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Öhldrusen bis Öhlkêlter (Bd. 3, Sp. 592 bis 593)
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Artikelverweis Die Öhldrusen, sing. inus. die Hefen, der dicke Bodensatz des Öhles, und besonders des Baumöhles; die Öhlhefen. Ingleichen das Überbleibsel von den Öhlbeeren oder Oliven, nach ausgepreßtem Öhle; im gemeinen Leben die Öhltriestern. Bey dem Notker Oeltruosin. S. die Drusen.
 
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Öhlen, verb. reg. act. mit Öhl versehen. Den Salat öhlen, Baumöhl darauf thun; doch nur im Oberdeutschen. Geöhltes Brot, mit Öhl bestrichenes oder in Öhl gebackenes Brot, 3 Mos. 8, 26. Am häufigsten gebraucht man es noch, für mit Öhl bestreichen, mit Öhl tränken. Geöhltes Papier, welches auf beyden Seiten mit Terpenthin-Öhl bestrichen worden. Ein Schloß einöhlen oder öhlen, es mit Öhl schmieren. Ehedem gebrauchte man es auch für mit Öhl salben, daher noch die letzte Öhlung in der Römischen Kirche üblich ist, wo es die sacramentliche Salbung eines in den letzten Zügen liegenden Kranken mit dem geweiheten Öhle bedeutet.
 
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Die Öhlfarbe, plur. die -n, eine Farbe, welche mit Leinöhl, Nußöhl, oder Mohnöhl, oder auch mit einem daraus gesottenen Firnisse aufgetragen worden oder aufgetragen werden kann; im Gegensatze der Wasserfarben. Mit Öhlfarben mahlen, mit Farben, welche mit Öhl angefeuchtet sind. S. Öhlmahlerey.
 
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Der Öhlflêcken, des -s, plur. ut nom. sing. ein von Öhl verursachter Flecken.
 
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Der Öhlgarten, des -s, plur. die -gärten, ein Garten oder eingeschlossener Ort, welcher mit Öhlbäumen bepflanzt ist. In der Deutschen Bibel kommt es mehrmahls vor.
 
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Der Öhlgötze, des -n, plur. die -n, eine figürliche Benennung eines dummen und trägen, unthätigen, unwirksamen Menschen. Es ist ein rechter Öhlgötz, in den alten Deutschen Sprichwörtern. Anders denn Layen gekleidet seyn, mag einen Gleißner und Öhlgötzen machen, aber nicht einen Christen, Luther bey dem Frisch. In Menkens Scriptor. Th. 2, S. 1519, auch bey dem Frisch, wird der Sächsische Abgott Crodo ein Öhlgötz genannt. Die Anspielung ist so klar noch nicht. Frisch erkläret es sehr wahrscheinlich durch ein Götzenbild, welches man ehedem mit Öhl zu salben pflegte. S. Adelung J. J. Bellermann über die alte Sitte Steine zu salben, Ers. 1793, 4. Daher nennet man noch im Hennebergischen einen mit Öhl betrieften Pfosten, woran man die Lampen

[Bd. 3, Sp. 593]


zu hängen pflegt, figürlich einen Öhlgötzen. Nach andern bezeichnet es eigentlich ein geschnitztes oder gehauenes Bild der am Öhlberge in trägen Schlaf zur Unzeit versunkenen Apostel, worauf man denn einen jeden aus Dummheit trägen Menschen einen Öhlgötzen genannt. Wäre diese Erklärung die wahre, so würde dieser Ausdruck die Ableitung des Wortes Götz, von gießen, giazen, ein gegossenes und in weiterer Bedeutung ein geschnitztes Bild, bestätigen. S. Götze.
 
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Der Öhlhandel, des -s, plur. inus. der Handel mit Öhl. Daher der Öhlhändler, Fämin. die Öhlhändlerinn, eine Person, welche mit Öhl oder Öhlen handelt; im Österreichischen ein Öhler, eine Öhlerinn.
 
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Die Öhlhêfen, sing. inus, die Hefen von dem Öhle, besonders von dem Baumöhle. S. Adelung Öhldrusen.
 
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Öhlicht, adj. et adv. dem Öhle ähnlich, eine dem Öhle ähnliche Fettigkeit enthaltend. Das öhlichte Wesen mancher Früchte, Gewächse u. s. f. Öhlartig, Nieders. öljehaftig.
 
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Öhlig, adj. et adv. Öhl enthaltend, mit Öhl vermengt. Der Salat ist zu öhlig, wenn sich zu viel Baumöhl daran befindet.
 
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Die Öhlkêlter, plur. die -n, eine Kelter, in welcher das Öhl aus den Öhlbeeren gekeltert wird.

 

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