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Ofenschaufel bis Offenbarung (Bd. 3, Sp. 582 bis 585)
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Artikelverweis Die Ofenschaufel, plur. die -n, eine Schaufel, Kohlen oder Asche damit aus einem Ofen zu ziehen.
 
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Der Ofenschirm, des -es, plur. die -e, ein Schirm vor dem Ofen, die große Hitze abzuhalten.
 
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Die Ofenstange, plur. die -n, eine Stange, das brennende Holz in einem Backofen damit in die rechte Lage zu bringen.
 
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Die Ofenthür, plur. die -en, die Thür vor dem Ofenloche.
 
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Der Ōfenwísch, des -es, plur. die -e, bey den Bäckern, ein Strohwisch an einer langen Stange, den Ofen damit auszukehren.
 
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Der Ofenzins des -es, plur. die -e, derjenige Zins, welcher für den Gebrauch eines fremden Backofens, ingleichen für das Recht, einen Back- oder andern Ofen zu halten, entrichtet wird.
 
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Offen, -er, -ste, welche Grade doch nur in der 5ten und 7ten figürlichen Bedeutung gebraucht werden, adj. et adv. Es ist dem verschlossen und eingeschlossen und, so fern es als ein Nebenwort gebraucht wird, dem zu entgegen gesetzet.
   1. Eigentlich, auf Einer oder mehrern Seiten mit keinen körperlichen Einschränkungen versehen, nicht eingeschlossen, nicht zugemacht. Ein offener Helm, im Gegensatze eines geschlossenen. Ein offenes Glas, ein offener Topf, ein offenes Gefäß, im Gegensatze eines zugedeckten. Eine offene Thür, ein offenes Fenster, im Gegensatze so wohl eines verschlossenen, als auch eines zugemachten. Den Mund offen haben, ein offener Mund. Den Himmel offen sehen. Mit offenen Augen nicht sehen. Jemanden mit offenen Armen empfangen, mit ausgebreiteten, und figürlich, mit fröhlicher Bereitwilligkeit. Mit Entzückung eil ich in deine offnen Arme, Geßn. Ein oben offener Spaziergang, im Gegensatze eines bedeckten. Ein offner Schade, eine Wunde

[Bd. 3, Sp. 583]


an dem Körper, welche nicht geheilet werden kann oder darf. Ein freyes offenes Feld, welches durch keine Gegenstände eingeschlossen ist. Ein offener Brief, der nicht versiegelt ist, daher denn offene Briefe, offene Befehle, im mittlern Lat. Litterae patentes, auch solche obrigkeitliche Befehle genannt werden, welche jedermann angehen.
   2. In verschiedenen engern Bedeutungen. Die Erde ist noch nicht offen, sagt man in der Landwirthschaft, wenn sie noch nicht aufgethauet, sondern durch den Frost gleichsam verschlossen ist. Man hat offenen Leib, wenn die Ausleerungen gehörig erfolgen, im Gegensatze des verstopften Leibes. Den Leib offen halten, dafür sorgen, daß die Ausleerungen gehörig erfolgen. In offener Rechnung mit jemanden stehen, in uneingeschränkter, d. i. daß jeder von dem andern so viel auf Rechnung bekommen kann als er will oder bedarf. Offene Casse bey jemanden haben, so viel Geld von ihm bekommen können, als er will. Ein offener Wechsel, ein uneingeschränkter, der auf keine gewisse Summe gerichtet ist. Mein Haus stehet ihnen offen, sie können zu allen Zeiten ungehindert in dasselbe kommen.
   3. Figürlich. 1) Unbefestigt. Eine offene Stadt, ein offener Platz, ein offener Ort, der mit keinen Festungswerken, mit keinen Mauern versehen ist. Ein überall offenes Land, wo der Eingang durch nichts erschweret wird. 2) Ein Lehen wird offen, in dem Lehenswesen, wenn es dem Lehensherren anheim fällt, wenn es eröffnet wird. Ein offenes Lehen. 3) Die offene Zeit, im Gegensatze der geschlossenen, d. i. diejenige Zeit, da der Genuß oder Gebrauch eines Dinges einem jeden frey stehet; in der Landwirthschaft, diejenige Zeit, da die Äcker, Wiesen und Wälder mit dem Viehe betrieben werden können. Das Vieh zu offnen Zeiten in das Gehölz treiben. 4) Für öffentlich; doch nur als ein Beywort. Etwas in offener Gant verkaufen, im Oberdeutschen, d. i. in öffentlicher Auction. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur noch in einigen Fällen. Auf offener Sraße, auf öffentlicher. Offene Tafel halten, öffentlich speisen; ingleichen, jeden der mitspeisen will, mit zur Tafel ziehen. Einen offenen Laden haben, öffentlich verkaufen. 5) Ein offener Kopf, der etwas geschwinde und deutlich begreift. Einen offenen Kopf haben. Ingleichen eine Person, welche einen offenen Kopf hat. Er ist ein offener Kopf. 6) Das offene e, bey einigen Sprachlehrern, dasjenige e, welches wie ein ä ausgesprochen wird, wie das erste e in geben, leben, Steg; weil der Mund dabey mehr geöffnet wird, als bey dessen Gegensatze dem geschlossenen, welches in den ersten Sylben der Wörter gehen, stehen, das Lehen, Statt findet. Beyde Kunstwörter sind nach den Französischen Kunstwörtern e ouvert, und e fermé gebildet. Andere Sprachlehrer nennen das offene e nicht so bestimmt das dunkle, und das geschlossene das helle. Besser nennt man es das tiefe e, zum Unterschiede von dem hohen. 7) Eine offene Miene, ein offenes Gesicht, ein freyes, unverstelltes Gesicht, welches keine Verstellung, keine Zurückhaltung verräht. Ein offenes Herz, welches seine Gedanken und Empfindungen andern vertraulich bekannt macht. Du verdienest, daß ich mit offnem Herzen zu dir rede. Er scheint nicht mit offnem Herzen gehandelt zu haben. S. Adelung Offenheit.
   Anm. 1. Diese Wort lautet schon bey dem Ottfried und Willeram offan, im Nieders. apen, im Angels. open und yppe im Engl. open, im Dän. aaben und aabent, und im Schwed. öppen, yppen. Es stammet, vermittelst der adverbischen Endung -en, von auf her, welches in der Zusammensetzung mit Zeitwörtern noch für offen gebraucht wird.
   Anm. 2. Dieses auf macht zuweilen manchen Deutschen Schwierigkeit, welche in einigen Fällen nicht wissen, ob sie auf oder offen gebrauchen sollen, und daher beyde sehr oft mit einander verwechseln.

[Bd. 3, Sp. 584]


Offen ist ein eigentliches Nebenwort, und kann als ein solches nicht mit einem Zeitworte zusammen gesetzet werden; soll dieses geschehen, so muß dafür das Vorwort auf gebraucht werden, welches dagegen außer der Zusammensetzung nicht für offen gebraucht werden kann. Gehöret nun das Wort unmittelbar als ein Theil der Zusammensetzung zum Zeitworte, so muß auf, im widrigen Falle aber offen gebraucht werden. Er ließ die Thüre offen, ist unrichtig, weil das Zeitwort auflassen dafür üblich ist. So sagt man auch das Fenster steht auf, das Thor bleibt die ganze Nacht auf, den Kasten aufmachen, sie hielt die Schürze auf u. s. f. Wohl aber, den Himmel offen sehen, den Mund offen haben, u. s. f. weil aufsehen, aufhaben, in diesen Bedeutungen nicht üblich sind. Alles dieß gilt nur, wenn auf und offen in der eigentlichen Bedeutung üblich sind, denn so bald sich eine Figur mit einmischt, muß offen stehen, es müßte denn das mit auf zusammen gesetzte Zeitwort diese Figur hergebracht haben. Die Thüre steht auf; aber, mein Haus stehet ihnen zu allen Zeiten offen, zur Aufnahme bereit. Das Thor bleibt auf, aber unser Herz bleibt jedermann offen.
   Offen druckt schon im Positiv verschiedene Grade aus, oder vielmehr, ein Ding kann nur auf Eine Art offen seyn, d. i. so bald die Flächen, welche es auf allen Seiten einschließen, unterbrochen werden. Der Positiv druckt schon alle diese Grade allein aus, daher fallen der Comparativ und Superlativ, außer der 5ten und 7ten figürlichen Bedeutung, schon von sich selbst weg.
 
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Offenbar, -er, -ste, adj. et adv. 1) Offen, auf allen Seiten durch nichts eingeschränkt; in welchem Verstande man es nur noch in dem Ausdrucke die offenbare See gebraucht, das hohe, dem Anblicke nach auf allen Seiten unbegränzte Meer. 2) * Bloß, unbedeckt; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher man nur noch in einigen Gegenden, z. B. in der Lausitz, den Barfrost, d. i. den ohne vorher gegangenen Schnee eintretenden Frost, einen offenbaren Frost zu nennen pflegt. 3) Von jedermann dafür erkannt. Es ist eine offenbare Lüge. Die offenbare Wahrheit. Es ist offenbar, daß dieß schon mehrmahls geschehen ist. Ein offenbarer Feind, im Gegensatze eines heimlichen oder verborgenen Feindes. Ein offenbares Wunder. Offenbare Sünden, welche von jedermann für Sünden erkannt werden. Bey dem Menschen waltet offenbar ein anderes Naturgesetz über die Succession seiner Ideen, Herd. 4) * Bekannt. Wenn dein Wort offenbar wird, so erfreuet es, Ps. 119, 130. Vieler Herzen Gedanken werden offenbar werden, Luc. 2, 35. Denn daß man weiß, daß Gott sey, ist ihnen offenbar, Röm. 1, 19. In dieser Bedeutung ist es im Hochdeutschen größten Theils veraltet, ob es gleich noch hin und wieder in den Kanzelleyen gebraucht wird, wo auch offenkündig für offenbar vorkommt. Der Thäter ist noch nicht offenbar, noch nicht bekannt.
   Anm. Bey dem Stryker schon offenbar, im Nieders. apenbar. Es ist von offen und bar zusammen gesetzet, von welchen auch ehedem jedes für sich allein für offenbar gebraucht wurde, daher die Zusammensetzung bloß um des mehrern Nachdruckes willen geschehen zu seyn scheinet. In dem Isidor und bey dem Ottfried heißt offenbar beständig offen. Der Regel nach liegt der Ton auf der ersten Sylbe als der Stammsylbe des Hauptwortes. Allein in der nachdrücklichen Rede legt man ihn oft auf die Ableitungssylbe bar.
 
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Offenbaren, verb. reg. act. 1. Bekannt machen. Der Herr lässet sein Heil verkündigen, vor den Völkern lässet er seine Gerechtigkeit offenbaren, Ps. 98, 2; und so in andern Stellen mehr. Es ist in dieser weitern Bedeutung im Hochdeutschen veraltet, außer daß man in der zurück kehrenden Form noch zuweiten im gemeinen Leben sagt, es wird sich bald offenbaren, was an der Sache ist, es wird bald bekannt werden. Auch in der biblischen

[Bd. 3, Sp. 585]


