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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Nudelteig bis Nunmêhrig (Bd. 3, Sp. 537 bis 540)
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Artikelverweis Der Nudelteig, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, ein Teig aus Nudelmehl und Eyern, woraus die Nudeln verfertiget werden.
 
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Nüffeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, durch die Nase reden, in andern Gegenden mit dem Zischlaute schnüffeln. Beyde sind nur in den gemeinen Sprecharten üblich, indem in der anständigern dafür nieseln gebraucht wird.
 
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Nug, Nüge, S. Adelung Genugund Genüge.
 
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Null, ein Nebenwort, welches nur in der Redensart null und nichtig üblich ist, ungültig, als nicht da seyend, als nicht geschehen. Etwas null und nichtig machen, für null und nichtig erklären. Da es denn in den Gerichten und Kanzelleyen auch wohl, doch ohne Verlängerung am Ende, als ein Beywort gebraucht wird. Ein null- und nichtiges Verfahren, als wenn das Beywort nullig hieße, welches doch nicht gangbar ist. Es kommt mit dem Lat. nullus überein, aus welchem es auch wohl entlehnet seyn kann. Daher die Nullitǟt, plur. die -en, in den Rechten, ein nichtiges und an sich ungültiges Verfahren; die Nullitäts-Klage, die darüber angestellte Klage.
 
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Die Null, plur. die -en, oder die Nulle, plur. die -n, eine Zahlfigur in Gestalt eines kleinen Zirkels oder Lat. o, welche für sich allein nicht gilt, sondern nur die Abwesenheit einer Zahl bezeichnet. Aus dem Lat. nulla.
 
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Die Nummer, plur. die -n, aus dem Lat. Numerus, eine Zahl und Zahlfigur, in welchem Verstande es noch im gemeinen leben üblich ist. Besonders eine Zahl, so fern sie ein Zeichen eines aus mehrern mit Zahlen bezeichneten Dinges ist, und dieses Ding selbst. Figürlich, doch auch nur im gemeinen Leben und in der vertraulichen Sprechart, eine gute Nummer bey einer Person, an einer Sache haben, sich gut an und bey derselben stehen, an einer Sache haben, sich gut an und bey derselben stehen, an und bey derselben gewinnen. Ihr Vater ist ein Förster, und du weißt, die haben eine gute Nummer, Weiße, eine einträgliche Stelle. Ich bin so eigennützig nicht, sonst hätte ich bey ihr gewiß eine gute Nummer gehabt, ebend.
 
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Die Nummereisen, des -s, plur. ut nom. sing. im Hüttenbaue, ein eisen, womit die Nummer in das ausgeschmelzte Bley geschlagen wird.
 
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Nummeriren, verb. reg. act. aus dem Lat. numerare, zählen. 1) Für zählen; wo es doch nur in engerer Bedeutung in der Rechenkunst üblich ist, wo nummeriren eine geschriebene Zahl gehörig aussprechen, oder eine ausgesprochene Zahl durch die gehörigen Zeichen ausdrucken bedeutet. 2) Mit der gehörigen Nummer bezeichnen. Die Häuser, Waaren, Mannschaften u. s. f. nummeriren.
 
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Nun, im gemeinen Leben Nu, eine Partikel, welche besonders in den figürlichen Bedeutungen im Deutschen von einem sehr vielfachen Gebrauche ist, und zur Ründe, Annehmlichkeit und Vollständigkeit der Rede überaus viel beyträgt. Sie wird so wohl eigentlich als ein Nebenwort der Zeit, als auch figürlich in Gestalt eines Bindewortes gebraucht.
   1. Eigentlich, als ein Nebenwort der Zeit, den gegenwärtigen Augenblick, die gegenwärtige Zeit zu bezeichnen. Ach, wollt ihr nun schlafen und ruhen? Marc. 14, 41. Herr, nun lässest du deinen Diener in Friede fahren, Luc. 2, 29. Nun ist es Zeit zu gehen. Siehest du es nun? Hörest du es nun erst? Nun ists nicht mehr Zeit. Nun kommt er endlich einmahl. Aber was sagst du nun dazu? Man hat seit langer Zeit daran gearbeitet, nun ist die Sache endlich zu Stande gekommen.
   Ingleichen mit dem Vorworte von, von nun an, von dem gegenwärtigen Augenblicke, von der gegenwärtigen Zeit an. Im

