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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Niederdrücken bis Niederhalten (Bd. 3, Sp. 493 bis 494)
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Artikelverweis  Niederdrücken, im Oberdeutschen und der höhern Schreibart der Hochdeutschen niederdrucken, verb. reg. act. nach der Oberfläche der Erde zu, nach der horizontalen Fläche zu drücken, durch Drücken niedriger zu machen suchen. 1 Eigentlich. Jemanden, welcher sich aufzustehen bemühet, niederdrücken. 2. Figürlich. 1) Für unterdrücken oder unterdrucken. Oft drückt ein schlechter Anzug alle Verdienste nieder. In der Deutschen Bibel kommt es in diesem Verstande mehrmahls vor, wie Ps. 10, 10; Ps. 57. 7; Ps. 107, 39; Ps. 119, 78. 2) Für niederschlagen, in dessen figürlichem Verstande, muthlos machen. Ein von Kummer niedergedrückter Mensch.
   So auch die Niederdrückung und Niederdruckung.
 
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Die Niedere, plur. die -n, das Hauptwort von dem Beyworte nieder, eine niedrig gelegene Gegend zu bezeichnen, im Gegensatze des Gebirges, so wie das Thal dem Berge, die Tiefe aber der Höhe entgegen gesetzet ist. Indessen ist das Wort Niedere doch im Hochdeutschen nur wenig gangbar; üblicher ist es im Oberdeutschen. In einigen Gegenden, selbst Meißens, hat man auch das Hauptwort Niederung, wo es nicht bloß dem Gebirge entgegen gesetzet wird, sondern auch die niedriger gelegenen Gegenden an den Flüssen, ingleichen niedriger gelegene Theile des Feldes bedeutet, im Gegensatze der höhern; im Nieders. die Sinke, Senke. Mit der den Niederdeutschen so gewöhnlichen Ausstoßung des d wird aus der Niederung die Nehrung, welches Wort in Preußen von niedrigen an der See gelegenen Gegenden gebraucht wird.
 
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Niederfahren, verb. irreg. (S. Adelung Fahren,) welches in einer doppelten Gestalt gebraucht wird. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, aus der Höhe senkrecht niederwärts fahren. Christus ist niedergefahren zur Hölle. Ich sahe einen Engel niederfahren vom Himmel, Offenb. 18, 1. In welchem Verstande auch das Hauptwort die Niederfahrt gefunden wird. Die Niederfahrt Christi zur Hölle, die Höllenfahrt. 2) Als ein Activum, durch Fahren niederdrücken, zu Boöen werfen, der Erdfläche

[Bd. 3, Sp. 494]


gleich machen. Alles Getreide niederfahren. Ein Kind niederfahren, umfahren.
 
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Niederfallen, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Fallen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, zu Boden fallen, auf die Erde fallen, besonders von lebendigen Geschöpfen. Unter der Last niederfallen, zu Boden. Ingleichen sich aus Ehrfurcht auf die Erde werfen, oft auch für niederknien, bey dem Ottfried nidarfialen. Da seine Brüder kamen, fielen sie vor ihm nieder auf ihr Antlitz zur Erde, 1 Mos. 42, 6. Lasset uns anbeten und knien und niederfallen vor dem Herrn, Ps. 95, 6. Auf die Knie vor einem niederfallen. Bey den Jägern fällt das Feldgeflügel nieder, wenn es sich setzet, nachdem es aufgetrieben worden. Daher das Niederfallen. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist niederfällig für sachfällig üblich; niederfällig werden, den Prozeß verlieren.
 
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Niederfliegen, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Fliegen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, niederwärts fliegen, von oben nach der Tiefe, und in die Tiefe fliegen.
 
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Die Niederfolge, plur. inus. in einigen Gegenden, die Verbindlichkeit der Unterthanen und Vasallen, dem Lehens- und Grundherren in niedern, d. i. geringern Fällen, zu folgen, im Gegensatze der hohen Folge oder Herresfolge; das denn zur Niederfolge die Verbindlichkeit, Verbrecher zu verfolgen und aufzusuchen, die Jagdfolge, Lehensfolge, Hoffolge u. s. f. gehören.
 
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Der Niedergang, des -es, plur. inus. die Handlung des Niedergehens, doch nur noch in engerer Bedeutung im Oberdeutschen, und zuweilen auch bey den Hochdeutschen Dichtern, der Untergang der Sonne, und die Gegend, wo die Sonne untergehet, d. i. Abend. Jenseit dem Jordan gegen der Sonnen Niedergang, 5 Mos. 11, 30. Die Sonne weiß ihren Niedergang, Ps. 104, 19. Vom Aufgang der Sonnen bis zum Niedergang, Ps. 50, 1.
   Den Auf- und Niedergang und aller Weltkreis ehret,
   Opitz.
   Aber auf einmahl verjagt die triumphirende Sonne
   Schatten und Schauder und Schlaf zum Niedergange zurück,
   Zachar. Bey dem Notker Sunnen Sedelgang, bey dem Kero nur Sedelkang schlechthin. S. Adelung Untergang.
 
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Niedergehen, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Gehen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, sich aus der Höhe nach der Oberfläche der Erde zu bewegen. Ein Haus gehet nieder, wenn es nach und nach nieder sinket. Die Sonne gehet nieder, wenn sie untergehet, welches letztere in dem gemeinen Sprachgebrauche üblicher ist.
 
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Das Niedergericht, des -es, plur. die -e. 1) Bey den Jägern, ein niedriges Gericht oder Vogelschneide, im Gegensatze des Hochgerichtes. S. Adelung Gericht. 2) Die Gerichtbarkeit über niedere Rechtsfälle, und ein Gericht, welchem solche Sachen anvertrauet werden; in welchem Falle es auch nur im Plural allein die Niedergerichte lautet, und alsdann dem Hochgerichte oder den Hochgerichten entgegen gesetzet wird. Besser würde man es in dieser Bedeutung getheilt schreiben, das niedere Gericht, oder die niedere Gerichtbarkeit, im Gegensatze der hohen oder höhern. S. Untergericht.
 
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Niedergeschlagen, und die Niedergeschlagenheit, S. in Niederschlagen.
 
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Niederhalten, verb. irreg. act. S. Adelung Halten, nach unten zu, nach der Tiefe zu halten, niederwärts halten. Die Augen niederhalten, besser niederschlagen.

 

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