Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Niftelgerade bis Níschel (Bd. 3, Sp. 509 bis 511)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Die Niftelgerade, plur. die -n, diejenige Gerade, d. i. dasjenige Geräth, welches die nächste Niftel, d. i. Nichte, oder Blutsfreundinn mütterlicher Linie, von ihrer verstorbenen Muhme, Base oder Niftel erbt, welches, weil es die Hälfte der gewöhnlichen Gerade ausmacht, auch die halbe Gerade genannt wird. Von Niftel, welches ehedem auch für Nichte üblich war, S. das letztere.
 
Artikelverweis 
* Der Nīkawitz, des -es, plur. die -e, ein im Österreichischen üblicher Nahme des Bergfinken, welcher in Niedersachsen Quäker genannt wird. S. Adelung Bergfink. Das Wort scheinet Slavonischen oder Ungarischen Ursprunges zu seyn, wenn es nicht eine Nachahmung seines Geschreyes ist.
 
Artikelverweis 
Nikolaus, ein aus dem Griechischen entlehnter männlicher Taufnahme, von νικ, der Sieg, und λαος, das Volk, welcher im gemeinen Leben in Nickel, und mit Wegwerfung der ersten Sylbe in Klaus, Claus und Klas verkürzet wird.
 
Artikelverweis 
Das Nīlpfrd, des -es, plur. die -e, ein vierhufiges vierfüßiges Thier, welches der Gestalt nach einem Schweine gleicht, so groß wie ein Bär ist, und im Wasser lebt; Hippopotamus. Es hält sich in einigen Flüssen in Asien und Afrika, besonders aber in dem Nile auf, und gleicht übrigens weder einem Pferde noch einem Ochsen, ungeachtet es auch Flußpferd und Flußochse genannt wird.
 
Artikelverweis 
Nimmer, ein Umstandswort der Zeit, welches eine doppelte Bedeutung hat, und allem Ansehen nach auch zwiefachen Ursprunges ist.
   1. Zu keiner Zeit, niemahls, so wohl von einer künftigen, als von einer vergangenen Zeit, im Gegensatze des immer, aus welchem und der alten Verneinung ni, es auch zusammen gesetzet ist; bey dem Ottfried niamer, bey welchem jamer für immer vorkommt. Die Wolkensäule wich nimmer von dem Volke des Tages, 2 Mos. 13, 22. Das Feuer soll nimmer verlöschen, 3 Mos. 6, 12. Der Gottlosen Bauch hat nimmer genug, Sprichw. 13, 25. Das Auge siehet sich nimmer satt, Pred. 1, 8. Hochmuth thut nimmer gut, Sir. 3, 30. Faule Leute werden nimmer reich. Das werde ich nimmer vergessen.
   Mein Urtheil das mir fällt,
   Das kostet nimmer Geld,
   Weil solches unbehellt,
   Mein Richter mir bestellt,
   Logau.
   Der mit bestälter Äsche, nimmer müde,
   Den rasenden Encelados
   Zurücke warf,
   Raml. Im Hochdeutschen ist doch dafür niemahls, nie, und in manchen Fällen das verstärkte nimmermehr üblicher.
   Das nicht ist hier eben so überflüssig und fehlerhaft, als bey andern verneinenden Wörtern.
   Wer nimmer nichts versucht, der weiß nicht was er kann,
   Logau. Im gemeinen Leben macht man mit diesem Worte allerley Zusammensetzungen. Ein Nimmersatt, Nimmergenug, welcher niemahls satt wird, niemahls genug hat, Nimmerfroh, der niemahls froh wird, Nimmernüchtern, der niemahls nüchtern ist, auf Sanct Nimmerstag, niemahls u. s. f.
   2. * Für nicht mehr, nicht wieder, die Wiederhohlung oder Fortdauer zu verneinen, im Gegensatze des wieder und noch; da es denn aus nie und mehr zusammen gesetzet ist. Es ist noch um ein kleines, so ist der Gottlose nimmer, Ps. 37, 10. Wenn nimmer Holz da ist, verleschet das Feuer, Sprichw. 26, 20. Wenn der Wind darüber gehet, so ist sie nimmer da, Ps. 103, 16. Ich will ihrer Sünde nimmer gedenken, Jer. 31, 34; wo bessere Ausgaben nicht mehr haben. Er kommt nimmer. Ich konnte die Schmerzen nimmer ausstehen. Nimmer thun ist die beste Buße, nicht mehr thun. In dieser Bedeutung ist es nur in den gemeinen Sprecharten, besonders Oberdeutschlandes, üblich. Die anständige Schreibart kennet sie nicht.
   Anm. Bey dem Ottfried niamer, bey den Schwäbischen Dichtern niemer, im Nieders. nümmer, im Engl. never.
 
