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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Niederbringen bis Niedergang (Bd. 3, Sp. 493 bis 494)
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Artikelverweis  Niederbringen, verb. irreg. act. S. Adelung Bringen, auf die horizontale Fläche, auf die Oberfläche der Erde bringen, durch angewandte Kraft zur Erde bringen. Daher die Niederbringung.
 
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Niederbücken, verb. reg. reciproc. sich niederbücken, sich zur Erde, oder bis auf die Erde bücken, in der edlern Schreibart sich niederbeugen. Israel bückte sich nieder auf die Erde, 1 Mos. 18, 2. Daher das Niederbücken.
 
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Niederdeutsch, adj. et adv. in dem niedriger gelegenen Theile Deutschlandes einheimisch, darin gegründet; im Gegensatze des Oberdeutsch. Ein Niederdeutscher, ein Einwohner dieses Theiles von Deutschland, im Gegensatze eines Oberdeutschen. Die Niederdeutsche Sprache oder Mundart, welche in diesem Theile von Deutschland gesprochen wird, und wohin nicht nur die Niedersächsische, sondern auch die Holländische, Friesische, Hollsteinische u. a. Mundarten gehören. S. Adelung Hochdeutsch.
 
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Niederdeutschland, oder Nieder-Deutschland, Gen.Niederdeutschlandes, plur. car.der nördliche und niedriger gelegene Theil von Deutschland, welcher in weiterer Bedeutung auch die vereinigten Niederländischen Provinzen, in engerer nur Westphalen und ganz Sachsen, in der engsten aber nur Westphalen, Niedersachsen, und den an der Ostsee gelegenen Theil von Obersachsen in sich begreift. S. Oberdeutschland, welches demselben engegen gesetzet ist.
 
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Niederdrücken, im Oberdeutschen und der höhern Schreibart der Hochdeutschen niederdrucken, verb. reg. act. nach der Oberfläche der Erde zu, nach der horizontalen Fläche zu drücken, durch Drücken niedriger zu machen suchen. 1 Eigentlich. Jemanden, welcher sich aufzustehen bemühet, niederdrücken. 2. Figürlich. 1) Für unterdrücken oder unterdrucken. Oft drückt ein schlechter Anzug alle Verdienste nieder. In der Deutschen Bibel kommt es in diesem Verstande mehrmahls vor, wie Ps. 10, 10; Ps. 57. 7; Ps. 107, 39; Ps. 119, 78. 2) Für niederschlagen, in dessen figürlichem Verstande, muthlos machen. Ein von Kummer niedergedrückter Mensch.
   So auch die Niederdrückung und Niederdruckung.
 
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Die Niedere, plur. die -n, das Hauptwort von dem Beyworte nieder, eine niedrig gelegene Gegend zu bezeichnen, im Gegensatze des Gebirges, so wie das Thal dem Berge, die Tiefe aber der Höhe entgegen gesetzet ist. Indessen ist das Wort Niedere doch im Hochdeutschen nur wenig gangbar; üblicher ist es im Oberdeutschen. In einigen Gegenden, selbst Meißens, hat man auch das Hauptwort Niederung, wo es nicht bloß dem Gebirge entgegen gesetzet wird, sondern auch die niedriger gelegenen Gegenden an den Flüssen, ingleichen niedriger gelegene Theile des Feldes bedeutet, im Gegensatze der höhern; im Nieders. die Sinke, Senke. Mit der den Niederdeutschen so gewöhnlichen Ausstoßung des d wird aus der Niederung die Nehrung, welches Wort in Preußen von niedrigen an der See gelegenen Gegenden gebraucht wird.
 
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Niederfahren, verb. irreg. (S. Adelung Fahren,) welches in einer doppelten Gestalt gebraucht wird. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, aus der Höhe senkrecht niederwärts fahren. Christus ist niedergefahren zur Hölle. Ich sahe einen Engel niederfahren vom Himmel, Offenb. 18, 1. In welchem Verstande auch das Hauptwort die Niederfahrt gefunden wird. Die Niederfahrt Christi zur Hölle, die Höllenfahrt. 2) Als ein Activum, durch Fahren niederdrücken, zu Boöen werfen, der Erdfläche

[Bd. 3, Sp. 494]


gleich machen. Alles Getreide niederfahren. Ein Kind niederfahren, umfahren.
 
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Niederfallen, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Fallen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, zu Boden fallen, auf die Erde fallen, besonders von lebendigen Geschöpfen. Unter der Last niederfallen, zu Boden. Ingleichen sich aus Ehrfurcht auf die Erde werfen, oft auch für niederknien, bey dem Ottfried nidarfialen. Da seine Brüder kamen, fielen sie vor ihm nieder auf ihr Antlitz zur Erde, 1 Mos. 42, 6. Lasset uns anbeten und knien und niederfallen vor dem Herrn, Ps. 95, 6. Auf die Knie vor einem niederfallen. Bey den Jägern fällt das Feldgeflügel nieder, wenn es sich setzet, nachdem es aufgetrieben worden. Daher das Niederfallen. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist niederfällig für sachfällig üblich; niederfällig werden, den Prozeß verlieren.
 
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Niederfliegen, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Fliegen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, niederwärts fliegen, von oben nach der Tiefe, und in die Tiefe fliegen.
 
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Die Niederfolge, plur. inus. in einigen Gegenden, die Verbindlichkeit der Unterthanen und Vasallen, dem Lehens- und Grundherren in niedern, d. i. geringern Fällen, zu folgen, im Gegensatze der hohen Folge oder Herresfolge; das denn zur Niederfolge die Verbindlichkeit, Verbrecher zu verfolgen und aufzusuchen, die Jagdfolge, Lehensfolge, Hoffolge u. s. f. gehören.
 
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Der Niedergang, des -es, plur. inus. die Handlung des Niedergehens, doch nur noch in engerer Bedeutung im Oberdeutschen, und zuweilen auch bey den Hochdeutschen Dichtern, der Untergang der Sonne, und die Gegend, wo die Sonne untergehet, d. i. Abend. Jenseit dem Jordan gegen der Sonnen Niedergang, 5 Mos. 11, 30. Die Sonne weiß ihren Niedergang, Ps. 104, 19. Vom Aufgang der Sonnen bis zum Niedergang, Ps. 50, 1.
   Den Auf- und Niedergang und aller Weltkreis ehret,
   Opitz.
   Aber auf einmahl verjagt die triumphirende Sonne
   Schatten und Schauder und Schlaf zum Niedergange zurück,
   Zachar. Bey dem Notker Sunnen Sedelgang, bey dem Kero nur Sedelkang schlechthin. S. Adelung Untergang.

 

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