[Bd. 3, Sp. 538]


Oberdeutschen verbindet man es auch mit bis, bis nun zu, bis jetzt, welches aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist.
   Nun und nimmermehr stehet sehr häufig mit einem Nachdrucke für niemahls. Nein, nun und nimmermehr soll das geschehen, Gell. Aber das Oberdeutsche nun und ewig für ewig, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Doch wird der große Zorn nicht nun und ewig währen, Opitz.
    Und euch dahin gesetzet,
   Da nun und ewiglich kein Auge wird genetzet,
   Opitz. Oft bezieht sich das nun zugleich auf eine vorher gemeldete oder nachfolgende Sache, ohne doch die Bedeutung des gegenwärtigen Augenblickes oder doch der gegenwärtigen Zeit auszuschließen; ein Gebrauch, welcher das Band dieser eigentlichen Bedeutung der Zeit mit den folgenden figürlichen ausmacht. Ich will nun gerne sterben, nachdem ich dein Angesicht gesehen habe, 1 Mos. 46, 30 Wenn er nicht die Wahrheit sagt, wem soll man nun glauben? Er hat sie zur Frau verlangt, da sie arm war, nun soll sie ihn, da sie reich ist, zur Dankbarkeit heirathen, Gell. Wo auch das da wegbleiben kann, wobey sich zugleich das nun der folgenden Gestalt eines Bindewortes nähert: nun sie reich ist, soll sie u. s. f. Ich habe ihn immer geliebt, nun aber, da ich sehe, daß er meine Liebe mißbraucht, hat sie ein Ende; oder nun ich aber sehe, daß u. s. f.
   Oft gehöret das nun und die ganze Bestimmung der gegenwärtigen Zeit nicht wesentlich zu der Rede, sondern scheinet vornehmlich um des Nachdruckes willen da zu stehen. Wenn der Landmann in den frohen Saaten der reichen Ernte dankbar entgegen siehet und nun ein schreckliches Ungewitter seine ganze Hoffnung danieder schlägt, Sonnenf.
   In dieser ganzen Bedeutung der gegenwärtigen Zeit kommt nun mit jetzt überein, welches letztere man in der höhern Schreibart in diesem Verstande dem nun gern vorzieht. Allein, jetzt erstrecket sich weiter, und kann auch von einer den Augenblick vergangenen Zeit gebraucht werden, wo nun ungewöhnlich ist. Erst jetzt ist er weggegangen, nicht erst nun. So wie es auch die näher bestimmenden gleich und eben nicht vor sich leidet.
   Nu und Nuu werden zuweilen auch als Hauptwörter gebraucht, doch selten in der anständigen Sprechart. In einem Nu, in einem Augenblicke, wo Nun ungewöhnlich ist.
   Du sollst in einem Nu befreyet von Beschwerden,
   Ja gar ein großer König werden,
   Willam. S. die Anm. Das Nun oder Niemahls eines Christen.
   2. Figürlich, größten Theil in Gestalt eines Bindewortes, welches sich aber in gar vielfacher Gestalt zeiget. 1) Eine Folge, eine Wirkung, und zuweilen auch eine Schlußfolge zu begleiten. So beschneidet nun eures Herzens Vorhaut, 5 Mos. 10, 16. Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre? Mal. 1, 6. So halten wir es nun, daß der Mensch gerecht werde u. s. f. Röm. 3, 28. Hast du nicht hören wollen, nun so magst du fühlen. 2) Ingleichen die wirkende Ursache. Was habe ich nunmehr zu hoffen, nun ich einen solchen Nebenbuhler habe? für nun da. S. die erste eigentliche Bedeutung. Nun du nicht kommen willst, so sollst du es auch nicht haben, für nun weil. Welche Ellipsen doch behuthsam zu gebrauchen sind, damit sie nicht zu hart werden. 3) Sehr häufig wird es in der erzählenden Art als eine bloße Verbindungs-Partikel der Glieder einer Erzählung gebraucht. Da sie nun nahe bey Jerusalem kamen, Matth. 21, 1. Nun war aber damahls ein Gebrauch u. s. f. Nun waren sie damahls nicht zugegen. Hier bemerkte ich nun ganz deutlich, oder nun bemerkte ich hier ganz deutlich. Für diesen Gewinst nun kaufe ich mir ein Haus. Glauben sie nun, daß sie ihnen an der Gemüthsart nicht gleicht, so lassen sie sie fahren. Wo

