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Nickel bis Nie (Bd. 3, Sp. 488 bis 490)
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Artikelverweis 3. * Der Nickel, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. in der Schweiz, übliches Wort, wo es, dem Frisch zu Folge, einen Hohlkreisel bedeutet. In diesem Verstande kommt es ohne Zweifel von nicken, neigen, her, so fern es ehedem auch stoßen bedeutete. Im Schwed. ist daher Nick ein Stoß, und im Finnländ. nyhja ich stoße. Mathesius nennt einen Nasenstüber einen Sternickel, gleichsam Stirnnickel.

[Bd. 3, Sp. 489]


Die Endsylbe ist hier, so wie in den folgenden, die Ableitungssylbe -el, welche so wohl ein Werkzeug, als auch ein Subject bedeutet.
 
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4. Der Nickel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Nickelchen, Oberd. Nickelein, ein gleichfalls nur in den gemeinen Sprecharten einiger Gegenden, z. B. Frankens und Niedersachsens, übliches Wort, ein kleines Pferd, ein Pferd von geringer Größe, zu bezeichnen, Nieders. Nikkel, Engl. Nag, Holländ. Negge, im mittlern Lat. Naccus, in den Baierischen Gesetzen Gnacco, Angargnacco, ein schlechtes Ackerpferd, Karrengaul; alle in der Bedeutung eines kleinen Pferdes. Wachter, Frisch und andere lassen es in dieser Bedeutung von dem Angels. hnaeigen Engl. to neigh, wiehern, abstammen. Alsdann würde es eigentlich ein allgemeines Nennwort eines jeden Pferdes seyn, weil doch die kleinen, Pferde wohl nicht mehr wiehern als die großen, und da das N zu Anfange der Wörter oft sehr zufällig ist, so könnte auch das Lat. Equus dahin gerechnet werden. Allein, man findet Spuren genug, daß nak ehedem klein, und Nickel ein kleines Ding überhaupt bedeutet hat, da es denn ein Abkömmling von neigen, nicken ist. In der Rothwälschen Diebessprache ist Grunickel und Strohnickel ein Schwein, Hornickel ein Ochs u. s. f. wo es aber wieder zu einem andern Stamme zu gehören scheinet. S. auch Pumpernickel.
 
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3. † Der Nickel, des -s, plur. ut nom. sing. in den niedrigen Sprecharten, ein liederliches, nichtswürdiges Weibesbild im verächtlichsten Verstande zu bezeichnen, so wohl in Absicht der Unreinlichkeit des Leibes, als auch der Sitten. Es ist ein Nickel. Ein Commiß-Nickel, eine niederträchtige Soldatenhure, ein Schandnickel, ein schändlicher Nickel, Saunickel, Schweinnickel u. s. f. welche insgesammt in die niedrigsten Sprecharten gehören. Die Abstammung ist ungewiß. Frisch lässet es eine Figur des vorigen Wortes seyn, welches sich in so fern vertheidigen ließe, so fern klein, niedrig, figürlich auch für nichtswürdig gebraucht wird. Joh. Ge. von Eckhard leitete es von Nichte, Neptis, ab und glaubte, weil die Geistlichen in den mittlern Zeiten ihre Beyschläferinnen für ihre Nichten ausgegeben, so hätte man nachmahls eine jede verächtliche Weibesperson eine Nichte, und verderbt einen Nickel genannt. Allein wider diese Ableitung streitet unter andern Gründen auch die hohe Verachtung, welche diesem Worce anklebet, zu welcher in Nichte kein Grund vorhanden ist. Schon im mittlern Lateine ist bey dem Papias und in Isidors Glossen Enica eine Ehebrecherinn, welches Wort Du Fresne und seine Nachfolger nicht zu erklären wissen, ungeachtet es allem Ansehen nach hierher gehöret.
 
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Der Nickelkönig, des -es, plur. die -e, im Hüttenbaue, ein König, oder eine metallische Masse, welche man erhält, wenn man den in Säuren aufgelöseten Kupfernickel abdunsten lässet, und die metallischen Theile wieder herstellet. S. 2 Nickel.
 
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Der Níckelócher, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. eben daselbst, Nickel oder Kupfernickel in Gestalt eines Ochers, oder grünen Kalkes; Ochra Nicoli.
 
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Der Nickel-Vitriōl, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, ein schöner grüner Vitriol, welcher sich aus dem verwitterten Kupfernickel laugen lässet.
 
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Nicken, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und das Frequentativum oder Intensivum von neigen ist. Es wird nur noch in engerer Bedeutung von dem mehrmahligen Neigen mit dem Haupte und den Augen gebraucht. Mit den Augen nicken, durch Niederschlagung der Augenlieder einem andern ein Zeichen geben. Jemanden Beyfall zunicken, ihm auf solche Art seinen Beyfall zu erkennen geben. Wenn man sitzend schläft, so pflegt man mit dem Kopfe zu nicken, welche Art des

[Bd. 3, Sp. 490]


Nickens in Oberdeutschen naffezen, nafzen, nätzen, netzen genannt wird, Angels. nappian. Daher einnicken, auf solche Art einschlummern. Mit dem Kopfe nicken, durch Niederbeugung des Kopfes ein Zeichen geben. Einem nicken, ihm zunicken, im Baierischen knaupen, mit nafzen von einem ähnlichen gemeinschaftlichen Stamme, bey dem Altensteig nutten, gnutten, nutare. Daher das Nicken.
   Anm. Im Nieders. nicken, nickkoppen, im Hannöv. snicken, im Dän. nikke, im Schwed. nicka, alle von neigen, so wie das Latein. nictare, und nutare von nuere, Griech.νευειν herstammen. Schon Kero gebraucht kehneicken für neigen, so wie unser knicken besonders von dem Neigen der Knie im Gehen gebraucht wird. Das Hauptwort der Nick, ein Wink mit dem Kopfe oder Augen, ist noch hin und wieder im gemeinen Leben üblich.
 
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Der Nickert, S. Adelung Nix.
 
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Der Nickfang, S. Adelung Genickfang.
 
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Nicolaus, S. Adelung Nikolaus.
 
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Nie, ein verneinendes Nebenwort der Zeit, zu keiner Zeit, niemahls, im Gegensatze des je; so wohl von einer vergangenen als künftigen Zeit. Ich habe noch nie gesehen, den Gerechten verlassen, Ps. 37, 25. Es ist mir nie in den Sinn kommen, Jer. 32, 35. Es wird eine solche Trübsal seyn, als nie gewesen ist, Matth. 24, 21. Es soll nie wieder geschehen. Besser spät als nie. Nie sey die Kränklichkeit des Kindes eine Ursache zur Nachsicht gegen seine bösen Neigungen. Gell.
   So schön kann nie
   Die Flur im Lenze prangen,
   Weiße. Das mehr denn nie für mehr als jemahls ist eine Blume aus den Oberdeutschen Kanzelleyen. Ein so heilsamer und mehr denn nie unentbehrlicher Endzweck. Der Zeit (jetzt) mehr denn nie vorwaltende Umstände.
   Die Verdoppelung der Verneinung ist auch hier ein Fehler. Habt ihr auch je einen Mangel gehabt? Sie sprachen: nie keinen, Luc. 22, 35, für nie einen. Es hat nie kein Mensch also geredet, Joh. 7, 46, und in andern Stellen mehr. S. auch 3 Nicht, Nichts und Kein.
   Anm. Es ist allem Ansehen nach aus der alten Verneinung ni und je oder ie zusammen gesetzet, so wie nein aus ni und ein, und nicht aus ni und icht. In dem Lat. nunquam ist eine ähnliche Zusammensetzung. S. auch Niemahls, Niemand, Nimmer und Nirgend.

 

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