Artikelverweis 
Nimmermehr, adv. temp. schlechterdings zu keiner Zeit, in der ersten Bedeutung des vorigen Nebenwortes, und nur von einer künftigen Zeit. Der Gerechte wird nimmermehr umgestoßen, Sprichw. 10, 30. Liebe höret nimmermehr auf, 1 Cor. 13, 8. Bedenke das Ende, so wirst du nimmermehr übels thun, Sir. 7, 40. Das soll nimmermehr wieder geschehen. Nun und nimmermehr, eine Verstärkung des nimmermehr. Nein, nun und nimmermehr soll das geschehen. Nimmermehr wird das geschehen. So kommen wir nimmermehr zu Stande. Zuweilen wird es auch figürlich als eine starke Verneinung gebraucht. Das will ich nimmermehr hoffen. Sie werden doch ihre Braus nimmermehr bey einem fremden Menschen alleine lassen? Weiße. Das hätte ich nimmermehr gedacht.
   Bey dem Stryker nimmermere.
 
Artikelverweis 
Der Nimmersatt, subst. indecl. eine Person, welche niemahls satt wird, im gemeinen Leben. S. Adelung Nimmer 1. In engerer Bedeutung ist der Nimmersatt eine Art Pelikanes oder Löffelgans, welcher so groß wie eine Gans ist, einen großen Kropf, hohe Beine, einen konischen am Ende gekrümmten Schnabel, einen schwarzen Schwanz und schwarze Füße hat; Tantalus Klein. hochbeiniger Mauchler, Baumpelikan, weil er sich auf den Bäumen aufhält.
 
Artikelverweis 
Nippen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den gemeinen Sprecharten üblich ist, im Trinken kleine, behende Züge thun, wenig auf Ein Mahl trinken.
 
Artikelverweis 
Nirgends, Nirgend, ein Nebenwort des Ortes, an keinem Orte, im Gegensatze des irgend oder irgends. Hab ich doch nirgend keine Hülfe, Hiob. 6, 13. Ein Gott desgleichen nirgend ist, Es. 46, 9. Ein Prophet gilt nirgend weniger als in seinem Vaterlande, Matth. 13, 7. Ich weiß nirgends hin. Ich sehe es nirgends. Im Grabe ist Trost für mich, sonst nirgends, Weiße. Nirgends wo, im gemeinen Leben, für nirgends.
   Anm. Im Nieders. nergen, nargens. In dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter kommt dafür nieware vor, von war, wo, so wie in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten statt nirgends auch nienen, nienent, und nindert, im Gegensatze des indert üblich. Nirgends mit dem s am Ende ist

[Bd. 3, Sp. 511]


im Hochdeutschen üblicher als nirgend, so wie irgend häufiger ist, als irgends. Im Böhmischen lautet dieses Nebenwort nikdez.
 
Artikelverweis 
Die Nīsche, plur. die -n, Diminut. das Nīschchen, Oberd. Nīschlein, ein aus dem Franz. Niche entlehntes Wort, eine Aushöhlung in der Wand eines Gebäudes zu bezeichnen, ein Bild, oder eine Bildsäule darein zu stellen; die Blende, Bilderblende. In den gemeinen Sprecharten auch Nitsche. Ital. Nicchio.
 
Artikelverweis 
* Der Níschel, des -s, plur. ut nom. sing. nur in den gemeinen Sprecharten, besonders Obersachsens, den Kopf im verächtlichen Verstande oder im Scherze zu bezeichnen. Verflucht, die Haare fahren mir alle auf dem Nischel empor, Weiße. Es scheinet zu Nuß, Niere, und allen Wörtern dieses Geschlechtes zu gehören, welche etwas Rundes, Erhabenes bedeuten. In einigen Gegenden wird der Mossperling Holznischel und Muschelnischel genannt, wo es aber zu einem andern Stamme gehören muß.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: