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Oblaten-Bäcker bis Obschon (Bd. 3, Sp. 570 bis 571)
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Artikelverweis Der Oblaten-Bäcker, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bäcker, welcher vornehmlich Oblaten bäckt.
 
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Die Obley, plur. die -en, ein gleichfalls aus dem Lat. Oblata geformtes und nur noch in einigen Gegenden übliches Wort. 1) Alles was Klöstern und geistlichen Stiftern an Lebensmitteln und selbst an Geld geschenkt wird, führet in einigen Oberdeutschen Gegenden noch jetzt den Nahmen der Obley. Daher das Obleyhaus, ein Gebäude, in welchem solche Gaben angenommen, und wo sie verwahret werden, der Obleyschreiber, der darüber Rechnung führet u. s. f. S. Frischens Wörterbuch. 2) In noch weiterer Bedeutung wurde hernach oft ein jedes Geld, welches man für den Besitz eines Dinges, oder für eine gewisse Begünstigung entrichtete, eine Obley genannt. So heißt noch in einigen Gegenden Obersachsens dasjenige Geld, welches die Einwohner des Dorfes dem Grund- oder Gerichtsherren entrichten, wenn derselbe einen Eber zum Behuf des Dorfes hält, so wohl das Ebergeld, als auch die Obley.
   Das Wort Oblei kommt schon in dem alten Gedichte auf den heil. Anno vor.
 
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Obliegen, verb. irreg. act. (S. Adelung Liegen,) welches auf doppelte Art gebraucht wird. 1. Mit dem Hülfsworte seyn, wo es aus dem veralteten Nebenworte ob für oben, und liegen zusammen gesetzet ist, oben liegen, und figürlich, in einem Wettstreite die Oberhand gewinnen, den Sieg davon tragen. Du hast mit Gott und mit Menschen gekämpfet und bist obgelegen, 1 Mos. 32, 28. Ein Geschrey derer die obliegen und unterliegen, 2 Mos. 32, 18. Wo es denn auch wohl mit der dritten Endung gebraucht wird. Er wird seinen Feinden obliegen. Im Hochdeutschen gehöret es in diesem Verstande unter die veralteten Wörter, außer daß es noch zuweilen von den Dichtern im Andenken erhalten wird. Doch so das es dir niht lige ob, daß es dich nicht beherrsche, bey dem Winsbeck. 2. Mit dem Hülfsworte haben, wo es aus dem veralteten Vorworte ob, auf, zusammen gesetzet ist. 1) Einer Sache obliegen, sich derselben auf eine anhaltende Art befleißigen. Den Wissenschaften, der Musik, dem Tanzen obliegen. Auch diese Bedeutung kommt im Hochdeutschen wenig mehr vor. 2) Durch ein Gesetz zu etwas bestimmt seyn, dazu verpflichtet, verbunden seyn; wo es nur in der dritten Person, und oft unpersönlich gebraucht wird, und gleichfalls die dritte Endung der Person erfordert. Es lag dir ob, daran zu denken. Es lieget mir ob, dafür zu sorgen. Die wichtige Pflicht, die uns obliegt, die Kräfte unsers Geistes auszubilden, Gell.
   Mir liegt die Pflicht der Ehrfurcht, ob,
   Haged.
   Was liegt Monarchen ob, die tausende regieren?
   ebend.
 
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Die Obliegenheit, plur. die -en, von der letzten Bedeutung des vorigen Wortes, diejenige Handlung, welche uns oblieget, wozu man verbunden ist, ein Verhalten, welches durch ein Gesetz bestimmt ist, eine Pflicht. Auch im Pohlnischen ist Oblig die Pflicht.
 
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Die Obligatiōn, plur. die -en, aus dem Lat. Obligatio, das schriftliche Bekenntniß einer Schuld, welche man einem andern zu bezahlen hat; der Schuldbrief, Schuldschein, ehedem der Schuldzettel. Man gebraucht es nur von förmlichen mit allen Feyerlichkeiten versehenen Schuldbriefen, dagegen man kleinere einfache Schuldbekenntnisse nur Handschriften zu nennen pflegt.
 
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Der Obmann, des -es, plur. die -männer, ein im Hochdeutschen großen Theils veraltetes Wort, welches aus dem alten ob, auf, und Mann, zusammen gesetzet ist, S. 1 Ob. 1) Ein Aufseher, welchem die Aufsicht über etwas aufgetragen ist; in welcher im Hochdeutschen ganz fremden Bedeutung im Österreichischen der

[Bd. 3, Sp. 571]


Eisenobmann der oberste Aufseher eines Eisenwerkes ist. 2) Der Schiedsrichter zwischen zwey streitigen Theilen, in welchem Verstande es noch zuweilen vorkommt, und alsdann auch Obermann lautet; Nieders. Upmann, Overmann und Uppermann. Jemanden zum Obermann erwählen, zum Schiedsrichter. Siehe Schiedsrichter.
 
