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Nordstêrn bis Nóstoch (Bd. 3, Sp. 521 bis 523)
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Artikelverweis Der Nordstêrn, des -es, plur. inus. der Polarstern, welches sein gewöhnlicherer Nahme ist; S. dieses Wort. Opitz nennet ihn nur den Nord, S. dieses Wort.
 
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Das Nordwasser, des -s, plur. inus. in der Schifffahrt, derjenige Strom des Weltmeeres, nach welchem dasselbe von dem Nordpole gegen Mittag gezogen wird; zum Unterschiede von dem Südwasser, einem Gegenstrome, welcher das Meer gegen Norden ziehet. Vielleicht sind beyde nur Eine Wirkung des an den Küsten gebrochenen Weltmeeres.
 
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Nordwêst, oder Nordwêsten, die Himmelsgegend zwischen Norden und Westen, ohne Artikel, und nur mit einigen Vorwörtern. Der Wind kommt aus Nordwest. Gegen Nordwesten segeln. Bey dem Raban Maurus Norduuestron.Daher der Nordwestwind, des -es, plur.die -e, der Wind, welcher aus dieser Gegend kommt.
 
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Der Nordwind, des -es, plur. die -e, der Wind, welcher aus Norden oder Mitternacht kommt; in der dichterischen Schreibart der Nord, bey dem Willeram Nortuuint. In Golii Onomast. bey dem Frisch heißt er Schindenhängst, bey dem Pictorius und andern Oberdeutschen der Beißwind, Bißwind, Bißwind, Ital. Bisajo, Sbisajo, Bisa, Franz. Vent de Bise, von dem noch Nieders. und Holländ. biesen, brausen, daher in Lipsii Glossen ein jeder Sturmwind Bisa heißt, bey den Griechen und Römern aus einer ähnlichen Ursache Boreas, bey den Krainerischen Wenden Burja.
 
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Der Nörfling, des -es, plur. die -e, in Obersachsen und Oberdeutschland, eine Art eßbarer Flußfische, welche den Äschen nahe kommt, und sich unter dem Wasser mit einer schönen feuerrothen

[Bd. 3, Sp. 522]


Farbe zeiget. Er wird an andern Orten ohne das zufällige Anfangs N Orse genannt, S. dieses Wort.
 
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Nörgeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur im gemeinen Leben üblich ist, seinen Unwillen durch mürrische Worte an den Tag legen, welches man an andern Orten brämmeln, in Niedersachsen aber gnägeln, öckern, und wranten nennt. Es ist das Diminut. von gnurren, knurren und brummen, eine gelindere Art des Zankens und Keifens, und so wie jene eine Nachahmung des Lautes.
 
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Das Nōß, des -es, plur. die Nößer, im gemeinen Leben einiger Gegenden, z. B. in Meißen, ein Stück zahmes vierfüßiges Vieh, besonders aber der Pferde, des Schaf- und Rindviehes. Fünf Rindsnößer, Schafnößer, Pferdenößer. Zugnößer, Zugvieh. Ein Gut, wovon nach dem Absterben des Besitzers die besten Nößer, welche in Pferden und Rindvieh bestehen, in das Amt geliefert werden müssen. Das beste Noß fällt dem Amte anheim. Der Schäfer muß die gefallenen Nößer selbst abziehen.
   Anm. Es ist ein altes weit ausgebreitetes Wort, welches aber außer Meißen in Deutschland vielleicht wenig mehr bekannt ist. Im Schwed. ist Nöt, ehedem Naut, im Angels. Nyten, Niten, im Isländ. Naut, im Englischen Neat, im Schottländ. Noute, im Finnländ. Naute, ein Ochse, und im Dän. bedeutet Nod und Noth ein jedes Stück Vieh. Frisch leitet es von Genoß ab, und erkläret es durch pecora ejusdem stabuli, Ihre aber von Nutzen, wegen der Nutzbarkeit des zahmen Viehes. Da das N zu Anfange so vieler Wörter sehr zufällig ist, so könnte man glauben, das Noß und Ochse, Nieders. Oß, ein und eben dasselbe Wort sey. Da man das zahme Vieh auch gern Häupter zu benennen pflegt, und das Diminut. Nischel noch in einigen Gegenden Kopf bedeutet, so könnte man es auch hiervon ableiten. Allein, da Nūß (mit einem gedehnten u) in den gemeinen Sprecharten, besondres Oberdeutschlandes, sehr üblich ist, ein jedes Ding so wohl im Scherze, als verächtlichem Verstande zu bezeichnen, wo es nicht, so wie Nöt, ein dummer Mensch, im Schwedischen, eine Figur von der Bedeutung des Viehes, zu seyn scheinet; so muß dieses Wort wohl eigentlich einen weitern Umfang haben, und aus einer andern Quelle hergeleitet werden. Du bist ein leichtfertiges Nuß, ein närrisches Nǖßchen, sagt man im Oberdeutschen im Scherze zu einem Kinde, wo es gewiß nicht zu Nuß, Nux, gehöret. S. -Niß, Anm. und das folgende.
 
