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Obelísk bis Oberarm (Bd. 3, Sp. 555 bis 558)
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Artikelverweis Der Obelísk, des -en, plur. die -en, ein aus dem Griechischen entlehntes Wort, eine hohe viereckige Pyramide mit einer kleinen Grundfläche zu bezeichnen. Weil sie gemeiniglich zur Pracht errichtet werden, so hat man dieses Wort durch Prachtkegel zu geben versucht. Opitz gebraucht dafür Spitzstein. Spitzsäule ist schicklicher, nur daß es auch von Pyramiden gebraucht wird.
 
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Oben, ein Nebenwort des Ortes, der Höhe nach, mehr von der Oberfläche der Erde, oder von ihrem Mittelpuncte entfernet, im

[Bd. 3, Sp. 556]


Gegensatze des unten und nieden, ingleichen auf der Oberfläche, d. i. der von dem Mittelpuncte der Erde am weitesten entfernten Fläche eines Dinges. 1. Eigentlich. Oben schwimmen, auf der Oberfläche des Wassers. Gemeiniglich kommen noch Vorwörter dazu, welche diesen sonst unbestimmten Begriff näher bestimmen. Oben auf dem Berge. Oben im Sacke, 1 Mos. 42, 27. Oben im Hause, wofür man auch nur schlechthin oben sagt. Oben wohnen, oben im Hause. Oben im Himmel. Von oben an bis unten aus. Bis oben an füllen. Oben drauf stehen, legen, setzen, stellen. Wir kommen von oben her. Etwas oben abschneiden. Von oben herab, von oben nieder. Oben durch das Dach. Dort oben, im Gegensatze des hier unten oder hier nieden. 2. Figürlich. 1) Für vorher, im vorigen: in Schriften, im Gegensatze des unten. Wie oben gedacht worden, im vorigen. Der oben gemeldete Freund. Die oben erwähnte Sache. In den Hoch- und Oberdeutschen Kanzelleyen ist dafür das veraltete ob üblich, welches alsdann mit den Mittelwörtern zusammen gezogen wird; oberwähnt, S. 1 Ob. Aber unser oben mit ihnen zusammen zu ziehen, obengedacht, ist wider alle Analogie. 2) Oben an sitzen, gehen, stehen, an dem obersten, vornehmsten Platze. 3) Oben ein, oder oben drein, über dieß noch, als ein überflüssiges, eigentlich nicht zur Sache gehöriges Stück. Etwas oben drein geben, als eine Zugabe. Die zehnte gäb ich oben drein, Weiße. Ingleichen über dieß noch, in der vertraulichen Sprechart. Ich mußte noch oben ein den Verdruß empfinden u. s. f. Er ist so reich wie sie oben drein aber ist er noch ein rechtschaffener und ehrlicher Mann, Weiße. Da werde ich noch oben ein ausgelacht. Da kommt noch oben drein jemand. 4) Oben hin, welches von vielen ohne Noth zusammen gezogen wird, obenhin, nachlässig, gleichsam nur die Oberfläche berührend, auf der Oberfläche hin, im Gegensatze des gründlich. Nur so oben hin arbeiten. Eine Sache nur oben hin machen, verfertigen, betrachten, untersuchen u. s. f. Latein. obiter.
   Anm. Schon bey dem Kero obuna, bey dem Ottfried obana, im Tatian ufana, im Dän. oven, oppe, im Schwed. osvan. Es ist das alte ob, (S. 1 Ob,) mit der adverbischen Endung -en, welche auch in unten, nieden, außen, hinten, vornen u. s. f. angetroffen wird; im Oberdeutschen hängt man sie den meisten Nebenwörtern in der adverbischen Form an, heimlichen, gröblichen, für heimlich, gröblich. Die Niederdeutschen und nördlichen Mundarten setzen noch ein b voran, Nieders. baven, Holländ. boven, Angels. bufan, Engl. above, so wie die Lateiner statt dessen den Zischlaut vorsetzen, supra, und die Griechen den Hauchlaut υπερ. Ehedem war es auch als ein Beywort üblich. Der obene Beweis, der obige, Opitz, und bey dem Hornegk findet sich auch das im Hochdeutschen veraltete Zeitwort oben, oben über etwas seyn oder schweben.
 
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Obenein und Obenhin, S. das vorige.
 
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Ober, das Beywort des vorigen Nebenwortes, welches, Einen Fall ausgenommen, in der adverbischen Form nicht üblich ist, und im Comparat. oberer, und im Superlat. oberste hat, was oben ist, im Gegensatze des unter.
   1. Eigentlich, wo es nicht schlechthin von der Oberfläche der Erde oder ihrem Mittelpuncte mehr entfernet, als ein anderes Ding, bedeutet, welchen Begriff man durch hoch ausdruckt, sondern alle Mahl den von der Erdfläche oder dem Mittelpuncte der Erde am meisten entfernten Theil eines Dinges bezeichnet, im Gegensatze des unter. Die obere Fläche eines Dinges. Das obere Stock oder oberste Stock im Hause. Die obern Zimmer. Der obere oder oberste Theil. Der oberste Gipfel. Der obere Gang. Der obere Mühlstein, der oberste. Auf dem obersten Boden.

[Bd. 3, Sp. 557]


Ingleichen von Ländern und Erdflächen, näher nach dem Gebirge und dem Ursprunge der Flüsse zu; im Gegensatze des nieder und unter. Das obere Deutschland. Der obere Teich. Das obere Thor. Am häufigsten in den Zusammensetzungen Ober-Sachsen, Ober-Baiern, Ober-Ungarn, Ober-Italien, Ober-Deutschland u. s. f.
   Man hält dieses Beywort eben so irrig für den Comparativ, dem der Positiv fehlet, als man bisher außer, hinter, vorder u. s. f. dafür gehalten hat, S. Adelung Hinter und Nieder, indem die dort angeführten Gründe auch von diesem Worte gelten. Mit mehrerm Grunde könnte man behaupten, daß es keinen Comparativ habe, oder vielmehr, daß der Comparativ, bey der heutigen eingeschränkten Bedeutung des Wortes, nicht gangbar sey. Ehedem, da es überhaupt hoch bedeutete, hatte es allerdings einen Comparativ, der noch bey dem Notker oberroro lautet. Jetzt, da man es nur von der von dem Mittelpuncte am meisten entfernten Fläche eines Dinges, oder von einem solchen Theile eines Ganzen gebraucht, im Gegensatze des unter, fällt der Comparativ der Natur der Sache nach, weg, und auch der Superlativ würde überflüssig seyn, wenn man ihn nicht, vermuthlich um des Nachdruckes willen, behalten hätte. Der obere Stock ist so viel wie der oberste. Indessen, da die obern Theile eines Dinges wieder ihre Stufen haben, so kann es seyn, daß der Comparativ um des Wohllautes willen oft in den Positiv zusammen gezogen wird. So finden unter den obern Zimmern eines Hauses doch immer noch oberste Zimmer Statt.
   Ober ist als ein Nebenwort so wenig üblich, als hinter, außer, vorder, u. s. f. denn dafür haben diese Wörter ihre eigenen Nebenwörter auf -en, hinten, außen, vornen, oben. Indessen wird doch der Superlativ im gemeinen Leben oft als ein Nebenwort gebraucht. Das unterste zu oberst kehren. Alleroberst auf dem Berge, oben auf dem höchsten Gipfel. Jetzt gingen sie zu oberst auf dem Hügel in die Laube, Geßn.
   2. Figürlich. 1) Der Würde, dem Range nach; im Gegensatze des nieder und zuweilen auch des unter. Die obern Classen in einer Schule, die höhern, zum Unterschiede von den niedern oder untern. Die obere Gerichtbarkeit, im Gegensatze der niedern. Die obern Schulen, die höhern, im Gegensatze der untern. Die oberste Stelle haben. Wohin auch eine Menge Zusammensetzungen gehören, in welchen eine Person oder Sache der mit unter zusammen gesetzten entgegen gesetzet ist, S. eine Probe davon im folgenden. In vielen Gegenden ist in diesen Zusammensetzungen statt des Ober- auch der Superlativ Oberst-, ehedem Obrist-, üblich; der Oberjägermeister und Oberstjägermeister. Von der sittlichen Würde ist nicht ober sondern hoch und erhaben üblich. 2) Der Gewalt nach; gleichfalls im Gegensatze des unter. Die oberste Gewalt, die höchste. Der oberste Vergelter, Sir. 3, 34. Gott unser oberster Herr und Gebiether, Gell.
   Die Obern, d. i. die Vorgesetzten, Personen, welche uns zu befehlen haben. Den Obern gehorsam seyn. Er ist mein Oberer, mein Vorgesetzter. In der Deutschen Karte ist der Obere und zusammen gezogen der Ober, im Gegensatze des Untern, das was in der Französischen Karte die Dame ist.
   Der Oberste bedeutet eigentlich denjenigen, welcher unter mehrern die höchste Gewalt hat. Daher sind in der Deutschen Bibel die Obersten der Gemeine, die Obersten im Volke, die Obersten der Jüden u. s. f. die obrigkeitlichen Personen, die Vornehmsten, die Obern. Der Feldoberste, oder der Oberste über den reisigen Zeug, war bey der ehemahligen Kriegsverfassung der Deutschen das, was jetzt ein General von der Cavallerie ist. Jetzt ist bey den Kriegsheeren der Oberste der erste und vornehmste

[Bd. 3, Sp. 558]


unter den Hauptleuten, der Vorgesetzte eines Regimentes, Franz. Colonel, wo dieses Wort mit der Oberdeutschen Versetzung des r zwar oft, aber deßwegen nicht minder fehlerhaft, Obriste geschrieben und gesprochen wird.
   Anm. Bey dem Ottfried obor, und im Superlativ oberosta, im Angels. ober, ufer, yfera, im Engl. over, upper, im Nieders. upper, im Schwed. öfver. Es ist von dem veralteten ob, oben, und der adjectivischen Endung -er gebildet, wie nieder von nied und -er, S. Adelung Nieder. Es war ehedem auch ein Vorwort, in welcher Gestalt es aber nunmehr bey uns über lautet, S. dieses Wort. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist für über noch ober üblich; ober uns, über uns. Im Österreichischen bedeutet das Obers eigentlich das Oberste, den Milchrahm, die Sahne.
 
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Die Oberacht, plur. inus. in den Gerichten einiger Gegenden, S. Adelung Aberacht.
 
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Der Ober-Admirāl, des -es, plur. die -rale, der oberste Admiral unter mehrern. In England ist der Admiral von der rothen Flagge zugleich Ober-Admiral. Bey den neuern Schriftstellern des Naturreiches sind der Ober-Admiral und Unter-Admiral gewisse sehr schöne konische Schnecken, Conus Ammiralis L.
 
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Der Oberalte, des -n, plur. die -n, in einigen, besonders Niedersächsischen Gegenden, ein Nahme des Obermeisters oder Ältesten des Handwerkes oder einer Innung, welcher auch wohl der Oberälteste genannt wird. S. Adelung Obermeister.
 
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Das Oberamt, des -es, plur. die -ämter, das oberste, d. i. höchste und vornehmste Amt unter mehrern einer Art, zum Unterschiede von den Unterämtern. Besonders ein solches Kammeramt. Oft ist es nur ein bloßer Titel, der einem solchen Amte einen höhern Grad der Würde ertheilet. Daher der Oberamtmann, der einem Oberamte vorgesetzet ist.
 
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Die Oberamtsregierung, plur. die -en, in einigen Gegenden, ein Nahme des höchsten Regierungs-Collegii in der Provinz.
 
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Die Oberarche, plur. die -n, im Jagdwesen, die obern Archen oder Leinen an dem Jagdzeuge; zum Unterschiede von den Unterarchen. S. Adelung Arche.
 
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Der Oberarm, des -es, plur. die -e, der obere Theil des Armes zwischen der Schulter und dem Elbogen.

 

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