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Obrigkeit bis Ōbst (Bd. 3, Sp. 571 bis 572)
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Artikelverweis Die Obrigkeit, plur. die -en. 1) * Überlegene Gewalt, Herrschaft; ohne Plural. Welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsterniß, Col. 1, 13. In welcher Bedeutung es im Hochdeutschen veraltet ist. 2) Personen, welche im gemeinen Wesen der Gewalt zu gebiethen und zu verbiethen und die Rechtsstreitigkeiten zu entscheiden haben; wo es nur collective im Singular, von mehrern Arten aber auch im Plural gebraucht wird. Der König ist meine Obrigkeit; aber nicht, zwey Obrigkeiten für obrigkeitliche Personen oder Collegia. Die Obrigkeiten, die obrigkeitlichen Personen, von mehrern Arten. Die höchste Obrigkeit, die hohe Landesobrigkeit, welche die höchste Gewalt in einem Lande hat. Die geist- und weltliche Obrigkeit. Die hohe und niedere Obrigkeit. Unterobrigkeiten, welche von der höhern Obrigkeit an ihre Stelle verordnet worden. Die Stadtobrigkeit, der Magistrat, welcher oft auch nur schlechthin die Obrigkeit genannt wird. Jemanden bey der Obrigkeit verklagen. Wer ist seine Obrigkeit? Der Obrigkeit gehorchen.
   Anm. So wie man von über das Beywort übrig hat, so sagte man von ober ehedem auch obrig, und von diesem Worte ist vermittelst der Ableitungssylbe -keit unser Obrigkeit, im Oberdeutschen auch Obrikeit, Nieders. Overicheit gebildet. Indessen hatte man unmittelbar von ober auch Oberkeit, welches noch im Oberdeutschen üblich, im Hochdeutschen aber veraltet ist; Nieders. Overhed, Schwed. Öfwerhat. In beyden Formen kommt das Wort vor dem 15ten Jahrhunderte wohl nicht leicht vor, denn in den ältern Zeiten hatte man andere Wörter, diesen Begriff auszudrucken, Hertuom, Maistertuom u. s. f. Als es aufkam, gebrauchte man es zuerst im Abstracto von der Herrschaft.
 
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Obrigkeitlich, adj. et adv. der Obrigkeit gehörig, von ihr herkommend, in derselben gegründet. Die obrigkeitliche Gewalt. Ein obrigkeitlicher Befehl. Eine obrigkeitliche Person. Ein obrigkeitliches Amt.
 
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Der Obrigkeitstein, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben einiger Gegenden noch ein Gränzstein, welcher die Gränzen eines Landes, der Landesobrigkeit scheidet, ein Bannstein; von Obrigkeit, so fern es ehedem auch die obrigkeitliche Gewalt bezeichnete.
 
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Obrist, Obristeu. s. f. S. Adelung Oberund Oberst-
 
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Obschon, ein Bindewort, welches einen Gegensatz begleitet, mit obgleich gleichbedeutend ist, und auch eben so wie dieses gebraucht wird. Es kann so wohl im Vordersatze stehen, da es denn alle Mahl das so und oft noch doch nach sich hat, als auch im Nachsatze. Obschon noch nicht ausgemacht ist, so u. s. f. Ich habe es erfahren, obschon niemand von ihnen es mir sagen wollte. Die Pronomina und das Wörtchen nun verursachen auch hier alle Mahl eine Trennung, welches zuweilen auch der Nominativ des Nennwortes thut. Ob ich schon wandere im finstern Thal, Ps. 23, 4. Obs schon wieder in die Scheide gesteckt würde, Ezech. 21, 30. Ob ich ihn schon nicht kenne, so will ich ihm doch den Gefallen thun. Ob die Menschen schon undankbar sind. Indessen ist dieses Bindewort im gemeinen Leben häufiger, als in der edlen und anständigen Schreibart, wo man dafür lieber die gleichbedeutenden obgleich und obwohl gebraucht.
   Anm. Im Nieders. lautet dieses Bindewort obshonst, im Dän. omskiont, im Schwed. änskönt, und mit andern Vorsylben im Nieders. auch allshonst und im Dän. endskiont. Schon stammet

[Bd. 3, Sp. 572]


hier nicht, wie Ihre glaubt, von ske, geschehen, noch von schön ab, sondern ist die bekannte Partikel schon, S. dieselbe.
 
