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Notenstein bis Nothdeich (Bd. 3, Sp. 524 bis 527)
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Artikelverweis Der Notenstein, des -es, plur. die -e, eine Art Steine, welche zu den Naturspielen gehören, und deren Adern und Flecken einiger Maßen den musikalischen Noten ähnlich sind; Lapis musicalis. Gemeiniglich sind es Sandsteine, welche auf diese Art gezeichnet sind.
 
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* Noth, ein Nebenwort, nöthig, nothwendig, so wohl bedürfend, als auch zu einer Sache erforderlich. Kaufe was uns noth ist, aufs Fest, Joh. 13, 29. Was jeglichem noth war, das gab er, Apostelg. 4, 35. Wenn uns Hülfe noth seyn wird, Ebr. 4, 16. Geduld ist euch noth, Ebr. 10, 36. Was mehr noth seyn wird, Esr. 7, 20.
   Hier aber ist es noth den Unterschied zu machen,
   Opitz.
   Daß uns Gott
   Dieß alles geben wird, was zu dem Leben noth,
   ebend. Ingleichen mit dem Zeitworte haben, ich hatte es nicht noth, nicht nöthig.
   Du hast gelehrter Freund des Zettels zwar nicht noth,
   Günth. Im Hochdeutschen ist dieses Nebenwort veraltet, außer daß man in der höflichen Sprechart des gemeinen Lebens zuweilen mir ist noth sagt, wenn jemand von der Natur zur Erleichterung des Leibes aufgefordert wird; es ist ihm noth, nähmlich zu Stuhls zu gehen.
   Anm. Dieses Nebenwort ist alt. Nu ist es not, heißt es schon bey dem Ottfried, und an einem andern Orte; ni uuas imo es nihein not, er hatte es nicht nöthig. Das so im zu der sachen not was, Theuerd. Kap. 67.
 
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Die Noth, plur. inus. einige aber größten Theils veraltete Fälle ausgenommen, wo es in der ersten Endung die Nöthe heißen müßte.
   1. Mühe, Anstrengung der Kräfte so wohl des Leibes als des Gemüthes; am häufigsten in der vertraulichen Sprechart, und auch hier nur mit den Zeitwörtern haben, machen, verursachen. Du wirst Noth haben, in die Stadt zu kommen, es wird dir viele Mühe kosten. Hat man nicht Noth, ehe man dich aus dem Bette bringt? Weiße. Seine Noth mit jemanden haben. Das macht mir viele Noth, hat mir viele Noth verursacht. Thuruh not ist bey dem Ottfried mit Fleiß.
   2. Derjenige Zustand, da eine Sache mit Mühe, d. i. genau, kaum, zu einer Absicht hinreicht und dienlich ist; doch nur in den R. A. zur Noth, und mit genauer Noth. Der Zeug reicht zu einem Kleide zur Noth, zur höchsten Noth hin. Er konnte es so zur Noth. Er hat zur Noth zu leben, zu Befriedigung seiner Nothdurft, zur höchsten Noth, zu Befriedigung der äußersten Nothdurft. Mit genauer Noth davon kommen. Mit genauer Noth habe ich ihn gefunden.
   Die Wachtel, welche der Gefahr
   Des Garns mit Noth entgangen war,
   Gell. d. i. mit genauer Noth.

[Bd. 3, Sp. 525]



   3. Der Zustand, da man eines Dinges bedarf; nur noch in einigen Fällen. Ich brauche es zur höchsten Noth. Ich habe es aus Noth gethan, weil ich dessen bedurfte. Über Noth essen, trinken, mehr als man zur Nothdurft bedarf, ist nur im Oberdeutschen üblich. S. auch Nöthig und Vonnöthen.
   4. In engerer Bedeutung, der Zustand, da man in der Wahl der zur Erreichung einer Absicht gehörigen Mittel eingeschränkt ist. Ich habe es nur aus Noth genommen, weil ich nichts bessers haben konnte. Ich habe es aus Noth gethan. Wenns die Noth erfordert; im gemeinen Leben, wenn Noth an Mann geht. Aus der Noth eine Tugend machen. Jemanden aus der Noth helfen. Einem seine Noth klagen. Ich brauche es zur höchsten Noth.
   5. Besonders, äußerer und physischer Zwang; doch am häufigsten in der R. A. aus Noth. Etwas aus Noth thun, weil man dazu von außen gezwungen ist. Wenn es Röm. 13, 5 heißt: so seyd nun aus Noth unterthan, so stehet es daselbst in der veralteten Bedeutung der sittlichen Nothwendigkeit, weil es nöthig und nützlich ist, S. die folgende Bedeutung. Im gemeinen Leben sagt man noch, es thut mir Noth, wenn man den Naturtrieb zur Erleichterung des Leibes empfindet. Ehedem bedeutete es nicht nur Nothzucht, sondern auch ein Hinderniß.
   6. Sittliche Nothwendigkeit, gegründete Ursache; nur in einigen bereits eingeführten Fällen. Wenns die Noth erfordert. Im Falle der Noth. Es thut Noth, wird nur in der vertraulichen Sprechart und im Conjunctiv gebraucht. Es thäte Noth, ich ginge selbst hin, es wäre wohl nöthig, beynahe nöthig. Auch im ironischen Verstande.
   Es thäte wirklich Noth,
   Du ließest es geschehn, und würdest niemahls roth,
   Rost. Zur Noth, wenn es nöthig ist, wenn gegründete Ursache dazu vorhanden ist. Ich kann zur Noth auch ein Liedchen davon singen. Ohne Noth, ohne gegründete Ursache. Etwas ohne Noth thun. Ich halte mich nicht gern ohne Noth auf. Wie können sie sich doch ohne Noth traurig machen? Gell. Schon Ottfried gebraucht es häufig für Ursache überhaupt. Bi thera noti, ist bey ihm aus dieser Ursache, und binoti daher. Im Hochdeutschen ist es jetzt nur noch in einigen Fällen üblich. Ehedem war echte Noth auch eine gegründete Entschuldigung, Ehehaften.
   7. Derjenige Zustand, da man der Wahl der zur Wohlfahrt gehörigen unentbehrlichsten Mittel beraubt ist, die Gegenwart eines Übels, welches unsern Zustand in einem hohen Grade verschlimmert, und zuweilen auch dieses Übel selbst, wohin den Gefahr des Lebens und der Wohlfahrt, langwierige und gefährliche Krankheiten und Schmerzen, Armut und Mangel an Nothdurft, Verachtung und Schmach, Kummer und Verdruß gehören. Viele Noth haben, empfinden. Viele Noth ausstehen, ausgestanden haben. Noth und Elend, Jammer und Noth. In der äußersten Noth seyn. Jemanden in seiner Noth beystehen. In Noth kommen, gerathen. Jemanden aus der Noth reißen. Einem seine Noth klagen. Noth hat kein Geboth, oder Noth bricht Eisen. Noth lehret bethen. Er weiß nicht, was Noth ist. Die Noth zwingt mich, dringt mich dazu. Ein Freund in der Noth. Leibesnoth, Seelennoth, Hungersnoth, Sterbesnoth.
   Ehedem war in dieser Bedeutung der Plural sehr üblich, der auch in der biblischen Schreibart, und außer dem in der Dichtkunst noch zuweilen gebraucht, am sichersten aber in der reinen und anständigen Schreibart vermieden wird.
   Die wollten durch das Schwert sich rächen ihrer Nöthen,
   Opitz. Ihr Zuflucht meiner Nöthen, ebend. Der Stifter dieser Nöthen, ebend. Am häufigsten mit Vorwörtern. In Nöthen seyn. Ich bin gutes Muths in Nöthen, 2 Cor. 12, 10. Jemanden in seinen Nöthen beystehen. Bringt den Gesalbten nicht in Nöthen, (eigentlich in Nöthe,) Opitz. Ptochus lag in tausend Nöthen, Logau. Welcher Plural denn schon alt ist. In then notin, Ottfried. In nötin, ebend.
   8. In engerer Bedeutung, von besondern Arten dieses Zustandes und eines solchen Übels. 1) Die Gegenwart eines Übels, welches das Leben und die Wohlfahrt eines Dinges bedrohet, Anwesenheit einer Leibes- und Lebensgefahr. In Noth seyn. Sich in Noth befinden. Noth leiden. Ein Schiff leidet Noth, wenn es in Gefahr ist, zu scheitern oder unterzugehen. Die Frömmigkeit leidet Noth. Es ist Noth vorhanden. Es ist die höchste Noth. Noth lehret bethen. Es hat keine Noth mit uns, Jer. 7, 10, keine Gefahr. Mit dir hats keine Noth, du bist außer aller Gefahr. Der Plural ist auch hier veraltet. Da das sahen die Männer Israel, daß sie in Nöthen waren, 1 Sam. 13, 6. 2) Krankheit und Schmerzen. Kindesnoth. In Kindesnöthen seyn oder liegen, in den Geburtsschmerzen. Die schwere Noth, eine niedrige Benennung der Epilepsie. 3) Armuth und Mangel der Nothdurft, so wohl überhaupt, als auch in einzelnen Fällen, Mangel der Hülfsmittel in dringenden Bedürfnissen. In Noth seyn oder stecken. Jemanden aus seiner Noth heraus reißen. Noth lehrt Künste. Keine Noth leiden, sich an Essen und Trinken nichts abgehen lassen. Es stößt jemanden eine Noth zu, wenn er zu einer nothwendigen Ausgabe Geld bedarf. 4) Gram, Kummer, Verdruß. Jemanden viele Noth machen. Viele Noth mit jemanden haben. Wer keine Noth hat, macht sich welche. Sie wissen nicht, was Herrschaften für eine Noth mit dem Gesinde haben, Gell. Du wirst keine Noth bey ihm haben, wenn du sie dir nicht selber machst, ebend. Da denn im gemeinen Leben fast ein jeder unangenehmer Vorfall und dessen Empfindung eine Noth genannt wird.
   Anm. Bey dem Ottfried und seinen Nachfolgern Not, Noti, bey dem Ulphilas Nauth, im Angels. Nead Neod, Nyd, im Nieders. Nood, im Isländ. Neid, im Schwed. Nöd. in der ersten Bedeutung der Mühe gehöret es ohne Zweifel zu dem noch im Oberdeutschen üblichen Zeitworte sich nieten, sich bemühen, bestreben, S. dasselbe; welches ein Abkömmling eines sehr fruchtbaren Stammwortes ist, welches nahen lautet, und eigentlich bewegen bedeutet, und wovon unser nahen, näher kommen, nähen, nare, nere, neiger und viele andere abstammen. In der folgenden Bedeutung tritt, wie schon Wachter eingesehen hat, die Verwandtschaft mit nau, genau ein, welches Wort selbst von nahen, bewegen, abstammen kann, und dessen Begriff in allen folgenden Bedeutungen des Wortes Noth hervorsticht, indem sie alle folgenden besondere Arten der Einschränkung bezeichnen, so wie das Griech. αναγκ, welches gleichfalls eigentlich eine Enge bedeutet.
 
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Der Nothanker, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Schiffen, ein großer Anker, welchen man im Schiffsraume aufbewahret, um sich seiner nur in den dringendsten Nothfällen zu bedienen; der Raumanker, bey einigen auch der Hauptanker, welches doch am häufigsten der Nahme des gewöhnlichen großen Ankers ist.
 
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Die Notharbeit, plur. die -en, eine Arbeit, welche aus Noth, d. i. zur Abwendung einer Gefahr des Lebens oder der Wohlfahrt, unternommen wird; S. Adelung Nothwerk und Noth 7.
 
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Der Nothauswurf, des -es, plur. die -würfe, der Auswurf der Waaren und Sachen aus dem Schiffe in besorglicher Lebensgefahr, zur Erleichterung des Schiffes. Ingleichen das

[Bd. 3, Sp. 527]


Recht, in solcher Gefahr Waaren und Sachen in das Meer zu werfen; ohne Plural. Der Nothwurf.
 
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Der Nothbau, des -es, plur. die -e, ein Bau, welcher zur Vermeidung einer unvermeidlichen Gefahr vorgenommen wird. In engerer Bedeutung, ein solcher Bau, welcher nur auf kurze zeit aus Noth und zur Noth unternommen wird, in der Absicht, ihn nach vorüber gegangener Gefahr mit Bequemlichkeit vorzunehmen. Auf ähnliche Art nennen die Jäger eine Höhle, welche der Fuchs zuweilen auf freyem Felde aus Noth und auf kurze Zeit macht, einen Nothbau; der Fluchtbau, wenn er ihn auf der Flucht macht.
 
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Nōthbrchig, adj. et adv. welches nur im Bergbaue üblich ist. Eine Stufe nothbrüchig machen, sie zersetzen, d. i. zerschlagen, um zu sehen, wie sie inwendig beschaffen ist.
 
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Der Nothbrunnen, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, z. B. zu Hannover, bedeckte unbewegliche Wasserbehältnisse, in welche das Wasser bey einer Feuersnoth durch Schöpfräder oder Wasserkünste geleitet wird.
 
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Der Nothdamm, des -es, plur. die -dämme, ein Damm, welcher auf kurze Zeit und so lange verfertiget wird, bis der Hauptdamm zu Stande gebracht worden.
 
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Der Nothdeich, des -es, plur. die -e, in den Niedersächsischen Marschländern, ein Deich, welcher das eindringende Wasser so lange aufhält, bis der Hauptdeich wieder ausgebessert worden.

 

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