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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Ob bis Ober-Admirāl (Bd. 3, Sp. 552 bis 558)
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Artikelverweis 1. * Ob, eine im Hochdeutschen veraltete Partikel, welche noch im Oberdeutschen üblich ist, wo sie dem nied (S. Adelung Nieden) entgegen gesetzet ist, und in doppelter Gestalt vorkommt. 1) Als ein Nebenwort des Ortes, für das Hochdeutsche oben, S. dieses Wort. Besonders in den Zusammensetzungen obbesagt, obbemeldt, obgemeldt, obberührt, oberwähnt, obgedacht, obgenannt, obgeschrieben, oberzählt, obangezogen u. s. f. welche auch in den Hochdeutschen Kanzelleyen nicht selten sind, und wofür man in der reinern Schreibart oben gedacht, oben gemeldet, oben genannt u. s. f. gebraucht. S. auch Obig. 2) Als ein Vorwort, welches die dritte Endung erfordert, und eigentlich über, figürlich aber auch wegen, an, während u. s. f. bedeutet, in welcher Gestalt es auch in der Deutschen Bibel vorkommt. Ob dem Haupte schweben, über. Meine Hand soll ob dir halten, über dir, 2 Mos. 32, 22. Darum daß ich ob dem Guten halte, Ps. 38, 21. Halte ob dem Wort, Tik. 1, 9. Daß ihr ob dem Glauben kämpfet, Epist. Jud. 3, für den Glauben oder wegen desselben. Ob dem Mahle, Macc. 16, 16, während der Mahlzeit. Du schiltest ob der stolzen Leute Schaar, Opitz. Gott halt ob ihnen Hand, ebend. Ob denen wird des Herren Güte schweben, ebend. Österreich ob der Ens, über, jenseit der Ens. Rothenburg ob der Tauber, an der Tauber. Wir haben ob Ew. Schreiben vernommen, aus. Im Hochdeutschen gebraucht man dieses Vorwort noch zuweilen in der komischen Schreibart. Ihm graute ob einem solchen Wundersmann. Dahin gehören auch die Zusammensetzungen darob, darüber, hierob, hierüber, Obacht, Obdach, Obhut, Obhanden, Obmann, Obsicht, Obstatt, obliegen, obsiegen u. s. f. welche im Oberdeutschen am üblichsten sind, wenigstens aus dieser Mundart herstammen, ob sie gleich zuweilen auch im Hochdeutschen vorkommen.
   Anm. Diese alte Partikel lautet schon bey dem Kero und Ottfried oba. Sie ist das Stammwort von unserm oben, oder und über, und ist mit auf, Nieders. up, genau verwandt; S. diese

[Bd. 3, Sp. 554]


Wörter. Auf eben diese Art stammen von dem Oberdeutschen nied die Hochdeutschen nieden und nieder her.
 
