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Ordensschwêster bis Ordre (Bd. 3, Sp. 610 bis 614)
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Artikelverweis Die Ordensschwêster, plur. die -n, S. Adelung Ordensbruder.
 
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Das Ordenszeichen, des -s, plur. ut nom. sing. das Ehren- und Unterscheidungszeichen eines weltlichen Ordens, welches auch nur der Orden schlechthin genannt wird.
 
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Órdentlich, -er, -ste, adj. et adv. der Ordnung gemäß, in derselben gegründet.
   1. In der weitern Bedeutung dieses Hauptwortes, der Übereinstimmung des Mannigfaltigen in der Folge der Dinge nach und neben einander gemäß, und darin gegründet; im Gegensatze des unordentlich. Die Bibliothek ist sehr ordentlich eingerichtet. Eine ordentliche Bibliothek, welche nach einer guten Ordnung eingerichtet ist. Es liegt alles sehr ordentlich. Die Soldaten marschiren ordentlich. Etwas sehr ordentlich erzählen, wie die Folge der Begebenheiten es erfordert. Ingleichen, Fertigkeit besitzend, in allen Dingen die Übereinstimmung des Mannigfaltigen zu beobachten, und darin gegründet. Ein ordentlicher Mensch, der in allen Dingen und Geschäften eine gewisse Ordnung beobachtet, besonders in Ansehung der Zeit und des Ortes. Er lebt sehr ordentlich. Eine ordentliche Haushaltung, in welcher alle Geschäfte zur gehörigen Zeit und nach dem gehörigen Verhältnisse geschehen. Die Post kommt sehr ordentlich, zur bestimmen Zeit.
   2. In engerer und figürlicher Bedeutung.
   1) Im moralischen Verstande, der gehörigen Übereinstimmung unsrer Handlungen mit der Vollkommenheit unsers äußern und innern Zustandes gemäß und darin gegründet; ingleichen Fertigkeit besitzend, diese Übereinstimmung zu beobachten. Beydes im Gegensatze des unordentlich. Sehr ordentlich leben. Ein ordentlicher Mann. Ein ordentliches Leben, einen ordentlichen Wandel führen. Besonders in Ansehung des gehörigen Maßes

[Bd. 3, Sp. 611]


und Verhältnisses in Speise und Trank und den Vergnügungen. Heute lebt auch der ausschweifendste ordentlich.
   2) Der Einrichtung, der Beschaffenheit einer Sache gemäß, in derselben gegründet, daraus begreiflich; im Gegensatze des außerordentlich. (a) Überhaupt. Die ordentliche Obrigkeit, welcher man vermöge seines Verhältnisses in der bürgerlichen Gesellschaft unterworfen ist. Einen ordentlichen Beruf haben. Der ordentliche Pfarrer, der ordentliche Beichtvater, der ordentliche Richter. Die ordentlichen Lusterscheinungen, im Gegensatze der außerordentlichen. Um der Zweydeutigkeit mit der ersten allgemeinern Bedeutung willen, ist es in diesem Verstande gemeiniglich nur auf gewisse Fälle eingeschränkt. (b) Der Vorschrift, der Regel gemäß; um der gedachten Zweydeutigkeit willen, auch nur in wenigen Fällen. Ein ordentliches Verfahren. Aber für regelmäßig, regulär, durch Regeln und Verordnungen eingeschränkt, wie es von einigen gebraucht wird, die ordentliche Geistlichkeit, in der Römischen Kirche, die reguläre oder Ordensgeistlichkeit, im Gegensatze der weltlichen, ingleichen ordentliche Truppen für reguläre, ist es noch weniger anzurathen. (c) Den gewöhnlichen Formalitäten oder Umständen gemäß, in welchem Verstande es besonders in der vertraulichen Sprechart und im gemeinen Leben sehr üblich ist. Das Licht war nicht selbst erloschen, sonder ordentlich abgeschneutzt, Hermes. Eine ordentliche Hochzeit halten, eine förmliche, feyerliche. Er hat mich ordentlich geschimpft, förmlich. Sie hat uns ordentliche Grobheiten gesagt, Gell. förmliche. Das Ding nehme ich ordentlich übel, förmlich, wirklich. Daher es denn, (b) in noch weiterer Bedeutung oft auch für gewöhnlich, den meisten Fällen ähnlich oder gemäß gebraucht wird; im Gegensatze des außerordentlich. Das gehöret zu seinen gewöhnlichen und ordentlichen Verrichtungen. Seine ordentliche Mahlzeit halten, seine gewöhnliche. Er schreibt ordentlich alle Posttage, gemeiniglich, gewöhnlich. Er kommt ordentlich alle Tage. In ordentlichen Fällen, im Gegensatze der außerordentlichen. Ordentlich, d. i. gewöhnlicher Weise, geschiehet das nicht.
   Anm. Diese Wort ist von dem Hauptworte Orden, so fern es ehedem Ordnung bedeutete (S. Adelung Orden 1 und Ordnung) und der Ableitungssylbe -lich gebildet, und bedeutet daher der Ordnung ähnlich, gleich und gemäß. Das t in der Mitte ist das t euphonicum, welches dem n in mehrern Wörtern angehänget wird, siehe N und T. Im Oberdeutschen lautete es daher in den ältern Zeiten nur ordenlich, und in einem 1503 zu Basel gedruckten Buche gar nur ordelich. Auch in Luthers Bibel kommt unordig für unordentlich vor.
 