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Das Nößel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Nößelchen, Oberd. Nößelein, ein Wort, welches, so wie fast alle ähnliche Benennungen, so wohl von einer Vertiefung, als auch von einer Erhöhung gebraucht wird. 1) Von einer Vertiefung, einem hohlen Gefäße, ist es nur noch in einigen Gegenden so wohl Ober- als Niedersachsens als ein bestimmtes Maß flüssiger und trockner Dinge üblich, welches die Hälfte eines Maßes, einer Kanne oder eines Quartes beträgt, so fern diese drey Wörter gleichbedeutend sind, denn in einigen Gegenden hat man große Kannen, welche zwey Maß halten. Im Oberdeutschen pflegt man ein Nößel, ein Seidel, ein Seidlein, oder einen Schoppen zu nennen. Ein Nößel Bier, Wein, Getreide u. s. f. In Thüringen werden auch die Hufengüter in halbe Hufen, Viertelhufen und Nößel getheilet, wo vielleicht ein Nößel Aussaat zu verstehen ist. Indessen gibt es mehrere Fälle, wo das Nößel figürlich ein gewisser kleinerer Theil eines größern ist. So wird in den Salzkothen zu Halle ein Stuhl, d. i. eine Hauptabtheilung eines Salzbrunnens, in 20 Quart, und ein Quart in zwey Nösel getheilet, da denn jedes Nößel 81/2 Pfanne hält; wo es ein weit größeres Maß bedeutet. In Meißen hingegen, besonders zu Leipzig, ist das Nößel auch ein Holzmaß, welches der sechzehente Theil einer Klafter ist.

[Bd. 3, Sp. 523]


2) Von einer Erhöhung, oder einem erhöheten Stücke; in welchem Verstande es vielleicht nur in den Salzkothen üblich ist, wo die aus Salzschlamm gemachten Stücke, welche unter die Pfanne und an den Seiten gelegt werden, damit sie fest stehe, Nößel genannt werden.
   Anm. Dieses Wort lautet in den meisten Niedersächsischen Gegenden ohne N nur Ößel; ein neuer Beweis, wie zufällig dieser Buchstab am Anfange vieler Wörter ist. Frisch leitet es daher von Achter ab, weil das Nößel gemeiniglich der achte Theil eines Ganzen ist. Allein, da die Verwandlung zu ungewöhnlich ist, so siehet man es, wie so viele andere, richtiger als ein allgemeines Kennwort an, welches so wohl eine ausgehöhlte, vertiefte, als auch eine erhabene Fläche bedeutet, und mit Nuß, Nase, Nießen für aushöhlen, Nischel, in der weitesten Bedeutung einer Masse, eines Dinges, vielleicht auch mit dem vorigen Noß und der Endung -Niß, und wenn man das N in keine Betrachtung ziehet, auch mit Öhse, essen und so vielen andern dieses Geschlechtes verwandt ist. In der Lausitz werden die Stangen, woran die Zuber getragen werden, Nosselstangen genannt; ohne Zweifel von Nossel, Nößel, ein Zuber, Gefäß. Die Endung -el kann so wohl ein Zeichen des Diminutivi, als auch die Ableitungssylbe seyn, ein Werkzeug oder Ding zu bezeichnen; Nößel, ein vertieftes oder erhabenes Ding.
 
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Der Nosselfink, des -en, plur. die -en, eine Art Brustwenzel, oder nach andern eine Art Grasmücken von braunfahler Farbe, mit weißlich gesäumten Federn, von welchem man glaubt, daß er häufig in die Gärten komme, wenn eine Pest bevor stehet, daher er auch Todtenvogel und Pestilenzvogel genannt wird; Sylvia pestilentialis Frisch. Sylvia Grisola Aldrov.
 
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Die Nosselstange, plur. die -n, S. Adelung Nößel Anm.
 
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Das Nóstoch, des -es, plur. inus. eine sonderbare Pflanze, welche zu dem Geschlechte der Gallerten gehöret, und welche ganz aus einem einzigen Blatte ohne Wurzeln bestehet, und sich nur nach einem Regen wie ein Schwamm voll Wasser ziehet und alsdann einer Gallerte ähnlich siehet. Nach ein Paar Stunden Sonnenschein oder nach einem starken Winde zerfällt sie wieder in ein trocknes schwarzbraunes Blatt, welches kaum noch sichtbar ist. Tremella Nostoc L. Man findet es nach dem Regen auf den Wiesen und in den Gartengängen. Der Nahme ist ausländisch. Paracelsus nennet dieses Gewächs Carefolium, andere im Deutschen Himmelsblume, Himmelsblatt, Erdblume.

 

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