Artikelverweis 
2. Ob, ein Bindewort, welches überhaupt einen Zweifel, eine Ungewißheit begleitet, und in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist.
   1. Einen eigentlichen Zweifel, eine eigentliche Ungewißheit zu begleiten, wo es alle Mahl im Nachsatze stehet, und solche Zeitwörter vor sich hat, auf welche sich die Ungewißheit beziehet. Frage ihn, ob er es gesehen hat. Frage erst, ob er da ist. Siehe zu, ob er es ist. Daß ich sehe, ob sie noch leben, 2 Mos. 4, 18. Ich frage dich, ob du gehen willst. Es fragt sich, ob es noch Zeit ist. Wo das es sehr häufig mit dem ob zusammen gezogen wird. Wer weiß obs wahr ist. Ich weiß nicht, ob ichs thue. Wer weiß auch ob ich ihm gefalle.
   Laß sehn, spricht Galathe, obs auch die meine sey,
   Gell. Es kommt darauf an, ob er auch will.
   Man siehet schon aus diesen Beyspielen, daß ob nicht schlechterdings den Conjunctiv erfordert. In dem Gellertschen Beyspiele Laß sehn u. s. f. könnte auch der Indicativ stehen, obs auch die meine ist. Wird aber die Frage erzählet, so ist der Conjunctiv unentbehrlich. Man fragte ihn, ob er sich wohl befunden habe. Der auch in einigen andern Fällen nöthig ist, wenn das Ungewisse der Rede ihn erfordert. Sie mögen aus meiner Bestürzung schließen, ob mir ihr Antrag gleichgültig gewesen sey, Gell.
   Wenn nach der ungewissen Sache ihr Gegensatz mit beygefüget wird, so bekommt derselbe das oder vor sich. Bis er erkennete, ob der Herr zu seiner Reise Gnade gegeben hätte, oder nicht, 1 Mos. 24, 21. Der Priester soll es schätzen, obs gut oder böse sey, 3 Mos. 27, 12. Ich weiß nicht, ob ich es thue oder nicht. Man konnte lange nicht erfahren, ob er gesund oder krank sey. Die ungewissen Subjecte in dem Nachsatze leiden in der vertraulichen Sprechart auch eine Ellipse des Zeitwortes. Ja ich weiß nicht, welche sie meinen, ob die erste oder die letzte, Gell. d. i. ob sie die erste oder die letzte meinen. Ich weiß nicht, wem ich glauben soll, ob dem Magister, oder Lottchen, ebend.
   Bey den Dichtern wird statt des oder auch wohl das ob wiederhohlet.
   Kurz er blieb ungewiß, wo er mehr Ansehn hätte,
   Ob in dem Feld, ob in dem Cabinette,
   Gell. Im Nieders. ist diese Wortfügung sehr üblich. Ich weiß nicht, ob ich warte, ob nicht. Allein, da wird of, oft und ofte auch für oder überhaupt, ingleichen für entweder gebraucht. Ob dieß, ob das, entweder dieß, oder das.
   In der vertraulichen Sprechart dienet ob sehr oft auch ohne ein vorher gehendes Zeitwort eine Muthmaßung zu begleiten. Ob ich etwa gar krank werde? Gell. In andern Fällen ist die Auslassung des vorher gehenden Zeitwortes merklicher. Lassen sie uns gehen, ob wir die Sache sehen oder nicht, d. i. es ist nichts daran gelegen. Ob wir ihr kaltsinniges Gespräch von der Freundschaft hören oder nicht, Gell.
   Ehedem war es sehr üblich, ob vielleicht, oder nur ob allein für vielleicht daß zu setzen. Schreye zu deinem Gott, ob vielleicht Gott an uns gedenken wollte, Jon: 1, 6. Laßt uns Buße thun, ob Gott uns möchte gnädig seyn. In der reinern Schreibart der Hochdeutschen ist dieser Gebrauch veraltet.
   2) Einen möglichen aber doch noch ungewissen, oder wenigstens noch künftigen Fall, wo es bey den ältern Oberdeutschen Schriftstellern sehr häufig für das wenn überhaupt vorkommt. Vbe si daz ne tuont, wenn sie das nicht thun, Notker. Ob jemand sündiget, so haben wir einen Fürsprecher, 1 Joh. 2, 1. Und ob ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seyd ihr doch selig, 1 Pet. 3, 14. Im Hochdeutschen ist dieser Gebrauch, den folgenden

[Bd. 3, Sp. 555]


Fall ausgenommen, veraltet, daher Ramler ihn wenigstens für die Dichtung, wieder einzuführen gesucht:
   Und ob er auch diesen Triumph verlenkt
   So singe du doch u. s. f. Und an einem andern Orte:
   Ob alle Reisigen aus euren Vesten,
   Ob eine neue Helene
   Euch alle Prinzen aus Lutetiens Palästen
   Zu Feldherrn sendete; d. i. wenn auch.
   Das Nieders. oft, ofte, das alte Oberdeutsche oba, ibu das Angels. gif, und Engl. if, bedeuten gleichfalls wenn.
   Wir gebrauchen es in der Bedeutung des wenn nur noch in einem doppelten Falle. 1) In den zusammen gesetzten Bindewörtern obgleich, obschon und obwohl, S. diese Wörter. 2) Nach dem als, eben als, gleich als, eine Ähnlichkeit zu bezeichnen, wo alle Mahl der Conjunctiv folgen muß. Es ist mir, als ob ich zu Rom wäre. Es siehet aus, als ob es regnen wollte. Gerade, als ob heute ein Festtag wäre. Ich will thun, als ob ich es gesehen hätte. Ich muß also thun, als ob ich gar nichts wüßte, Gell. Aber warum sehen sie mich so ängstlich an, als ob sie mich bedauerten? Gell. Wenn sie es erzählen, so wird mirs so neu klingen, als ob ichs selbst noch nicht wüßte, ebend. Als obs eine Schande wäre, zu nehmen, was man uns gibt, Weiße.
   Anm. Bey dem Ulphilas jabai, jau, gau, im Isidor und bey dem Kero ibu, in dem alten Gesetze der Könige Ludwigs und Lothars aus der ersten Hälfte des 9ten Jahrhundertes avo, bey dem Ottfried oba, bey dem Willeram obe, avo, im Nieders. of, oft, ofte, im Isländ. ef, im Dän. em, im Lat. an. Im Schwed. ist noch If als ein Hauptwort für Zweifel, und jefwa als ein Zeitwort für zweifeln, muthmaßen, üblich. Bey den ältern Oberdeutschen Schriftstellern kommt oba auch für daß und ach daß vor.
 
