Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Obwalten bis Óchsenbrêch (Bd. 3, Sp. 574 bis 576)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Obwalten, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert und aus dem Zeitworte walten und dem veralteten Vorworte ob, über, (S. 1 Ob,) zusammen gesetzet ist, aber nur im Oberdeutschen und in den Hochdeutschen Kanzelleyen gebraucht wird. 1) Vorhanden, gegenwärtig seyn, obschweben. Die obwaltende Gefahr. Aus obwaltenden Ursachen. 2) Mit Einfluß gegenwärtig seyn, vorhanden seyn und bestimmen. Dein eigenes Interesse waltet hierunter so sehr ob, als das meinige. So auch die Obwaltung.
 
Artikelverweis 
Obwohl, ein Bindewort, welches mit obgleich und obschon gleichbedeutend ist, und so wie das erstere auch in der anständigen Schreibart gebraucht werden kann, dagegen obschon mehr in der gemeinen üblich ist. Es wird auf eben dieselbe Art gebraucht, als obgleich. Es wird weggeführet werden, wie eine Eiche oder Linde, welche den Stamm haben, obwohl ihre Blätter abgestoßen werden, Es. 6, 13. Und obwohl ihre Schwester Juda gesehen hat noch fürchtet sich ihre Schwester nicht, Jer. 3, 7, 8; besser, so fürchtet sich ihre Schwester doch nicht. Du sollt dich nicht fürchten, ob sie wohl ein ungehorsames Haus sind, Ezech. 2, 6. Ob du wohl solches alles weißt, Dan. 5, 22.
 
Artikelverweis 
Der Oceān, des -es, plur. die -e, aus dem Lat. Oceanus, das Weltmeer, ein beträchtlicher Theil des allgemeinen Weltmeeres, welcher mehr als Einen Welttheil berühret; das Meer oder Weltmeer. Der südliche Ocean, das stille Meer, die Südsee. Der nördliche Ocean, zwischen Amerika, Europa und Afrika bis an die Linie. Der Äthiopische Ocean, zwischen Afrika und Amerika jenseits der Linie. Der Indische Ocean, zwischen Asien und Afrika.
   Unglücklicher, der, schon von Hoffnung trunken,
   Des Oceans Gebiether ist,
   Raml. Ingleichen in der höhern Schreibart eine große Menge solcher Dinge, welche mit einem vollen Meere verglichen werden können. Der Ocean von Empfindungen, Herd.
   Anm. Das Lat. Oceanus stammet von dem Griech. οκεανος her, welches wiederum in Asien einheimisch zu seyn scheinet; wenigstens ist im Persischen Ukianus gleichfalls das Weltmeer. Notker gebraucht dafür Endil mere, das Endmeer, wo sich die bewohnte Welt endiget.
 
Artikelverweis 
Ochelbeze, eine Art Weißfische, S. Adelung Ukeley.
 
Artikelverweis 
Der Ócher, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. eine metallische Erde, welche aus reinen durch die Säure aufgelösten oder zerstörten Metallen entstehet, und nach Verschiedenheit der Metalle von verschiedener Farbe ist. Der Eisenocher, welcher gelb, braun und röthlich von Farbe ist, und wohin auch der Rost gehöret. Der Kupferocher, wohin das Kupfergrün, der Grünspan, der Kobaltbeschlag u. s. f. gehören. Der Bleyocher, der am häufigsten Bleyweiß genannt wird, u. s. f.

[Bd. 3, Sp. 575]


In engerer Bedeutung ist der Ocher eine milde Erdart von dunkel gelber aus citronengelb und braun gemischter Farbe, welche in den Bley- und Kupferbergwerken angetroffen, von den Mahlern gebraucht und auch Berggelb genannt wird.
   Anm. In den harten Sprecharten Ocker, Oker, Franz. Ochre Ocre. Es ist aus dem Lat. Ochra und Griech. ωχρα entlehnet. Die Schreibart Occher ist unrichtig, auch wenn im Griechischen ein doppelter Gaumenlaut befindlich wäre, weil das ch im Deutschen zwischen zwey Selbstlautern ohnehin schon doppelt ausgesprochen wird.
 
Artikelverweis 
Óchergêlb, adj. et adv. der dunkelgelben Farbe des Ochers in der engsten Bedeutung gleich und ähnlich. Auch als ein Hauptwort wird es zuweilen theils für diese gelbe Farbe, theils für den Ocher selbst gebraucht.
 
