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Niesen bis Niethammer (Bd. 3, Sp. 507 bis 508)
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Artikelverweis  Niesen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und die heftige mit einem erschütternden Geräusche verbundene Ausstoßung der Luft, besonders aus der Nase, bezeichnet, welche von einer convulsivischen Zusammenziehung aller zum Athemholen dienlicher Muskeln, auf Veranlassung der Geruchsnerven herrühret. Schnupftabak macht niesen. Daher das Niesen.
   Anm. In den Monseeischen Glossen niusan, wo auch Niosunga das Niesen ist, im heutigen Oberd. niesten, im Engl. mit vorgesetztem Zischlaute to sneeze, im Dän. nyse, im Schwed. nysa, njusa, im Angels. niesan, im Isländ. mit der gewöhnlichen Vertauschung des r und s, nera, womit auch das Hebr. 05e005d705d905e805d905dd überein kommt. Es ist ohne Zweifel eine Nachahmung des mit dem Niesen verbundenen Lautes, so wie schnäutzen einen andern verwandten Laut ausdruckt. Ein Nieser, Oberd. Niester, ein einmahliges Niesen, ist nur im gemeinen Leben üblich. Die letzte Hälfte de Lat. sternutare scheint vermöge der so häufigen Vertauschung des s und r gleichfalls hierher zu gehören. Die Niedersachsen sagen statt dieses Zeitwortes prusten, prußen, und auch im Hochdeutschen sagt man von den Pferden, daß sie brausen, wenn sie niesen. In Franken ist auch pfnischen üblich.
 
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Das Niesepulver, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut. nom. sing. ein Niesemittel in Gestalt eines Pulvers.
 
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Die Niesewurz, plur. inus. eine Pflanze, welche in dem südlichen Europa einheimisch ist, deren zaserige Wurzel wegen ihres scharfen flüchtigen Salzes das Niesen verursacht; Helleborus L. Christwurz, Öhlröschen. Die weiße Nisewurz, zum Unterschiede von jener schwarzen, gehöret zu einem andern Geschlechte, wohnet auf den Bergen Österreichs, Italiens und Rußlandes, und hat eine längliche Wurzel, welche gleichfalls Niesen erreget. Die wilde Niesewurz, Serapias L. hat diesen Nahmen wohl nur wegen einiger Ähnlichkeit in der äußern Gestalt; bey den ältern Kräuterkundigen heißt sie Helleborine.
 
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Der Nießbrauch, des -es, plur. inus. der Gebrauch des Genießes einer Sache, d. i. ihres Ertrages oder Nutzens; Usus Fructus, die Nutznießung, der Genuß, bey Oberdeutschen Schriftstellern auch der Genießbrauch, die Nießbarkeit, die Nießung, die Abnutzung, die Fruchtnießung. Den Nießbrauch von etwas haben, den Ertrag davon genießen, im Oberd. auch bey Nutz und Gewehr sitzen; im Gegensatze des Eigenthumes. Im Oberd. hat man auch das Bey- und Nebenwort nießbarlich, der Nießbarkeit, d. i. dem Nießbrauche gemäß, in demselben gegründet. Ein Gut nießbarlich besitzen, den Nießbrauch desselben haben. Bey dem Kero ist Nutziuuachar derjenige, welcher den Nießbrauch hat, Usufructuarius. Das Zeitwort nießbrauchen und Hauptwort Nießbraucher kommen selten vor, ob sie gleich eingeführet zu werden verdienten.
 
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* Nießen, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Genießen,) welches im Hochdeutschen völlig veraltet ist, und eigentlich essen bedeutet zu haben scheinet. S. Genießen, welches dafür üblich ist, und Nutzen, welches mit zu dessen Verwandtschaft gehöret, so wie vermuthlich auch niedlich und Nudel.
 
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Das Niet, des -es, plur. die -e, Diminut. das Nietchen, Oberd. Nietlein, ein Wort, welches ehedem einen jeden Nagel, Pflock oder dergleichen ähnliches Werkzeug, wodurch etwas befestiget wird, bedeutet zu haben scheinet. In diesem Verstande kommt es noch in der R. A. vor, niet- und nagelfest, d. i. mit Nieten und

[Bd. 3, Sp. 508]


Nägeln in und an einem Hause befestiget, S. Adelung Nagelfest. Außer diesem Falle gebraucht man es nur noch von einem stumpfen metallenen Nagel, welcher zwey Theile mit einander verbindet, und an einem oder beyden Enden mit der Finne des Hammers in die Breite ausgedehnet wird, damit er halte; ein Nietnagel. Z. B. das Niet in einer Schere, welches die beyden Blätter oder Klingen derselben verbindet. Etwas mit einem Niete befestigen. In einigen Gegenden werden, dem Frisch zu Folge, auch die abgezwickten Spitzen der Hufnägel Niete oder Nietlein genannt.
   Anm. Nieders. Need, Neednagel, Böhm. Neytek. Gottsched und Heinze legen diesem Worte das weibliche Geschlecht bey, die Niete. Ich habe es nie in demselben weder gelesen noch gehöret, sondern beständig in dem ungewissen. S. 2 Nieten.
 
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Die Niete, plur. die -n, ein Loszettel, welcher ohne Gewinn heraus kommt. Eine Niete ziehen, nicht gewinnen. Nieders. Niete, Schwed. Niet. Es stammet ohne Zweifel aus Holland und dem Holländischen niet, nichts, her.
 
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Das Nieteisen, des -s, plur. ut. nom. sing. bey den Hufschmieden, ein Eisen, die Hufnägel damit umzunieten.
 
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1. * Nieten, verb. reg. recipr. welches nur im Oberdeutschen üblich ist, sich bestreben, sich bemühen, sich sauer werden lassen. Sich über etwas nieten. Er hat sich viel genietet, er hat sichs sauer werden lassen. Sich zernieten. Mehrere Beyspiele führet Frisch an. Es hat eine sichtbare Übereinkunft mit dem Lat. niti, ohne eben von demselben abzustammen, indem es mit Noth, kneten, und vielleicht auch mit niedlich eines Geschlechtes ist. Das Nieders. niten, mit den Hörnern oder mit dem Kopfe stoßen, und nietsk, netelsk, stößig, gehöret gleichfalls dahin. In dem Bremisch-Niedersächsischen Wörterbuche wird es irrig von dem Engl. Neat, ein Rind, Angels. Nyten, (S. Adelung Noß,) abgeleitet.
 
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2. Nieten, verb. reg. act. 1) Vermittelst eines Nietes befestigen. Zwey Stücke zusammen nieten. Siehe auch Vernieten. 2) Einen eingeschlagenen oder zur Verbindung eingesteckten Nagel an dem Ende breit hämmern, ihm gleichsam einen Kopf hämmern; vernieten. 3) Die hervor stehende Spitze eines eingeschlagenen Nagels umbiegen und niederschlagen, besonders in dem zusammen gesetzten umnieten.
   Anm. In einem alten Vocabulario von 1482 wird nyeten durch wiederbiegen erkläret. Im Nieders. lautet dieses Zeitwort needen, neen, nein. Frisch lässet es von nähen, Naht, abstammen, da es denn verbinden überhaupt bedeuten würde. Allein es kann auch zu Nadel, Nessel (Nieders. Nettel,) und andern dieses Geschlechtes gehören, und zunächst den Begriff der Spitze ausdrucken.
 
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Der Niethammer, des -s, plur. die -hämmer, bey verschiedenen Handwerkern, ein Hammer, welchen man auf das eine Ende des Nietes hält, wenn man das andere Ende breit hämmert; bey den Schlössern auch der Bankhammer, weil er zum Vernieten auf der Bank gebraucht wird.

 

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