Artikelverweis 
* Die Obacht, plur. car. ein nur in den gemeinen Sprecharten für Achtung, Aufsicht, übliches Wort; von dem Oberdeutschen Vorworte ob, auf, über, und Acht. Etwas in Obacht nehmen, in Acht, ingleichen es wahrnehmen. Obacht auf etwas geben, Achtung geben, aufmerken. Der göttlichen Obacht empfehlen, Aufsicht, Obhuth. Unser beobachten stammet noch davon her, S. dasselbe, ingleichen 1 Ob.
 
Artikelverweis 
Obbemeldet, Obbenannt, Obberührt, Obbesagt, S. 1 Ob.
 
Artikelverweis 
Das Óbdách, des -es, plur. die -dcher, eigentlich ein Dach über etwas. Figürlich wird es im Oberdeutschen häufig für einen bedeckten Ort, ingleichen für einen bedeckten Aufenthalt, eine Herberge gebraucht, in welcher Bedeutung es auch wohl in der edlern Schreibart der Hochdeutschen vorkommt. Schon Hornegk gebraucht es für Herberge. Jemanden Obdach geben, Herberge. Etwas unter Obdach bringen, an einen bedeckten Ort; Nieders. ein Schauer.
   Mit Schweiße bedecket
   Eilen die heißen Gespanne mit Brausen unter das Obdach,
   Zachar. S. 1 Ob.
 
Artikelverweis Der
Obelísk, des -en, plur. die -en, ein aus dem Griechischen entlehntes Wort, eine hohe viereckige Pyramide mit einer kleinen Grundfläche zu bezeichnen. Weil sie gemeiniglich zur Pracht errichtet werden, so hat man dieses Wort durch Prachtkegel zu geben versucht. Opitz gebraucht dafür Spitzstein. Spitzsäule ist schicklicher, nur daß es auch von Pyramiden gebraucht wird.
 
Artikelverweis 
Oben, ein Nebenwort des Ortes, der Höhe nach, mehr von der Oberfläche der Erde, oder von ihrem Mittelpuncte entfernet, im

[Bd. 3, Sp. 556]


Gegensatze des unten und nieden, ingleichen auf der Oberfläche, d. i. der von dem Mittelpuncte der Erde am weitesten entfernten Fläche eines Dinges. 1. Eigentlich. Oben schwimmen, auf der Oberfläche des Wassers. Gemeiniglich kommen noch Vorwörter dazu, welche diesen sonst unbestimmten Begriff näher bestimmen. Oben auf dem Berge. Oben im Sacke, 1 Mos. 42, 27. Oben im Hause, wofür man auch nur schlechthin oben sagt. Oben wohnen, oben im Hause. Oben im Himmel. Von oben an bis unten aus. Bis oben an füllen. Oben drauf stehen, legen, setzen, stellen. Wir kommen von oben her. Etwas oben abschneiden. Von oben herab, von oben nieder. Oben durch das Dach. Dort oben, im Gegensatze des hier unten oder hier nieden. 2. Figürlich. 1) Für vorher, im vorigen: in Schriften, im Gegensatze des unten. Wie oben gedacht worden, im vorigen. Der oben gemeldete Freund. Die oben erwähnte Sache. In den Hoch- und Oberdeutschen Kanzelleyen ist dafür das veraltete ob üblich, welches alsdann mit den Mittelwörtern zusammen gezogen wird; oberwähnt, S. 1 Ob. Aber unser oben mit ihnen zusammen zu ziehen, obengedacht, ist wider alle Analogie. 2) Oben an sitzen, gehen, stehen, an dem obersten, vornehmsten Platze. 3) Oben ein, oder oben drein, über dieß noch, als ein überflüssiges, eigentlich nicht zur Sache gehöriges Stück. Etwas oben drein geben, als eine Zugabe. Die zehnte gäb ich oben drein, Weiße. Ingleichen über dieß noch, in der vertraulichen Sprechart. Ich mußte noch oben ein den Verdruß empfinden u. s. f. Er ist so reich wie sie oben drein aber ist er noch ein rechtschaffener und ehrlicher Mann, Weiße. Da werde ich noch oben ein ausgelacht. Da kommt noch oben drein jemand. 4) Oben hin, welches von vielen ohne Noth zusammen gezogen wird, obenhin, nachlässig, gleichsam nur die Oberfläche berührend, auf der Oberfläche hin, im Gegensatze des gründlich. Nur so oben hin arbeiten. Eine Sache nur oben hin machen, verfertigen, betrachten, untersuchen u. s. f. Latein. obiter.
   Anm. Schon bey dem Kero obuna, bey dem Ottfried obana, im Tatian ufana, im Dän. oven, oppe, im Schwed. osvan. Es ist das alte ob, (S. 1 Ob,) mit der adverbischen Endung -en, welche auch in unten, nieden, außen, hinten, vornen u. s. f. angetroffen wird; im Oberdeutschen hängt man sie den meisten Nebenwörtern in der adverbischen Form an, heimlichen, gröblichen, für heimlich, gröblich. Die Niederdeutschen und nördlichen Mundarten setzen noch ein b voran, Nieders. baven, Holländ. boven, Angels. bufan, Engl. above, so wie die Lateiner statt dessen den Zischlaut vorsetzen, supra, und die Griechen den Hauchlaut υπερ. Ehedem war es auch als ein Beywort üblich. Der obene Beweis, der obige, Opitz, und bey dem Hornegk findet sich auch das im Hochdeutschen veraltete Zeitwort oben, oben über etwas seyn oder schweben.
 
Artikelverweis 
Obenein und Obenhin, S. das vorige.
 
Artikelverweis 
Ober, das Beywort des vorigen Nebenwortes, welches, Einen Fall ausgenommen, in der adverbischen Form nicht üblich ist, und im Comparat. oberer, und im Superlat. oberste hat, was oben ist, im Gegensatze des unter.
   1. Eigentlich, wo es nicht schlechthin von der Oberfläche der Erde oder ihrem Mittelpuncte mehr entfernet, als ein anderes Ding, bedeutet, welchen Begriff man durch hoch ausdruckt, sondern alle Mahl den von der Erdfläche oder dem Mittelpuncte der Erde am meisten entfernten Theil eines Dinges bezeichnet, im Gegensatze des unter. Die obere Fläche eines Dinges. Das obere Stock oder oberste Stock im Hause. Die obern Zimmer. Der obere oder oberste Theil. Der oberste Gipfel. Der obere Gang. Der obere Mühlstein, der oberste. Auf dem obersten Boden.

[Bd. 3, Sp. 557]