Artikelverweis 
Der Ochs, des -en, plur. die -en, Diminut. das Öchschen, Oberd. Öchslein. 1. Im weitern Verstande, das männliche Individuum einer Art zweyhufiger vierfüßiger Thiere, welche vorwärts gebogene sichelförmige Hörner und einen büscheligen Schwanz haben. Der wilde Ochs, der Büffelochs, der Auerochs, der zahme oder gemeine Ochs. Das weibliche Individuum dieser Arten wird die Kuh genannt. 2. In engerer Bedeutung führet der gemeine Ochs oder zahme Ochs den Nahmen des Ochsen schlechthin. 1) Eigentlich, wo (a) das ungeschnittene männliche Individuum, welches zur Fortpflanzung seines Geschlechtes bestimmt ist, der Herdochs, Faselochs, Zuchtochs, Stammochs, Reitochs, Springochs, Brüllochs, Brummochs, Bullochs, auch nur der Ochs schlechthin genannt wird, dagegen er an andern Orten der Bulle, Stier oder Brummer heißt. (b) Am häufigsten führet dieser Nahmen ein solches geschnittenes Thier, dessen man sich hernach zum Ackerbaue, zum Fahren, und an einigen Orten auch zum Reiten und Lasttragen bedienet. Im engsten Verstande, wird nur ein solches in der Jugend verschnittenes Thier ein Ochs genannt, dagegen man einen im Alter geschnittenen und zur Mast bestimmten Zuchtochsen einen Bullochsen nennt. In der Lausitz heißt der letztere Poiße, welches dem Lat. Bos sehr nahe kommt. Mit Ochsen pflügen, fahren. Ein Zugochs, Mastochs oder Schlachtochs. Die Ochsen hinter den Pflug spannen, eine Sache verkehrt anfangen, die Pferde hinter den Wagen spannen. Die Ochsen stehen am Berge, die Sache will nicht fort, wird durch ein Hinderniß in ihrem Fortgange aufgehalten; aqua haeret. 2) Figürlich ist in den niedrigen Sprecharten das Wort Ochs ein Scheltwort so wohl eines groben und ungeschickten, als auch eines dummen Menschen beyderley Geschlechtes. Ein grober Ochs. Ein dummer Ochs.
   Anm. Im Isidor Oxsso, im Schwabensp. Ohs, im Nieders. Osse, bey dem Ulphilas Auhsn, im Angels. Oxa, im Dän. und Schwed. Oxe, im Engl. Ox, im Isländ. Uxe, im Wallis. Ych. Wachter und Junius leiten es von dem Griech. αυξανειν, augere, wachsen, ehedem auchen, her, Frisch vom Griech. οχεω, ich fahre, trage, im Schwed. oka, fahren, S. Adelung Wagen, Ihre aber von Ok, Joch. Den beyden letzten Ableitungen kommt das zu Statten, daß im Isländ. Uxe ein jedes Last- und Zugthier, folglich auch ein Pferd, bedeutet. S. auch Noß, welches sich nur durch das müßige n von diesem Worte unterscheidet. Das e euphonicum, Ochse, ist hier unnöthig, weil das ch in diesem Worte im Hochdeutschen hart, wie ein k ausgesprochen wird, worauf auch das s hart lauten muß.
 
Artikelverweis 
Ochsen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches aber nur im gemeinen Leben einiger Gegenden für rindern üblich ist. Die Kuh ochset, wenn sie nach dem Zuchtochsen verlanget.
 
Artikelverweis 
Das Ochsenauge, des -s, plur. die -n, eigentlich, das Auge eines Ochsen. Figürlich. 1) In den Küchen einiger Gegenden

[Bd. 3, Sp. 576]


werden auf zerlassene Butter geschlagene und gebackene Eyer, so daß der Dotter ganz bleibt, Ochsenaugen genannt; Nieders. Ossenogen, Speigelkoken, Spiegelkuchen. 2) In der Baukunst ist das Ochsenauge ein rundes oder oval rundes Fenster in einem Dache. 3) In einigen Gegenden führet das große Gänsekraut, Chrysanthemum Leucanthemum L. wegen einiger Ähnlichkeit der Blumen, den Nahmen des Ochsenauges. 4) Auch eine Art Zaunkönige, S. Adelung Goldhähnchen.
 
Artikelverweis 
Der Ochsenbauer, des -s, plur. die -n, ein Bauer, welcher keine Pferde, sondern nur Ochsen hält, im Gegensatze des Pferdebauers.
 
Artikelverweis 
Das Óchsenbrêch, des -es, plur. inus. eine Pflanze, siehe Hauhechel.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: