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Obhaben bis Obligatiōn (Bd. 3, Sp. 569 bis 570)
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Artikelverweis * Obhaben, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Haben,) welches nur im Oberdeutschen für aufhaben oder auf sich haben üblich ist. Wegen meines obhanbenden schweren Amtes. Von ob, so fern es ehedem auf bedeutete, S. 1 Ob.
 
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* Obhanden, adj. et adv. welches gleichfalls nur im Oberdeutschen üblich ist, für vorhanden. Die obhandene Gefahr, die vorhandene. Es ist nichts mehr obhanden, vorhanden. S. 1 Ob.
 
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Die Obhuth, plur. car. die Huth, d. i. der Schutz, die Aufsicht, ob oder über eine Sache; ein in der Hochdeutschen Schreibart gleichfalls seltenes Wort, welches noch in den Kanzelleyen und dem kanzelleyförmigen Briefstyle am üblichsten ist, doch aber noch zuweilen in der edlern Schreibart gebraucht wird. Die göttliche Obhuth über das Israelitische Volk. Jemanden der göttlichen Obhuth empfehlen. S. 1 Ob.
 
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Obig, das Beywort von dem Nebenworte oben, was oben ist, oder gewesen ist. Es ist nur in engerer Bedeutung üblich, so fern oben die vorher gegangene Stelle in einer Schrift bedeutet. Mein obiger Satz, welchen ich oben, d. i. im Vorhergehenden angeführet habe. Aus obigen erhellet, daß u. s. f. Es ist von dem veralteten Nebenworte ob für oben vermittelst der Ableitungssylbe -ig gebildet, S. 1 Ob. Opitz gebraucht dafür auf eine ungewöhnliche Art oben als ein Beywort. Der obene Beweis, der obige.
 
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* Die Oblast, plur. die -en, ein veraltetes nur noch in den Kanzelleyen für das einfache Last übliches Wort, eine Last oder Verbindlichkeit, welche man auf sich hat. Die Oblasten eines Standes gegen das Deutsche Reich.
 
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Die Oblāte, plur. die -n, ein sehr dünnes Gebackenes, welches gemeiniglich aus bloßem Mehl und Wasser zwischen zwey warmen Eisen gebacken wird, und oft nur die Dicke eines starken Papieres hat. Dergleichen sind die Oblaten, deren sich die Zuckerbäcker zum Boden für die Makronen, den Marzipan u. s. f. bedienen. Runder Oblaten bedienet man sich zum Zusiegeln der Briefe. Die Oblaten, deren man sich im Abendmahl statt des Brotes bedienet, sind von eben der Art, nur daß sie größer sind, als die Brief-Oblaten, S. Adelung Hostie.
   Anm. Obgleich die Griechen schon eine Art Brot hatten, welches sie οβελιαι nannten, und welches, dem Athenäus zu Folge, zwischen zwey Eisen gebacken wurde; so ist es doch erweislich genug, daß dieses Wort aus dem Lat. Oblata herstammet. In den ersten Zeiten des christlichen Alterthumes brachten die Christen bey ihren Zusammenkünften alle selbst mit, was zu den Liebesmählern und der darauf folgenden Haltung des Abendmahles nöthig war, welches daher Oblata, Oblationes genannt wurde. Da nun hierunter auch das zum Abendmahle nöthige Brot befindlich war, so behielt dasselbe den Nahmen nicht nur nach Abschaffung der Liebesmähler, sondern auch, nachdem man statt des Brotes die jetzt üblichen Kuchen einführete, worauf denn auch ein jedes ihnen ähnliche Gebäck Oblate genannt wurde. Im gemeinen Leben pflegt man ein dünnes Gebackenes aus Mehl und Wasser für kleine Kinder

[Bd. 3, Sp. 570]


Anblatt zu nennen, welches ohne Zweifel aus Oblate verderbt ist. S. auch Obley.
 
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Der Oblaten-Bäcker, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bäcker, welcher vornehmlich Oblaten bäckt.
 
