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Nößel bis Notenstein (Bd. 3, Sp. 522 bis 524)
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Artikelverweis Das Nößel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Nößelchen, Oberd. Nößelein, ein Wort, welches, so wie fast alle ähnliche Benennungen, so wohl von einer Vertiefung, als auch von einer Erhöhung gebraucht wird. 1) Von einer Vertiefung, einem hohlen Gefäße, ist es nur noch in einigen Gegenden so wohl Ober- als Niedersachsens als ein bestimmtes Maß flüssiger und trockner Dinge üblich, welches die Hälfte eines Maßes, einer Kanne oder eines Quartes beträgt, so fern diese drey Wörter gleichbedeutend sind, denn in einigen Gegenden hat man große Kannen, welche zwey Maß halten. Im Oberdeutschen pflegt man ein Nößel, ein Seidel, ein Seidlein, oder einen Schoppen zu nennen. Ein Nößel Bier, Wein, Getreide u. s. f. In Thüringen werden auch die Hufengüter in halbe Hufen, Viertelhufen und Nößel getheilet, wo vielleicht ein Nößel Aussaat zu verstehen ist. Indessen gibt es mehrere Fälle, wo das Nößel figürlich ein gewisser kleinerer Theil eines größern ist. So wird in den Salzkothen zu Halle ein Stuhl, d. i. eine Hauptabtheilung eines Salzbrunnens, in 20 Quart, und ein Quart in zwey Nösel getheilet, da denn jedes Nößel 81/2 Pfanne hält; wo es ein weit größeres Maß bedeutet. In Meißen hingegen, besonders zu Leipzig, ist das Nößel auch ein Holzmaß, welches der sechzehente Theil einer Klafter ist.

[Bd. 3, Sp. 523]


2) Von einer Erhöhung, oder einem erhöheten Stücke; in welchem Verstande es vielleicht nur in den Salzkothen üblich ist, wo die aus Salzschlamm gemachten Stücke, welche unter die Pfanne und an den Seiten gelegt werden, damit sie fest stehe, Nößel genannt werden.
   Anm. Dieses Wort lautet in den meisten Niedersächsischen Gegenden ohne N nur Ößel; ein neuer Beweis, wie zufällig dieser Buchstab am Anfange vieler Wörter ist. Frisch leitet es daher von Achter ab, weil das Nößel gemeiniglich der achte Theil eines Ganzen ist. Allein, da die Verwandlung zu ungewöhnlich ist, so siehet man es, wie so viele andere, richtiger als ein allgemeines Kennwort an, welches so wohl eine ausgehöhlte, vertiefte, als auch eine erhabene Fläche bedeutet, und mit Nuß, Nase, Nießen für aushöhlen, Nischel, in der weitesten Bedeutung einer Masse, eines Dinges, vielleicht auch mit dem vorigen Noß und der Endung -Niß, und wenn man das N in keine Betrachtung ziehet, auch mit Öhse, essen und so vielen andern dieses Geschlechtes verwandt ist. In der Lausitz werden die Stangen, woran die Zuber getragen werden, Nosselstangen genannt; ohne Zweifel von Nossel, Nößel, ein Zuber, Gefäß. Die Endung -el kann so wohl ein Zeichen des Diminutivi, als auch die Ableitungssylbe seyn, ein Werkzeug oder Ding zu bezeichnen; Nößel, ein vertieftes oder erhabenes Ding.
 
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Der Nosselfink, des -en, plur. die -en, eine Art Brustwenzel, oder nach andern eine Art Grasmücken von braunfahler Farbe, mit weißlich gesäumten Federn, von welchem man glaubt, daß er häufig in die Gärten komme, wenn eine Pest bevor stehet, daher er auch Todtenvogel und Pestilenzvogel genannt wird; Sylvia pestilentialis Frisch. Sylvia Grisola Aldrov.
 
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Die Nosselstange, plur. die -n, S. Adelung Nößel Anm.
 
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Das Nóstoch, des -es, plur. inus. eine sonderbare Pflanze, welche zu dem Geschlechte der Gallerten gehöret, und welche ganz aus einem einzigen Blatte ohne Wurzeln bestehet, und sich nur nach einem Regen wie ein Schwamm voll Wasser ziehet und alsdann einer Gallerte ähnlich siehet. Nach ein Paar Stunden Sonnenschein oder nach einem starken Winde zerfällt sie wieder in ein trocknes schwarzbraunes Blatt, welches kaum noch sichtbar ist. Tremella Nostoc L. Man findet es nach dem Regen auf den Wiesen und in den Gartengängen. Der Nahme ist ausländisch. Paracelsus nennet dieses Gewächs Carefolium, andere im Deutschen Himmelsblume, Himmelsblatt, Erdblume.
 
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Die Note, plur. die -n, Diminut. das Nötchen, Oberdeutsch Nötlein, aus dem Lat. Nota, ein Zeichen. 1) Eine Anmerkung, im gemeinen Leben. Noten zu einem Buche machen, Anmerkungen. 2) Ein kurzer Aufsatz, eine kurze nur aus wenig Zeilen bestehende und ohne alle Förmlichkeiten aufgesetzte Schrift. So wird eine kurze Rechnung im gemeinen Leben zuweilen eine Note genannt. Bey den Wechselbanken ist die Banknote, ein Schein, welchen jemand über sein in die Bank gelegtes Geld erhält, und welche von einer Bankactie noch verschieden ist. Ein Aufsatz eines Notarii, ein Notariat-Instrument, wurde ehedem auch nur eine Note genannt, S. Du Fresne Gloss. v. Nota. 3) In der Musik werden in weiterer Bedeutung alle Zeichen, deren man sich daselbst in Schreiben bedienet, in engerer und gewöhnlicherer aber nur allein die eigentlichen Tonzeichen, Noten genannt. Hornegk nennet sie im Diminut. Notel. Nach Noten singen oder spielen.
 
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Die Notel, plur. die -n, aus dem mittlern Lat. Notula, dem Diminut. von Nota, ein kurzer gemeiniglich ohne alle Förmlichkeiten gemachter Aufsatz, in welchem Verstande es noch hin und wieder im gemeinen Leben vorkommt. Noch öfter werden die Clauseln eines Vertrages, oder einer andern verbindlichen Schrift Noteln genannt.

[Bd. 3, Sp. 524]



 
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Das Notelgeschirr, des -es, plur. die -e, bey den Seilern, ein Geschirr mit vier eisernen Haken, große Seile daran zu verfertigen; wo die erste Hälfte freylich einen andern Ursprung hat.
 
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Das Notenpapier, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, starkes geleimtes Papier, Noten darauf zu schreiben.
 
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Der Notenplan, des -es, plur. die -e, in der Musik, die fünf Linien, welche das Steigen und Fallen der Noten vorstellen, und auch das Linien-System, die Musikleiter genannt werden. S. Adelung Note 3.
 
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Der Notenschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher musikalische Noten schreibet, und in engerer Bedeutung, welcher ein Geschäft daraus macht, Noten abzuschreiben, und welcher auch wohl der Notist genannt wird.
 
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Der Notenstein, des -es, plur. die -e, eine Art Steine, welche zu den Naturspielen gehören, und deren Adern und Flecken einiger Maßen den musikalischen Noten ähnlich sind; Lapis musicalis. Gemeiniglich sind es Sandsteine, welche auf diese Art gezeichnet sind.

 

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