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Die Obrigkeit, plur. die -en. 1) * Überlegene Gewalt, Herrschaft; ohne Plural. Welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsterniß, Col. 1, 13. In welcher Bedeutung es im Hochdeutschen veraltet ist. 2) Personen, welche im gemeinen Wesen der Gewalt zu gebiethen und zu verbiethen und die Rechtsstreitigkeiten zu entscheiden haben; wo es nur collective im Singular, von mehrern Arten aber auch im Plural gebraucht wird. Der König ist meine Obrigkeit; aber nicht, zwey Obrigkeiten für obrigkeitliche Personen oder Collegia. Die Obrigkeiten, die obrigkeitlichen Personen, von mehrern Arten. Die höchste Obrigkeit, die hohe Landesobrigkeit, welche die höchste Gewalt in einem Lande hat. Die geist- und weltliche Obrigkeit. Die hohe und niedere Obrigkeit. Unterobrigkeiten, welche von der höhern Obrigkeit an ihre Stelle verordnet worden. Die Stadtobrigkeit, der Magistrat, welcher oft auch nur schlechthin die Obrigkeit genannt wird. Jemanden bey der Obrigkeit verklagen. Wer ist seine Obrigkeit? Der Obrigkeit gehorchen.
   Anm. So wie man von über das Beywort übrig hat, so sagte man von ober ehedem auch obrig, und von diesem Worte ist vermittelst der Ableitungssylbe -keit unser Obrigkeit, im Oberdeutschen auch Obrikeit, Nieders. Overicheit gebildet. Indessen hatte man unmittelbar von ober auch Oberkeit, welches noch im Oberdeutschen üblich, im Hochdeutschen aber veraltet ist; Nieders. Overhed, Schwed. Öfwerhat. In beyden Formen kommt das Wort vor dem 15ten Jahrhunderte wohl nicht leicht vor, denn in den ältern Zeiten hatte man andere Wörter, diesen Begriff auszudrucken, Hertuom, Maistertuom u. s. f. Als es aufkam, gebrauchte man es zuerst im Abstracto von der Herrschaft.
 
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Obrigkeitlich, adj. et adv. der Obrigkeit gehörig, von ihr herkommend, in derselben gegründet. Die obrigkeitliche Gewalt. Ein obrigkeitlicher Befehl. Eine obrigkeitliche Person. Ein obrigkeitliches Amt.
 
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Der Obrigkeitstein, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben einiger Gegenden noch ein Gränzstein, welcher die Gränzen eines Landes, der Landesobrigkeit scheidet, ein Bannstein; von Obrigkeit, so fern es ehedem auch die obrigkeitliche Gewalt bezeichnete.
 
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Obrist, Obristeu. s. f. S. Adelung Oberund Oberst-
 
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Obschon, ein Bindewort, welches einen Gegensatz begleitet, mit obgleich gleichbedeutend ist, und auch eben so wie dieses gebraucht wird. Es kann so wohl im Vordersatze stehen, da es denn alle Mahl das so und oft noch doch nach sich hat, als auch im Nachsatze. Obschon noch nicht ausgemacht ist, so u. s. f. Ich habe es erfahren, obschon niemand von ihnen es mir sagen wollte. Die Pronomina und das Wörtchen nun verursachen auch hier alle Mahl eine Trennung, welches zuweilen auch der Nominativ des Nennwortes thut. Ob ich schon wandere im finstern Thal, Ps. 23, 4. Obs schon wieder in die Scheide gesteckt würde, Ezech. 21, 30. Ob ich ihn schon nicht kenne, so will ich ihm doch den Gefallen thun. Ob die Menschen schon undankbar sind. Indessen ist dieses Bindewort im gemeinen Leben häufiger, als in der edlen und anständigen Schreibart, wo man dafür lieber die gleichbedeutenden obgleich und obwohl gebraucht.
   Anm. Im Nieders. lautet dieses Bindewort obshonst, im Dän. omskiont, im Schwed. änskönt, und mit andern Vorsylben im Nieders. auch allshonst und im Dän. endskiont. Schon stammet

[Bd. 3, Sp. 572]


hier nicht, wie Ihre glaubt, von ske, geschehen, noch von schön ab, sondern ist die bekannte Partikel schon, S. dieselbe.

 

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