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Niedertrinken bis Niedrigen (Bd. 3, Sp. 501 bis 503)
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Artikelverweis  Niedertrinken, verb. irreg. act. S. Adelung Trinken, zu Boden trinken. Jemanden niedertrinken, ihm so lange zutrinken, bis er zu Boden fällt; in der niedrigen Sprechart niedersaufen. Ingleichen figürlich, im Trinken überwinden. Daher das Niedertrinken.
 
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Die Niederung, plur. die -en, S. die Niedere.
 
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* Das Niederwand, des -es, plur. die -wande, oder -wänder, ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, die Unterkleider oder Beinkleider zu bezeichnen. Die leinen Niederwand an seinem Leib, 3 Mos. 6, 10; Kap. 16, 4; leinene Beinkleider, Michael. S. Adelung Niederkleid und Gewand.
 
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Niederwärts, ein Nebenwort des Ortes, nach der Niedere zu; im Gegensatze des aufwärts, so wie unterwärts dem oberwärts entgegen gesetzet ist. Niederwärts gehen, fallen, sich bewegen. In der Schweiz niedsich.
 
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Niederwêrfen, verb. irreg. act. S. Adelung Werfen, zu Boden werfen. Jemanden niederwerfen. In den Oberdeutschen Gerichten bedeutet es auch figürlich, in Verhaft nehmen. Einen Verbrecher gefänglich niederwerfen. Daher die Niederwerfung.
 
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Niederziehen, verb. irreg. act. S. Adelung Ziehen, niederwärts ziehen. Den Zweig an einem Baume niederziehen. Jemanden niederziehen, ihn, da er stand oder saß, auf die Erde ziehen. Daher das Niederziehen.
 
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Niedlich, -er, -ste, adj. et adv. 1) Den Sinnen, besonders aber dem Gesichte angenehm, da es dasjenige in sich begreift, was man sonst artig, zierlich, geputzt, vornehmlich aber nett nennet, eigentlich, demjenigen, was nett ist, ähnlich und gleich. Niedlich gekleidet gehen, reinlich und zierlich; nett. Das siehet niedlich aus. Ein niedlicher Hut, Weiße. Ein niedliches Haus, ein niedlicher Garten. Kleine niedliche Sachen. Ein niedliches Mädchen, von angenehmer Gestalt. Da Kleinheit und Zierlichkeit verbunden dem Auge vorzüglich angenehm ist, so hat das Wort niedlich auch in den meisten Fällen den Nebenbegriff der Kleinheit bey sich. S. Adelung Fein, welches auf ähnliche Art gebraucht wird. 2) In engerer Bedeutung wird es auch von Speisen gebraucht, für schmackhaft, delicat, lecker. Ein niedliches Gericht. Die vorhin das niedlichste aßen, Klagel 4, 5. Ich

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aß keine niedliche Speise, Dan. 10, 3. Von Getränken wird es seltener, doch aber zuweilen gebraucht.
   Anm. Bey dem Willeram mit einer andern Ableitungssylbe nietsam, für angenehm, im Nieders. nike, welches aus dem ältern niedlik zusammen gezogen ist. Frischens Ableitung von dem Oberdeutschen Niedel, Milchrahm, ist seltsam und ohne alle Analogie, zumahl da man nähere und bessere Quellen hat. Schon Wachter hat es von dem bey dem Ottfried, Notker, Willeram und andern ältern Schriftstellern so häufig vorkommenden Niete, Niut, Belustigung, Annehmlichkeit, Verlangen, nioton und sih nieten, sich belustigen, angenehme Empfindungen haben, und niet, angenehm, abgeleitet, von welchem letztern, welches wiederum mit nett verwandt ist, unser niedlich vermittelst der Ableitungssylbe -lich gebildet worden. S. Adelung Neid, welches in seiner ältern allgemeinen Bedeutung gleichfalls hierher gehöret, Genießen, ehedem nießen und nieten. Die Niedersachsen haben noch ein anderes Wort für unser niedlich in der ersten Bedeutung, welches niber, nifer, niper lautet, klein und zierlich bedeutet, und mit Knabe, und Nau in Genau verwandt zu seyn scheinet.
 