Ingleichen von Ländern und Erdflächen, näher nach dem Gebirge und dem Ursprunge der Flüsse zu; im Gegensatze des nieder und unter. Das obere Deutschland. Der obere Teich. Das obere Thor. Am häufigsten in den Zusammensetzungen Ober-Sachsen, Ober-Baiern, Ober-Ungarn, Ober-Italien, Ober-Deutschland u. s. f.
   Man hält dieses Beywort eben so irrig für den Comparativ, dem der Positiv fehlet, als man bisher außer, hinter, vorder u. s. f. dafür gehalten hat, S. Adelung Hinter und Nieder, indem die dort angeführten Gründe auch von diesem Worte gelten. Mit mehrerm Grunde könnte man behaupten, daß es keinen Comparativ habe, oder vielmehr, daß der Comparativ, bey der heutigen eingeschränkten Bedeutung des Wortes, nicht gangbar sey. Ehedem, da es überhaupt hoch bedeutete, hatte es allerdings einen Comparativ, der noch bey dem Notker oberroro lautet. Jetzt, da man es nur von der von dem Mittelpuncte am meisten entfernten Fläche eines Dinges, oder von einem solchen Theile eines Ganzen gebraucht, im Gegensatze des unter, fällt der Comparativ der Natur der Sache nach, weg, und auch der Superlativ würde überflüssig seyn, wenn man ihn nicht, vermuthlich um des Nachdruckes willen, behalten hätte. Der obere Stock ist so viel wie der oberste. Indessen, da die obern Theile eines Dinges wieder ihre Stufen haben, so kann es seyn, daß der Comparativ um des Wohllautes willen oft in den Positiv zusammen gezogen wird. So finden unter den obern Zimmern eines Hauses doch immer noch oberste Zimmer Statt.
   Ober ist als ein Nebenwort so wenig üblich, als hinter, außer, vorder, u. s. f. denn dafür haben diese Wörter ihre eigenen Nebenwörter auf -en, hinten, außen, vornen, oben. Indessen wird doch der Superlativ im gemeinen Leben oft als ein Nebenwort gebraucht. Das unterste zu oberst kehren. Alleroberst auf dem Berge, oben auf dem höchsten Gipfel. Jetzt gingen sie zu oberst auf dem Hügel in die Laube, Geßn.
   2. Figürlich. 1) Der Würde, dem Range nach; im Gegensatze des nieder und zuweilen auch des unter. Die obern Classen in einer Schule, die höhern, zum Unterschiede von den niedern oder untern. Die obere Gerichtbarkeit, im Gegensatze der niedern. Die obern Schulen, die höhern, im Gegensatze der untern. Die oberste Stelle haben. Wohin auch eine Menge Zusammensetzungen gehören, in welchen eine Person oder Sache der mit unter zusammen gesetzten entgegen gesetzet ist, S. eine Probe davon im folgenden. In vielen Gegenden ist in diesen Zusammensetzungen statt des Ober- auch der Superlativ Oberst-, ehedem Obrist-, üblich; der Oberjägermeister und Oberstjägermeister. Von der sittlichen Würde ist nicht ober sondern hoch und erhaben üblich. 2) Der Gewalt nach; gleichfalls im Gegensatze des unter. Die oberste Gewalt, die höchste. Der oberste Vergelter, Sir. 3, 34. Gott unser oberster Herr und Gebiether, Gell.
   Die Obern, d. i. die Vorgesetzten, Personen, welche uns zu befehlen haben. Den Obern gehorsam seyn. Er ist mein Oberer, mein Vorgesetzter. In der Deutschen Karte ist der Obere und zusammen gezogen der Ober, im Gegensatze des Untern, das was in der Französischen Karte die Dame ist.
   Der Oberste bedeutet eigentlich denjenigen, welcher unter mehrern die höchste Gewalt hat. Daher sind in der Deutschen Bibel die Obersten der Gemeine, die Obersten im Volke, die Obersten der Jüden u. s. f. die obrigkeitlichen Personen, die Vornehmsten, die Obern. Der Feldoberste, oder der Oberste über den reisigen Zeug, war bey der ehemahligen Kriegsverfassung der Deutschen das, was jetzt ein General von der Cavallerie ist. Jetzt ist bey den Kriegsheeren der Oberste der erste und vornehmste

[Bd. 3, Sp. 558]


unter den Hauptleuten, der Vorgesetzte eines Regimentes, Franz. Colonel, wo dieses Wort mit der Oberdeutschen Versetzung des r zwar oft, aber deßwegen nicht minder fehlerhaft, Obriste geschrieben und gesprochen wird.
   Anm. Bey dem Ottfried obor, und im Superlativ oberosta, im Angels. ober, ufer, yfera, im Engl. over, upper, im Nieders. upper, im Schwed. öfver. Es ist von dem veralteten ob, oben, und der adjectivischen Endung -er gebildet, wie nieder von nied und -er, S. Adelung Nieder. Es war ehedem auch ein Vorwort, in welcher Gestalt es aber nunmehr bey uns über lautet, S. dieses Wort. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist für über noch ober üblich; ober uns, über uns. Im Österreichischen bedeutet das Obers eigentlich das Oberste, den Milchrahm, die Sahne.
 
Artikelverweis 
Die Oberacht, plur. inus. in den Gerichten einiger Gegenden, S. Adelung Aberacht.
 
Artikelverweis 
Der Ober-Admirāl, des -es, plur. die -rale, der oberste Admiral unter mehrern. In England ist der Admiral von der rothen Flagge zugleich Ober-Admiral. Bey den neuern Schriftstellern des Naturreiches sind der Ober-Admiral und Unter-Admiral gewisse sehr schöne konische Schnecken, Conus Ammiralis L.

 

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