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Niedrigkeit bis Nierenförmig (Bd. 3, Sp. 504 bis 506)
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Artikelverweis Die Niedrigkeit, plur. inus. das Abstractum des vorigen Beywortes, die Eigenschaft eines Dinges, da es niedrig ist, in allen den Fällen, in welchen das Beywort gebraucht wird. Die Niedrigkeit einer Gegend, der Stimme, des Preises. Sich der Niedrigkeit seines Standes schämen. Die Niedrigkeit der Schreibart. Sich aus Bewußtseyn seiner Niedrigkeit von Gott demüthigen. Ich lebe nur in stiller Niedrigkeit, Haged.
 
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* Die Niedrigung, plur. die -en, im gemeinen Leben einiger Gegenden, z. B. Meißens, eine niedrige Gegend, eine niedrige Stelle auf der Erdfläche, wofür in andern Niederung, Niedere und Nehrung üblicher ist. S. Adelung Niedere.
 
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Die Niefel, in einigen Gegenden für Feifel, S. dieses Wort.
 
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Niemahls, ein Nebenwort der Zeit, zu keiner Zeit, so wohl von einer vergangenen als zukünftigen Zeit; nie, welches in der edlern Schreibart lieber gebraucht wird. Ich habe ihn noch niemahls gesehen. Das habe ich noch niemahls gehöret. Das soll niemahls wieder geschehen. Er wird wohl niemahls wiederkommen. Da es denn zuweilen auch figürlich für eine verstärkte Verneinung gebraucht wird. Ein schlechterdings einfacher Gegenstand kann niemahls schön seyn, Sulz. Niemahls nicht, für das einfache niemahls, ist eben so fehlerhaft als nichts nicht, kein nicht, niemand nicht und andere doppelte Verneinungen dieser Art.
   Anm. Es ist aus nie und Mahl zusammen gesetzet. In den gemeinen Sprecharten lautet es oft niemahl und niemahlen. Allein bey dem Worte Mahl ist bereits gezeiget worden, daß das s hier analogisch richtiger ist. Kero gebraucht statt dieses Nebenwortes neonaldre, nonaldre, und Willeram nieuuanne, welches sich dem Latein. nunquam nähert. Im Nieders. ist dafür newerle, unwerle, unwarf, unwerfe, und im gemeinen Leben der Hochdeutschen auch mein Tage nicht, und all mein Tage nicht üblich. S. auch Nimmer.
 
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Niemand, Genit. niemands, Dat. und Accus. niemand und niemanden, ein persönliches Fürwort, welches nur im Singular üblich ist, und eine Ausschließung einer jeden Person bezeichnet, kein Mann, d. i. kein Mensch; im Gegensatze des jemand. Niemand hat Gott je gesehen. Es kam niemand. Nun will es niemand gethan haben. Das ist niemands Sache. Das weiß niemand, das kann niemand. Es stehet in niemands Macht, wie er wandele, Jerem. 10, 23. Im Scherze wird es wohl auch als ein Hauptwort gebraucht. Der leidige Niemand. Außer diesem letzten Falle leidet es keinen Artikel vor sich. Wenn die Personen näher bestimmt werden, welche man vermittelst dieses Fürwortes ausschließet, so müssen sie die Vorwörter von, unter, in, aus u. s. f. vor sich haben. Hast du niemand von unsern Leuten gesehen? Niemand unter ihnen. Niemand in der Stadt, aus der Stadt, auf dem Lande. Im gemeinen Leben und in der vertraulichen Sprechart ist es sehr gewöhnlich, diesem Worte ein Beywort ungewissen Geschlechtes in Gestalt eines Hauptwortes nachfolgen zu lassen. Es war niemand Fremdes da, kein Fremder. Das wird niemand Rechtschaffenes thun, keine rechtschaffene Person. Er geht mit niemand Rechtschaffenen um. Niemand anders als er, anders nieman, Reinmar der Alte. Niemand Vornehmes. Der Fehler der gemeinen Sprecharten, diesem Fürworte, so wie den verneinenden Nebenwörtern, noch eine Verneinung beyzufügen, niemand nicht, ist schon bey dem Worte nicht bemerket worden.
   Anm. Dieses alte Fürwort lautet bey dem Ulphilas nimanna, bey dem Ottfried niaman, im Tatian nioman, bey den Schwäbischen

[Bd. 3, Sp. 505]


Dichtern nieman, nimmen, im Niedersächs. nüms, nemmes, (wie jüms, jemand,) im Angelsächs. nanman, im Latein. nemo, und im mittlern Lateine nullimannus. Es ist, wie jemand und jedermann, von der alten Verneinung ni und Mann, oder auch von dieser Verneinung und jemand zusammen gesetzt; daher es auch nur allein von Personen gebraucht wird, indem Mann ehedem eine jede Person ohne Unterschied des Geschlechtes bedeutete. Das d, welches dem n so gern nachschleicht, scheinet erst in den spätern Zeiten Eingang gefunden zu haben. In dem Theuerdanke kommt so wohl nieman, als niemandt und in der ersten Endung auch niemandts vor.
   In der Declination dieses Wortes sind die Sprachlehrer eben so uneinig, als bey jemand. Den Genit. niemands bestreitet keiner von ihnen, außer daß einer oder der andere niemandes für analogischer hält. Was die dritte und vierte Endung betrifft, so sind schon die alten Schriftsteller darin nicht einig, indem man sie eben so oft ungeändert niemann, als im Dat. niemanne, und im Accus. niemannin, oder auch im Dat. und Accus. niemannin findet. Das geschach niemanne me, ich neide niemen, den gib ich nieman, bey den Schwäbischen Dichtern. Niemannin im Accus. in dem alten Gedichte auf den heil. Anno. Trage niemanne nit noch lange has, Winsbeck. Ein Sach, davon er nymandts sagt, Theuerd. Luther gebraucht niemand. Er that niemand unrecht, Es. 53, 9. Vergeltet niemand Böses mit Bösem, Röm. 12, 17. Lasset euch niemand Gewissen machen, Col. 2, 16. Da man das Gute an niemanden, als an sich schätzet, Gell. Gottsched machte diese Form mit dem -en in der dritten und vierten Endung zur Regel. Höchstens kann man sie als gleichgültig dulden, weil sie das hohe Alterthum für sich hat, zumahl da sie in Ermangelung des Artikels zur bestimmten Bezeichnung des Casus dienet. Analogisch ist sie freylich nicht, indem sie weder mit Mann noch auch mit jedermann überein kommt. S. auch Jemand.
 
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Die Niere, plur. die -n, Diminut. das Nierchen, Oberd. Nierlein. 1) Überhaupt, ein runder oder doch rundlicher Körper. In diesem Verstande ist es in dem gemeinen Sprachgebrauche veraltet, und nur noch im Bergbau üblich, wo Erze und Mineralien, wenn sie in runder oder rundlicher Gestalt gefunden werden, unter dem Nahmen der Nieren bekannt sind. Von dieser Art sind z. B. die Kiesnieren, oder rundliche Stücken Schwefelkieses. In einem etwas andern Verstande werden auch kleine mit Erztheilchen angeschwängerte Klüfte Nieren genannt, zum Unterschiede von den größern Nestern. Ein Erz bricht nierenweise, wenn es in solchen einzelnen Klüften angetroffen wird, oder auch, wenn es zwar gangweise bricht, aber sich doch nur in einzelnen kleinen Stellen ergiebig zeiget; nierig. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung sind die Nieren in den thierischen Körpern länglich runde, fleischige, röthliche, aus Adern und Drüsen bestehende Theile, welche zu beyden Seiten unter der Leber und Milz liegen, und zur Absonderung des Harnes von dem Blute dienen; Ren. Es sind ihrer in jedem Körper gemeiniglich zwey, welche auch wohl collective im Singular die Niere genannt werden. Figürlich wird an den Pferden die Stelle des Rückgrathes von dem Ende des Sattels bis zur Gruppe, die Nieren genannt, weil sich diese unter derselben befinden. Die biblische Figur, nach welcher die Nieren für das ganze Begehrungsvermögen, für das Herz, gesetzet werden, ist ein Hebraismus, welcher im Deutschen völlig ungewöhnlich ist.
   Anm. Im 15ten Jahrhunderte Nyer, im Dän. Nyre, im Schwed. Njure, im Isländ. Nyra, im Pohln. Nerka. Es hat das völlige Ansehen eines sehr alten Wortes, ob es gleich bey den alten Schriftstellern nicht vorkommt. Kero nennt die Nieren Lenti, Raban Maurus im 8ten Jahrhunderte Lendibraton, Lendenbraten,

[Bd. 3, Sp. 506]


Notker Lancha, eine alte Übersetzung der Sprüche Salom. aus dem Anfange des 15ten Jahrhundertes Lewte, welches letztere, wenn es nicht ein Lese- oder Druckfehler für Lente ist, zu Kloß, Nieders. Kloot, gehören kann, so wie Niere mit Knorre Eines Geschlechtes ist. Beyde bedeuten eine rundliche verbundene Masse. Frisch glaubte, daß es durch eine Versetzung aus dem Lat. Ren entstanden sey.
 
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Die Nierenbeschwêrung, plur. die -en, eine schmerzhafte Empfindung in der Gegend der Nieren, welche sich oft bis in die Harngänge erstreckt, und von einem Steine, Griese oder einer schleimigen Materie herrühret; Nephritis, das Nierenweh, die Nierenkrankheit.
 
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Der Nierenbraten, des -s, plur. ut nom. sing. dasjenige Stück von dem Rückgrathe eines Thieres, wo die Nieren gesessen haben, wenn es als ein Braten zugerichtet wird. Bey einem ausgeschlachteten Kalbe ist es das Stück des Hinterviertels zwischen den langen Rippen und der Keule, mit der daran befindlichen Niere.
 
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Das Nierenfêtt, des -es, plur. inus. das Fett, mit welchem die Nieren in den thierischen Körpern gemeiniglich umgeben sind.
 
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Das Nierenfieber, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. ein hitziges Entzündungsfieber, mit welchem die Entzündung der Nieren gemeiniglich verbunden ist; Febris Nephritidis.
 
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Nierenförmig, -er, -ste, adj. et adv. die Gestalt oder Form der Nieren habend, d. i. aus verschiedenen kugelartigen Erhöhungen bestehend, wie z. B. die Kalbsnieren.

 

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