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Die Niedlichkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, nach welcher es niedlich ist; am häufigsten in der ersten Bedeutung des Beywortes.
 
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Der Niednagel, S. Adelung Nietnagel.
 
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Niedrig, -er, -ste, adj. et adv. welches einen eben so relativen Begriff enthält als nider, und der Gegensatz von beyden hoch, der Horizontalfläche und dem Mittelpuncte der Erde näher als ein anderes Ding, oder näher als die gewöhnlichsten Dinge eben derselben Art.
   1. Eigentlich, wo es alle Mahl dem hoch entgegen gesetzet ist. Die Wolken gehen niedrig, wenn sie der Erdfläche näher sind als gewöhnlich. Eine niedrige Wolke. Ein niedrig gelegenes Land, welches dem Horizonte oder dem Mittelpuncte der Erde näher ist, als ein hohes, oder hoch gelegenes. Ein niedriges Ufer. Im Bette mit dem Kopfe niedrig liegen. Niedrig sitzen, stehen, u. s. f. Ein niedriges Wasser, wenn dessen Oberfläche niedriger ist als gewöhnlich. Die Flüsse sind niedrig, wenn sie wenig Wasser haben. So auch von der senkrechten Länge lebloser Dinge. Ein niedriger Berg. Ein Haus niedriger machen. Ein niedriger Stuhl, Tisch u. s. f. Niedriges Gesträuch. Niedrige Absätze an den Schuhen. Daß ich den hohen Baum geniedriget, und den niedrigen Baum erhöhet habe, Ezech. 17, 24. Bey den Jägern gehet der Hirsch niedrig, wenn er sein Geweihe abgeworfen hat, im Gegensatze des hoch Gehens.
   2. Figürlich, wo es von verschiedenen Eigenschaften der Dinge gebraucht wird, in welchen sie von den meisten ihrer Art übertroffen werden.
   1) Von den Tönen und der Stimme. Ein niedriger Ton, derjenige, welchen eine stärkere, längere oder minder gespannte Saite hervor bringt, und welcher auch tief genannt wird, im Gegensatze des höhern. Ein Instrument geht zu niedrig, klingt zu niedrig. Niedrig singen. Eine niedrige Stimme, welche niedriger ist, als die gewöhnliche Menschenstimme.
   2) Von dem Preise, wo es mit geringe gleichbedeutend ist, und gleichfalls dem hoch entgegen gesetzet wird. Ein niedriger Preis, welcher geringer oder niedriger ist, als gewöhnlich, oder als der Werth der Sache es zu erfordern scheinet. Einen niedrigen Preis auf etwas setzen. Etwas für einen niedrigen Preis verkaufen. Niedrig spielen, um einen niedrigen Preis.
   3) Der Würde nach, geringer an Würde, als andere Dinge seiner Art. (a) Überhaupt; wo doch nieder üblicher ist, besonders in der anständigern Sprechart. Die niedrigen Schulen, das

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niedrige Wildbret, die niedrige Jagd, die niedrige Gerichtbarkeit, die niedrige Geistlichkeit u. s. f. in welchen Fällen man allemahl lieber das Wort nieder gebraucht, im Gegensatze des hoch und höher. (b) Besonders α) Im bürgerlichen Verstande, der bürgerlichen Würde, der Achtung, der bürgerlichen Gesellschaft nach, geringe, dem Stande nach, den äußern Vorzügen nach unter andern befindlich, so wohl überhaupt in Vergleichung mit dem was höher ist. Eine niedrigere Bedienung erhalten. Als auch absolute, den großen Haufen der geringen Personen ohne bürgerliche Würde in einem Staate zu bezeichnen; wie geringe. Ein niedriger Stand. Von niedriger Geburt, von niedrigem Herkommen, von niedriger Herkunft seyn. Von den niedrigsten Ältern entsprossen. Sich aus dem niedrigsten Elende auf die höchste Spitze der menschlichen Glückseligkeit schwingen. Auch die niedrigste Hütte hat ihren Stolz, Gell. Welches Leben, auch das niedrigste und dunkelste, hat nicht seine Geheimnisse und Wunder? ebend. Das stolze Verdienst verschließt sich den Zutritt zu den Großen und verachtet den Zutritt zu den Niedrigen, ebend. Nach einer noch weitern Figur, diesem Stande an Mangel der anständigen Würde und des Vorzuges ähnlich, gleich, in dessen gewöhnlichen Denkungsart gegründet, in der harten Sprechart pöbelhaft; im Gegensatze des erhabenen, zuweilen auch des hoch. Die niedrige Schreibart. Ein niedriges Wort, ein niedriger Scherz, sich niedrig ausdrucken, niedrig schreiben, die niedrige Sprechart; alles im Gegensatze des edel, anständig und erhaben. Ingleichen dem Gemüthe, der Denkungsart nach, und darin gegründet. Ich bin bloß deßwegen betreten, weil sie mich für so niedrig halten, daß ich meiner Schwester ihr Glück nicht gönnen sollte, Gell. Eine niedrige Seele, ein niedriges Gemüth. Niedriger Eigennutz, niedriger Geitz, niedrige Selbstliebe, die niedrigste Boßheit. Er verachtete die niedrigen Wege zum Glück und blieb daher in der Dunkelheit. In welcher ganzen Bedeutung in der edlern Schreibart auch wohl das Wort nieder gebraucht wird, weil es den Begriff ein wenig mehr mildert. β) Im moralischen Verstande, sittlicher Vorzüge im hohen Grade beraubt, und sich dieses Mangels mit Empfindung bewußt, ingleichen in dieser Gemüthsart gegründet; in welcher Bedeutung es in der theologischen Schreibart am üblichsten ist. Gott erhöhet die Niedrigen, Dan. 4, 14. Ich will niedrig seyn in meinen Augen, 2 Sam. 6, 22. Er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen, Luc. 1, 18. In seiner Niedrigkeit ist sein Gericht erhaben, Apostelg. 8, 33. Ingleichen, geneigt, sich nach seinen Mängeln zu beurtheilen, und in dieser Gemüthsart gegründet; in welcher, im Hochdeutschen veralteten Bedeutung es so wie Niedrigkeit in der Deutschen Bibel für demüthig vorkommt. Es ist besser niedriges Gemüths seyn, mit den Elenden, denn Raub austheilen mit den Hoffärtigen, Sprichw. 16, 19.
   4) Oft wird es in der anständigen Schreib- und Sprechart auch als ein glimpflicher Ausdruck für das weit härtere niederträchtig gebraucht, S. dasselbe. Ein niedriges Bezeigen, ein niedriges Gemüth.
   Anm. Im Nieders. neddrig, im Schwed. nedrig. Es ist vermittelst der Endsylbe -ig von dem im Hochdeutschen minder üblichen nieder gebildet, und hat dasselbe aus seinen meisten Bedeutungen verdrängt. Von nied, dem Stammworte von nieden und nieder, ist vermittelst eben dieser Sylbe nidig bey dem Ottfried niedrig. S. Adelung Nieder.
 
Artikelverweis 
* Niedrigen, verb. reg. act. niedrig machen, welches im Hochdeutschen veraltet ist, aber in der Deutschen Bibel so wohl im eigentlichen, als figürlichen Verstande vorkommt. Gott will alle hohe Berge niedrigen, Bar. 5, 7. Mit deinen Augen niedrigest

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du die Hohen, 2 Sam. 22, 28. So auch Es. 2, 10, 12; Kap. 25, 11. Im Hochdeutschen ist dafür im figürlichen Verstande erniedrigen üblich, S. dasselbe.

 

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