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Die Order, S. Adelung Ordre.
 
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Die Ordinánz, plur. die -en, aus dem mittlern Lat. Ordinantia. 1) * Der Befehl; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Man gebraucht es 2) nur noch bey den Soldaten, wo die Ordinanz derjenige Soldat ist, welcher beständig bey und um einen Befehl habenden Officier seyn muß, um dessen Befehle in nöthigen Fällen an andere zu überbringen, in manchen Ländern Ordonnanz, unmittelbar aus dem Franz. Ordonnance; wo es denn auch von diesem Verhältnisse, von dieser Verrichtung eines solchen Soldaten gebraucht wird. Auf Ordinanz seyn, einen Befehl habenden Officier begleiten, um auf dessen Befehle zu warten. In manchen Gegenden hat man auch dergleichen Civil-Bediente, welche, wenn sie beritten sind, und zu Pferde verschickt werden, Ordinanz-Reiter heißen.
 
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Ordiniren, verb. reg. act. aus dem Lat. ordinare. 1) Befehlen, anordnen, verordnen; in welchem Verstande es doch nur im gemeinen Leben üblich ist. 2) Einen Geistlichen ordiniren, in der protestantischen Kirche, ihm das Lehramt und das Befugniß zu

[Bd. 3, Sp. 612]


allen Amtsverrichtungen feyerlich ertheilen; welches von einem obern Geistlichen geschiehet, und an die Stelle der Priesterweihe in der Römischen Kirche eingeführet worden. Aus dem mittlern Lat. ordinare, die geistlichen Ordines ertheilen, feyerlich in den Orden oder Stand der Priester aufnehmen. Daher die Ordination, diese feyerliche Ertheilung des Rechtes zur Führung des gottesdienstlichen Lehramtes.
 
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Ordnen, verb. reg. act. die Folge des Mannigfaltigen nach und neben einander bestimmen. 1. Eigentlich, in Ordnung bringen, einem jeden von mehrern Dingen seine gehörige übereinstimmige Stelle anweisen, zunächst dem Orte, in weiterer Bedeutung aber auch der Zeit und dem Verhältnisse nach. Die Bücher in einer Bibliothek ordnen, in eine gewisse Ordnung stellen. Mehrere Personen nach dem Alter, nach der Größe, nach dem Range ordnen. Die Stimmen in der Musik ordnen. Die Schnitter ordnen das abgeschnittene Getreide in kleine Haufen. Ingleichen in weiterer Bedeutung, nicht nur dem gehörigen Orte und der gehörigen Zeit nach, sondern auch dem gehörigen Verhältnisse nach bestimmen. Der Verstand muß mit seinen Einsichten die Neigungen des Willens leiten und ordnen, Gell. Gott regieret und ordnet die allgemeinen und besondern Schicksale des Menschen. Die geordnete Selbstliebe, im Gegensatze der ungeordneten. 2. In engerer Bedeutung. 1) Die Handlungen anderer ordnen; wofür doch in den meisten Fällen die zusammen gesetzten anordnen und verordnen üblicher sind. Wie ich den Gemeinen in Galatia geordnet habe, 1 Cor. 16, 1, d. i. verordnet, befohlen. Ihr ordnet der Festtage zu viel. 2) Zu Führung und Verwaltung eines Amtes Befehl und Befugniß ertheilen; wofür jetzt gleichfalls zuweilen verordnen gebraucht wird. Gott hat geordnet die Herrschaften, Sir. 17, 14. Die Apostel ordneten ihnen hin und her Ältesten in den Gemeinen, Apostelg. 14, 23. Daß ich dich ordne zum Diener und Zeugen, Kap. 26, 6. Von der feyerlichen Verordnung und Einsetzung zum gottesdienstlichen Lehrer ist in den protestantischen Kirchen das verwandte aber Lat. ordiniren üblich.
   Daher die Ordnung, S. solches sogleich besonders.
   Anm. Im Tatian ordinon, im Lat. ordinare. Es ist vermittelst der Endsylbe -nen entweder das Factitivum von einem veralteten Neutro orden, oder auch das Intensivum von dem noch bey dem Stryker befindlichen orden, für ordnen. Ordnen ist aus ordenen wie Ordnung aus Ordenung zusammen gezogen.
 
