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Niedersaufen bis Niederstämmig (Bd. 3, Sp. 498 bis 500)
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Artikelverweis Niedersaufen, verb. irreg. act. (S. Adelung Saufen,) welches nur in der niedrigen Sprechart für niedertrinken üblich ist. Jemanden niedersaufen, ihm so lange zutrinken, bis er zu Boden fällt. Daher das Niedersaufen.
 
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Niederschießen, verb. irreg. (S. Adelung Schießen,) welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, sich plötzlich und sehr schnell niederwärts bewegen. Unvermuthet schoß der Balken nieder. 2) Als ein Activum, mit einem Schusse oder mit mehrern Schüssen plötzlich zu Boden legen. Jemanden niederschießen. Ein Thier niederschießen. Die Gefangenen niederschießen lassen. Einen Thurm niederschießen, mit Kanonen.
   So auch das Niederschießen.
 
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Der Niederschlag, des -es, plur. die -schläge, das Hauptwort des folgenden Zeitwortes, welches doch nur in einigen Bedeutungen desselben üblich ist. 1) Von der weitern thätigen Bedeutung ist der Niederschlag in der Chymie, ein aus dem Auflösungsmittel durch Zusetzung eines andern Körpers wieder geschiedener Körper, ein in einer Flüssigkeit aufgelöseter fester Körper, wenn derselbe durch Hinzuthuung eines dritten wieder daraus geschieden wird; das Präcipitat. S. das folgende. 2) Ein Schlag welcher niederwärts geschiehet. So ist in der Musik der Niederschlag der niederwärts gerichtete Schlag der Hand dessen, der den Takt führet, zum Unterschiede von dem Aufschlage. Mit Griechischen Kunstwörtern heißt dieser Arsis, der Niederschlag aber Thesis.
 
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Niederschlagen, verb. irreg. (S. Adelung Schlagen,) welches in doppelter Gestalt üblich ist.
   I. Als ein Neutrum, wo es wiederum auf zwiefache Art gebraucht wird. 1) Mit dem Hülfsworte haben, niederwärts schlagen, so fern dieses Zeitwort bloß ein Neutrum ist, in welchem Verstande es in der Musik dem aufschlagen entgegen gesetzt wird. S. Adelung Niederschlag 2. 2) Mit dem Hülfsworte seyn, plötzlich und mit Heftigkeit niederfallen; doch nur im gemeinen Leben. Er stolperte und schlug nieder, so lang er war.
   II. Als ein Activum, niederwärts schlagen, durch einen oder mehrere Schläge nach unten hin bewegen, ingleichen zu Boden schlagen.
   1. Eigentlich. Den Rand an einem Gefäße niederschlagen. Eine in die Höhe stehende Spitze niederschlagen. Der Hagel hat alle Feldfrüchte niedergeschlagen. Er hub seine Hand auf wider sie, daß er sie niederschlüge in der Wüsten, Ps. 106, 26. Wenn im Streite
   Der ehrne Donner von den Bergen, ihm zur Seite,
   Die Feldherrn niederschlug,
   Raml. 2. In weiterer Bedeutung, durch verschiedene gemeiniglich gewaltsame Mittel niederwärts treiben oder richten. Die Augen niederschlagen, sie nach der Erde zu richten, sie auf den Boden heften. Mit niedergeschlagenen Augen da stehen. Bey den Jägern schlägt der Bär das Gesträuch, das Getreide nieder, wenn er es niederdrückt. Im Forstwesen wird ein Gehölz, ein Forst niedergeschlagen, wenn man die Bäume darin fällen lässet. Einen Tisch, eine Klappe, eine Krämpe niederschlagen, sie niederklappen, niederbiegen, im Gegensatze des Aufschlagens. In der Chymie wird ein in einer Flüssigkeit aufgelöseter Körper

[Bd. 3, Sp. 499]


