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Nutzbarkeit bis Nutzungsanschlag (Bd. 3, Sp. 546 bis 549)
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Artikelverweis Die Nutzbarkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es nutzbar ist, so wie dieses Nebenwort. Die Nutzbarkeit eines Landgutes, eines Capitales. Aber für Nutzen, wie es Opitz gebraucht, ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich:
   Der seiner Nutzbarkeit will selber lieber schaden, seinem Nutzen.
 
Artikelverweis Die
Nutzeiche, plur. die -n, eine Eiche, welche zu Bau- und Nutzholz tauglich ist, zum Unterschiede von den Brenneichen.
 
Artikelverweis 
Nutzen, oder Nützen, verb. reg.welches in doppelter Gestalt üblich ist.
   I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1) Brauchbar seyn, als ein Mittel zur Erreichung der bestimmten Absicht, oder einer Absicht überhaupt, gebraucht werden können. In diesem Verstande sagt man im gemeinen Leben sehr häufig verneinender Weise, ein Ding, eine Sache nutze oder nütze nichts, wenn sie zu der bestimmten Absicht nicht gebraucht werden kann, nicht tauglich ist. Bejahender Weise, das Ding, die Sache nutzet, ist es eben so wenig mehr üblich, als das Nebenwort nütz oder nütze. 2) Nutzen bringen, den Zustand eines Dinges oder einer Person bey gehörigem Gebrauche vollkommner machen, mit der dritten Endung der Person. Was nutzet ihm ein Kluger? Hiob 22, 2. Was nutzet es, daß wir seine Gebothe halten? Mal. 3, 14. Das kann dir viel nützen. Das kann mir wenig oder nichts nützen.
   Was nützt die Feindschaft mir und dir?
   Willam.
   Sey stets der Wahrheit hold, sie nutzt vor tausend Sachen,
   Haged.II. Als ein Activum; in welcher Gestalt nutzen üblicher ist als nützen. 1) * Genießen, als ein Nahrungsmittel oder als eine Arzeney zu sich nehmen; eine veraltete Bedeutung, welche indessen doch die erste und eigentlichste ist, auch im Oberdeutschen noch hin und wieder vorkommt. Arzeney nutzen, d. i. einnehmen, Garten der Gesundh. um 1490. 2) Gebrauchen, als ein Mittel zur Erreichung einer Absicht anwenden. Ich kann die Sache gut nutzen. Das weiß ich nicht zu nutzen. Einen Menschen gut nutzen.
   Verräther hasset man, und nutzet den Verrath,
   Haged. Eine Erfahrung, eine Gelegenheit nutzen. In noch engerer Bedeutung zuweilen als ein Mittel zur Verbesserung seines Zustandes

[Bd. 3, Sp. 547]


anwenden. Eine Demüthigung, die treu genutzt wird, ist die letzte ihrer Art. 3) Im engsten Verstande, als ein Mittel zur Erlangung zeitlichen Vermögens, zur Erlangung des Gewinnes, anwenden. Dieses Landgut kann jährlich auf tausend Thaler genutzt werden. Der Acker ist auf zehn Thaler zu nutzen. Sein Geld nutzen, es zu Vermehrung seines zeitlichen Vermögens anwenden. Ein Haus auf hundert Thaler nutzen.
   Das Hauptwort die Nützung ist nicht üblich, wohl aber die Nutzung, S. solches hernach besonders.
   Anm. Dieses alte Zeitwort lautet, besonders in der thätigen Form, bey dem Ulphilas niutan und ganiutan, der es auch für nehmen gebraucht, bey dem Ottfried ginuzzen, bey welchem es für genießen vorkommt, im Nieders. nutten, benutten, im Angels. notian, nyttian, im Schwed. njuta. Es scheinet das Intensivum oder Frequentativum von nießen, genießen, Nieders. neteu zu seyn; wenigstens ist es mit demselben sehr genau verwandt, indem es bey den ältern Schriftstellern für genießen, gebrauchen überhaupt vorkommt. Das Lat. uti unterscheidet sich bloß durch den Mangel des zufälligen Anfanges N. Es hat ursprünglich essen bedeutet, und im Neutro eßbar seyn, in welchem Verstande noch genießen zuweilen vorkommt. Im Oberdeutschen lautet auch das Neutrum beständig nutzen. Der Analogie nach von tränken und trinken, senken und sinken, hängen und hangen u. s. f. sollte das Neutrum nutzen, das Activum aber nützen lauten. Allein im Hochdeutschen werden beyde ohne Unterschied gebraucht, obgleich in der thätigen Form das breitere nutzen üblicher ist.
 
Artikelverweis Der
Nutzen, des -s, plur. der doch nur selten vorkommt, ut nom. sing. In einigen Fällen auch der Nutz, des -es, plur. inus. das Hauptwort des vorigen Zeitwortes.
   1. Der Gebrauch einer Sache oder eines Dinges, die Anwendung desselben, als eines Mittels zur Erreichung einer Absicht; ohne Plural. Ich weiß keinen Nutzen davon zu machen, keinen Gebrauch, weiß es nicht anzuwenden. Zu was Nutzen? zu was für einem Gebrauche? Vermuthlich gehöret hierher auch die R. A. sich etwas zu Nutze machen, in welcher das kürzere Nutz am üblichsten ist, es gebrauchen, und in engerer Bedeutung, zur Verbesserung seines Zustandes gebrauchen und anwenden. Sich eine Gelegenheit, eine Erfahrung, eine Warnung zu Nutze machen, sie anwenden, gebrauchen. Im Oberd. auch mit der zweyten Endung, sich einer Gelegenheit zu Nutze machen.
   2. Diejenige Eigenschaft eines Dinges, da es genutzt, d. i. als ein Mittel zur Erreichung einer Absicht, und in engerer Bedeutung, als ein Mittel zur Verbesserung unsers Zustandes gebraucht werden kann; auch ohne Plural. Die Sache hat einen großen Nutzen, hat einen vielfachen Nutzen. Die Sache ist nicht ohne Nutzen.
   3. Das Gute selbst, welches ein Ding durch seinen Gebrauch gewähret, es bestehe nun überhaupt bloß in der Erreichung der Absicht, oder in der Verbesserung unsers Zustandes, in der Beförderung der Vollkommenheit; in welchem Verstande der Plural zuweilen gebraucht wird. 1) Überhaupt, da eine jede Erreichung einer Absicht in Rücksicht auf das Mittel, und in noch weiterm Verstande eine jede Verbesserung des Zustandes, sie sey von welcher Art sie wolle, ein Nutzen genannt wird. Nutzen bringen, geben, schaffen, haben. Zum Nutzen dienen oder gereichen. Auf seinen Nutzen sehen. Nutzen mit etwas schaffen. Nutzen von einem Buche, aus einem Buche haben, wenn man seine Erkenntniß daraus erweitert. Das ist der ganze Nutzen, den ich davon habe. Jemandes Nutzen suchen, befördern. Den gemeinen Nutzen befördern, die gemeine Wohlfahrt, das gemeine Beste, S. Adelung Gemeinnützig. Es ist dein Nutzen. Nichts ist in der Welt ohne Nutzen. Alles hat seinen Nutzen. Eine Arzeney

[Bd. 3, Sp. 548]


hat keinen Nutzen, wenn sie nicht gebraucht wird. Nutzen aus einer Lehre, aus einer Wahrheit ziehen, sie zu Erweiterung seiner Erkenntniß oder zur Verbesserung seines sittlichen Zustandes anwenden. Zuweilen unterscheidet man den Nutzen noch von demjenigen Guten, welches man bey der Hervorbringung eines Dinges zur Absicht hatte, und alsdann ist der Nutzen das zufällige Gute, was ein Ding außer seiner Bestimmung noch gewähret. 2) In engerer Bedeutung. (a) Die Vermehrung des zeitlichen Vermögens; ohne Plural. Es ist kein Nutzen dabey. Auf seinen Nutzen sehen. Etwas in seinen Nutzen verwenden, es zu seinem Nutzen anwenden. Sich Nutzen mit etwas schaffen. Ohne Nutzen kann man nicht arbeiten. Ein jeder sieht auf seinen Nutzen. Etwas mit Nutzen verkaufen, mit Gewinn. (b) Zuweilen ist der Nutzen dem Eigenthume entgegen gesetzet, und da bedeutet es so wie Nutzung den Vortheil, welchen man von dem Gebrauche einer fremden Sache hat, und das Recht, eine fremde Sache zu seinem Nutzen zu gebrauchen. Nur den Nutzen von etwas haben oder genießen. S. Nutzung. (c) Der Ertrag. Der Nutzen des Landgutes beträgt tausend Thaler, dessen Ertrag bey gehöriger Bearbeitung.
   Anm. Schon bey dem Ottfried Nuzz, im Nieders. Nude, Nutt, im Angels. Not, Note, im Dän. Nytte. Ursprünglich hat es allem Ansehen nach Speise, Nahrung bedeutet, so wie Not in der alten Friesischen Mundart von den Feldfrüchten vorkommt. Das kürzere Nutz, welches außer der R. A. sich etwas zu Nutze machen im Hochdeutschen veraltet ist, kommt noch mehrmahls in der Deutschen Bibel vor. Saat zum Nutz dem Menschen, Ps. 104, 14. So wie es auch noch in Eigennutz üblich ist.
 
