Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Offenbaren bis Officiāl (Bd. 3, Sp. 584 bis 586)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Offenbaren, verb. reg. act. 1. Bekannt machen. Der Herr lässet sein Heil verkündigen, vor den Völkern lässet er seine Gerechtigkeit offenbaren, Ps. 98, 2; und so in andern Stellen mehr. Es ist in dieser weitern Bedeutung im Hochdeutschen veraltet, außer daß man in der zurück kehrenden Form noch zuweiten im gemeinen Leben sagt, es wird sich bald offenbaren, was an der Sache ist, es wird bald bekannt werden. Auch in der biblischen

[Bd. 3, Sp. 585]


Schreibart sagt man noch, Gott habe sich im Reiche der Natur durch seine Werke offenbaret, d. i. den Menschen bekannt gemacht. Man gebraucht es, 2. nur noch in zwey engern Bedeutungen. 1) Eine geheime, verborgene Sache Einem oder mehrern bekannt machen; gleichfalls mit der dritten Endung der Person, und der vierten der Sache. Jemanden ein Geheimniß offenbaren. Einem sein Herz, ein Anliegen offenbaren. Sich einem offenbaren, ihm seine Heimlichkeiten entdecken. Der Verbrecher hat alles offenbaret, wofür doch entdecken üblicher ist. Dem Beichtvater seine Sünden offenbaren. Offenbare nicht eines andern Heimlichkeit, Sprichw. 25, 9.
   Gleich wird sichs offenbaren,
   Wer unter euch den Kranz mit Ehren trägt,
   Gell. 2) In noch engerer und theologischer Bedeutung, übernatürliche Wahrheiten bekannt machen. In diesem Verstande hat Gott den Menschen den Weg zur Seligkeit, die Heilsordnung geoffenbaret. Geoffenbarte Wahrheiten, Pflichten u. s. f. Siehe Offenbarung.
   Anm. Nieders. apenbaren, Schwed. uppenbara. Bey dem Ottfried und Notker nur offenen, und selbst im Theuerdanke noch öffnen, wovon noch unser Eröffnen üblich ist. Die Weglassung des Augmenti ge, er hat es offenbaret, ist ein Fehler.
 
Artikelverweis 
Offenbarlich, -er, -ste, adj. et adv. welches im Hochdeutschen ganz fremd ist, aber noch mehrmahls in der Deutschen Bibel, für offenbar, bekannt, unverhüllt, öffentlich, vorkommt.
 
Artikelverweis 
Die Offenbarung plur. die -en, von dem Zeitworte offenbaren. 1. Die Handlung des Offenbarens. 1) * Überhaupt, eine jede Bekanntmachung; in welchem Verstande es außer der biblischen Schreibart veraltet ist. Wir gehen auch nicht mit Schalkheit um, sondern mit Offenbarung der Wahrheit, 2 Cor. 4, 2. Der Tag der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, Röm. 2, 5. 2) In engerer Bedeutung, die Bekanntmachung einer verborgenen Sache. Man kann alles versöhnen, ausgenommen die Schmach, Verachtung, Offenbarung der Heimlichkeit und böse Tücke, Sir. 22, 27. 3) In noch engerer theologischer Bedeutung, die Bekanntmachung übernatürlicher Wahrheiten von Gott. Manche Schwärmer rühmen sich noch jetzt, daß sie göttliche Offenbarungen haben oder bekommen. 2. Die bekannt gemachte Sache selbst, die geoffenbarten Kenntnisse; wo es nur allein im theologischen Verstande üblich ist, bekannt gemachte vorher unbekannte Kenntnisse zu bezeichnen. Die Offenbarung Johannis, der ganze Umfang aller ihm geoffenbarten Dinge, und das Buch, worin sie aufgezeichnet sind, welches in den ältern Übersetzungen vor Luthern das Buch der Tugenheit heißt, d. i. der Verborgenheit, von tugen, verborgen. Besonders die bekannt gemachten Wahrheiten von Gott und unserm Verhältnisse gegen ihn, und deren ganzer Umfang. Die allgemeinere oder entferntere Offenbarung, die aus dem Daseyn und Zusammenhange aller natürlichen Dinge bekannten Wahrheiten von Gott; im Gegensatze der nähern Offenbarung Gottes, der durch die veranstaltete Versöhnung von ihm bekannt gewordenen Wahrheiten. In der engsten Bedeutung ist die nähere Offenbarung, die durch symbolische Erkenntnißzeichen geschehene Bekanntmachung der nöthigen Heilswahrheiten, da denn in weiterm Verstande auch wohl die ganze heil. Schrift, ob sie gleich nicht lauter geoffenbarte Wahrheiten enthält, die göttliche Offenbarung, oder die Offenbarung schlechthin genannt wird.
   Bey dem Notker nur Offenunga, Öffnung.
 
Artikelverweis 
Die Offenheit, plur. inus. von offen 3. 7), die Eigenschaft, da man offen, d. i. frey, ohne Zurückhaltung und Verstellung ist.
 
Artikelverweis 
Offenherzig, -er, -ste, adj. et adv. ein offenes Herz habend, d. i. seine Gedanken und Empfindungen andern ohne Zurückhaltung

[Bd. 3, Sp. 586]


entdeckend, und in dieser Eigenschaft gegründet. Ein offenherziger Mensch. Sie sind sehr offenherzig, daß sie mir auch ihre Thorheiten nicht verschweigen. Gegen jemanden offenherzig seyn. Ein offenherziges Bekenntniß ablegen. Du gehst nicht offenherzig mit mir um. In engerer Bedeutung ist man offenherzig, wenn man einem andern alle heilsame Nachrichten auf daß möglichste entdeckt.
 
Artikelverweis 
Die Offenhêrzigkeit, plur. inus. die Eigenschaft, da man offenherzig ist.
 
Artikelverweis 
* Offenkündig, -er, -ste, adj. et adv. welches nur im Oberdeutschen für jedermann bekannt, notorisch, üblich ist. Eine offenkündige Sache. Daher die Offenkündigkeit.
 
Artikelverweis 
Das Offenstück, des -es, plur. die -e, bey den Gärtnern, eine Art Luststücke, wo man vermittelst der Gänge zwischen den Feldern überall frey ein- und ausgehen kann, ohne überzuschreiten; Franz. Parterre de Pieces coupées, eigentlich ein offenes Stück.
 
Artikelverweis 
Öffentlich, -er, -ste, adj. et adv. 1) Was vor allen Leuten, vor jedermann ist und geschiehet; im Gegensatze des geheim oder verborgen. Sich nicht öffentlich sehen lassen. Eine öffentliche Buße. Öffentliche Sünden, öffentliche Schande. Öffentlich beschimpft werden. Öffentlich speisen. Ein öffentliches Ärgerniß. Sich öffentlich hören lassen. Man spricht öffentlich davon. Der öffentliche Gottesdienst, wo jedem der Zutritt verstattet, jeder durch das Geläut der Glocken dazu eingeladen, und jede gottesdienstliche Handlung vor jedermann verrichtet wird; im Gegensatze des Privat-Gottesdienstes und Hausgottesdienstes. Öffentlich (vor den Leuten) spielten sie die Rolle der Gleichgültigkeit sehr glücklich. 2) Zu jedermanns Gebrauche bestimmt. Ein öffentlicher Ort. Auf öffentlichen Gassen. Auf öffentlichem Markte. Öffentliche Gebäude. Ein öffentliches Wirthshaus. 3) In engerm Verstande, eine große bürgerliche Gesellschaft betreffend. Ein öffentliches Amt. Öffentliche Verbrechen, welche wider das Band des Landesherren und der Unterthanen begangen werden.
   Anm. Im Oberdeutschen offentlich. Es ist aus offen und lich zusammen gesetzet, und lautet daher im Kero, Isidor, und selbst noch bey den Schwäbischen Dichtern, offanliih, offenlih. Das t ist das t euphonicum, welches dem n in mehrern Wörtern nachschleicht, S. Adelung N und T. Im Oberdeutschen wurde es ehedem auch sehr häufig für offenbar gebraucht, so wie Ottfried für öffentlich nur offen, offen, hat.
 
Artikelverweis 
Die Öffentlichkeit, plur. inus. die Eigenschaft einer Sache, da sie öffentlich ist, oder geschiehet, in allen Bedeutungen dieses Wortes.
 
Artikelverweis 
Der Officiāl, des -es, plur. die -e, aus dem mittlern Lat. Officialis, in der Römischen Kirche, der Vorgesetzte eines geistlichen Gerichtes, welcher in einem geistlichen Gerichte im Nahmen des Bischofes den Vorsitz hat, und dessen Stelle vertritt. Daher das Officialāt, dessen Amt und Würde. Das Officialat-Gericht, ein geistliches bischöfliches Gericht, dessen Stelle bey den Protestanten die Consistorien oder Kirchenräthe vertreten. Die Officiale und ihre Gerichte kamen ungefähr im 12ten und 13ten Jahrhunderte anstatt der Archi-Diaconen und ihrer Gerichte auf, welche sich durch ihre Ausschweifungen, Härte, und Gierigkeit bey jedermann verhaßt gemacht hatten.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: