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Opermếnt bis Opfermêsser (Bd. 3, Sp. 605 bis 606)
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Artikelverweis Das Opermếnt, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein aus Auripigmentum verderbtes Wort, ein Arsenik-Erz zu bezeichnen, welches aus Arsenik, Schwefel und Erde bestehet, ein blätteriges Gewebe und eine gelbe glänzende Farbe hat; Auripigment. Das rothe Operment hat eine hochrothe Zinnoberfarbe, und wird auch Rauschgelb und rother Arsenik genannt. Es hat den Lateinischen Nahmen, so wie den Französischen, Orpiment, Orpin, von dem Gebrauche zum Mahlen, welchen die Mahler davon machen.
 
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Der Operngucker, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art kleiner Ferngläser, so fern man sich ihrer bedienet, in der Oper damit umher zu gucken; der Taschengucker.
 
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Das Opfer, des -s, plur. ut nom. sing. ein jedes sichtbares Ding, welches der Gottheit zur Abbildung seiner eigenen Übergabe an dieselbe, dargebracht wird. Ein blutiges Opfer, oder Schlachtopfer, wenn es in einem lebendigen Geschöpfe bestehet, welches alsdann geschlachtet, und oft auch in der engsten Bedeutung ein Opfer schlechthin genannt wird, zum Unterschiede von einem unblutigen Opfer, welches in einem jeden andern Dinge bestehen kann. In weiterer Bedeutung wird oft, besonders in der Römischen Kirche, alles ein Opfer genannt, was zum Behuf des Gottesdienstes und der gottesdienstlichen Personen geschenkt und dargebracht wird. Im weitesten Verstande ist, besonders in der

[Bd. 3, Sp. 606]


höhern Schreibart, ein jedes Ding, eine jede Sache, welche man einem andern zum Zeichen seiner Unterwürfigkeit, seiner Ergebenheit darbringet, ein Opfer. Ein Opfer bringen. Einem etwas zum Opfer bringen. In engerer und figürlicher Bedeutung, ist das Opfer so wohl eine Sache, deren Eigenthumes man sich um eines andern willen begibt, als auch ein Gegenstand, auf welchen die Schuld eines andern übertragen wird, und in weiterer Bedeutung, ein jedes Ding, welches der Gegenstand eines von einem andern ihm zugefügten Übels ist, wo die Figur von einem Schlachtopfer oder blutigen Opfer entlehnet worden. Die Gerechtigkeit verlanget ein Opfer. Oft wird die Unschuld ein Opfer der Tyranney und überlegenen Macht. Ein Opfer der Leidenschaft eines andern werden.
   Anm. Schon im Isidor Offerung, bey dem Ottfried Oppher, im Tatian Obphar, im Dän. und Schwed. Offer, im Wallis. Abert, im Böhm. Ober. Gemeiniglich glaubt man, daß es aus dem Lat. offerre, obferre, oder gar aus dem Griech. επιφορα, entlehnet sey. Allein, es kann auch, wie so viele andere eine bloß buchstäbliche Übersetzung des Lateinischen Ausdruckes seyn, weil so wohl das Vorwort ob, auf, Nieders. up, als auch das Zeitwort bären, tragen, bringen, ferre, φερειν, ehedem sehr üblich waren. Auf ähnliche Art hieß ein Opfer im Angels. Tiber, von toberau, zubringen, zutragen. Man hatte ehedem noch andere gleichbedeutende Ausdrücke, wohin das Ghelstar und Ghelstro im Isidor, von gelten, das Blostar bey eben demselben, und Blot der alten mitternächtlichen Völker, das Hunsl der Gothen, und Husl der Angelsachsen, und das Vuiechuuerch des Notker gehören.
 
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Der Ōpferaltār, des -es, plur. die -täre, ein Altar, so fern er zunächst zu den Opfern, und in engerer Bedeutung zu den blutigen Opfern bestimmt ist.
 
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Das Opferfleisch, des -es, plur. inus. das Fleisch der als ein Opfer geschlachteten Thiere. Ezech. 40, 43.
 
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Das Opfergêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, ein Opfer in Gelde, Geld, welches geopfert wird; doch nur noch in einigen einzelnen Fällen. So wird in einigen Niedersächsischen Gegenden dasjenige Geld, welches man dem Gesinde, welches man behalten will, um Neujahr oder Johannis als ein Handgeld gibt, das Opfergeld, oder der Opferpfennig genannt.
 
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Das Opferhaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus oder Gebäude, in welchem einer Gottheit geopfert wird, ein Tempel; ein sonst ungewöhnliches Wort, welches 1 Chron. 7, 12 von dem Tempel zu Jerusalem vorkommt.
 
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Der Opferkasten, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, ein Kasten in der Küche, dasjenige Geld, welches freywillig zum Behuf des Gottesdienstes geschenkt wird, darein zu stecken; der Opferstock, wenn es ein hohler verschlossener Stock oder Pfahl ist, der Kirchenstock oder auch nur der Stock schlechthin.
 
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Der Ópferkūchen, des -s, plur. ut nom. sing. Kuchen, so fern sie in der ehemahligen jüdischen und heidnischen Religion der Gottheit geopfert wurden.
 
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Der Opfermann, des -es, plur. die -männer, oder Opferleute, in einigen, besonders Niedersächsischen Gegenden, ein Nahme des Küsters oder Kirchners; vermuthlich so fern er vor der Reformation die zum Behufe der Kirche und des Gottesdienstes gebrachten Opfer oder freywilligen Geschenke in Empfang nahm und verwahrete.
 
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Das Opfermêsser, des -s, plur. ut nom. sing. ein gottesdienstliches Messer, womit die Schlachtopfer geschlachtet wurden.

[Bd. 3, Sp. 607]


 

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