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Niederkohlen bis Niederliegen (Bd. 3, Sp. 495 bis 497)
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Artikelverweis  Niederkohlen, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort seyn bekommt, aber nur bey den Köhlern üblich ist, zu Kohlen niederbrennen. Einen Meiler niederkohlen.
 
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Niederkommen, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Kommen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, aber nur in engerer eingeschränkter Bedeutung üblich ist, für entbunden werden; im gemeinen Leben, in das Kindbett kommen, in die Wochen kommen, in einigen Gegenden einkommen. Mit einem Sohne, mit einer Tochter niederkommen. Die Frau ist noch nicht niedergekommen, wird bald niederkommen. Im Isidor ist nidherquheman in mehr eigentlichem Verstande vom Himmel kommen, in welchem man in der höhern Schreibart auch wohl sagt hernieder kommen.
 
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Die Niederkunft, plur. inus. der Zustand, da eine Person andern Geschlechtes entbunden wird, und die Zeit, wenn solches geschiehet. Ihre Niederkunft ist nahe, nahet heran. Die Niederkunft erwarten. Vor ihrer Niederkunft, nach derselben. Eine schwere Niederkunft haben. Bey einer Niederkunft zugegen seyn. S. das vorige.
 
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Die Niederlage, plur. die -n, von dem Zeitworte niederlegen. 1) Die Handlung, da ein Ding niedergeleget wird. Besonders figürlich bey Kriegsheeren, der Zustand, da ein Kriegsheer geschlagen wird. Eine beträchtliche, ansehnliche, gänzliche, völlige Niederlage leiden. Die Niederlage läugnen. Nach der Niederlage nahm der Überrest des Feindes die Flucht. Im Nieders. wird Underlage auch von dem Unterliegen einzelner Personen in einem Gefechte oder in einer Schlägerey gebraucht, Unterlage leiden, den Kürzern ziehen; in welchem Verstande im Hochdeutschen weder Niederlage noch Unterlage üblich ist. S. Adelung Niederliegen.

[Bd. 3, Sp. 496]


So fern die Niederlage zu verschiedenen Zeiten oder Mahlen Statt findet, kann auch der Plural gebraucht werden. Zwey Niederlagen leiden. 2) Der Zustand da man danieder liegt, d. i. bettlägerig ist. Nach einer kurzen Niederlage sterben. 3) Der Ort, wo Waaren oder andere Sachen in Menge niedergeleget, d. i. auf eine Zeit lang verwahret werden. So haben die Kaufleute außer ihren gewöhnlichen Gewölbern und Läden noch besondere Niederlagen, welche, wenn sie aus ganzen Häusern bestehen, oft Magazine, Vorrathshäufer und in Niedersachsen Speicher genannt werden. In der Schifffahrt werden auch zuweilen diejenigen Plätze, welche zum Ein- und Ausladen gewisser Waaren allein und ausschließungsweise bestimmt sind, Niederlagen genannt. Solche Niederlagen sind für die Spanischen nach Westindien segelnden Schiffe Calao in Amerika und Cadir in Spanien; Evan. Embarcados. Auch Stapelstädte, wo gewisse Waaren niedergelegt werden müssen, heißen zuweilen Niederlagen oder Niederlagsstädte. 4) Das Recht, die Befugniß, etwas an einem Orte niederzulegen, ingleichen die Verbindlichkeit, etwas an einem Orte niederlegen zu müssen; ohne Plural. So werden so wohl das Stapelrecht, als auch das Krahnrecht, Jus Geranii, sehr häufig die Niederlage genannt, und oft ist es streitig, ob unter diesem Worte das Stapelrecht oder nur das Krahnrecht verstanden werden müsse, S. diese Wörter. In Wien ist die Niederlage das Befugniß eines ausländischen Kaufmannes, im Großen handeln zu dürfen, daher solche ausländische Kaufleute, oder Kaufleute im engern Verstande daselbst Niederläger und Niederlagsverwandte heißen, S. Kaufmann.
 
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Der Niederläger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Niederlägerinn, S. das vorige, ingleichen Kaufmann.
 
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Das Niederland, des -es, plur. die -länder, und -lande, ein niedrig gelegenes Land, im Gegensatze des Oberlandes. Das Niederland Hadsi, 2 Sam. 24, 6. Am üblichsten ist es im Plural und als ein eigenthümlicher Nahme, das ehemahlige Belgium zu bezeichnen. Die Niederlande, die siebzehn um den Ausfluß des Rheines gelegenen Niederdeutschen Provinzen. Die Österreichischen Niederlande, diejenigen Provinzen, welche davon dem Hause Österreich gehören, zum Unterschiede von den Französischen Niederlanden. Beyde werden auch die katholischen Niederlande genannt, im Gegensatze der vereinigten Niederlande, oder der sieben vereinigten Provinzen. In dieser engern Bedeutung, in welcher der Singular nicht üblich ist, lautet der Plural Niederlande, in der erstern weitern aber auch Niederländer.
 
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Der Niederländer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Niederländerinn, der Einwohner eines Niederlandes, im Gegensatze des Oberländers. In engerer Bedeutung, ein Einwohner der Niederlande, welchen man auch wohl, obgleich nicht ganz richtig einen Holländer zu nennen pflegt, indem Holland nur Einen Theil der Niederlande ausmacht.
 
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Niederländisch, adj. et adv. zu einem Niederlande gehörig, aus demselben herkommend, darin gegründet, im Gegensatze des Oberländisch. Ingleichen zu den Niederlanden gehörig, daher kommend, daher gebürtig, in denselben gegründet. Niederländischer Käse. Die Niederländische Sprache.
 
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Niederlassen, verb. irreg. act. S. Adelung Lassen, niedergehen, oder niedersinken machen, von oben herab lassen. Den Vorhang niederlassen. Die Klappe eines Tisches niederlassen. Jemanden zu einem Seile von einem Thurme niederlassen. Die Segel niederlassen. Ingleichen als ein Reciprocum. Sich niederlassen. Sich von einem Thurme niederlassen, vermittelst eines Seiles. Die Vögel lassen sich nieder, wenn sie nach und nach aus der Luft nach der Erdfläche zu kommen. In engerer Bedeutung ist sich niederlassen ein anständiger Ausdruck für das gemeinere sich

[Bd. 3, Sp. 497]


setzen. Figürlich bedeutet sich an einem Orte niederlassen, seinen Aufenthalt, seine Wohnung daselbst nehmen. Sich häuslich an einem Orte niederlassen. So auch die Niederlassung, welches auch zuweilen für Colonie gebraucht wird. Schon bey dem Ottfried nitharlazan.
 
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Niederlêgen, verb. reg. act. niederwärts legen, aus der Höhe nach unten zu legen, auf den Boden, zu Boden legen. 1) Eigentlich. Eine Last niederlegen, welche man trägt, sie auf die Erde legen. Einen Stuhl niederlegen, auf die Erde. Sich niederlegen, auf die Erde. 2) In engerer Bedeutung legt man ein Kind nieder, wenn man es in das Bett legt. So auch das Reciprocum, sich niederlegen, sich zu Bette legen, sich schlafen legen. 3) Figürlich. Ein Amt niederlegen, im gemeinen Leben abdanken. Die Regierung, die Krone, eine Würde, eine Ehrenstelle niederlegen, sich derselben freywillig begeben. Geld oder eine andere Sache bey jemanden niederlegen, es ihm in Verwahrung geben, im Oberdeutschen hinterlegen; daher man zuweilen auch eine solche in Verwahrung gegebene oder genommene Sache, ein Dépôt, eine Niederlage, und im Oberdeutschen eine Hinterlage zu nennen pflegt. Luther nennt sie eine Beylage. Waaren an einem Orte niederlegen, sie bis zu weiterm Gebrauche daselbst verwahren, S. Niederlage 3. Einem die Straße niederlegen, ihm die Bereisung derselben verwehren, ihm das Handwerk niederlegen, ihm die Ausübung desselben verbiethen, ihm das Handwerk legen, sind nur in einigen Gegenden üblich.
   So auch die Niederlegung.
 
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Niederliegen, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Liegen,) welches das Hülfswort haben erfordert, zu Boden, auf der Erde liegen, ingleichen niederwärts liegen. Wie Halmen von des Himmels Schloßen niederlagen, Raml. Ehedem gebrauchte man es auch für unterliegen, in einem Gefechte den kürzern ziehen. Alspald ich sach,
   Das die veindt mit aller macht
   Niederlagen in dieser schlacht,
   Theuerd. Kap. 93.
   Er gedacht mit fleys auf new weg
   Dardurch der Held zuletzt niederleg,
   ebend. Von welcher jetzt veralteten Bedeutung noch das Hauptwort Niederlage in seiner ersten Bedeutung üblich ist.

 

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