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Offenherzig bis Öffnen (Bd. 3, Sp. 585 bis 587)
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Artikelverweis  Offenherzig, -er, -ste, adj. et adv. ein offenes Herz habend, d. i. seine Gedanken und Empfindungen andern ohne Zurückhaltung

[Bd. 3, Sp. 586]


entdeckend, und in dieser Eigenschaft gegründet. Ein offenherziger Mensch. Sie sind sehr offenherzig, daß sie mir auch ihre Thorheiten nicht verschweigen. Gegen jemanden offenherzig seyn. Ein offenherziges Bekenntniß ablegen. Du gehst nicht offenherzig mit mir um. In engerer Bedeutung ist man offenherzig, wenn man einem andern alle heilsame Nachrichten auf daß möglichste entdeckt.
 
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Die Offenhêrzigkeit, plur. inus. die Eigenschaft, da man offenherzig ist.
 
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* Offenkündig, -er, -ste, adj. et adv. welches nur im Oberdeutschen für jedermann bekannt, notorisch, üblich ist. Eine offenkündige Sache. Daher die Offenkündigkeit.
 
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Das Offenstück, des -es, plur. die -e, bey den Gärtnern, eine Art Luststücke, wo man vermittelst der Gänge zwischen den Feldern überall frey ein- und ausgehen kann, ohne überzuschreiten; Franz. Parterre de Pieces coupées, eigentlich ein offenes Stück.
 
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Öffentlich, -er, -ste, adj. et adv. 1) Was vor allen Leuten, vor jedermann ist und geschiehet; im Gegensatze des geheim oder verborgen. Sich nicht öffentlich sehen lassen. Eine öffentliche Buße. Öffentliche Sünden, öffentliche Schande. Öffentlich beschimpft werden. Öffentlich speisen. Ein öffentliches Ärgerniß. Sich öffentlich hören lassen. Man spricht öffentlich davon. Der öffentliche Gottesdienst, wo jedem der Zutritt verstattet, jeder durch das Geläut der Glocken dazu eingeladen, und jede gottesdienstliche Handlung vor jedermann verrichtet wird; im Gegensatze des Privat-Gottesdienstes und Hausgottesdienstes. Öffentlich (vor den Leuten) spielten sie die Rolle der Gleichgültigkeit sehr glücklich. 2) Zu jedermanns Gebrauche bestimmt. Ein öffentlicher Ort. Auf öffentlichen Gassen. Auf öffentlichem Markte. Öffentliche Gebäude. Ein öffentliches Wirthshaus. 3) In engerm Verstande, eine große bürgerliche Gesellschaft betreffend. Ein öffentliches Amt. Öffentliche Verbrechen, welche wider das Band des Landesherren und der Unterthanen begangen werden.
   Anm. Im Oberdeutschen offentlich. Es ist aus offen und lich zusammen gesetzet, und lautet daher im Kero, Isidor, und selbst noch bey den Schwäbischen Dichtern, offanliih, offenlih. Das t ist das t euphonicum, welches dem n in mehrern Wörtern nachschleicht, S. Adelung N und T. Im Oberdeutschen wurde es ehedem auch sehr häufig für offenbar gebraucht, so wie Ottfried für öffentlich nur offen, offen, hat.
 
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Die Öffentlichkeit, plur. inus. die Eigenschaft einer Sache, da sie öffentlich ist, oder geschiehet, in allen Bedeutungen dieses Wortes.
 
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Der Officiāl, des -es, plur. die -e, aus dem mittlern Lat. Officialis, in der Römischen Kirche, der Vorgesetzte eines geistlichen Gerichtes, welcher in einem geistlichen Gerichte im Nahmen des Bischofes den Vorsitz hat, und dessen Stelle vertritt. Daher das Officialāt, dessen Amt und Würde. Das Officialat-Gericht, ein geistliches bischöfliches Gericht, dessen Stelle bey den Protestanten die Consistorien oder Kirchenräthe vertreten. Die Officiale und ihre Gerichte kamen ungefähr im 12ten und 13ten Jahrhunderte anstatt der Archi-Diaconen und ihrer Gerichte auf, welche sich durch ihre Ausschweifungen, Härte, und Gierigkeit bey jedermann verhaßt gemacht hatten.
 
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Der Officiánt, des -en, plur. die -en, aus dem mittlern Lat. officians, ein jeder, welcher ein öffentliches Amt geringerer Art bekleidet, ein Unterbedienter, welcher den Beamten hilft oder an die Hand gehet. Die Officianten aus der Buchhalterey. Die Münz-Officianten. Zuweilen werden auch wohl die Arbeiter einer Officin Officianten genannt. An den Höfen sind die Officianten

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Hofbedienten geringer Art, welche keine Livree tragen.
 
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Der Officīer, des -s, plur. ut nom. sing. sehr häufig auch die -s, aus dem Franz. Officier, aber mit Deutscher Aussprache. 1) Ein jeder, welcher ein Amt, besonders ein öffentliches Amt bekleidet, in welchem Verstande auch das Franz. Officier gebraucht wird. Im Deutschen ist es in dieser weitern Bedeutung nur in einigen Oberdeutschen Gegenden üblich. Rait-Officier sind im Österreichischen die Beamten der kaiserl. königl. Cameral-Haupt-Buchhalterey. Das Kriegszahlamt zu Wien bestehet aus einem Kriegszahlmeister und verschiedenen Officieren. Das oberste Schiffamt zu Wien hat einen adeligen Schiffamtsobersten und einen Amts-Officier. Das kaiserl. königl. Waldamt in Nieder-Österreich hat einen adeligen Waldmeister, einen Waldschaffer und verschiedene Waldamts-Officier. Wo es zuweilen auch wie Officiant nur die Schreiber, Kanzellisten und andere Unterbeamten zu bezeichnen scheinet. Hingegen werden in Mähren der oberste Landkämmerer, der oberste Landrichter und der oberste Landschreiber, die drey obersten Land-Officierer (Officier) genannt. 2) In engerer und im Hochdeutschen gewöhnlicherer Bedeutung werden nur die Beamten oder Befehlshaber bey den Soldaten Officier genannt. Unter-Officier, die erste Staffel der Officier nach den Gemeinen; zum Unterschiede von den Ober-Officieren, welche auch nur Officier schlechthin genannt werden, und wozu die Fähnriche, Lieutenants und Capitäns und Rittmeister gehören. Die Stabs-Officier, die höhern Officier von dem Major an.
 
