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Offenbar bis Öffentlichkeit (Bd. 3, Sp. 584 bis 586)
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Artikelverweis  Offenbar, -er, -ste, adj. et adv. 1) Offen, auf allen Seiten durch nichts eingeschränkt; in welchem Verstande man es nur noch in dem Ausdrucke die offenbare See gebraucht, das hohe, dem Anblicke nach auf allen Seiten unbegränzte Meer. 2) * Bloß, unbedeckt; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher man nur noch in einigen Gegenden, z. B. in der Lausitz, den Barfrost, d. i. den ohne vorher gegangenen Schnee eintretenden Frost, einen offenbaren Frost zu nennen pflegt. 3) Von jedermann dafür erkannt. Es ist eine offenbare Lüge. Die offenbare Wahrheit. Es ist offenbar, daß dieß schon mehrmahls geschehen ist. Ein offenbarer Feind, im Gegensatze eines heimlichen oder verborgenen Feindes. Ein offenbares Wunder. Offenbare Sünden, welche von jedermann für Sünden erkannt werden. Bey dem Menschen waltet offenbar ein anderes Naturgesetz über die Succession seiner Ideen, Herd. 4) * Bekannt. Wenn dein Wort offenbar wird, so erfreuet es, Ps. 119, 130. Vieler Herzen Gedanken werden offenbar werden, Luc. 2, 35. Denn daß man weiß, daß Gott sey, ist ihnen offenbar, Röm. 1, 19. In dieser Bedeutung ist es im Hochdeutschen größten Theils veraltet, ob es gleich noch hin und wieder in den Kanzelleyen gebraucht wird, wo auch offenkündig für offenbar vorkommt. Der Thäter ist noch nicht offenbar, noch nicht bekannt.
   Anm. Bey dem Stryker schon offenbar, im Nieders. apenbar. Es ist von offen und bar zusammen gesetzet, von welchen auch ehedem jedes für sich allein für offenbar gebraucht wurde, daher die Zusammensetzung bloß um des mehrern Nachdruckes willen geschehen zu seyn scheinet. In dem Isidor und bey dem Ottfried heißt offenbar beständig offen. Der Regel nach liegt der Ton auf der ersten Sylbe als der Stammsylbe des Hauptwortes. Allein in der nachdrücklichen Rede legt man ihn oft auf die Ableitungssylbe bar.
 
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Offenbaren, verb. reg. act. 1. Bekannt machen. Der Herr lässet sein Heil verkündigen, vor den Völkern lässet er seine Gerechtigkeit offenbaren, Ps. 98, 2; und so in andern Stellen mehr. Es ist in dieser weitern Bedeutung im Hochdeutschen veraltet, außer daß man in der zurück kehrenden Form noch zuweiten im gemeinen Leben sagt, es wird sich bald offenbaren, was an der Sache ist, es wird bald bekannt werden. Auch in der biblischen

[Bd. 3, Sp. 585]


Schreibart sagt man noch, Gott habe sich im Reiche der Natur durch seine Werke offenbaret, d. i. den Menschen bekannt gemacht. Man gebraucht es, 2. nur noch in zwey engern Bedeutungen. 1) Eine geheime, verborgene Sache Einem oder mehrern bekannt machen; gleichfalls mit der dritten Endung der Person, und der vierten der Sache. Jemanden ein Geheimniß offenbaren. Einem sein Herz, ein Anliegen offenbaren. Sich einem offenbaren, ihm seine Heimlichkeiten entdecken. Der Verbrecher hat alles offenbaret, wofür doch entdecken üblicher ist. Dem Beichtvater seine Sünden offenbaren. Offenbare nicht eines andern Heimlichkeit, Sprichw. 25, 9.
   Gleich wird sichs offenbaren,
   Wer unter euch den Kranz mit Ehren trägt,
   Gell. 2) In noch engerer und theologischer Bedeutung, übernatürliche Wahrheiten bekannt machen. In diesem Verstande hat Gott den Menschen den Weg zur Seligkeit, die Heilsordnung geoffenbaret. Geoffenbarte Wahrheiten, Pflichten u. s. f. Siehe Offenbarung.
   Anm. Nieders. apenbaren, Schwed. uppenbara. Bey dem Ottfried und Notker nur offenen, und selbst im Theuerdanke noch öffnen, wovon noch unser Eröffnen üblich ist. Die Weglassung des Augmenti ge, er hat es offenbaret, ist ein Fehler.
 
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Offenbarlich, -er, -ste, adj. et adv. welches im Hochdeutschen ganz fremd ist, aber noch mehrmahls in der Deutschen Bibel, für offenbar, bekannt, unverhüllt, öffentlich, vorkommt.
 
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Die Offenbarung plur. die -en, von dem Zeitworte offenbaren. 1. Die Handlung des Offenbarens. 1) * Überhaupt, eine jede Bekanntmachung; in welchem Verstande es außer der biblischen Schreibart veraltet ist. Wir gehen auch nicht mit Schalkheit um, sondern mit Offenbarung der Wahrheit, 2 Cor. 4, 2. Der Tag der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, Röm. 2, 5. 2) In engerer Bedeutung, die Bekanntmachung einer verborgenen Sache. Man kann alles versöhnen, ausgenommen die Schmach, Verachtung, Offenbarung der Heimlichkeit und böse Tücke, Sir. 22, 27. 3) In noch engerer theologischer Bedeutung, die Bekanntmachung übernatürlicher Wahrheiten von Gott. Manche Schwärmer rühmen sich noch jetzt, daß sie göttliche Offenbarungen haben oder bekommen. 2. Die bekannt gemachte Sache selbst, die geoffenbarten Kenntnisse; wo es nur allein im theologischen Verstande üblich ist, bekannt gemachte vorher unbekannte Kenntnisse zu bezeichnen. Die Offenbarung Johannis, der ganze Umfang aller ihm geoffenbarten Dinge, und das Buch, worin sie aufgezeichnet sind, welches in den ältern Übersetzungen vor Luthern das Buch der Tugenheit heißt, d. i. der Verborgenheit, von tugen, verborgen. Besonders die bekannt gemachten Wahrheiten von Gott und unserm Verhältnisse gegen ihn, und deren ganzer Umfang. Die allgemeinere oder entferntere Offenbarung, die aus dem Daseyn und Zusammenhange aller natürlichen Dinge bekannten Wahrheiten von Gott; im Gegensatze der nähern Offenbarung Gottes, der durch die veranstaltete Versöhnung von ihm bekannt gewordenen Wahrheiten. In der engsten Bedeutung ist die nähere Offenbarung, die durch symbolische Erkenntnißzeichen geschehene Bekanntmachung der nöthigen Heilswahrheiten, da denn in weiterm Verstande auch wohl die ganze heil. Schrift, ob sie gleich nicht lauter geoffenbarte Wahrheiten enthält, die göttliche Offenbarung, oder die Offenbarung schlechthin genannt wird.
   Bey dem Notker nur Offenunga, Öffnung.
 
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Die Offenheit, plur. inus. von offen 3. 7), die Eigenschaft, da man offen, d. i. frey, ohne Zurückhaltung und Verstellung ist.
 
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Offenherzig, -er, -ste, adj. et adv. ein offenes Herz habend, d. i. seine Gedanken und Empfindungen andern ohne Zurückhaltung

[Bd. 3, Sp. 586]


entdeckend, und in dieser Eigenschaft gegründet. Ein offenherziger Mensch. Sie sind sehr offenherzig, daß sie mir auch ihre Thorheiten nicht verschweigen. Gegen jemanden offenherzig seyn. Ein offenherziges Bekenntniß ablegen. Du gehst nicht offenherzig mit mir um. In engerer Bedeutung ist man offenherzig, wenn man einem andern alle heilsame Nachrichten auf daß möglichste entdeckt.
 
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Die Offenhêrzigkeit, plur. inus. die Eigenschaft, da man offenherzig ist.
 
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* Offenkündig, -er, -ste, adj. et adv. welches nur im Oberdeutschen für jedermann bekannt, notorisch, üblich ist. Eine offenkündige Sache. Daher die Offenkündigkeit.
 
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Das Offenstück, des -es, plur. die -e, bey den Gärtnern, eine Art Luststücke, wo man vermittelst der Gänge zwischen den Feldern überall frey ein- und ausgehen kann, ohne überzuschreiten; Franz. Parterre de Pieces coupées, eigentlich ein offenes Stück.
 
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Öffentlich, -er, -ste, adj. et adv. 1) Was vor allen Leuten, vor jedermann ist und geschiehet; im Gegensatze des geheim oder verborgen. Sich nicht öffentlich sehen lassen. Eine öffentliche Buße. Öffentliche Sünden, öffentliche Schande. Öffentlich beschimpft werden. Öffentlich speisen. Ein öffentliches Ärgerniß. Sich öffentlich hören lassen. Man spricht öffentlich davon. Der öffentliche Gottesdienst, wo jedem der Zutritt verstattet, jeder durch das Geläut der Glocken dazu eingeladen, und jede gottesdienstliche Handlung vor jedermann verrichtet wird; im Gegensatze des Privat-Gottesdienstes und Hausgottesdienstes. Öffentlich (vor den Leuten) spielten sie die Rolle der Gleichgültigkeit sehr glücklich. 2) Zu jedermanns Gebrauche bestimmt. Ein öffentlicher Ort. Auf öffentlichen Gassen. Auf öffentlichem Markte. Öffentliche Gebäude. Ein öffentliches Wirthshaus. 3) In engerm Verstande, eine große bürgerliche Gesellschaft betreffend. Ein öffentliches Amt. Öffentliche Verbrechen, welche wider das Band des Landesherren und der Unterthanen begangen werden.
   Anm. Im Oberdeutschen offentlich. Es ist aus offen und lich zusammen gesetzet, und lautet daher im Kero, Isidor, und selbst noch bey den Schwäbischen Dichtern, offanliih, offenlih. Das t ist das t euphonicum, welches dem n in mehrern Wörtern nachschleicht, S. Adelung N und T. Im Oberdeutschen wurde es ehedem auch sehr häufig für offenbar gebraucht, so wie Ottfried für öffentlich nur offen, offen, hat.
 
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Die Öffentlichkeit, plur. inus. die Eigenschaft einer Sache, da sie öffentlich ist, oder geschiehet, in allen Bedeutungen dieses Wortes.

 

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