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Octāv bis oder die Odermênnig (Bd. 3, Sp. 577 bis 580)
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Artikelverweis  Octāv, ein aus dem Lat. octava forma entlehntes unabänderliches Hauptwort, die Größe eines in acht Blätter zusammen gelegten Bogens zu bezeichnen. Ein Buch in Octav, dessen Bogen drey Mahl gebrochen sind und also acht Blätter geben, zum Unterschiede von dem Folio, Quart, Duodez u. s. f. Ein Buch in Groß-Octav, in Klein-Octav. Das Octav-Blatt, ein solches Blatt; das Octav-Format, ein solches Format der Bücher; ein Octav-Band, ein Buch in Octav.
 
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Die Octāve, plur. die -n, aus dem Lat. Octava, in der Musik, der Zwischenraum zwischen zwey Tönen, wovon der eine noch Ein Mahl so stark ist als der andere, da denn nur jeder der beyden äußersten Töne die Octave des andern genannt wird. Dieser Zwischenraum heißt die Octave, weil er, die beyden äußersten Töne mit gerechnet, aus acht ganzen Tönen bestehet. Auch eine Reihe von acht auf einander folgenden Tönen führet den Nahmen der Octave. In den Orgeln ist die Octave ein Nahme verschiedener Register, wohin die große Octave, von acht Fuß Ton, die mittlere Octave oder Mittel-Octave, von vier Fuß, die kleine Octave, von zwey Fuß, und das Super-Octävlein, von einem Fuße, gehören.

[Bd. 3, Sp. 578]



 
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Der Octōber, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Latein. October, der zehnte Monath im Jahre, der bey den Römern der achte war, und 31 Tage hat. Carl der Große nannte ihn den Weinmonath, weil die Weinlese gemeiniglich in denselben fällt, welchen Nahmen er auch noch zuweilen führet, obgleich derselbe den Römischen nicht verdrängen können. Nach dem Raban Maurus aus dem achten Jahrhunderte bey dem Goldast lautete dieser von Carln dem Großen herrührende Nahme, Windumanoth, Windmonath, welche Leseart auch einige Handschriften des Eginhard haben, dagegen andere Windrumanoth und Weinmoneth lesen. Allein es ist sehr wahrscheinlich, daß die Nahmen der vier letzten Monathe bey allen Schriftstellern dieser Zeit verderbt sind. Siehe auch September.
 
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Oculiren, verb. reg. act. S. Adelung Äugeln.
 
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Der Oculist, des -en, plur. die -en, aus dem Lat. Oculus, ein Wundarzt, welcher sich vorzüglich der Heilung der Augenschäden befleißigt; der Augenarzt.
 
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-Od, in Kleinod, S. dieses Wort.
 
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Öde, -r, -ste, adj. et adv. ein sehr altes Wort, welches in folgenden Bedeutungen gefunden wird. 1) * Hohl; eine im Hochdeutschen unbekannte Bedeutung, welche indessen eine der ersten zu seyn scheinet, und noch bey dem Dasypodius nach dem Frisch vorkommt, welcher öde durch hohl und cavus erkläret. Bey eben demselben ist die Öde die Höhle, Concavitas. Es ist in diesem Verstande mit dem Niederdeutschen Öhse, ein Öhr, ösen, schöpfen, Öse, ein Schöpfgefäß, und unserm Hose, ein Gefäß, genau verwandt, indem die Verwandlung des d in s und s in d in allen Sprachen und Mundarten sehr gewöhnlich ist, auch in den folgenden Bedeutungen öse für öde gefunden wird. Das Lat. haurire, im Perf. hausi, scheinet gleichfalls dahin zu gehören. 2) * Leer; eine im Hochdeutschen gleichfalls unbekannte, mit der vorigen aber genau verwandte Bedeutung, worin mit der Ableitungssylbe -el auch eitel üblich war, (S. Adelung Eitel 1,) und von welcher Bedeutung auch das Franz. vuide und Ital. vuoto, leer, abstammen, welche nur den müßigen Blaselaut angenommen haben. 3) In engerer Bedeutung, von Menschen und Arbeiten des menschlichen Fleißes leer, unbewohnt und ungebauet. Eine öde Gegend, wo gar keine Menschen oder doch verhältnißmäßig nur sehr wenig Menschen angetroffen werden. Ein ödes Land, ein unbewohntes und ungebauetes. Die Häuser sollen wüste stehen, und die großen und feinen öde stehen, Es. 5, 9. Ich will deinem Willen folgen, vielleicht führst du mich ödern Gegenden zu, Geßn. Zwar ist die Gegend öde, die Herden ruhen eingeschlossen im wärmenden Stroh, ebend. Einen Acker, ein Feld öde liegen lassen, ungebauet. Die Welt ist für mich so öde wie das Grab. Daher ist einen Wald aböden, die Bäume völlig ausschlagen, ihn abräumen, die Fischbrut ausöden, sie ausrotten und vertilgen u. s. f. S. auch Wüst. 4) * Figürlich, keinen innern Werth habend, eitel; in welchem Verstande es jetzt veraltet ist, ehedem aber üblich war, wie aus einigen Beyspielen bey dem Frisch erhellet. Öde Werke, nichtswürdige, eitle. Ein öder Balg, ein nichtswürdiger, Pellex vana. Ein öder Pfaff.
   Anm. In der dritten Bedeutung schon bey dem Notker ode, im Dän. öde, im Böhm. owdowely. Im Finnischen ist Authia ein leerer Raum, und im Friesischen Oode und im Irländ. Ait ein Ort, welcher Begriff mit dem leeren Raume genau zusammen hängt, so wie das Lat. Locus, ein Ort, zu unserm Loch gehöret. Ein leerer, wüster Ort heißt schon im Isidor Odhin, und bey dem Ulphilas Authids, im Schwed. Oede, im Isländ. Eide und Auda. S. auch Eitel und 3 Heide, welche gleichfalls damit verwandt sind. Wachter hat schon die Verwandtschaft mit dem Griech. οιος, allein, einsam, οιοθι, allein οιοειν, verwüsten, οιοθεις,

[Bd. 3, Sp. 579]


verwüstet, eingesehen. Da keine Mitlauter häufiger mit einander verwechselt werden, als d, t und s, so lautete dieses Wort ehedem auch öse, daher das Zeitwort ösen, erösen, verösen, erösigen, das im Hochdeutschen unbekannte ostur, wüst, in den Mundarten so oft vorkommen, wovon bey dem Frisch Beyspiele anzutreffen sind. Härtere Mundarten sprechen und schreiben dieses Wort nur öd, da denn das d wie ein t lautet; im Hochdeutschen ist um der weichern Aussprache dieses Mitlauters willen das e euphonicum unentbehrlich.
 
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Die Öde, plur. die -n, ein öder, unbewohnter, ungebaueter Ort; ein im Hochdeutschen seltenes Wort, wofür in der Bedeutung eines unbewohnten Ortes jetzt Einöde üblich ist, S. dieses Wort.
 
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Der Odem, S. Adelung Athem.
 
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Oder, ein Bindewort, welches mehrere mögliche Fälle, von welchen etwas behauptet wird, begleitet.
   1. So daß die mehreren Dinge einander aufheben, oder vielmehr, so daß von den mehrern nur Eines ist oder seyn soll; so daß diese Partikel alle Sätze nach dem ersten begleitet. Cajus muß sehr unwissend oder sehr boßhaft seyn, wo zwey Fälle als möglich angenommen sind, von welchen nothwendig einer wirklich seyn soll. Gib mir die Waare oder Geld. Um des Nachdruckes willen und die Ausschließung der andern möglichen Fälle noch mehr hervorstechen zu lassen, bekommt der erste unter den möglichen Fällen gemeiniglich das entweder. Gib mir entweder die Waare oder Geld. Entweder bin ich der Männer, oder sie meiner nicht werth gewesen, Tob. 3, 20. Erwähle dir entweder drey Jahr Theurung, oder drey Monden Flucht, 1 Chron. 22, 12. Einer von uns beyden, entweder ich oder du mußt es gewesen seyn. Da denn das letzte von den Dingen, welche mit oder bezeichnet sind, noch das auch zu sich nehmen kann. Es fehlt ihm entweder am Vermögen, oder am Willen, oder auch an Gelegenheit.
   2. So daß die mehrern Dinge Theile eines Ganzen ausmachen; da denn das erste gleichfalls das entweder bekommt, das letzte aber von denen, welche oder vor sich haben, gleichfalls das auch oder endlich leidet. Die Steine sind entweder glasartig, oder thonartig, oder kalkartig, oder auch gemischt. Wo das entweder auch zuweilen wegbleiben kann. Diejenigen, welche in der menschlichen Gesellschaft gehorchen, sind Kinder, Unterthanen oder Knechte.
   3. So daß die mehrern Dinge oder Fälle bloß aufgezählet werden, und es unentschieden, oder gleichgültig bleibt, welcher von ihnen ist oder geschiehet. Dieß oder jenes. Ich weiß nicht ob es Lob oder Tadel ist.
   Nun glaub es, oder nicht, sie liebt, und liebet dich,
   Gell. Warum siehet man euern Bruder nicht? Ist er verreiset? Oder ist er krank? Oder ist er so sehr beschäftiget? In drey oder vier Stunden komme ich gewiß. Trieg ich mich, oder hör ich den zärtesten Gesang? Geßn. O, wie reißt die Entzückung mich hin, wenn ich vom hohen Hügel die weit ausgebreitete Gegend übersehe, oder wenn ich ins Gras hingestreckt, die mannigfaltigen Blumen und Kräuter betrachte, oder wenn ich in nächtlichen Stunden den gestirnten Himmel, wenn ich den Wechsel der Jahreszeiten oder den Wachsthum der unzählbaren Pflanzen betrachte! ebend. wo sich das letzte oder nicht auf die vorher gegangenen beziehet, sondern auf eine neue nach dem zweyten oder angefangene Reihe möglicher Fälle.
   Auf diese Art kann diese Partikel auch eine ganze Periode anfangen, wenn sie einen gleich möglichen Fall mit der vorher gehenden, oder auch einen Einwurf, einen Gegensatz u. s. f. enthält. Sie singt dann, und ich begleite ihren Gesang mit der Flöte.

