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Nothfeuer bis Nöthig (Bd. 3, Sp. 529 bis 530)
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Artikelverweis Das Nothfeuer, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, ein abergläubiges Feuer, welches von dem großen Haufen bey ansteckenden Seuchen oder dem so genannten wilden Feuer, unter freyem Himmel, vermittelst eines Haarseiles aus einem trockenen Zaunpfahle durch Reiben hervor gelocket, und mit brennbaren Mitteln unterhalten wird, worauf das Vieh drey Mahl mit Gewalt durch dasselbe getrieben wird, um es auf diese Art vor der Krankheit zu verwahren. Es ist von dem Johannis-Feuer noch unterschieden, welches nur eine Art desselben ist, und jetzt an den meisten Orten von den Obrigkeiten abgeschaffet worden. Das Wort ist so alt, als der Aberglaube selbst, der schon unter Carln dem Großen unter dem Nahmen des Nodfyrs, Niedfeors, als eines sacrilegi ignis, gedacht wird. Es hat den Nahmen von Noth 1 und 5, so fern es ehedem heftige Bemühung, Zwang bedeutete, indem es theils aus dem Holze erzwungen, theils auch das Vieh mit Gewalt dadurch getrieben wird.
 
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Die Nothfrist, plur. die -en, in den Rechten einiger Gegenden, ein peremtorischer Termin, welchen man nicht ohne die höchste Noth versäumen darf, zu dessen Abwartung man gezwungen ist.
 
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Das Nothgedinge, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein Gedinge, welches auf Gewinn und Verlust gemacht wird; vielleicht, weil es nur aus Noth geschiehet.
 
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Das Nothgèld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, in den Gerichten einiger Gegenden, z. B. in Bremen, dasjenige Geld, welches zu Abtragung der Criminal-Kosten entrichtet wird. S. das folgende.
 
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Das Nothgericht, des -es, plur. die -e, ein noch in einigen, besonders Niedersächsischen Gegenden, übliches Wort, ein Criminal-Gericht zu bezeichnen. Im Hochdeutschen kommt es noch in dem zusammen gesetzten Ausdrucke vor, ein hoch-nothpeinliches Halsgericht hegen, oder halten.
 
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Das Notgeschrey, des -es, plur. inus. ein größten Theils veraltetes Wort, ein Geschrey bey und über angethane äußere

[Bd. 3, Sp. 530]


Gewalt, besonders bey angethaner Nothzucht zu bezeichnen. Von Noth 5.
 
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* Nothhaft, -er, -ste, adj. et adv. welches im Hochdeutschen unter die veralteten Wörter gehöret. Ehedem bedeutete es, 1) Noth leidend, sich in Noth befindend. Ich nothafte bin, Notker, der auch das Hauptwort Nothaft für Wiederwärtigkeit, Noth, gebraucht. Im Tatian ist nothaft gebunden, gefangen. 2) In einer dringenden Noth gegründet, und folglich rechtmäßig; im welchem Verstande noch in den Gerichten einiger Gegenden eine nothhafte Entschuldigung eine rechtmäßige Entschuldigung ist, wo auch die Nothhaft, und im Plural die Nothhaften, solche Nothfälle sind, welche eine rechtmäßige Entschuldigung gewähren, Ehehaften, S. dieses Wort.
 
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Der Nothhêlfer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Nothhelferinn. 1) Eine Person, welche uns aus einer Noth hilft, von einer dringenden Noth befreyet. Du bist ein Trost Israel und ihr Nothhelfer, Jerem. 14, 8. Er ist der Erlöser und Nothhelfer, Dan. 6, 27. In der Römischen Kirche sind die vierzehen Nothhelfer vierzehen Heilige, welche in allen Arten der Noth vorzüglich angerufen werden. In der anständigen Schreibart ist es in dieser Bedeutung veraltet, vermuthlich um der Zweydeutigkeit mit der folgenden willen. 2) Eine Person oder Sache, deren Hülfe man sich aus Noth bedienet, weil man keine bessere hat; Nieders. Hannke in der Noth.
 
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Das Nothhêmd, des -es, plur. die -en, ein ehedem sehr übliches abergläubisches Hemd, welches nicht nur fest machen, sondern auch in Kindesnöthen liegenden Weibern die Geburt erleichtern sollte.
 
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Die Nothhülfe, plur. inus. die Hülfe in der Noth, in dringenden Nothfällen. Ingleichen eine Hülfe, deren man sich nur aus Noth bedienet, weil man keine bessere hat.
 
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Nöthig, -er, -ste, adj. et adv. Noth habend, in derselben gegründet; doch nur in einigen Fällen des Hauptwortes.
   1. Subjective, in Ansehung der Person. 1) In der weitesten Bedeutung, in der dritten und sechsten Bedeutung des Hauptwortes, doch nur als ein Nebenwort, und mit dem Zeitworte haben. Etwas nöthig haben, es nicht haben, da man es doch gebrauchen, es nur Erreichung einer Absicht, zur Hervorbringung einer Veränderung anwenden könnte, ohne den Grad dieses Bedürfnisses zu bestimmen. Geld nöthig haben, es bedürfen. Ich habe Hülfe nöthig. Man hat ihn nicht mehr nöthig. Ihr Herz scheint keinen großen Antrieb mehr nöthig zu haben, Gell. Etwas sehr nöthig, hoch nöthig haben. Er hat es nöthig. Im Oberdeutschen auch mit der zweyten Endung. Einer Sache nöthig haben. 2) In engerer Bedeutung. (a) * In Noth befindlich, in der siebenten Bedeutung des Hauptwortes; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung. Im Bergbaue ist eine wassersnöthige Zeche, welche Noth von Wasser leidet, zu viel Wasser hat. (b) * Arm, dürftig; in welchem Verstande es im Hochdeutschen gleichfalls veraltet ist.
   2. Objective, in Ansehung der Sache. 1) Zur Erreichung einer Absicht, zur Hervorbringung einer Veränderung erforderlich und dienlich, in der dritten und sechsten Bedeutung des Hauptwortes Noth, und im Gegensatze des unnöthig. Jemanden mit den nöthigen Hülfsmitteln versehen. Die nöthige Kleidung, welche nicht bloß zur Nothdurft, sondern auch zur Bequemlichkeit und zum Wohlstande erfordert wird. Eine nöthige Sache. Etwas für nöthig halten, befinden. Wenn du es für nöthig befindest, Gell. Es ist nöthig, es ist nicht nöthig. Seine Miene sagt mehr als nöthig ist, den Verdacht gegen ihre Tugend zu bestärken, Gell. Wozu ist das nöthig? Ich werde bey diesem Gespräche wohl nicht nöthig seyn. Es ist nicht nöthig, daß

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du hingehest. Das nöthigste von etwas wissen. Sehr nöthig, hoch nöthig, höchst nöthig, drucken auch hier die höhern Grade aus. Das Nöthige wird auch zuweilen in der anständigen Schreibart für die Nothdurft gebraucht. Soll ich dich an dem Nöthigen Mangel leiden sehen? Dusch. 2) * Zur Erreichung einer Absicht unentbehrlich, den Umständen nach unvermeidlich; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, wo es für nothwendig bey den Oberdeutschen Schrifttellern mehrmals vorkommt. Die Sache muß nöthig da seyn, Opitz, für nothwendig. Ich muß nöthig schreiben, nothwendig. Daher Opitz auch Nöthigkeit für Nothwendigkeit gebraucht.

 

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