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Die Obley, plur. die -en, ein gleichfalls aus dem Lat. Oblata geformtes und nur noch in einigen Gegenden übliches Wort. 1) Alles was Klöstern und geistlichen Stiftern an Lebensmitteln und selbst an Geld geschenkt wird, führet in einigen Oberdeutschen Gegenden noch jetzt den Nahmen der Obley. Daher das Obleyhaus, ein Gebäude, in welchem solche Gaben angenommen, und wo sie verwahret werden, der Obleyschreiber, der darüber Rechnung führet u. s. f. S. Frischens Wörterbuch. 2) In noch weiterer Bedeutung wurde hernach oft ein jedes Geld, welches man für den Besitz eines Dinges, oder für eine gewisse Begünstigung entrichtete, eine Obley genannt. So heißt noch in einigen Gegenden Obersachsens dasjenige Geld, welches die Einwohner des Dorfes dem Grund- oder Gerichtsherren entrichten, wenn derselbe einen Eber zum Behuf des Dorfes hält, so wohl das Ebergeld, als auch die Obley.
   Das Wort Oblei kommt schon in dem alten Gedichte auf den heil. Anno vor.
 
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Obliegen, verb. irreg. act. (S. Adelung Liegen,) welches auf doppelte Art gebraucht wird. 1. Mit dem Hülfsworte seyn, wo es aus dem veralteten Nebenworte ob für oben, und liegen zusammen gesetzet ist, oben liegen, und figürlich, in einem Wettstreite die Oberhand gewinnen, den Sieg davon tragen. Du hast mit Gott und mit Menschen gekämpfet und bist obgelegen, 1 Mos. 32, 28. Ein Geschrey derer die obliegen und unterliegen, 2 Mos. 32, 18. Wo es denn auch wohl mit der dritten Endung gebraucht wird. Er wird seinen Feinden obliegen. Im Hochdeutschen gehöret es in diesem Verstande unter die veralteten Wörter, außer daß es noch zuweilen von den Dichtern im Andenken erhalten wird. Doch so das es dir niht lige ob, daß es dich nicht beherrsche, bey dem Winsbeck. 2. Mit dem Hülfsworte haben, wo es aus dem veralteten Vorworte ob, auf, zusammen gesetzet ist. 1) Einer Sache obliegen, sich derselben auf eine anhaltende Art befleißigen. Den Wissenschaften, der Musik, dem Tanzen obliegen. Auch diese Bedeutung kommt im Hochdeutschen wenig mehr vor. 2) Durch ein Gesetz zu etwas bestimmt seyn, dazu verpflichtet, verbunden seyn; wo es nur in der dritten Person, und oft unpersönlich gebraucht wird, und gleichfalls die dritte Endung der Person erfordert. Es lag dir ob, daran zu denken. Es lieget mir ob, dafür zu sorgen. Die wichtige Pflicht, die uns obliegt, die Kräfte unsers Geistes auszubilden, Gell.
   Mir liegt die Pflicht der Ehrfurcht, ob,
   Haged.
   Was liegt Monarchen ob, die tausende regieren?
   ebend.
 
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Die Obliegenheit, plur. die -en, von der letzten Bedeutung des vorigen Wortes, diejenige Handlung, welche uns oblieget, wozu man verbunden ist, ein Verhalten, welches durch ein Gesetz bestimmt ist, eine Pflicht. Auch im Pohlnischen ist Oblig die Pflicht.
 
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Die Obligatiōn, plur. die -en, aus dem Lat. Obligatio, das schriftliche Bekenntniß einer Schuld, welche man einem andern zu bezahlen hat; der Schuldbrief, Schuldschein, ehedem der Schuldzettel. Man gebraucht es nur von förmlichen mit allen Feyerlichkeiten versehenen Schuldbriefen, dagegen man kleinere einfache Schuldbekenntnisse nur Handschriften zu nennen pflegt.

 

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