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Niederlêgen bis Niederschlag (Bd. 3, Sp. 497 bis 498)
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Artikelverweis  Niederlêgen, verb. reg. act. niederwärts legen, aus der Höhe nach unten zu legen, auf den Boden, zu Boden legen. 1) Eigentlich. Eine Last niederlegen, welche man trägt, sie auf die Erde legen. Einen Stuhl niederlegen, auf die Erde. Sich niederlegen, auf die Erde. 2) In engerer Bedeutung legt man ein Kind nieder, wenn man es in das Bett legt. So auch das Reciprocum, sich niederlegen, sich zu Bette legen, sich schlafen legen. 3) Figürlich. Ein Amt niederlegen, im gemeinen Leben abdanken. Die Regierung, die Krone, eine Würde, eine Ehrenstelle niederlegen, sich derselben freywillig begeben. Geld oder eine andere Sache bey jemanden niederlegen, es ihm in Verwahrung geben, im Oberdeutschen hinterlegen; daher man zuweilen auch eine solche in Verwahrung gegebene oder genommene Sache, ein Dépôt, eine Niederlage, und im Oberdeutschen eine Hinterlage zu nennen pflegt. Luther nennt sie eine Beylage. Waaren an einem Orte niederlegen, sie bis zu weiterm Gebrauche daselbst verwahren, S. Niederlage 3. Einem die Straße niederlegen, ihm die Bereisung derselben verwehren, ihm das Handwerk niederlegen, ihm die Ausübung desselben verbiethen, ihm das Handwerk legen, sind nur in einigen Gegenden üblich.
   So auch die Niederlegung.
 
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Niederliegen, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Liegen,) welches das Hülfswort haben erfordert, zu Boden, auf der Erde liegen, ingleichen niederwärts liegen. Wie Halmen von des Himmels Schloßen niederlagen, Raml. Ehedem gebrauchte man es auch für unterliegen, in einem Gefechte den kürzern ziehen. Alspald ich sach,
   Das die veindt mit aller macht
   Niederlagen in dieser schlacht,
   Theuerd. Kap. 93.
   Er gedacht mit fleys auf new weg
   Dardurch der Held zuletzt niederleg,
   ebend. Von welcher jetzt veralteten Bedeutung noch das Hauptwort Niederlage in seiner ersten Bedeutung üblich ist.
 
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Niedermáchen, verb. reg. act. machen, daß etwas niederwärts gerichtet werde. So sagt man im gemeinen Leben, den Vorhang niedermachen, für niederlassen, die Krämpe am Hute, die Klappe eines Tisches u. s. f. niedermachen, niederlassen. Ingleichen figürlich, jemanden niedermachen, ihn niederhauen, oder niederstechen; doch nur von Menschen und mit dem Nebenbegriffe der Geschwindigkeit. Der Kaiser befahl die Gefangenen niederzumachen. Von Straßenräubern niedergemacht werden. So auch das Niedermachen.
 
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Niedermêtzeln, verb. reg. act. mit mehrern ungeschickten Hieben oder Stichen zu Boden legen, von lebendigen Geschöpfen. Das gefangene Wild, gefangene Soldaten niedermetzeln lassen. Daher die Niedermetzelung.
 
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Niederreißen, verb. irreg. act. S. Adelung Reißen, niederwärts reißen, ingleichen zu Boden reißen. Von einem wilden Thiere niedergerissen werden. Ein Haus niederreißen, es durch Einreißung dem Boden gleich machen. Daher die Niederreißung und das Niederreißen.
 
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Niederreiten, verb. irreg. act. S. Adelung Reiten, im Reiten zu Boden treten. Das Getreide auf dem Acker niederreiten. Ein Bäumchen niederreiten. Ein Kind niederreiten. Daher das Niederreiten. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, den Weg auf und nieder reiten, wird es besser getheilt geschrieben.

[Bd. 3, Sp. 498]



 
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Niederrênnen, verb. reg. et irreg. act. S. Adelung Rennen, zu Boden rennen. Jemanden niederrennen. Von einem Pferde niedergerennet oder niedergerannt werden. Daher das Niederrennen.
 
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Niedersäbeln, verb. reg. act. mit einem Säbel niederhauen, und in weiterer Bedeutung, für niederhauen überhaupt. Jemanden niedersäbeln lassen. Daher die Niedersäbelung. Siehe Säbeln.
 
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Niedersaufen, verb. irreg. act. (S. Adelung Saufen,) welches nur in der niedrigen Sprechart für niedertrinken üblich ist. Jemanden niedersaufen, ihm so lange zutrinken, bis er zu Boden fällt. Daher das Niedersaufen.
 
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Niederschießen, verb. irreg. (S. Adelung Schießen,) welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, sich plötzlich und sehr schnell niederwärts bewegen. Unvermuthet schoß der Balken nieder. 2) Als ein Activum, mit einem Schusse oder mit mehrern Schüssen plötzlich zu Boden legen. Jemanden niederschießen. Ein Thier niederschießen. Die Gefangenen niederschießen lassen. Einen Thurm niederschießen, mit Kanonen.
   So auch das Niederschießen.
 
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Der Niederschlag, des -es, plur. die -schläge, das Hauptwort des folgenden Zeitwortes, welches doch nur in einigen Bedeutungen desselben üblich ist. 1) Von der weitern thätigen Bedeutung ist der Niederschlag in der Chymie, ein aus dem Auflösungsmittel durch Zusetzung eines andern Körpers wieder geschiedener Körper, ein in einer Flüssigkeit aufgelöseter fester Körper, wenn derselbe durch Hinzuthuung eines dritten wieder daraus geschieden wird; das Präcipitat. S. das folgende. 2) Ein Schlag welcher niederwärts geschiehet. So ist in der Musik der Niederschlag der niederwärts gerichtete Schlag der Hand dessen, der den Takt führet, zum Unterschiede von dem Aufschlage. Mit Griechischen Kunstwörtern heißt dieser Arsis, der Niederschlag aber Thesis.

 

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