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Die Ordnung, plur. die -en. 1. Die Handlung des Ordnens, als das Verbale des vorigen Zeitwortes und ohne Plural; in welcher Bedeutung es doch am seltensten gebraucht wird. Die Ordnung so vieler Menschen ist schwer, so viele Menschen zu ordnen.
   2. Als ein Abstractum; wo der Plural nur von mehrern Arten üblich ist.
   1) In der weitesten Bedeutung, eine jede Folge der Dinge nach und neben einander. Etwas in eine gewisse Ordnung bringen, die Dinge auf eine gewisse Art nach und neben einander stellen. Eine gute Ordnung, eine schlechte Ordnung. Die Ordnung der Wörter in der Rede, ihre Folge auf einander.
   2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, die Übereinstimmung, die Ähnlichkeit des Mannigfaltigen in ihrer Folge auf und neben einander; im Gegensatze der Unordnung.
   (a) Überhaupt, wo es so viele Arten der Ordnung gibt, als Ähnlichkeiten des Mannigfaltigen Statt finden, oder als die Absicht und Bequemlichkeit des Ordnenden es erfordert. Etwas in Ordnung legen, stellen, bringen. Die Truppen in Ordnung stellen. Eine Bibliothek in Ordnung bringen. Die Truppen gingen ohne alle Ordnung unter einander hin. Nach der Ordnung gehen. Ohne alle Ordnung marschiren. Die Soldaten

[Bd. 3, Sp. 613]


in Ordnung halten. Die Ordnung erfordert es. Es ist keine Ordnung unter den Leuten. Etwas ohne alle Ordnung erzählen. Die Ordnung lieben. Ingleichen die Folge einzelner Dinge nach der Ähnlichkeit des Ganzen. Wie ihn die Ordnung trifft, die Reihe.
   (b) In engerer Bedeutung. (α) Die Ähnlichkeit in der Folge der Handlungen, und deren Beobachtung. Ordnung im Essen und Trinken halten, alle Mahl zu einer und eben derselben Zeit essen und trinken. Ich halte meine Ordnung und gehe. Sich an keine gewisse Ordnung binden. Aus seiner Ordnung kommen. Das ist wider meine Ordnung, (β) In noch engerer Bedeutung, die durch allgemeine Vorschriften bestimmte Folge und Intensität der Handlungen und Veränderungen. Die Ordnung der Natur, die Folge aller Veränderungen in derselben nach gewissen Veränderungsgesetzen. Die göttliche Begnadigung der Menschen ist an eine gewisse Ordnung gebunden. Die bürgerliche Ordnung, die Übereinstimmung der Folge und Intensität der Handlungen mit den bürgerlichen Gesetzten. Das ist wider die gute Ordnung. Dort erliegen Gesetze und Ordnung unter dem Übergewichte der Laster, Gell. Ordnung im Essen und Trinken halten, oder beobachten, nicht allein die Ähnlichkeit in Ansehung der Zeit, sondern auch das gehörige Maß und Verhältniß. Es ist weder Zucht noch Ordnung unter den Leuten. Die Truppen in Ordnung halten, ihre Handlungen mit den Vorschriften überein stimmend erhalten. (γ) Im engsten Verstande ist in der Baukunst die Ordnung das angenommene Verhältniß in den einzelnen Theilen der Säulen. Die Toscanische, die Dorische, die Ionische, die Korinthische, die Römische Ordnung.
   3. Als ein Concretum.
   1) In Ordnung gestellte Dinge, so wohl überhaupt. Die Ordnung trennen. Als auch in engerer Bedeutung, ein aus mehrern ähnlichen Individuis bestehendes Ganzes; wo dieses Wort oft für das ausländische Classe gebraucht wird. Die Priester der ersten Ordnung, 2 Kön. 25, 18. Die Ordnung der Thürhüther, 1 Chron. 27, 1. Die Schüler der ersten Ordnung, der ersten Classe. Die Schrifsteller des Naturreiches theilen die natürlichen Körper in Classen, Ordnungen, Geschlechter und Arten, da denn die Ordnung mehrere ähnliche Geschlechter unter sich begreift.
   2) Die Regel oder Vorschrift, nach welcher die Verbindung und Folge mehrerer einzelner Handlungen auf eine übereinstimmige Weise eingerichtet wird. Wer sich wider die Obrigkeit setzet, der widerstrebet Gottes Ordnung, Röm. 13, 2. Seyd unterthan aller menschlichen Ordnung, 1 Petr. 2, 13. Die Feuerordnung, Dorfordnung, Brauordnung, Forst- und Waldordnung, Hofordnung, Kleiderordnung, Klosterordnung, Lebensordnung, Marktordnung, Postordnung u. s. f. Von der obrigkeitlichen Bestimmung einzelner Handlungen ist das Wort Verordnung üblich.
   Anm. Dieses Wort, welches schon bey dem Notker Ordenningo, und im Schwed. Ordning lautet, ist aus Orden und der Ableitungssylbe -ing oder -ung zusammen gesetzet. S. -Ung. Ottfried gebraucht dafür Ordo, die Monseeische Glosse aber das noch kürzere Ort. Im Nieders. heißt die Ordnung Order und Odder, im alten Wallis. Vrdd, im Lat. Ordo, im Engl. Order, im Französ. Ordre, welche letztern denn auch für einen Befehl in einzelnen Fällen gebraucht werden, wie das Niedersächs. Order und Odder, wofür die Hochdeutschen das Französ. Ordre wieder erborgt haben. Das Bretagnische ordreui, und Griech. ορδοειν, ordnen, und ορθος, recht, geordnet, sind sehr genau damit verwandt. Frisch und andere leiten Orden, ordnen und Ordnung unmittelbar aus dem Lat. ordo und ordinare her, welche

[Bd. 3, Sp. 614]


doch für nichts anders als für Seitenverwandte gehalten werden können. Der wahre Stamm ist in unserm Art, Ort, das erste und letzte eines Dinges, eher, erst u. s. f. zu suchen, wohin auch das Lat. Series gehöret, welches, so wie saepe, semel, sine u. s. f. sich bloß durch den vorgesetzten Zischlaut von der alten Quelle entfernet hat. S. Adelung Ort. Übrigens kommen für Ordnung in dem Isidor und Redha, im Kero Antreitida, Antreiti, bey dem Notker Antreht, und im Tatian Antreitu vor, welche nicht so wohl zu unserm Rede, als vielmehr zu dem Oberdeutschen raiten, rechnen, vermuthlich eigentlich ordnen, und zu unserm recht und richten gehören.
 
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Die Ordnungs-Zahl, plur. die -en, in der Sprachkunst, eine Zahl, welche die Ordnung oder Folge der Stelle nach andeutet, die ordnende Zahl, dergleichen der erste, zweyte, dritte u. s. f. sind; nach dem Lat. Numeri ordinales, zum Unterschiede von den Grundzahlen, eins, zwey, drey u. s. f..
 
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Die Ordonnanz, S. Adelung Ordinanz.
 
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Die Ordre, plur. die -n, ein zunächst aus dem Franz. Ordre entlehntes Wort, den gemessenen Befehl eines Höhern in einzelnen Fällen zu bezeichnen; in welchem Verstande es besonders im Kriegswesen und gemeinen Leben üblich ist. Gemessene Ordre haben, gemessenen Befehl. Nichts ohne Ordre thun. Ordre bekommen. S. Beordren. Daß dieß Wort mit der Taktik und ganzen Kriegssprache aus Frankreich zu uns gekommen, ist sehr wahrscheinlich. Indessen bedeutet Order und Odder im Niedersächs. einen jeden Befehl, welches wohl unmittelbar von orden, für ordnen, befehlen, abzustammen scheinet. Daher man auch im Hochdeutschen Order und beordern schreiben kann.

 

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