Artikelverweis Das
Nutzholz, des -es, plur. inus. Holz, welches zu einem bessern Gebrauche, als zum Verbrennen genutzet werden kann, welches zum Verarbeiten tauglich ist, zum Unterschiede von dem Brennholze. In noch engerm Verstande pflegt man in der Landwirthschaft dasjenige Holz, welches zu Verfertigung allerley zur Landwirthschaft gehöriger Geräthschaften dienlich ist, Nutzholz zu nennen; Geschirrholz, Schirrholz, Werkholz.
 
Artikelverweis 
Nutzig, oder Nützig, adj. et adv. Nutzen habend oder bringend; doch nur in den Zusammensetzungen nichtsnützig, gemeinnützig und eigennützig, S. diese Wörter.
 
Artikelverweis 
Nützlich, -er, -ste, adj. et adv. Nutzen habend und bringend, doch nur in dem ersten Falle der dritten Bedeutung, durch seinen Gebrauch oder Genuß jemandes Absicht befördernd, und in engerm Verstande, den Zustand anderer Dinge verbessernd; im Gegensatze des schädlich. Einem nützlich seyn, dessen Absichten, und in engerer Bedeutung, dessen Vollkommenheit befördern. Diese Arzeney ist nicht nützlich, sondern schädlich. Ein nützliches Buch. Ein nützliches Mittel. Eine sehr nützliche Lehre. Das wird dir sehr nützlich seyn. Seine Zeit sehr nützlich anwenden, zu Beförderung seiner oder anderer Vollkommenheit. Seine Fähigkeiten sehr nützlich gebrauchen. Zuweilen auch in engerer Bedeutung, für einträglich, das zeitliche Vermögen vermehrend. Ein nützliches Gewerbe. Sein Geld nützlich anwenden.
   Anm. Vermöge der Zusammensetzung von Nutz und lich bedeutet es eigentlich dem Nutzen gleich oder ähnlich; allein es ist nun schon eingeführet, daß man es für das minder übliche nutzbar und veraltete nütz oder nutz gebraucht.
 
Artikelverweis 
Nutzlos, -er, -este, adj. et adv. keinen Nutzen habend, in der edlern Schreibart, für das gemeinere unnütz. Eine nutzlose Mühe, Herd.
 
Artikelverweis Die
Nutznießung, plur. inus in den Rechten, der Genuß des Nutzens, d. i. des Ertrages einer Sache, mit Ausschließung des

[Bd. 3, Sp. 549]


Eigenthumes, der Gebrauch einer fremden Sache zu seinem Nutzen, und das Recht dieses Gebrauches, S. Adelung Nießbrauch und das folgende.
 
Artikelverweis Die
Nutzung, plur. die -en. 1) Der Gebrauch, als das Verbale des Activi nutzen, d. i. die Anwendung einer Sache als eines Mittels zu Erreichung einer Absicht, und in engerer Bedeutung zur Beförderung seiner Vollkommenheit; ohne Plural. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist die Nutzung so wie Nutznießung der Gebrauch einer fremden Sache zu Erwerbung oder Vermehrung zeitlichen Vermögens, unbeschadet ihrer Substanz, und das Recht dieses Gebrauches. Die Nutzung von etwas haben. 2) Der Ertrag selbst, der Beytrag eines Dinges zu Erwerbung zeitlichen Vermögens aus dem Genuß einer Sache. Die Nutzungen des Gutes, oder von dem Gute, betragen jährlich tausend Thaler. Beständige und gewisse Nutzungen, Einkünfte. In der Bienenzucht pfleget man alles dasjenige, was die Bienen in ihre Körbe eintragen, die Nutzung zu nennen.
 
Artikelverweis Der
Nutzungsanschlag, des -es, plur. die -schläge, in der Landwirthschaft, der Anschlag einer Sache, besonders eines Landgutes, nach seiner Nutzung, d. i. nach seinem Ertrage; zum Unterschiede von einem Grundanschlage.

[Bd. 3, Sp. 550]


 

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