Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Ochelbeze bis Ochsengalle (Bd. 3, Sp. 574 bis 576)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Ochelbeze, eine Art Weißfische, S. Adelung Ukeley.
 
Artikelverweis 
Der Ócher, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. eine metallische Erde, welche aus reinen durch die Säure aufgelösten oder zerstörten Metallen entstehet, und nach Verschiedenheit der Metalle von verschiedener Farbe ist. Der Eisenocher, welcher gelb, braun und röthlich von Farbe ist, und wohin auch der Rost gehöret. Der Kupferocher, wohin das Kupfergrün, der Grünspan, der Kobaltbeschlag u. s. f. gehören. Der Bleyocher, der am häufigsten Bleyweiß genannt wird, u. s. f.

[Bd. 3, Sp. 575]


In engerer Bedeutung ist der Ocher eine milde Erdart von dunkel gelber aus citronengelb und braun gemischter Farbe, welche in den Bley- und Kupferbergwerken angetroffen, von den Mahlern gebraucht und auch Berggelb genannt wird.
   Anm. In den harten Sprecharten Ocker, Oker, Franz. Ochre Ocre. Es ist aus dem Lat. Ochra und Griech. ωχρα entlehnet. Die Schreibart Occher ist unrichtig, auch wenn im Griechischen ein doppelter Gaumenlaut befindlich wäre, weil das ch im Deutschen zwischen zwey Selbstlautern ohnehin schon doppelt ausgesprochen wird.
 
Artikelverweis 
Óchergêlb, adj. et adv. der dunkelgelben Farbe des Ochers in der engsten Bedeutung gleich und ähnlich. Auch als ein Hauptwort wird es zuweilen theils für diese gelbe Farbe, theils für den Ocher selbst gebraucht.
 
Artikelverweis 
Der Ochs, des -en, plur. die -en, Diminut. das Öchschen, Oberd. Öchslein. 1. Im weitern Verstande, das männliche Individuum einer Art zweyhufiger vierfüßiger Thiere, welche vorwärts gebogene sichelförmige Hörner und einen büscheligen Schwanz haben. Der wilde Ochs, der Büffelochs, der Auerochs, der zahme oder gemeine Ochs. Das weibliche Individuum dieser Arten wird die Kuh genannt. 2. In engerer Bedeutung führet der gemeine Ochs oder zahme Ochs den Nahmen des Ochsen schlechthin. 1) Eigentlich, wo (a) das ungeschnittene männliche Individuum, welches zur Fortpflanzung seines Geschlechtes bestimmt ist, der Herdochs, Faselochs, Zuchtochs, Stammochs, Reitochs, Springochs, Brüllochs, Brummochs, Bullochs, auch nur der Ochs schlechthin genannt wird, dagegen er an andern Orten der Bulle, Stier oder Brummer heißt. (b) Am häufigsten führet dieser Nahmen ein solches geschnittenes Thier, dessen man sich hernach zum Ackerbaue, zum Fahren, und an einigen Orten auch zum Reiten und Lasttragen bedienet. Im engsten Verstande, wird nur ein solches in der Jugend verschnittenes Thier ein Ochs genannt, dagegen man einen im Alter geschnittenen und zur Mast bestimmten Zuchtochsen einen Bullochsen nennt. In der Lausitz heißt der letztere Poiße, welches dem Lat. Bos sehr nahe kommt. Mit Ochsen pflügen, fahren. Ein Zugochs, Mastochs oder Schlachtochs. Die Ochsen hinter den Pflug spannen, eine Sache verkehrt anfangen, die Pferde hinter den Wagen spannen. Die Ochsen stehen am Berge, die Sache will nicht fort, wird durch ein Hinderniß in ihrem Fortgange aufgehalten; aqua haeret. 2) Figürlich ist in den niedrigen Sprecharten das Wort Ochs ein Scheltwort so wohl eines groben und ungeschickten, als auch eines dummen Menschen beyderley Geschlechtes. Ein grober Ochs. Ein dummer Ochs.
   Anm. Im Isidor Oxsso, im Schwabensp. Ohs, im Nieders. Osse, bey dem Ulphilas Auhsn, im Angels. Oxa, im Dän. und Schwed. Oxe, im Engl. Ox, im Isländ. Uxe, im Wallis. Ych. Wachter und Junius leiten es von dem Griech. αυξανειν, augere, wachsen, ehedem auchen, her, Frisch vom Griech. οχεω, ich fahre, trage, im Schwed. oka, fahren, S. Adelung Wagen, Ihre aber von Ok, Joch. Den beyden letzten Ableitungen kommt das zu Statten, daß im Isländ. Uxe ein jedes Last- und Zugthier, folglich auch ein Pferd, bedeutet. S. auch Noß, welches sich nur durch das müßige n von diesem Worte unterscheidet. Das e euphonicum, Ochse, ist hier unnöthig, weil das ch in diesem Worte im Hochdeutschen hart, wie ein k ausgesprochen wird, worauf auch das s hart lauten muß.
 
Artikelverweis 
Ochsen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches aber nur im gemeinen Leben einiger Gegenden für rindern üblich ist. Die Kuh ochset, wenn sie nach dem Zuchtochsen verlanget.
 
Artikelverweis 
Das Ochsenauge, des -s, plur. die -n, eigentlich, das Auge eines Ochsen. Figürlich. 1) In den Küchen einiger Gegenden

[Bd. 3, Sp. 576]


werden auf zerlassene Butter geschlagene und gebackene Eyer, so daß der Dotter ganz bleibt, Ochsenaugen genannt; Nieders. Ossenogen, Speigelkoken, Spiegelkuchen. 2) In der Baukunst ist das Ochsenauge ein rundes oder oval rundes Fenster in einem Dache. 3) In einigen Gegenden führet das große Gänsekraut, Chrysanthemum Leucanthemum L. wegen einiger Ähnlichkeit der Blumen, den Nahmen des Ochsenauges. 4) Auch eine Art Zaunkönige, S. Adelung Goldhähnchen.
 
Artikelverweis 
Der Ochsenbauer, des -s, plur. die -n, ein Bauer, welcher keine Pferde, sondern nur Ochsen hält, im Gegensatze des Pferdebauers.
 
Artikelverweis 
Das Óchsenbrêch, des -es, plur. inus. eine Pflanze, siehe Hauhechel.
 
Artikelverweis 
† Das Ochsenfieber, des -s, plur. inus. ein nur in den niedrigen Sprecharten im figürlichen Verstande übliches Wort. Das Ochsenfieber haben, sich grob und ungeschickt betragen.
 
Artikelverweis 
Das Ochsenfleisch, des -es, plur. car. das Fleisch von einem geschlachteten Ochsen, im Gegensatze des Kuhfleisches. Man begreift es am häufigsten mit unter dem Nahmen des Rindfleisches.
 
Artikelverweis 
Die Ochsengalle, plur. die -n, eigentlich die Galle von einem Ochsen; ohne Plural. Figürlich pflegt man die runden in der Mitte erhabenen grünen Gläser in den kleinen Laternen Ochsengallen zu nennen.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: