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Núß bis Nußgras (Bd. 3, Sp. 543 bis 544)
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Artikelverweis Die Núß, plur. die Nüsse, Diminut. das Nßchen, Oberd. Nüßlein, ein Wort, welches nach seinem weitesten Umfange, so wohl von einer rundlichen Vertiefung, als auch von deiner runden Erhöhung, von einem runden, oder rundlichen Körper gebraucht wird, doch in beyden Bedeutungen nur noch in einigen Fällen üblich ist.
   1. Eine Vertiefung. An einer Armbrust wird die rundliche Kerbe oder Rinne, worin die Sehne ruhet, und aus welcher sie heraus geschnellet wird, die Nuß genannt. Eben diesen Nahmen führet auch die rundliche Kerbe unten an dem Pfeile, mit welcher er auf der Sehne lieget, ingleichen die Rinne an den Enden des Bogens, worin die Sehne befestiget ist; im mittlern Lat. Nux, Franz. Noix. Von welchen Bedeutungen Frisch die ehemaligen figürlichen R. A. herleitet: aus der Nuß seyn, vor Leidenschaft außer sich, seiner nicht mehr mächtig seyn, und jemand wieder in die Nuß bringen, ihn besänftigen, wieder zu sich selbst bringen. Ja im Oberdeutschen wurde ehedem ein jeder Canal, eine jede Rinne, eine jede um des Zusammenhanges, um der Verbindung mit einem andern Theile willen gemachte Vertiefung eine Nusche oder Nuschel genannt, wovon Frisch bey diesem Worte mehrere ist. In den Monseeischen Glossen ist Nusci eine Röhre. Im mittlern Lat. kommt Nusca hüufig von einer Schnalle vor, wo es unmittelbar von nähen, verbinden, abzustammen scheinet. Bey den Jägern wird das weibliche Geburtslied der Hündinnen und vierfüßigen Thiere so wohl die Nuß, als die Schnalle genannt, und im mittlern Lateine ist Nux eine Art eines Gefäßes.
   2. Eine runde Erhöhung, ein fester runder oder rundlicher Körper. 1) Im weitesten Verstande nur noch in einigen Fällen. So werden verhärtete Stücken Thon in den Sandsteinen Nüsse genannt, welchen Nahmen auch runde verhärte Massen in weichern Erdarten führen, S. Merggelnuß. An verschiedenen Werkzeugen, z. B. an einem Meßtische, an einem Astrolabio u. s. f. ist die Nuß eine hohle Kugel, in deren Höhlung eine mit einem Zapfen versehene kleinere Kugel beweglich ist, um dadurch ein anch allen Seiten bewegliches Gewerbe oder Gewinde zu machen, wo es aber vielmehr zur vorigen Bedeutung der Verbindung gehöret. S. Nußband. In den Feuergewehren heißt das rundliche Eisen, auf welchem die Federn ruhen, die Nuß. Auch das im gemeinen Leben übliche

[Bd. 3, Sp. 544]


Nischel, so fern es den Kopf bedeutet, gehöret hierher. S. auch Pfeffernuß. 2) In engerer Bedeutung ist in dem Pflanzenreiche die Nuß eine gemeiniglich rundliche Frucht, welche in einer harten Schale eingeschlossen ist, wo es doch auf den Gebrauch ankommt, welche Früchte diesen Nahmen bekommen oder nicht. s. Wassernuß, Pimpernuß, Muskatnuß, Zirbel, Erdnuß u. s. f. Die Früchte der Buchen und Eichenbäume werden oft Buchnüsse und Eichnüsse, so wie die Mandeln Mandelnüsse und die Samenbehältnisse der Linden Zernnüßchen genannt. 3) Im engsten Verstande Nahmen der Nüsse. Die Haselnuß, welche oft auch nur die Nuß genannt wird. Nüsse pflücken, knacken u. s. f. In die Nüsse gehen, in den Wald gehen, Nüsse zu pflücken. Figürlich ist in die Nüsse gehen, verloren gehen, in die Krätze gehen; wo es noch dahin stehet, ob das Wort hier nicht zu einem andern Stamme gehöret. Das ist eine harte Nuß, sagt man von einer schweren, mühsam oder auch sehr unangenehmen Sache. S. Haselnuß. Die Wälsche Nuß, oder im gemeinen Leben, zusammen gezogen, die Wallnuß, ist die Frucht des Wälschen Nußbaumes, welcher in Persien einheimisch ist, von da er über Griechenland nach Italien oder Wälscheland, und von da zu uns gekommen ist, daher er auch den Nahmen hat; Juglans L.
   Anm. In der zweyten und dritten Bedeutung bey dem Willeram Nuz, im lat. Nux, im Ital. Noce, im Franz. Noix, im Lotharingischen im Plural Nueches, im Span. Nuez. Andere Sprachen und Mundarten haben statt des Zischlautes das verwandtet, wie das Nieders. Nut, das Dän. Nodd, das Schwed. Nott, das Isländ. Hnitt, das Angels. Hnut, das Engl. Nut. Es gehöret in Ansehung der Erhöhung, der rundlichen festen Masse, zu Nudel, Knote, Knopfe, Knödel, Nast, Knast u. s. f. und in Ansehung der Vertiefung zu Nachen, nähen, Naht u. s. f. Im Oberd. lautet der Plural die Nussen.
 
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Das Nußband, des -es, plur. die -bänder, bey den Schlössern, ein Thürband, dessen beyde Theile vermittelst einer Nuß an einander gefüget sind, d. i. welches in der Mitte zwey Gewinde und zwey heraus stehende walzenförmige Stücke hat; dergleichen Bänder z. B. an den Klapptischen befindlich sind. S. Adelung Nuß 2 1).
 
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Der Nußbaum, des -es, plur. die -bäume, ein Baum, dessen Frucht unter dem Nahmen der Nuß bekannt ist, ein Baum, welcher Nüsse trägt. Besonders wird der Wälsche Nußbaum oft nur der Nußbaum schlechthin genannt.
 
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Nußbäumen, adj. et adv. von dem Nußbaume herkommend. Nußbäumenes Holz. Nußbäume Commoden, Tische u. s. f. aus Nußbäumen Holz verfertiget, oder doch damit belegt.
 
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Der Nußbeißer, des -s, plur. ut nom. sing. Siehe Nußkrähe.
 
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Der Núßbrêcher, des -s, plur. ut nom. sing. Siehe eben daselbst.
 
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Das Nußeisen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Büchsenmachern, ein Werkzeug, die Zapfen an der Nuß eines Gewehrschlosses damit zu schneiden. S. Adelung Nuß 2 1).
 
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Die Nußfarbe, plur. inus. eine braune Farbe, welche derjenigen Farbe gleich ist, welche die fleischige Hülle der Wälschen Nüsse gewähret.
 
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Nußfarben, oder Nußfarbig, adj. et adv.diese Farbe habend. Ein nußfarbenes Tuch.
 
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Der Nußgarten, des -s, plur. die -gärten, ein Garten, worin vornehmlich Nüsse gezeuget werden, es mögen nun Wälsche Nüsse oder Haselnüsse seyn.
 
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Das Nußgras, des -es, plur. inus. eine Art Grases, welches in Spanien einheimisch ist, und seinen Samen in einer kleinen zweyfächerigen Nuß träget; Lygeum L.

[Bd. 3, Sp. 545]


 

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