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Niedersênken bis Niederträchtig (Bd. 3, Sp. 499 bis 500)
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Artikelverweis  Niedersênken, verb. reg. act. niederwärts senken, in die Tiefe senken. Eine Leiche niedersenken, in das Grab; wofür doch einsenken üblicher ist. Daher die Niedersenkung.
 
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Niedersêtzen, verb. reg. act. welches nur in einigen engern Bedeutungen üblich ist. Etwas niedersetzen, etwas, welches man in der Hand, oder auf dem Arm trägt, von sich niederwärts setzen, von Dingen, welche gesetzt werden können. Ein Kind niedersetzen, ein Kind, welches man auf dem Arme trägt, von demselben setzen. Einen Sack mit Getreide niedersetzen. Ingleichen, als ein Reciprocum, sich niedersetzen, sich auf einen Stuhl u. s. f. setzen, sich setzen, in der anständigern Sprechart sich niederlassen. Figürlich setzet der Landesherr ein Collegium, eine Commission u. s. f. nieder, wenn er die nöthigen Personen ernennet, und ihnen die nöthige Gewalt und Vorschrift ertheilet.
   So auch die Niedersetzung.
 
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Niedersinken, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Sinken,) welches das Hülfswort seyn erfordert, niederwärts sinken. Die Hände niedersinken

[Bd. 3, Sp. 500]


lassen. Im Wasser niedersinken, untersinken. Daher das Niedersinken. Bey dem Stryker nidersigen, für versinken.
 
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Niedersitzen, verb. irreg. (S. Adelung Sitzen,) welches in doppelter Gestalt vorkommt. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, wo es doch nur im Oberdeutschen für sich niedersetzen üblich ist. Er saß nieder. Ein Stein der traff den jeger das er vor Amacht darnider saß, Theuerd. Kap. 37. Zuweilen sagt man auch noch im Hochdeutschen, jemanden niedersitzen heißen, ihm sagen, daß er sich setzen soll. 2) Als ein Activum, durch Sitzen niederdrucken. Daher das Niedersitzen.
 
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Niederstämmig, adj. et adv. einen niedrigen Stamm habend, im Gegensatze des hochstämmig. Niederstämmige Obstbäume.
 
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Nīederstêchen, verb. irreg. act. S. Adelung Stechen, mit einem Stiche zu Boden stürzen, wofür auch niederstoßen üblich ist. Jemanden in der Wuth niederstechen. Daher das Niederstechen.
 
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Niedersteigen, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Steigen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, niederwärts steigen, hinab steigen. In den Keller niedersteigen, wofür doch hinunter steigen üblicher ist. Die Treppe niedersteigen. Die niedersteigende Linie, in den Geschlechtsregistern, die Nachkommen in gerader Linie; im Gegensatze der aufsteigenden Linie. Daher das Niedersteigen. Schon bey dem Kero nidarstigan.
 
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Niederstoßen, verb. irreg. act. S. Adelung Stoßen, niederwärts nach unten zu stoßen, ingleichen zu Boden stoßen. Jemanden niederstoßen, ihn so stoßen, daß er zu Boden fällt. In engerer Bedeutung wird niederstoßen auch für niederstechen gebraucht. Jemanden niederstoßen, ihm einen Stich beybringen von welchem er todt zur Erde fällt. Daher das Niederstoßen und die Niederstoßung.
 
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Niederstürzen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, zu Boden stürzen, auf die Erde stürzen. Der Baum, das Haus, das Pferd stürzte nieder. 2) Als ein Activum, auf solche Art niederstürzen machen. Jemanden niederstürzen. Daher die Niederstürzung.
 
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Niederthun, verb. irreg. act. (S. Adelung Thun,) welches nur als ein Reciprocum bey den Jägern und im gemeinen Leben üblich ist, wo sich ein Thier niederthut, wenn es sich niederlegt.
 
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Niederträchtig, -er, -ste, adj. et adv. welches von niedrig und tragen abstammet. Es bedeutet,
   1. * Eigentlich, niedrig von Statur, von Größe, eigentlich sich niedrig tragend; eine in der anständigen Schreibart der Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche aber in den gemeinen Sprecharten, so wie im Oberdeutschen noch sehr üblich ist. So werden kleine niedrige Schafe auch in Meißen niederträchtige Schafe genannt, im Gegensatze der hochbeinigen. Ein niederträchtiger Felsen, d. i. ein niedriger, Bluntschli, ein Schweizer. Zwey niederträchtige Stühle, Stumpf, auch ein Schweizer.
   2. Figürlich. 1) * Demüthig, d. i. Fertigkeit besitzend, andrer Vorzüge mehr als die seinigen zu schätzen, und darin gegründet; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher es noch im Oberdeutschen häufig ist, wo oft die Niederträchtigkeit der Heiligen als eine vorzügliche Tugend gerühmet wird. Der Gegensatz ist das gleichfalls Oberdeutsche hochtragend, stolz, hochmüthig. 2) Sehr merklichen Mangel an vernünftiger Ehrliebe besitzend, und darin gegründet, tiefe Geringschätzung eigener Würde durch seine Handlungen verrathend; ingleichen, in dieser Denkungsart gegründet. Ein niederträchtiger Mensch. Ein niederträchtiges Gemüth. Niederträchtig seyn, handeln. Ein niederträchtiges Betragen. Man kann seinen geringen Werth fühlen, weil man zu träge ist, sich Verdienste zu erwerben,

[Bd. 3, Sp. 501]


dieses ist Niederträchtigkeit und nicht Demuth, Gell. Da dieses Wort in der jetzt gedachten Bedeutung, in welcher es im Hochdeutschen nur allein gangbar ist, einen sehr harten und beleidigenden Begriff gibt, so ist in der glimpflichern Schreibart dafür oft niedrig üblich.
   Bey den Schwäbischen Dichtern findet sich noch eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. So singt z. B. der von Gliers:
   Sit ich so nidertrehtig bin
   Das ich ir minne enberen muos; wo es unglücklich, unterdruckt, zu bedeuten scheinet.

 

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