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Obschwêben, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und von dem veralteten Vorworte ob, über, zusammen gesetzet ist, über etwas schweben, und figürlich vorhanden seyn, bervorstehen. Es ist im Oberdeutschen am häufigsten, wird aber auch in den Hochdeutschen Kanzelleyen gebraucht. Die zwischen ihnen obgeschwebten Streitigkeiten. Die obschwebende Gefahr.
 
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Die Observánz, plur. die -en, aus dem Lat. observantia, in den Rechten, das Herkommen, ingleichen eine in dem Herkommen gegründete Gewohnheit, ein hergebrachtes Recht. S. Adelung Herkommen.
 
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Die Obsicht, plur. car. ein auch nur im Oberdeutschen für Aufsicht übliches Wort, von ob, auf. Die Obsicht über etwas haben. Scharfe Obsicht halten. Etwas in Obsicht nehmen, Logau.
 
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Obsiegen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und für das einfache siegen im Oberdeutschen gebraucht wird, aus welcher Mundart es zuweilen die höhere Schreibart der Hochdeutschen entlehnet; von ob, über. Der Vernunft kommt es zu, in dem Streite der Leidenschaften obzusiegen.
   Denn Friedrich, der Menschenfreund, hat obgesiegt mit Gott,
   Zachar. Wo man es im Oberdeutschen auch mit der dritten Endung der Person verbindet.
   Und Rhötus flohe dich,
   Dem Bacchus obgesiegt,
   Opitz Der Obsieg für Sieg, und Obsieger für Sieger, sind im Oberdeutschen gleichfalls üblich, so wie das Bey- und Nebenwort obsieglich; ein obsiegliches Urtheil erhalten, in dem Gerichte siegen
 
Artikelverweis Die
Obsorge, plur. inus. ein gleichfalls nur im Oberdeutschen einheimisches Wort, für Vorsorge, gleichfalls von ob, über oder für. Eben daselbst hat man auch das Zeitwort obsorgen; dem Seinigen obsorgen, für das Seinige sorgen.
 
Artikelverweis 
Das Ōbst, des -es, plur. inus. ein Collectivum. 1) Eine jede eßbare Frucht des Gewächsreiches, deren Samen mit einer fleischigen Bedeckung umgeben ist; in welcher weitesten Bedeutung alle Früchte dieser Art der Stauden und Pflanzen, z. B. die Stachelbeeren, Himbeeren, Weintrauben, Melonen, ja in noch weiterer Bedeutung von einigen auch die Nüsse, mit zu dem Obste gerechnet werden. 2) In engerm und gewöhnlicherm Verstande gehören nur die Baumfrüchte, deren Same mit einer fleischigen oder saftigen Bedeckung umgeben ist, zu dem Obste. Kernobst, dessen Samenkerne eine weiche Schale haben, und wozu die Äpfel, Birnen u. s. f. gehören; im Gegensatze des Steinobstes, dessen Kerne mit einer steinharten Schale umgeben sind, wie die Kirschen, Pflaumen, Aprikosen, Pfirschen u. s. f. Ein Apfel ist ein schönes Obst, besser, Äpfel sind ein schönes Obst. Obst essen. Mit Obst handeln. 3) In der engsten und allem Ansehen nach eigentlichsten Bedeutung gehören nur die Äpfel und Birnen zu dem Obste. Frühobst, frühzeitiges Obst, Äpfel oder Birnen, welche früh reif werden; zum Unterschiede von dem Spätobste oder späten Obste.
   Anm. Bey dem Ottfried in dieser letzten Bedeutung Obaz, bey dem Notker Obazo, bey dem Willeram Obaz, Obeze, im Nieders. Avet, im Böhm. Owoce. Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese Wort mit Apfel eines Geschlechtes ist, indem beyde Wörter nur in den Endsylben -el, und -ez, -es, -s, -st, unterschieden sind. Im Oberdeutschen sagt man nur Obs für Obst. Da dieses Wort aus Obes zusammen gezogen ist, so erhellet daraus

[Bd. 3, Sp. 573]


zugleich die Ursache, warum das o gedehnt ist, ungeachtet zwey Mitlauter darauf folgen.

 

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