Schreibart sagt man noch, Gott habe sich im Reiche der Natur durch seine Werke offenbaret, d. i. den Menschen bekannt gemacht. Man gebraucht es, 2. nur noch in zwey engern Bedeutungen. 1) Eine geheime, verborgene Sache Einem oder mehrern bekannt machen; gleichfalls mit der dritten Endung der Person, und der vierten der Sache. Jemanden ein Geheimniß offenbaren. Einem sein Herz, ein Anliegen offenbaren. Sich einem offenbaren, ihm seine Heimlichkeiten entdecken. Der Verbrecher hat alles offenbaret, wofür doch entdecken üblicher ist. Dem Beichtvater seine Sünden offenbaren. Offenbare nicht eines andern Heimlichkeit, Sprichw. 25, 9.
   Gleich wird sichs offenbaren,
   Wer unter euch den Kranz mit Ehren trägt,
   Gell. 2) In noch engerer und theologischer Bedeutung, übernatürliche Wahrheiten bekannt machen. In diesem Verstande hat Gott den Menschen den Weg zur Seligkeit, die Heilsordnung geoffenbaret. Geoffenbarte Wahrheiten, Pflichten u. s. f. Siehe Offenbarung.
   Anm. Nieders. apenbaren, Schwed. uppenbara. Bey dem Ottfried und Notker nur offenen, und selbst im Theuerdanke noch öffnen, wovon noch unser Eröffnen üblich ist. Die Weglassung des Augmenti ge, er hat es offenbaret, ist ein Fehler.
 
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Offenbarlich, -er, -ste, adj. et adv. welches im Hochdeutschen ganz fremd ist, aber noch mehrmahls in der Deutschen Bibel, für offenbar, bekannt, unverhüllt, öffentlich, vorkommt.
 
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Die Offenbarung plur. die -en, von dem Zeitworte offenbaren. 1. Die Handlung des Offenbarens. 1) * Überhaupt, eine jede Bekanntmachung; in welchem Verstande es außer der biblischen Schreibart veraltet ist. Wir gehen auch nicht mit Schalkheit um, sondern mit Offenbarung der Wahrheit, 2 Cor. 4, 2. Der Tag der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, Röm. 2, 5. 2) In engerer Bedeutung, die Bekanntmachung einer verborgenen Sache. Man kann alles versöhnen, ausgenommen die Schmach, Verachtung, Offenbarung der Heimlichkeit und böse Tücke, Sir. 22, 27. 3) In noch engerer theologischer Bedeutung, die Bekanntmachung übernatürlicher Wahrheiten von Gott. Manche Schwärmer rühmen sich noch jetzt, daß sie göttliche Offenbarungen haben oder bekommen. 2. Die bekannt gemachte Sache selbst, die geoffenbarten Kenntnisse; wo es nur allein im theologischen Verstande üblich ist, bekannt gemachte vorher unbekannte Kenntnisse zu bezeichnen. Die Offenbarung Johannis, der ganze Umfang aller ihm geoffenbarten Dinge, und das Buch, worin sie aufgezeichnet sind, welches in den ältern Übersetzungen vor Luthern das Buch der Tugenheit heißt, d. i. der Verborgenheit, von tugen, verborgen. Besonders die bekannt gemachten Wahrheiten von Gott und unserm Verhältnisse gegen ihn, und deren ganzer Umfang. Die allgemeinere oder entferntere Offenbarung, die aus dem Daseyn und Zusammenhange aller natürlichen Dinge bekannten Wahrheiten von Gott; im Gegensatze der nähern Offenbarung Gottes, der durch die veranstaltete Versöhnung von ihm bekannt gewordenen Wahrheiten. In der engsten Bedeutung ist die nähere Offenbarung, die durch symbolische Erkenntnißzeichen geschehene Bekanntmachung der nöthigen Heilswahrheiten, da denn in weiterm Verstande auch wohl die ganze heil. Schrift, ob sie gleich nicht lauter geoffenbarte Wahrheiten enthält, die göttliche Offenbarung, oder die Offenbarung schlechthin genannt wird.
   Bey dem Notker nur Offenunga, Öffnung.

 

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