Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
1. Der Nietnagel bis Nimmermehr (Bd. 3, Sp. 508 bis 509)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  1. Der Nietnagel, des -s, plur. die -nägel, ein Nagel, welcher am Ende eine Vernietung bekommt, breit gehämmert wird.
 
Artikelverweis 
2. Der Nietnagel, des -s, plur. die -nägel. 1) Ein Stückchen von dem Nagel eines Fingers, welches sich von dem übrigen Theile absondert, unten aber mit der Wurzel in dem Fleische fest sitzet, und Schmerzen verursacht. 2) Ein Stückchen aufgesprungene Haut an dem Nagel am Finger, welches oft weiter reißet und alsdann empfindliche Schmerzen verursacht; in einigen Gegenden das Nagelstroh, die Nagelwurzel, der Neidhaken, im Nieders. Hungertitten, Hungerzitzen, Dän. Nägleröd. Die schmerzhafte Empfindung von beyden Arten von Nietnägeln wird auch der Nagelzwang, Schwed. Nageltråug genannt.

[Bd. 3, Sp. 509]



   Anm. In den gemeinen Sprecharten lautet dieses Wort bald Neidnagel, bald Neider, bald auch Niednagel. Gemeiniglich siehet man es als eine Figur der vorigen Nietnägel an. Allein die Niedersächsische Mundart, in welcher dieses Wort Nothnagel lautet, beweiset, daß es mit 1 Nieten, zu Noth gehöret, und einen Nagel bedeutet, der Schmerzen verursacht, daher ein Nietnagel im Engl. auch Angnail, Angstnagel, genannt wird. So fern nieten, sich heftig bemühen, stoßen, und figürlich Schmerzen verursachen, auch mit Neid, heftige Leidenschaft, verwandt ist, lassen sich auch die Schreib- und Sprecharten Niednagel und Neidnagel vertheidigen, wenn man nur dabey nicht an den Neid in der heutigen Bedeutung denkt, wie der große Haufe zu thun pflegt.
 
Artikelverweis 
Der Nietpfaffe, des -n, plur. die -n, bey den Schlössern, ein Pfaffe, d. i. eine Art Meißel, welchen man auf die Niete, zu welcher man mit dem Hammer nicht kommen kann, setzet, und mit dem Hammer darauf schlägt. S. Adelung Pfaffe.
 
Artikelverweis 
Die Nifel, S. Adelung Feifel.
 
Artikelverweis 
* Niffeln, verb. reg. act. welches nur in den gemeinen Sprecharten für reiben üblich ist, wofür man auch wohl riffeln zu sagen pflegt. Das Holz hat sich stark abgeniffelt, abgeriffelt, oder abgerieben.
 
Artikelverweis 
Die Niftelgerade, plur. die -n, diejenige Gerade, d. i. dasjenige Geräth, welches die nächste Niftel, d. i. Nichte, oder Blutsfreundinn mütterlicher Linie, von ihrer verstorbenen Muhme, Base oder Niftel erbt, welches, weil es die Hälfte der gewöhnlichen Gerade ausmacht, auch die halbe Gerade genannt wird. Von Niftel, welches ehedem auch für Nichte üblich war, S. das letztere.
 
Artikelverweis 
* Der Nīkawitz, des -es, plur. die -e, ein im Österreichischen üblicher Nahme des Bergfinken, welcher in Niedersachsen Quäker genannt wird. S. Adelung Bergfink. Das Wort scheinet Slavonischen oder Ungarischen Ursprunges zu seyn, wenn es nicht eine Nachahmung seines Geschreyes ist.
 
Artikelverweis 
Nikolaus, ein aus dem Griechischen entlehnter männlicher Taufnahme, von νικ, der Sieg, und λαος, das Volk, welcher im gemeinen Leben in Nickel, und mit Wegwerfung der ersten Sylbe in Klaus, Claus und Klas verkürzet wird.
 
Artikelverweis 
Das Nīlpfrd, des -es, plur. die -e, ein vierhufiges vierfüßiges Thier, welches der Gestalt nach einem Schweine gleicht, so groß wie ein Bär ist, und im Wasser lebt; Hippopotamus. Es hält sich in einigen Flüssen in Asien und Afrika, besonders aber in dem Nile auf, und gleicht übrigens weder einem Pferde noch einem Ochsen, ungeachtet es auch Flußpferd und Flußochse genannt wird.
 
