Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Öhlgarten bis Öhlkūchen (Bd. 3, Sp. 592 bis 593)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Der Öhlgarten, des -s, plur. die -gärten, ein Garten oder eingeschlossener Ort, welcher mit Öhlbäumen bepflanzt ist. In der Deutschen Bibel kommt es mehrmahls vor.
 
Artikelverweis 
Der Öhlgötze, des -n, plur. die -n, eine figürliche Benennung eines dummen und trägen, unthätigen, unwirksamen Menschen. Es ist ein rechter Öhlgötz, in den alten Deutschen Sprichwörtern. Anders denn Layen gekleidet seyn, mag einen Gleißner und Öhlgötzen machen, aber nicht einen Christen, Luther bey dem Frisch. In Menkens Scriptor. Th. 2, S. 1519, auch bey dem Frisch, wird der Sächsische Abgott Crodo ein Öhlgötz genannt. Die Anspielung ist so klar noch nicht. Frisch erkläret es sehr wahrscheinlich durch ein Götzenbild, welches man ehedem mit Öhl zu salben pflegte. S. Adelung J. J. Bellermann über die alte Sitte Steine zu salben, Ers. 1793, 4. Daher nennet man noch im Hennebergischen einen mit Öhl betrieften Pfosten, woran man die Lampen

[Bd. 3, Sp. 593]


zu hängen pflegt, figürlich einen Öhlgötzen. Nach andern bezeichnet es eigentlich ein geschnitztes oder gehauenes Bild der am Öhlberge in trägen Schlaf zur Unzeit versunkenen Apostel, worauf man denn einen jeden aus Dummheit trägen Menschen einen Öhlgötzen genannt. Wäre diese Erklärung die wahre, so würde dieser Ausdruck die Ableitung des Wortes Götz, von gießen, giazen, ein gegossenes und in weiterer Bedeutung ein geschnitztes Bild, bestätigen. S. Götze.
 
Artikelverweis 
Der Öhlhandel, des -s, plur. inus. der Handel mit Öhl. Daher der Öhlhändler, Fämin. die Öhlhändlerinn, eine Person, welche mit Öhl oder Öhlen handelt; im Österreichischen ein Öhler, eine Öhlerinn.
 
Artikelverweis 
Die Öhlhêfen, sing. inus, die Hefen von dem Öhle, besonders von dem Baumöhle. S. Adelung Öhldrusen.
 
Artikelverweis 
Öhlicht, adj. et adv. dem Öhle ähnlich, eine dem Öhle ähnliche Fettigkeit enthaltend. Das öhlichte Wesen mancher Früchte, Gewächse u. s. f. Öhlartig, Nieders. öljehaftig.
 
Artikelverweis 
Öhlig, adj. et adv. Öhl enthaltend, mit Öhl vermengt. Der Salat ist zu öhlig, wenn sich zu viel Baumöhl daran befindet.
 
Artikelverweis 
Die Öhlkêlter, plur. die -n, eine Kelter, in welcher das Öhl aus den Öhlbeeren gekeltert wird.
 
Artikelverweis 
* Das Öhlkind, des -es, plur. die -er, ein ungewöhnliches nur in der Deutschen Bibel befindliches Wort, einen Gesalbten zu bezeichnen. So werden Zach. 4, 14 der Fürst Serubabel, und der Hohepriester Josua Öhlkinder genannt.
 
Artikelverweis 
Der Öhlkitt, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, bey den Steinmetzen, ein aus Glas, Eisenschlacken, Ziegelmehle, gelöschtem Kalke und Leinöhle verfertigter Kitt.
 
Artikelverweis 
Der Öhlkrug, des -es, plur. die -krüge, ein Krug zum Öhle, Öhl darein zu thun. Ingleichen ein Krug mit Öhl.
 
Artikelverweis 
Der Öhlkūchen, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein mit Öhl, oder in Öhl gebackener Kuchen; in welchem Verstande dieses Wort auch einige Mahl in der Deutschen Bibel vorkommt. 2) Auch die in Gestalt großer Kuchen überbleibenden Triestern von den aus manchen Samen und Früchten gepreßten Öhlen werden Öhlkuchen genannt. Leinkuchen, Hanfkuchen, Rübsenkuchen u. s. f. solche von dem Leinsamen, Hanfe und Rübsen überbleibende Kuchen, nachdem das Öhl daraus gestampfet worden.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: