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Nothzüchtigen bis Nūdelmácher (Bd. 3, Sp. 535 bis 536)
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Artikelverweis  Nothzüchtigen, verb. reg. act. welches auch nur noch in der engern Bedeutung üblich ist, mit Gewalt zum Beyschlafe zwingen. Eine Person nothzüchtigen. Ehedem nothzogen, nothzögen, notzeren, im Schwabensp. notzogen, im Nieders. verkräftigen. Daher die Nothzüchtigung, die Nothzucht. Ehedem bedeutete es überhaupt, Gewalt anthun. Si notegoton mih, Notker. Das Hauptwort der Nothzüchtiger, ehedem der Nothzüchter, Nothzoger, kommt noch zuweilen in den Gerichten vor.
 
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Der Novāl-Acker, Novāl-Zehnte, S. Adelung Neubruch.
 
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Der Novêmber, des -s, plur. ut nom. sing. der eilfte Monath im Jahre, nach dem Lat. November, weil er bey den Römern, welche das Jahr mit dem Märze anfingen, der neunte war. Carl der Große nannte ihn den Windmonath, weil sich in demselben gemeiniglich starke Winde einzustellen pflegen, oder nach dem Raban Maurus Heriuistmanoth, da bey uns jetzt der September der Herbstmonath ist. Er wird im Deutschen auch der Wintermonath genannt, weil sich dieser, der Witterung nach, gemeiniglich in demselben einzustellen pflegt. Im Holländ. heißt er Schlachtmaend, und auch wohl bey einigen Deutschen Schlachtmonath, weil man das zur Haushaltung nöthige zahme Vieh in demselben einzuschlachten pflegt, daher er auch bey den alten Cimbern Blotmonat genannt wurde.
 
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Nu, die Partikel nun im gemeinen Leben, S. Adelung Nun.
 
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Nüchtern, -er, -ste, adj. et adv. 1. Der denselben Tag noch nicht gegessen und getrunken, und in engerer Bedeutung noch nicht gegessen hat. 1) Eigentlich. Noch nüchtern seyn. Nüchtern trinken, ehe man etwas gegessen hat. Etwas in den nüchternen Magen hinein trinken. Nüchterner Speichel, welchen man des Morgens, ehe man noch etwas zu sich genommen hat, auswirft. 2) Figürlich ist nüchtern oft im gemeinen Leben so viel wie abgeschmackt, unschmackhaft. Das Fleisch schmeckt so nüchtern. Ein nüchterner Einfall. Ein nüchternes Gedicht. Das klingt so nüchtern. 2. In engerer Bedeutung ist nüchtern dem betrunken entgegen gesetzt. 1) Eigentlich, sich seiner und andrer Dinge außer sich nach vorher gegangener Trunkenheit wieder völlig bewußt; wo es in Gestalt eines Nebenwortes am üblichsten ist. Wieder nüchtern werden, wofür man auch sagt ausnüchtern. Nie nüchtern werden, beständig betrunken seyn. 2) Figürlich, sich seines gegenwärtigen Zustandes recht bewußt, im Gegensatze des Taumels der Leidenschaften, Gegenwart des Gemühtes besitzend, in Absicht auf die Unterdrückung der Leidenschaften. Werdet doch einmahl recht nüchtern und sündigt nicht, 1 Cor. 15, 34. Lasset uns wachen und nüchtern seyn, 1 Thess. 5, 6. Von einer Leidenschaften, oder nach derselben wieder nüchtern werden, zu sich selbst kommen. So lange seine Sinne noch nüchtern und gleichgültig sind. 3. In weiterer und figürlicher Bedeutung ist nüchtern Mäßigkeit in Essen und Trinken beobachtend, und darin gegründet. Ein nüchternes Leben führen. Am häufigsten als ein Nebenwort. Nüchtern leben.
   Anm. Schon bey dem Notker in der ersten Bedeutung nuchtarnin, im Schwabenspiegel ohne n am Ende nuhter, in einem alten Vocabulario aus dem 15ten Jahrhunderte nucther, im Nieders. nogtern, im Schwed. nyckter. Frisch leitet es von dem Latein. nocturnus her; aber warum nicht lieber von dem Deutschen Nacht, oder vielmehr von dem noch jetzt Holländ. und Nieders.

[Bd. 3, Sp. 536]


Nucht, Ucht, die frühe Morgenzeit? Die Sylbe -er ist eine sehr gewöhnliche Ableitungssylbe, welche in vielen Fällen ein n nachschleichen lässet, wie in albern, eisern, ehern, ströhern u. s. f. Nüchtern hat also eigentlich morgendlich bedeutet, und figürlich, des Morgens noch ungegessen. Bey dem Notker kommt nohturna wirklich noch für nächtlich vor. Die Angelsachsen umschrieben diesen Begriff, und nannten einen noch nüchternen Menschen onnihtnestig, von on, nicht, niht, frühe, und nest, Speise, Nahrung, und Ihre zu Folge, ist das Schwed. nyckter und unser nüchtern eine bloße Zusammenziehung dieses Ausdruckes. Opitzens nüchterlich für nüchtern ist im Hochdeutschen veraltet.
 
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Die Nüchternheit, plur. car. der Zustand, da man nüchtern ist, in allen Bedeutungen dieses Wortes. 1) Der Zustand, da man noch nicht gegessen hat. 2) Der Zustand, da man nach einem Rausche sich seiner wieder völlig bewußt ist, und figürlich, die Gegenwart des Geistes, so fern sie von keinen heftigen Leidenschaften unterdrückt wird. Ingleichen die Fertigkeit, sich seiner und seines Verhaltens allezeit bewußt zu bleiben. 3) Die Mäßigkeit im Essen und Trinken, und die Fertigkeit derselben. Und sey ein Freund der Nüchternheit, Gell. Lied.
   Die Krankheit, weit entfernt von armer Nüchternheit,
   Besuchet nur den Tisch der blassen Üppigkeit,
   Dusch. Im gemeinen Leben einiger Gegenden ist dafür mit einer andern Endsylbe Nüchternheit üblich.
 
Artikelverweis Die
Nücke, plur. die -n, S. Adelung Mucke.
 
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Die Nudel, plur. die -n, Diminut. das Nudelchen, Oberd. Nudelein, ein Wort, welches verschiedene Arten, gemeiniglich eßbarer, runder oder rundlicher Massen bezeichnet. In der Mark Brandenburg werden die Kartoffeln Nudeln genannt, S. dieses Wort und Erdapfel. Dampfnudeln sind im Oberdeutschen eine Art in Milch gekochter Mehlspeise, welche aus unförmlichen Massen bestehet, welche großen Klößen gleichen, S. dieses Wort. Längliche Stücken Teig von der Größe eines Fingers, womit man die Gänse und anders Federvieh stopfet, werden Nudeln und zum Unterschiede von den folgenden, Schopfnudeln oder Stopfnudeln genannt. Am häufigsten ist dieses Wort von einem aus Mehl und Eyern bereiteten, und in Riemen, Fäden, oder Stücke von anderer Gestalt zerschnittenen Teige, welcher an andere Speisen gethan, oder auch für sich allein zubereitet wird. Man hat ihrer so fein wie Zwirnsfäden, welche alsdann Fadennudeln heißen. Die so beliebten Maccaroni der Italiäner sind nichts anders als Nudeln.
   Anm. Im Böhm. Nudle. Man könnte dieses Wort zu nähren rechnen, welches schon im Lat. nutrire ein t angenommen hat; allein, es scheinet vielmehr mit Knote, Knödel, und dem Lat. Nodulus Eines Geschlechtes zu seyn, und eigentlich eine jede rundliche Masse zu bezeichnen. Nudel, Nocke, ein großer Kloß, Nuß u. s. f. sind nur im Endlaute verschieden und gehören mit Naht; Nuth und andern insgesammt zu nähen, so fern es ursprünglich nahe bringen, verbinden bedeutet hat.
 
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Das Nudelbrèt, des -es, plur. die -er, in den Küchen, ein Bret, auf welchem der zu Nudeln bestimmte Teig mit dem Nudelholze gewalzet und zu einer breiten dünnen Masse ausgedehnet wird.
 
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Das Nudelholz, des -es, plur. die -hölzer, eine kleine um eine Welle bewegliche Walze, womit der Nudelteig auf dem Nudelbrete zu einer dünnen Masse ausgedehnet wird; im gemeinen Leben der Nudelwalger, von walgekn, hin und her wälzen.
 
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Der Nūdelmácher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Nudelmacherinn, Personen, welche ihr vornehmstes Geschäft daraus machen, Nudeln auf den Kauf zu verfertigen.

[Bd. 3, Sp. 537]


 

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