niedergeschlagen, oder aus demselben niedergeschlagen, wenn man einen andern hinzu thut, welcher das Auflösungsmittel stärker anziehet, daher es den ersten fahren lässet, der sich denn in Gestalt eines seinen Pulvers auf den Boden setzet, und der Niederschlag genannt wird; sonst auch fällen und mit einem Latein. Kunstworte präcipitiren, das Präcipitat. Das Silber wird aus dem Salpetergeiste mit Kupfer, das Kupfer mit Eisen, das Eisen mit Zink, der Zink mit alkalischen Erden, und diese mit alkalischen Salzen niedergeschlagen. Die Hitze, die Säure im menschlichen Körper niederschlagen, solche durch alkalische Arzeneyen mildern oder dämpfen. Ein niederschlagendes Pulver, welches die Wallung im Geblüte vermindert.
   3) Figürlich. 1) Jemandes Hoffnung niederschlagen, ihm solche vereiteln, benehmen. Eines Beweise niederschlagen, sie mit einem merklichen Übergewichte ungültig machen, oder auch für ungültig erklären. Eine Forderung, eine Schuld, einen Prozeß niederschlagen, sie durch einen Machtspruch aufheben, vernichten. 2) Jemanden niederschlagen, ihm einen von außen sichtbaren Grad der Traurigkeit verursachen; im Gegensatze des Aufmuntern. Das schlägt mich zu sehr nieder. Eines Gemüth niederschlagen. Viele Übel erhalten ihr niederschlagendes Übergewicht von der Gewalt der Einbildung, Gell. Daher das Mittelwort niedergeschlagen sehr häufig als ein Bey- und Nebenwort so wohl für traurig, als auch für muthlos, und in dieser Empfindung gegründet, gebraucht wird. Sehr niedergeschlagen seyn. Das machte ihn nur noch niedergeschlagener. Sein niedergeschlagenes Wesen. Niedergeschlagene Muthlosigkeit. In Stade ist dafür sluk üblich, welches damit verwandt zu seyn scheinet. Daher die Niedergeschlagenheit, plur. inus. der Zustand, da man niedergeschlagen ist. Eigentlich druckt wohl niedergeschlagen diejenige Wirkung der Traurigkeit im Äußern aus, wenn man nicht mit Bewustseyn an die Ursache derselben denkt. Überhaupt scheinet es eine von dem Niederschlagen der Augen entlehnte Figur zu seyn.
   So auch die Niederschlagung. Das Zeitwort lautet schon bey dem Notker niederslahen.
 
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Niederschlucken, verb. reg. act. hinunter schlucken; im gemeinen Leben hinterschlucken. Etwas niederschlucken.
 
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Niederschreiben, verb. irreg. act. S. Adelung Schreiben, mit Sorgfalt aufschreiben, oder zu Papiere bringen. So wird die Aussage des Inquisiten in den Gerichten niedergeschrieben. Es stammet allem Ansehen nach zunächst aus dem Oberdeutschen her, verdienet aber den Spott nicht, welchen Gottsched darüber ausschüttete, weil es zugleich mehr Feyerlichkeit und Sorgfalt andeutet als aufschreiben.
 
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Niedersênken, verb. reg. act. niederwärts senken, in die Tiefe senken. Eine Leiche niedersenken, in das Grab; wofür doch einsenken üblicher ist. Daher die Niedersenkung.
 
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Niedersêtzen, verb. reg. act. welches nur in einigen engern Bedeutungen üblich ist. Etwas niedersetzen, etwas, welches man in der Hand, oder auf dem Arm trägt, von sich niederwärts setzen, von Dingen, welche gesetzt werden können. Ein Kind niedersetzen, ein Kind, welches man auf dem Arme trägt, von demselben setzen. Einen Sack mit Getreide niedersetzen. Ingleichen, als ein Reciprocum, sich niedersetzen, sich auf einen Stuhl u. s. f. setzen, sich setzen, in der anständigern Sprechart sich niederlassen. Figürlich setzet der Landesherr ein Collegium, eine Commission u. s. f. nieder, wenn er die nöthigen Personen ernennet, und ihnen die nöthige Gewalt und Vorschrift ertheilet.
   So auch die Niedersetzung.
 
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Niedersinken, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Sinken,) welches das Hülfswort seyn erfordert, niederwärts sinken. Die Hände niedersinken

[Bd. 3, Sp. 500]


lassen. Im Wasser niedersinken, untersinken. Daher das Niedersinken. Bey dem Stryker nidersigen, für versinken.
 
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Niedersitzen, verb. irreg. (S. Adelung Sitzen,) welches in doppelter Gestalt vorkommt. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, wo es doch nur im Oberdeutschen für sich niedersetzen üblich ist. Er saß nieder. Ein Stein der traff den jeger das er vor Amacht darnider saß, Theuerd. Kap. 37. Zuweilen sagt man auch noch im Hochdeutschen, jemanden niedersitzen heißen, ihm sagen, daß er sich setzen soll. 2) Als ein Activum, durch Sitzen niederdrucken. Daher das Niedersitzen.
 
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Niederstämmig, adj. et adv. einen niedrigen Stamm habend, im Gegensatze des hochstämmig. Niederstämmige Obstbäume.

 

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