[Bd. 3, Sp. 580]


Oder singen eure Saitenspieler besser als die Nachtigall oder die liebliche Grasmücke? Geßn.
   4. Oft dienet der durch das oder angekündigte Satz zur Erklärung des vorher gehenden. Das allgemeine Vesle oder den Vortheil der Gesellschaft befördern. Alle Menschen können nicht Herren seyn, oder andern befehlen. Oft auch zur Berichtigung, da denn gemeiniglich noch das vielmehr dazu kommt. Wenn er nur könnte, oder vielmehr wollte.
   5. Im gemeinen Leben gebraucht man es oft, eine ungewisse, ungefähre Zahl zu bezeichnen. Eine Elle oder sechs, d. i. ungefähr sechs Ellen. Ein Stück oder zehn, ungefähr zehn Stücke. Da man es denn zuweilen wohl gar in er zu verwandeln und dem ersten Hauptworte anzuhängen pflegt. Ein Ellener drey, ein Tager vier, für eine Elle oder drey, ein Tag oder vier, d. i. ungefähr drey Ellen, vier Tage. S. Adelung Ein.
   Anm. Da die Leidenschaften sehr oft über die kalten Verbindungswörter dahin rauschen, so wird diese Partikel in einer lebhaften Gemüthsbewegung gar oft ausgelassen. Eine Versetzung findet bey ihr nicht Statt, und sie stehet alle Mahl vor demjenigen Subjecte, zu welchem sie gehöret, sollte es auch nur ein Nebenwort seyn. Es komme nun oder nicht.
   Dieses alte Bindewörtchen lautet so wie wir es jetzt haben, im Angels. athor, im Nieders. edder und nach der gewöhnlichen Ausstoßung des d, ör, im Engl. or. Es ist aus od und der Ableitungssylbe -er zusammen gesetzet, welches od bey den ältesten Schriftstellern für oder allein vorkommt; im Isidor odho, bey dem Kero edo, edeo, im Ottfried odo, bey dem Ulphilas aiththau, aiththan, im Angelsächs. oththe, welches denn mit dem Latein, aut, dem Griechischen , τε, τοι, und dem Hebr. 05d005d3, oder, sichtbar genug überein kommt. Es ist sehr glaublich, daß es mit er in etwan einerley ist, denn in den Monseeischen Glossen und im Ottfried kommt es auch für etwann vor. Da in allen Sprachen keine Redetheile in ihrer Bedeutung so schwankend und unbeständig sind, als die Partikeln, so wurde auch odo ehedem sehr häufig für aber (Lat. autem) gebraucht, so wie aber noch im 15ten Jahrhunderte für oder vorkommt. Die Niedersachsen drucken das oder auch durch of, ofte, efte, und Willeram durch avo aus, welches dieses aber zu seyn scheinet. Eine andere noch für oder in einigen Oberdeutschen Gegenden übliche Partikel ist ald, bey dem Notker alde, bey den Schwäbischen Dichtern alde, alder, im Schwed. eller, welche noch jetzt in der Schweiz üblich ist, und zu dem Lat. alter, ander, Ital. altro, Franz. autre, Engl. other, zu gehören scheinet.
 
Artikelverweis 
Der oder die Odermênnig, eine Pflanze, S. Adelung Agrimone.

 

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