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Die Officīn, plur. die -en, aus dem Lat. Officina, eine Werkstätte, der Ort, wo gewisse Arbeiten in Menge verfertiget werden. Man gebraucht es gemeiniglich von Fabriken, Manufacturen und andern Örtern, für welche man das Wort Werkstätte für zu niedrig und handwerksmäßig hält. Die Officin eines Buchdruckers. Auch die Apotheken werden zuweilen Officinen genannt; daher officinell, in den Apotheken gangbar, oder gebräuchlich. Officinelle Kräuter, deren man sich in der Medicin bedienet.
 
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Öffnen, verb. reg. act. offen machen, d. i. aufmachen, machen, daß andere Dinge freyen Aus- oder Zugang zu einem eingeschlossenen Raume bekommen.
   1. Eigentlich, wo dieses Wort von einem weiten Umfange der Bedeutung ist, und alle die besondern Arten unter sich begreift, wodurch andern Dingen der Zugang zu einem eingeschlossenen oder verschlossenen Raume verschaffet wird, und welche man sonst durch aufmachen, aufthun, aufschließen, aufschneiden, aufgraben, aufbrechen u. s. f. ausdruckt. Zugleich ist es edler als die meisten dieser Zeitwörter, und wird daher vornehmlich in der edlen und anständigen Schreibart gebraucht. Eine Bouteille öffnen, durch Ausziehung des Stöpfels. Die Thür öffnen, so wohl durch Aufschließung des Schlosses, als auch indem man sie aufsperret. Die Fenster öffnen. Einen Brief öffnen, ihn aufsiegeln. Ein Packet öffnen, es aufbinden, aufschneiden, aufbrechen. Die Augen öffnen, sie aufmachen, aufthun, aufschlagen. Ein Grab öffnen, durch Wegnehmung der Bedeckung; ingleichen es machen, verfertigen. Die Laufgräben öffnen, sie durch Graben verfertigen. Ein Buch öffnen, es aufschlagen, aufmachen. Jemanden eine Ader öffnen, ihm die Ader schlagen. Ein Geschwür öffnen, es aufschneiden, aufmachen. Einen todten Körper öffnen, ihn aufschneiden. Ein Schloß öffnen, es aufschließen. Der Himmel öffnet sich, thut sich auf. Die Erde öffnet sich, wenn sie sich aufthut, d. i. einen beträchtlichen Riß bekommt. In einem andern Verstande öffnet sich die Erde im Frühlinge nach dem Froste, wenn die Dünste und fruchtbaren Ausflüsse ungehindert aus derselben aufsteigen können. Die Blume öffnet sich, wenn sie sich aufschließt. Weiß und unschuldig wie die Lilie,

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wenn sie am Morgenroth sich öffnet, Geßn. Den Leib öffnen, den Ausleerungen den nöthigen ungehinderten Ausgang verschaffen.
   2. Figürlich. 1) Den freyen Zugang zu etwas, den freyen Genuß, Gebrauch einer Sache verschaffen und verstatten. Die Stadt öffnete dem Überwinder die Thore, ließ ihn ungehindert einziehen. Die Magazine öffnen, das darin befindliche Getreide, jedem der es braucht, verkaufen. Das Feld, die Wiese, einen Wald öffnen, Erlaubniß ertheilen, sie mit dem Viehe zu betreiben, S. Adelung Offen. Das bescheidene Verdienst öffnet sich den Zutritt bey den Hohen und Niedrigen zugleich, Gell. Sich durch Ungestüm und Wuth der Bahn der Ungebundenheit öffnen, ebend. Welches Feld von Tugenden öffnet nicht bloß die gemeinschaftliche Erziehung ihrer Kinder! ebend. Ihm öffnete sein hoher Stand ihr Haus, ebend. 2. Jemanden sein Herz öffnen, ihm desselbe entdecken, ihm seine Gedanken und Empfindungen bekannt machen. Da sie mir ihr Herz so weit geöffnet haben, so sehen sie mich nunmehr vollends als ihren Vertrauten an, Weiße. Kein einziger öffnete mir sein Herz, Dusch. O, wie weit hätte mir das alles mein Herz öffnen können! entdecken. 3) Jemanden die Augen öffnen, ihm Einsicht und Erkenntniß verschaffen, in der Deutschen Bibel Luc. 24, 45, ihm das Verständniß öffnen. Die Schrift öffnen, erklären; nur in der Deutschen Bibel, Luc. 24, 45. Ehedem wurde es in noch weiterer Bedeutung für beweisen, offenbaren, ja für erzählen und bekannt machen überhaupt gebraucht.
   Anm. Schon im Isidor, sogar in der letzten figürlichen Bedeutung offonon, bey dem Ottfried und Willeram offenen, im Angels. openian, im Nieders. apenen, im Schwed. öpna. Es ist von dem Nebenworte offen, vermittelst der Endung des Infinitives -en gebildet; öffnen für offenen.

 

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