[Bd. 3, Sp. 539]


doch der allzu häufige Gebrauch dieser Partikel vermieden werden muß. 4) Eben so häufig dienet sie etwas einzuräumen, oder zuzugeben, besonders wenn es im Nachsatze compensiret wird. Nun ist zwar gewiß, aber u. s. f. Je nun, du bist freylich nicht die schönste, aber du wirst auch versorgt werden, Gell. Fliegen kann der Strauß nun wohl nicht, aber ich glaube, er muß gut laufen können, Less. Rathsherr möchte ich nun freylich gern werden, Raben. Nun sind freylich diese Töne sehr einfach, aber u. s. w. Er mag nun kommen, oder nicht. Sie mögen mich nun noch so sehr hassen, so werde ich mich doch nie beklagen, Gell. Das möcht ich nun nicht gern. 5) Ingleichen einen möglichen Fall zu begleiten. Wenn er nun nicht da ist? Wenn er sich nun nicht bessert? Wenn er nun die Nacht sterben sollte? Wenn ich nun auch so gedacht hätte? Wenn ich nun hundert Thaler gewönne, so wollte ich die Hälfte den Armen geben. Und wenn ich es nun wäre, was wolltest du da thun? 6) Ferner eine Versicherung, eine Bejahung anzukündigen, in der vertraulichen Sprechart. Nun wie, ich dir gesagt habe. Nun ja! eine Bejahung, welche oft einen Unwillen verräth. Eben dieser entschlossene Unwillen blickt auch in einigen der folgenden R. A. hervor. Ich kann ihn nun nicht leiden. Ich will es nun haben. Es ist nun einmahl so. 7) Oft dienet es auch in andern Fällen dem Unwillen oder dem Verweise zur Begleitung. Wer wird denn nun alle Worte auf die Goldwage legen? Was nun das für Dinge sind? Da hast du mir nun die ganze Sache verderbt. Nu, warte du, ich will dich schon wieder kriegen, Weiße. Nun, man sollte denken, du wüßtest es nicht. Nun, was das wieder für eine beleidigende Antwort ist. Nun, was soll denn das heißen? Was hätt ich aber nun die ganze Zeit vom Lachen? Rost. Was wird es denn nun seyn? 8) Ingleichen eine vertrauliche Frage anzufangen, wo es alle Mahl voran stehet. Nun, was fehlet ihnen? Nun, wie befinden sie sich? Nun, wie stehen unsre Sachen? Nun, wie gefällt ihnen mein Gärtchen? Nun, Friedrich, was willst du? Und zuweilen auch allein stehet, die Fortsetzung der Rede von dem andern heraus zu locken. Aber, liebste Themire! Them. Nun? Nerine ging vorhin in den Garten. Nun? und da verlohr sie es. 9) Ferner, eine Verwunderung zu begleiten, wo es gleichfalls die Rede anfängt. Nun, das muß ich bekennen! Nun, da ist mir ein rechter Stein vom Herzen! Nun, die muß recht beherzt gewesen seyn? Nun, so will ich doch so gern sehen, was daraus werden wird? Nu, ist doch alles ganz leer! 10) Wie auch einen vertraulichen Beyfall. Nun, das ist ja recht gut, daß du das gethan hast. Nun, wenn das ist. 11) Eine Aufmunterung, einen beherzten Entschluß. Nun, so sey es denn. Nun, so will ich denn kommen. Nun, so will ich es wagen. Nun, so erkläre dich deutlicher. Nun, so gib mir die Hand darauf. Nun, so sey es! 12) Ingleichen eine Besänftigung, wo es gemeiniglich verdoppelt wird. Nun, nun, wir wollen sehen. Nun, nun, wenn er dich auch Ein Mahl du hieße, Gell. Nun, nun, ich muß wissen, was an dir ist, ebend. Nu, nu, es wird schon wieder vergehen. Nun, nun, wenn das ist.
   Anm. Aus diesen und andern dergleichen Fällen mehr, welche hier um der Kürze willen übergangen werden, erhellet, daß diese Partikel im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart ein sanftes Verbindungswörtchen ist, welches fast in allen Fällen gebraucht werden kann, wo keine mehr hervorstechende Partikel nöthig ist, die es oft bloß mildert, so wie es die meisten sanftern und gelindern Gemüthsbewegungen zu begleiten pflegt. Dieses Wörtchen lautet im gemeinen Leben nur nu, schon im Isidor, bey dem

[Bd. 3, Sp. 540]


Kero, Willeram u. s. f. gleichfalls nu, im Nieders. Dän. Schwed. Holländ. und Isländ. auch nu, bey dem Ulphilas nu und nuna, im Persischen nuh, im Russischen nu, im Böhm. nyni, nynckko, im Lat. nunc, im Griech. νυν, und, wenn es das Bindewort ist, ohne das Anfangs ουν, im Finnländ. mit einem andern Endlaute nyt. Ob es gleich viele Wahrscheinlichkeit hat, daß es mit nahe und neu verwandt ist, so scheinet es doch fast noch glaublicher, daß das Hauptwort Nu, ein Augenblick, noch die erste eigentliche Bedeutung aufbehalten hat, da es denn mit dem lat. nuere, Nutus, mit unserm nicken, neigen und nähen oder nahen, so fern es anfänglich überhaupt sich bewegen bedeutet hat, Eines Geschlechtes seyn würde. Es kann seyn, daß das Bindewort nun wenigstens in einigen Bedeutungen ein von dem Nebenworte nun ganz verschiedenes Wort ist; zumahl da dieses im Nieders. nu und im Griech. νυν, jenes aber im Griech. ουν und im Nieders. no lautet. Indessen lässet es sich nur muthmaßen, denn Beweise sind davon noch nicht geführet.
 
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Nunmêhr, ein Nebenwort der Zeit, welches in der feyerlichen Schreib- und Sprechart für nun gebraucht wird, wenn es das bloße Nebenwort der Zeit ist, und wenn dessen Kürze dem ernsten Gange und der Ründe der Rede nicht angemessen ist. Nunmehr sehe ich es wohl ein. Was habe ich nunmehr davon? Die Vernunft hat nunmehr über mein Herz gesiegt, Gell. Man hat lange daran gearbeitet, nunmehr ist die Sache endlich zu Stande gekommen. Oft stehet es auch, das Nebenwort von dem Bindewort zu unterscheiden, oder wenn die Zusammenkunft beyder einen Mißklang machen würde. Da nun viel Zeit vergangen war, und nunmehr gefährlich war zu schicken, u. s. f. Apostelg. 27, 9. Mehr scheinet hier bloß zur Verlängerung des Wortes da zu seyn. Bey den ältesten Oberdeutschen Schriftstellern findet sich dieses Nebenwort nicht.
 
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Nunmêhrig, das Beywort des vorigen Nebenwortes, was nunmehr ist oder geschiehet. Die nunmehrige Verfassung. In der anständigern Schreibart bedienet man sich dafür doch lieber des gleichbedeutenden jetzig. Als ein Nebenwort kann es sowie dasig, hiesig, nachmahlig, vorig, und andere von Partikeln gemachte Beywörter nicht gebraucht werden.

 

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