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Officīn bis Oh! (Bd. 3, Sp. 587 bis 590)
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Artikelverweis Die Officīn, plur. die -en, aus dem Lat. Officina, eine Werkstätte, der Ort, wo gewisse Arbeiten in Menge verfertiget werden. Man gebraucht es gemeiniglich von Fabriken, Manufacturen und andern Örtern, für welche man das Wort Werkstätte für zu niedrig und handwerksmäßig hält. Die Officin eines Buchdruckers. Auch die Apotheken werden zuweilen Officinen genannt; daher officinell, in den Apotheken gangbar, oder gebräuchlich. Officinelle Kräuter, deren man sich in der Medicin bedienet.
 
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Öffnen, verb. reg. act. offen machen, d. i. aufmachen, machen, daß andere Dinge freyen Aus- oder Zugang zu einem eingeschlossenen Raume bekommen.
   1. Eigentlich, wo dieses Wort von einem weiten Umfange der Bedeutung ist, und alle die besondern Arten unter sich begreift, wodurch andern Dingen der Zugang zu einem eingeschlossenen oder verschlossenen Raume verschaffet wird, und welche man sonst durch aufmachen, aufthun, aufschließen, aufschneiden, aufgraben, aufbrechen u. s. f. ausdruckt. Zugleich ist es edler als die meisten dieser Zeitwörter, und wird daher vornehmlich in der edlen und anständigen Schreibart gebraucht. Eine Bouteille öffnen, durch Ausziehung des Stöpfels. Die Thür öffnen, so wohl durch Aufschließung des Schlosses, als auch indem man sie aufsperret. Die Fenster öffnen. Einen Brief öffnen, ihn aufsiegeln. Ein Packet öffnen, es aufbinden, aufschneiden, aufbrechen. Die Augen öffnen, sie aufmachen, aufthun, aufschlagen. Ein Grab öffnen, durch Wegnehmung der Bedeckung; ingleichen es machen, verfertigen. Die Laufgräben öffnen, sie durch Graben verfertigen. Ein Buch öffnen, es aufschlagen, aufmachen. Jemanden eine Ader öffnen, ihm die Ader schlagen. Ein Geschwür öffnen, es aufschneiden, aufmachen. Einen todten Körper öffnen, ihn aufschneiden. Ein Schloß öffnen, es aufschließen. Der Himmel öffnet sich, thut sich auf. Die Erde öffnet sich, wenn sie sich aufthut, d. i. einen beträchtlichen Riß bekommt. In einem andern Verstande öffnet sich die Erde im Frühlinge nach dem Froste, wenn die Dünste und fruchtbaren Ausflüsse ungehindert aus derselben aufsteigen können. Die Blume öffnet sich, wenn sie sich aufschließt. Weiß und unschuldig wie die Lilie,

[Bd. 3, Sp. 588]


wenn sie am Morgenroth sich öffnet, Geßn. Den Leib öffnen, den Ausleerungen den nöthigen ungehinderten Ausgang verschaffen.
   2. Figürlich. 1) Den freyen Zugang zu etwas, den freyen Genuß, Gebrauch einer Sache verschaffen und verstatten. Die Stadt öffnete dem Überwinder die Thore, ließ ihn ungehindert einziehen. Die Magazine öffnen, das darin befindliche Getreide, jedem der es braucht, verkaufen. Das Feld, die Wiese, einen Wald öffnen, Erlaubniß ertheilen, sie mit dem Viehe zu betreiben, S. Adelung Offen. Das bescheidene Verdienst öffnet sich den Zutritt bey den Hohen und Niedrigen zugleich, Gell. Sich durch Ungestüm und Wuth der Bahn der Ungebundenheit öffnen, ebend. Welches Feld von Tugenden öffnet nicht bloß die gemeinschaftliche Erziehung ihrer Kinder! ebend. Ihm öffnete sein hoher Stand ihr Haus, ebend. 2. Jemanden sein Herz öffnen, ihm desselbe entdecken, ihm seine Gedanken und Empfindungen bekannt machen. Da sie mir ihr Herz so weit geöffnet haben, so sehen sie mich nunmehr vollends als ihren Vertrauten an, Weiße. Kein einziger öffnete mir sein Herz, Dusch. O, wie weit hätte mir das alles mein Herz öffnen können! entdecken. 3) Jemanden die Augen öffnen, ihm Einsicht und Erkenntniß verschaffen, in der Deutschen Bibel Luc. 24, 45, ihm das Verständniß öffnen. Die Schrift öffnen, erklären; nur in der Deutschen Bibel, Luc. 24, 45. Ehedem wurde es in noch weiterer Bedeutung für beweisen, offenbaren, ja für erzählen und bekannt machen überhaupt gebraucht.
   Anm. Schon im Isidor, sogar in der letzten figürlichen Bedeutung offonon, bey dem Ottfried und Willeram offenen, im Angels. openian, im Nieders. apenen, im Schwed. öpna. Es ist von dem Nebenworte offen, vermittelst der Endung des Infinitives -en gebildet; öffnen für offenen.
 
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Der Öffner, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Seidenwebern, ein grober Kamm von knöchernen oder elfenbeinernen Zähnen, vermittelst dessen die Kette aufgebäumet wird. Auch bey andern Webern führet der Riedkamm diesen Nahmen. Im gemeinen Leben lautet dieses Wort auch Afner, Affner; indessen scheinet es doch von öffnen abzustammen.
 
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Die Öffnung, plur. die -en, so wohl die Handlung des Öffnens, ohne Plural, als auch der geöffnete Ort selbst. In der ersten Bedeutung der Handlung ist es in allen Fällen des Zeitwortes üblich. Die Öffnung der Thür, eines Briefes, der Augen u. s. f. Ingleichen der Zustand, da man offenen Leibes ist. Öffnung haben, bekommen. Keine Öffnung haben, verstopft seyn. In der Bedeutung eines geöffneten Ortes ist es in der edlen und anständigen Sprechart von eben so weitem Umfange als das Zeitwort selbst, indem es jeden Ort bedeutet, durch welchen der freye Zu- oder Ausgang zu oder aus einem eingeschlossenen oder verschlossenen Raume verstattet wird, welchen Ort man im gemeinen Leben ein Loch nennet. Eine Öffnung in ein Geschwür machen. Die Öffnung in der Bouteille u. s. f. Notker gebraucht Offenunga in der veralteten Bedeutung der Offenbarung.
 
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Das Öffnungsrêcht, des -es, plur. die -e, das Recht, nach welchem der Besitzer eines Schlosses gehalten ist, dasselbe dem Lehensherren zu allen Zeiten, oder auch nur in einigen Fällen zu öffnen, d. i. ihm den freyen Zugang zu demselben zu verstatten; Jus aporturae
 
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Oft, - öfter, am öftesten, adv. 1) Mehr als Ein Mahl, ohne den Nebenbegriff der Vielheit; mehrmahls. Ein gutes Wort richtet oft mehr aus, als ein böses. Man sagt oft ein Wort, welches man nicht so meinet. Besonders mit den Partikeln wie und so. Wie oft? Antw. Nur Ein Mahl, zwey Mahl, drey Mahl u. s. f. Erinnere ihn daran, so oft du ihn siehest. Ich sehe

[Bd. 3, Sp. 589]


ihn öfter als du, Cajus aber am öftesten. Eine Übermaße von Freude verursacht den Tod öfter als man wohl denkt. 2) In engerer Bedeutung, mit dem Nebenbegriffe der Vielheit; vielmahls. Unverhofft kommt oft. Ich habe es dir schon oft gesagt. Es geschiehet oft, daß man nicht weiß was man sagt. Schreibe mir fein oft. Das habe ich schon oft gehöret. Ich habe dich oft genug gewarnet. Nicht oft. Gar oft, sehr oft. Mehr als zu oft, sehr oft. Das geschiehet nur mehr als zu oft. Ich habe dir es schon so oft gesagt, sehr oft. Wie oft habe ich zu dir hingeseufzet? Dusch. Denn oft, wenn wir im Schatten bey der Herde sitzen, dann reden wir von dir, Geßn. Wer oft schwöret, sündiget oft, Sir. 23, 12.
   Anm. Schon im Isidor, bey dem Kero, Ottfried u. s. f. ofto, bey dem Ulphilas ufta, im Angels. und Isländ. oft, im Dän. und Schwed. ofte, ofta, im Engl. often. Es ist aller Anschein vorhanden, daß es mit dem Angels. und Engl. eft, dem Goth. aftra, dem Isländ. aptur, und dem Griech. αψ und αυθσι, wiederum, nochmahls, zu dem Geschlechte des im Hochdeutschen veralteten aber, wiederum, gehöret. Das Lat. saepe, unterscheidet sich von der Stammsylbe ab, of, bloß durch den zufälligen Zischlaut. Ehedem war es auch als ein Beywort üblich, wofür im Tatian oftiga vorkommt. Statt des Beywortes gebrauchen wir jetzt das folgende öfter und oftmahlig. Der Superlativ am öftesten, und in einigen Gegenden zum öftesten, ist analogisch völlig richtig, er wird aber doch im gemeinen Leben öfter gebraucht, als in der edlen Schreibart.
 
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Öfter, adj. et adv. von dem vorigen Nebenworte, in dessen ersten Bedeutung, mehrmahlig, mehr. Die Belagerten thaten öftere Ausfälle, mehrmahlige. Es wurden öftere Schlachten geliefert, mehrere, verschiedene. Der öftere Gebrauch des Abendmahles. Zum öftern, mehrmahls. Ingleichen als ein Nebenwort. Den Menschen habe ich schon öfter gesehen, mehrmahls. Ich habe den Brief öfter durchgelesen, mehr als Ein Mahl; wo es nicht der Comparativ von oft ist. S. Adelung Öfters. In der zweyten Bedeutung des Wortes oft, für vielmahls, ist oftmahlig üblich.
   Anm. Die meisten Sprachlehrer halten dieses Beywort für den Comparativ von dem vorigen oft. Allein es ist eben so gut ein eigenes Beywort als ober, nieder, äußer, hinter, vorder, sauer u. s. f. weil wir eine eigene Ableitungssylbe -er haben, welche Beywörter bildet, besonders aus solchen Nebenwörtern, welche nicht als Adjective gebraucht werden können, wie außen, oben, unten, hinten, oft. Der Comparativ ist um des Wohlklanges willen wenig üblich, aber der Superlativ öfterste kommt in der vertraulichen Sprechart oft genug vor, besonders als ein Nebenwort, am öftersten, zum öftersten, für das minder übliche am öftesten, zum öftesten. Dieser Superlativ könnte nicht Statt finden, wenn öfter der Comparativ wäre, weil die Beywörter das r des Comparativs im Superlative wieder wegwerfen. S. Adelung Hinter.
 
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Öfters, adv. von dem vorigen Beyworte, welches für öfter, mehrmahls, mehr als Ein Mahl, nur im gemeinen Leben üblich ist. Man spricht öfters etwas, was man nicht so meint. Ich habe dich schon öfters gesehen. Wie öfters, für wie oft, ist im Hochdeutschen ungangbar.
   Und wie öfters bläht die hohe Dame
   Nichts als ihr Nahme?
   Zach.
 
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Oftmahlig, adj. von dem Nebenworte oft in dessen zweyten Bedeutung, was oft oder vielmahls ist oder geschiehet; vielmahlig. Ihre oftmahligen Zusammenkünfte. Die oftmahlige Wiederholung. Meine oftmahligen Schreiben.

[Bd. 3, Sp. 590]



 
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Oftmahls, das Nebenwort des vorigen Beywortes, für oft, in dessen zweyten Bedeutung; im gemeinen Leben auch oftmahlen und öftermahls. Ich habe es ihm schon oftmahls gesagt, schon oft. Er errettete sie oftmahls, Ps. 106, 43. So wohl dieß als das vorige, werden in der edlen Schreibart gern vermieden, außer daß die Dichter sie zuweilen um des Sylbenmaßes willen gebrauchen.
   Vernunft, zu oftmahls sclavisch, ergriff jetzt die Partey
   Der mächtigern Begierden,
   Dusch.
 
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Oh! S. 1 O.

 

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