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Niederbeugen bis Niederfahren (Bd. 3, Sp. 490 bis 493)
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Artikelverweis  Niederbeugen, verb. reg. act. nach der Oberfläche der Erde zu beugen, im Oberdeutschen und der anständigen Sprechart der Hochdeutschen, wofür bey den letztern in dem gemeinen Sprachgebrauche niederbiegen üblich ist. S. Adelung Niederbücken.
 
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Der Nīederbōrt, des -es, plur. die -e, in der Schifffahrt, eigentlich ein niederer oder niedriger Bort eines Schiffes. Figürlich und im gewöhnlichsten Verstande, ein Schiff mit einem niedern Borte; im Gegensatze eines Hochbortes. Ein jedes Schiff, welches nur allein Ruder hat, oder doch selbst den Segeln auch Ruder gebraucht, ist ein Niederbort, wohin folglich auch alle Galeeren, Brigantinen u. s. f. gehören.
 
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Nīederbrếchen, verb. irreg. act. S. Adelung Brechen, bis auf die Oberfläche der Erde, oder doch beynahe bis auf dieselbe, abbrechen. Ein Haus niederbrechen, es abbrechen, im Niedersächsischen daalbreken.
 
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Niederbrênnen, verb. irreg. (S. Adelung Brennen,) welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, verbrennen und dadurch der horizontalen Fläche gleich werden. Das Haus ist ganz niedergebrannt, bis auf den Grund abgebrannt. Das Holz im Ofen ist noch nicht niedergebrannt.

[Bd. 3, Sp. 493]


2) Als ein Activum, wo es billig regelmäßig abgewandelt werden sollte, durch ein solches Verbrennen zerstören. Die Feinde haben die Stadt, das Dorf niedergebrannt, oder niedergebrennet.
 
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Niederbringen, verb. irreg. act. S. Adelung Bringen, auf die horizontale Fläche, auf die Oberfläche der Erde bringen, durch angewandte Kraft zur Erde bringen. Daher die Niederbringung.
 
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Niederbücken, verb. reg. reciproc. sich niederbücken, sich zur Erde, oder bis auf die Erde bücken, in der edlern Schreibart sich niederbeugen. Israel bückte sich nieder auf die Erde, 1 Mos. 18, 2. Daher das Niederbücken.
 
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Niederdeutsch, adj. et adv. in dem niedriger gelegenen Theile Deutschlandes einheimisch, darin gegründet; im Gegensatze des Oberdeutsch. Ein Niederdeutscher, ein Einwohner dieses Theiles von Deutschland, im Gegensatze eines Oberdeutschen. Die Niederdeutsche Sprache oder Mundart, welche in diesem Theile von Deutschland gesprochen wird, und wohin nicht nur die Niedersächsische, sondern auch die Holländische, Friesische, Hollsteinische u. a. Mundarten gehören. S. Adelung Hochdeutsch.
 
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Niederdeutschland, oder Nieder-Deutschland, Gen.Niederdeutschlandes, plur. car.der nördliche und niedriger gelegene Theil von Deutschland, welcher in weiterer Bedeutung auch die vereinigten Niederländischen Provinzen, in engerer nur Westphalen und ganz Sachsen, in der engsten aber nur Westphalen, Niedersachsen, und den an der Ostsee gelegenen Theil von Obersachsen in sich begreift. S. Oberdeutschland, welches demselben engegen gesetzet ist.
 
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Niederdrücken, im Oberdeutschen und der höhern Schreibart der Hochdeutschen niederdrucken, verb. reg. act. nach der Oberfläche der Erde zu, nach der horizontalen Fläche zu drücken, durch Drücken niedriger zu machen suchen. 1 Eigentlich. Jemanden, welcher sich aufzustehen bemühet, niederdrücken. 2. Figürlich. 1) Für unterdrücken oder unterdrucken. Oft drückt ein schlechter Anzug alle Verdienste nieder. In der Deutschen Bibel kommt es in diesem Verstande mehrmahls vor, wie Ps. 10, 10; Ps. 57. 7; Ps. 107, 39; Ps. 119, 78. 2) Für niederschlagen, in dessen figürlichem Verstande, muthlos machen. Ein von Kummer niedergedrückter Mensch.
   So auch die Niederdrückung und Niederdruckung.
 
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Die Niedere, plur. die -n, das Hauptwort von dem Beyworte nieder, eine niedrig gelegene Gegend zu bezeichnen, im Gegensatze des Gebirges, so wie das Thal dem Berge, die Tiefe aber der Höhe entgegen gesetzet ist. Indessen ist das Wort Niedere doch im Hochdeutschen nur wenig gangbar; üblicher ist es im Oberdeutschen. In einigen Gegenden, selbst Meißens, hat man auch das Hauptwort Niederung, wo es nicht bloß dem Gebirge entgegen gesetzet wird, sondern auch die niedriger gelegenen Gegenden an den Flüssen, ingleichen niedriger gelegene Theile des Feldes bedeutet, im Gegensatze der höhern; im Nieders. die Sinke, Senke. Mit der den Niederdeutschen so gewöhnlichen Ausstoßung des d wird aus der Niederung die Nehrung, welches Wort in Preußen von niedrigen an der See gelegenen Gegenden gebraucht wird.
 
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Niederfahren, verb. irreg. (S. Adelung Fahren,) welches in einer doppelten Gestalt gebraucht wird. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, aus der Höhe senkrecht niederwärts fahren. Christus ist niedergefahren zur Hölle. Ich sahe einen Engel niederfahren vom Himmel, Offenb. 18, 1. In welchem Verstande auch das Hauptwort die Niederfahrt gefunden wird. Die Niederfahrt Christi zur Hölle, die Höllenfahrt. 2) Als ein Activum, durch Fahren niederdrücken, zu Boöen werfen, der Erdfläche

[Bd. 3, Sp. 494]


gleich machen. Alles Getreide niederfahren. Ein Kind niederfahren, umfahren.

 

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