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Nothauswurf bis Nothdürftigkeit (Bd. 3, Sp. 525 bis 529)
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Artikelverweis Der Nothauswurf, des -es, plur. die -würfe, der Auswurf der Waaren und Sachen aus dem Schiffe in besorglicher Lebensgefahr, zur Erleichterung des Schiffes. Ingleichen das

[Bd. 3, Sp. 527]


Recht, in solcher Gefahr Waaren und Sachen in das Meer zu werfen; ohne Plural. Der Nothwurf.
 
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Der Nothbau, des -es, plur. die -e, ein Bau, welcher zur Vermeidung einer unvermeidlichen Gefahr vorgenommen wird. In engerer Bedeutung, ein solcher Bau, welcher nur auf kurze zeit aus Noth und zur Noth unternommen wird, in der Absicht, ihn nach vorüber gegangener Gefahr mit Bequemlichkeit vorzunehmen. Auf ähnliche Art nennen die Jäger eine Höhle, welche der Fuchs zuweilen auf freyem Felde aus Noth und auf kurze Zeit macht, einen Nothbau; der Fluchtbau, wenn er ihn auf der Flucht macht.
 
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Nōthbrchig, adj. et adv. welches nur im Bergbaue üblich ist. Eine Stufe nothbrüchig machen, sie zersetzen, d. i. zerschlagen, um zu sehen, wie sie inwendig beschaffen ist.
 
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Der Nothbrunnen, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, z. B. zu Hannover, bedeckte unbewegliche Wasserbehältnisse, in welche das Wasser bey einer Feuersnoth durch Schöpfräder oder Wasserkünste geleitet wird.
 
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Der Nothdamm, des -es, plur. die -dämme, ein Damm, welcher auf kurze Zeit und so lange verfertiget wird, bis der Hauptdamm zu Stande gebracht worden.
 
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Der Nothdeich, des -es, plur. die -e, in den Niedersächsischen Marschländern, ein Deich, welcher das eindringende Wasser so lange aufhält, bis der Hauptdeich wieder ausgebessert worden.
 
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Der Nothdienst, des -es, plur. die -e, ein Dienst, welcher einem andern in einem dringenden Nothfalle geleistet wird. Besonders ein Frohndienst dieser Art, welcher zu den außerordentlichen Diensten gehöret.
 
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Nothdringen, verb. irreg. act. (S. Adelung Dringen,) welches nur in den Oberdeutschen Kanzelleyen für zwingen üblich ist. Ich bin dazu genothdrungen worden. Auch durch unwiderstehliche sittliche Bewegungsgründe zwingen. Sich zu etwas genothdrungen sehen. Wo denn auch das Mittelwort nothdringend und das Beywort nothdringlich vorkommen.
 
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Die Nothdurft, plur. inus. ein Wort, welches in einem doppelten Hauptverstande gebraucht wird.
   1. Als ein Abstractum. 1) Der Zustand, da etwas mit Mühe, d. i. kaum und genau, zu einer Absicht hinreicht, wie Noth 2; doch nur in den Ausdrücken zur Nothdurft und nach Nothdurft, welche im gemeinen Leben und in den Kanzelleyen häufig vorkommen. Es reicht zur Nothdurft hin, zur Noth. Nach Nothdurft zu leben haben. Daß sie einen Tag länger nach Nothdurft haben möchten, Judith 7, 12. Ingleichen, so viel als nöthig ist, auch nur in den Hoch- und Oberdeutschen Kanzelleyen. Meine frau die wil die sach nach nottdurft ratschlagen, Theuerd. Daß Kläger dasjenige, so ihm zu erweisen aufgeleget war, und er sich angemaßet, zur Nothdurft erwiesen, auch in den Obersächsischen Gerichten. Im Oberdeutschen sagt man auch, seine Nothdurft essen, trinken, schlafen u. s. f. so viel als man bedarf. 2) Der Zustand, da man eines Dinges bedarf, ingleichen, der Zustand, da ein Ding nöthig und nothwendig ist, wie Noth 3 und 6; gleichfalls nur in Oberdeutschen und in den Obersächsischen Kanzelleyen. Wir haben der Nothdurft zu seyn ermessen, erachtet u. s. f. haben für nöthig gehalten. Ob nicht dasjenige einer vorgängigen Nothdurft sey u. s. f. vorher nothwendig sey. 3) * In engerer Bedeutung, der Zustand, da man die zur Wohlfahrt unentbehrlichster Mittel bedarf, Mangel an denselben leidet, besonders zur Erhaltung des natürlichen Lebens; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Nehmet euch der Heiligen Nothdurft an, Röm. 12, 13. Nothdurft leiden, im Oberdeutschen, Mangel an den unentbehrlichsten Erhaltungsmitteln, Noth leiden. In Nothdurft

[Bd. 3, Sp. 528]


stecken, eben daselbst, wo man es denn auch wohl für Noth 7, im Plural gebraucht, in diesen Nothdurften, in diesen Nöthen. Auch in der Bedeutung der Blöße, des Zustandes; da man an den unentbehrlichsten Kleidungsstücken Mangel leidet, ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich. Kleider damit er seine Nothdurft decken kann, Sir. 29, 28.
   2. Als ein Concretum; wo es doch nur collective und ohne Plural gebraucht wird. 1) In der weitesten Bedeutung, alles was nöthig, zu einer Sache erforderlich ist; eine im Oberdeutschen und den Hochdeutschen Kanzelleyen noch sehr gangbare Bedeutung, welche aber in der zierlichern Schreibart veraltet ist. Die Schreibenothdurft, Schreibe-Materialien, Feder, Tinte und Papier; der Schreibebedarf. Seine Nothdurft reden, was man für nöthig, für nothwendig hält. Die Gläubiger sind zur Pflegung der Güte und Beobachtung sonstiger Nothdurft vorgeladen, in den Gerichten. Daß ihr eures Orts die Nothdurft dabey beobachten möget, in den Kanzelleyen, für, was nöthig ist. Wir haben bereits die Nothdurft in Schriften an ihn gelangen lassen, ebend. Nehmet die Nothdurft für euer Haus und ziehet hin, 1 Mos. 42, 33. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, dasjenige, was zur Erhaltung des natürlichen Lebens unentbehrlich nothwendig ist, und so viel als unentbehrlich dazu erfordert wird. Seine Nothdurft haben. Einem die Nothdurft verschaffen. Zur Leibes Nahrung und Nothdurft. Zur Nothdurft und nicht zur Lust. Auch der unentbehrlichsten Nothdurft beraubet seyn. Sich etwas an der Nothdurft abbrechen. 3) Seine Nothdurft verrichten, in der anständigen Sprechart, dem Dringen der Natur zur Erleichterung des Leibes eine Genüge thun.
   Anm. In allen diesen Bedeutungen schon bey dem Kero Notduroft, bey dem Ottfried Notthurf, im Gegensatze des bey ihm gleichfalls befindlichen Vnthurft, was nicht nöthig ist, im Schwabenspiegel in der letzten Bedeutung Noturft, im Angels. Neaththarf, im Schwed. Nötthorft, im Isländ. Naudthurft. Es ist aus Noth und Durft zusammen gesetzet, welches letztere ehedem auch nur allein für Nothdurft gebraucht wurde, so wie dieses bey den ältern Schriftstellern in allen Bedeutungen des einfachern Noth vorkommt. Noth scheinet in dieser Zusammensetzung das veraltete Bey- und Nebenwort noti zu seyn, welches bey dem Ottfried noch so häufig ist, und unter andern auch sehr bedeutete, so daß die Bedeutung des Durft dadurch nur erhöhet wird. Ehedem war nothdurft auch als ein Bey- und Nebenwort für nothwendig üblich. Do kumpt die pestilentz, so ist notturft den luft zu rechtfertigen und ihm sin bosheit zu benemmen, die Luft zu reinigen, im Liber Pestilenz. von 1500.
 
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Nothdürftig, -er, -ste, adj. et adv. Nothdurft habend, in derselben gegründet. 1. In der ersten abstracten Bedeutung des Hauptwortes, kaum, mit Mühe zu etwas hinreichend; ohne Comparation, und am häufigsten als ein Nebenwort. Es reicht so nothdürftig zu. Er ist nothdürftig gelehrt, geschickt. Er verstehet es nothdürftig. In engerer Bedeutung, zur unentbehrlichsten Erhaltung des natürlichen Lebens genau hinreichend. Ein nothdürftiges Auskommen haben. Nothdürftig auskommen. Er kann nothdürftig davon leben. 2) Eines Dinges bedürftig. 1) * Überhaupt; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche noch im Oberdeutschen gangbar ist, für bedürftig, wo es denn auch die zweyte Endung des Rennwortes erfordert. Eines Dinges nothdürftig seyn, es bedürfen, gebrauchen. Die unsrer Hülfe nothdürftig wären, im Oberdeutschen. So wil ich dieweil einkaufen, was ich dann yetz nothdürftig bin, Theuerd. Kap. 52. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, der unentbehrlichsten Erhaltungsmittel des natürlichen Lebens bedürftig, Mangel

[Bd. 3, Sp. 529]


daran leidend; wofür doch, um der Zweydeutigkeit mit der vorigen Bedeutung willen, auch das einfachere dürftig gangbarer ist. Ein nothdürftiger Mensch. Nothdürftig leben.
 
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Die Nothdürftigkeit, plur. inus. der Zustand, die Eigenschaft, da eine Person oder Sache nothdürftig ist, in denjenigen Fällen, worin das Beywort noch im Hochdeutschen üblich ist.

 

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