanges, heißt es bey dem Notker. Übrigens heißt eine Orgel im Ital. gleichfalls Organo, und im Engl. Organ.

 

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