Artikelverweis 
Nimmer, ein Umstandswort der Zeit, welches eine doppelte Bedeutung hat, und allem Ansehen nach auch zwiefachen Ursprunges ist.
   1. Zu keiner Zeit, niemahls, so wohl von einer künftigen, als von einer vergangenen Zeit, im Gegensatze des immer, aus welchem und der alten Verneinung ni, es auch zusammen gesetzet ist; bey dem Ottfried niamer, bey welchem jamer für immer vorkommt. Die Wolkensäule wich nimmer von dem Volke des Tages, 2 Mos. 13, 22. Das Feuer soll nimmer verlöschen, 3 Mos. 6, 12. Der Gottlosen Bauch hat nimmer genug, Sprichw. 13, 25. Das Auge siehet sich nimmer satt, Pred. 1, 8. Hochmuth thut nimmer gut, Sir. 3, 30. Faule Leute werden nimmer reich. Das werde ich nimmer vergessen.
   Mein Urtheil das mir fällt,
   Das kostet nimmer Geld,
   Weil solches unbehellt,
   Mein Richter mir bestellt,
   Logau.
   Der mit bestälter Äsche, nimmer müde,
   Den rasenden Encelados
   Zurücke warf,
   Raml. Im Hochdeutschen ist doch dafür niemahls, nie, und in manchen Fällen das verstärkte nimmermehr üblicher.
   Das nicht ist hier eben so überflüssig und fehlerhaft, als bey andern verneinenden Wörtern.
   Wer nimmer nichts versucht, der weiß nicht was er kann,
   Logau. Im gemeinen Leben macht man mit diesem Worte allerley Zusammensetzungen. Ein Nimmersatt, Nimmergenug, welcher niemahls satt wird, niemahls genug hat, Nimmerfroh, der niemahls froh wird, Nimmernüchtern, der niemahls nüchtern ist, auf Sanct Nimmerstag, niemahls u. s. f.
   2. * Für nicht mehr, nicht wieder, die Wiederhohlung oder Fortdauer zu verneinen, im Gegensatze des wieder und noch; da es denn aus nie und mehr zusammen gesetzet ist. Es ist noch um ein kleines, so ist der Gottlose nimmer, Ps. 37, 10. Wenn nimmer Holz da ist, verleschet das Feuer, Sprichw. 26, 20. Wenn der Wind darüber gehet, so ist sie nimmer da, Ps. 103, 16. Ich will ihrer Sünde nimmer gedenken, Jer. 31, 34; wo bessere Ausgaben nicht mehr haben. Er kommt nimmer. Ich konnte die Schmerzen nimmer ausstehen. Nimmer thun ist die beste Buße, nicht mehr thun. In dieser Bedeutung ist es nur in den gemeinen Sprecharten, besonders Oberdeutschlandes, üblich. Die anständige Schreibart kennet sie nicht.
   Anm. Bey dem Ottfried niamer, bey den Schwäbischen Dichtern niemer, im Nieders. nümmer, im Engl. never.
 
Artikelverweis 
Nimmermehr, adv. temp. schlechterdings zu keiner Zeit, in der ersten Bedeutung des vorigen Nebenwortes, und nur von einer künftigen Zeit. Der Gerechte wird nimmermehr umgestoßen, Sprichw. 10, 30. Liebe höret nimmermehr auf, 1 Cor. 13, 8. Bedenke das Ende, so wirst du nimmermehr übels thun, Sir. 7, 40. Das soll nimmermehr wieder geschehen. Nun und nimmermehr, eine Verstärkung des nimmermehr. Nein, nun und nimmermehr soll das geschehen. Nimmermehr wird das geschehen. So kommen wir nimmermehr zu Stande. Zuweilen wird es auch figürlich als eine starke Verneinung gebraucht. Das will ich nimmermehr hoffen. Sie werden doch ihre Braus nimmermehr bey einem fremden Menschen alleine lassen? Weiße. Das hätte ich nimmermehr gedacht.
   Bey dem Stryker nimmermere.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: