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Nichtachtung bis Nick (Bd. 3, Sp. 486 bis 488)
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Artikelverweis Die Nichtachtung, plur. inus. die Unterlassung der Achtung, der Mangel der Achtung, welcher von der Verachtung noch unterschieden ist.
 
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Die Nichte, plur. die -n, Diminut. das Nichtchen, Oberd. Nichtlein, Nichtel, ein Wort, welches das Fämininum von Neffe ist, des Bruders oder der Schwester Tochter, ingleichen des Sohnes oder der Tochter Tochter zu bezeichnen. Es ist im Hochdeutschen in der anständigen Schreib- und Sprechart am üblichsten, im Oberdeutschen aber auch im gemeinen Leben gangbar. Es stehet für Nifte, im Diminut. Niftel, welches Wort noch nicht ganz veraltet ist, oder ist auch mit Neffe und Nifte unmittelbar aus nahe gebildet, und kommt mit dem Angels. Nift und Lat. Neptis genau überein. S. Adelung Niftelgerade und Neffe. Mit Auslassung des Hauchlautes ist im Schwed. Nid, bey dem Ulphilas Nithja, ein Verwandter überhaupt, im Finnländ. nuode, verwandt, und im Wallisischen Nith, eine Nichte, alle von nahe.
 
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Nichtig, -er, -ste, adj. et adv. welches von dem veralteten Hauptworte Nicht (S. 2 Nicht) abstammet und nur noch in einigen Fällen üblich ist. 1) Keine Kraft, keine Gültigkeit habend. Ein nichtiges Versprechen, ein ungültiges. Eine nichtige Entschuldigung. Das sind nichtige Ausflüchte. Etwas null und nichtig machen, völlig unkräftig. Dein Vorsatz mußte nichtig seyn, Opitz Ps. 118, 6. 2) Keinen Werth, keine Realität habend, eitel. Nichtige Anschläge. Ein nichtiges Geschwätz. Ein Holz muß ja ein nichtiger Gottesdienst seyn, Jerem. 10, 8. Unsere Väter haben falsche und nichtige Götter gehabt, Kap. 16, 19. Noch gaffeten unsere Augen auf die nichtige Hülfe, Klagel. 4, 17.
   Ich aber will in nichtigen Versuchen
   Nicht solcher Männer theure Leben wagen,
   Schleg. 3) Keine Dauer habend, vergänglich. Der nichtige Leib, Phil. 3, 21. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig u. s. f.
 
Artikelverweis Die
Nichtigkeit, plur. inus. der Zustand, die Eigenschaft eines Dinges da es nichtig ist, in allen Bedeutungen dieses Wortes. Die Nichtigkeit eines Vertrages, eines Versprechens, dessen Ungültigkeit, Nullität. Die Nichtigkeit der guten Werke, des menschlichen Lebens u. s. f. Wenn es, wie zuweilen geschiehet, als ein Concretum von nichtigen Dingen gebraucht wird, so leidet es auch den Plural.
 
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Nichts, adv. welches nur allein von Sachen üblich ist, und dem etwas entgegen gesetzet wird, ein Ding zu bezeichnen, welches nicht vorhanden ist.
   1. Im schärfsten, engsten philosophischen Verstande, wo nur dasjenige nichts ist, was nicht nur nicht vorhanden ist, sondern auch nicht vorhanden seyn kann, nicht möglich ist; Nihilum negativum. In diesem Verstande sagt man, nichts könne nicht etwas werden, oder aus nichts könne nicht etwas werden. Wo

[Bd. 3, Sp. 487]


es denn auch in Gestalt eines Hauptwortes vorkommt, das Nichts, ein Nichts.
   2. In weiterer und gewöhnlicherer Bedeutung ist nichts nur dasjenige, was nicht vorhanden ist, nicht existiret, aber doch existiren oder wirklich werden kann, folglich möglich ist; Nihilum privativum. Besser etwas als nichts. Ich habe nichts. Er hatte nichts gesehen, nichts gehöret. Ich weiß nichts davon. Durchaus nichts, ganz und gar nichts, schlechterdings nichts. Es wird nichts aus der Sache, sie kommt nicht zu Stande. Mein Leben ist wie nichts vor dir, Ps. 39, 6. Wenn es weiter nichts ist. Nichts sollte dich mehr rühren, als dieses. Es ist nichts an der Sache, sie ist ungegründet; ingleichen, sie hat keinen Wirth. Er ist nichts besser, um nichts besser. Gott schuf die Welt aus nichts, er brachte Dinge hervor, welche vorher nicht da waren. Aus nichts wird nichts, wo keine wirkende Ursache vorhanden ist, da kann auch keine Wirkung erfolgen, ingleichen, ein nicht vorhandenes Ding kann nicht den Grund wirklicher Dinge enthalten. Mit nichts anfangen, bey seinem Anfange nichts haben. Er wußte sich mit nichts, als mit seiner guten Absicht zu entschuldigen. Ich weiß von nichts. Zu nichts werden, nicht bloß aufhören zu seyn, sondern auch allen Theilen nach aufhören zu seyn, vernichtet werden. Wo es zuweilen auch Beywörtern, wenn sie als Hauptwörter stehen, zugesellet werden kann. Es ist nichts Gutes an ihm. Ich mag mit nichts Ungerechten zu thun haben.
   Noch häufiger wird es als ein unabänderliches Hauptwort gebraucht, ein nicht vorhandenes Ding zu bezeichnen. Das Nichts, ein Nichts. Ingleichen den Stand des nicht Daseyns. Falle ich nach dem Tode wieder in mein erstes Nichts zurück? Ferner das Mögliche, im Gegensatze des Wirklichen, besonders bey den neuen Dichtern.
   Befruchtet mit der Kraft des wesenreichen Wortes
   Geburt das alte Nichts,
   Hall.
   Ein Schöpfer, der allmächtig das Nichts gebären hieß,
   Dusch. Nichts desto weniger, oder nichts desto minder werden häufig als entgegen setzende Verbindungs-Formeln gebraucht.
   Im gemeinen Leben ist es sehr gewöhnlich, diesem Adverbio zur Verstärkung der Verneinung das nicht nachschleichen zu lassen, welches sich auch wohl gute Schriftsteller mancher Gegenden zu Schulden kommen lassen. Nichts nicht, für nichts. Habt ihr nichts eignes nicht? Opitz. Um nichts zu gewinnen, Lohenst. Wenn der nichts nicht fühlt, ebend. S. 3 Nicht 1. In der reinen Schreibart ist dieses eben so fehlerhaft, als wenn man einem vorher gegangenen verneinenden Worte noch zur Verstärkung das nichts nachschickt. Wird denn nimmermehr nichts aus dir? Raben.
   3. Figürlich, wo es nach einer sehr gewöhnlichen Vergrößerung häufig für wenig, sehr wenig gebraucht wird. So sagt man von einem Menschen im gemeinen Leben, er habe nichts, er könne nichts, er tauge nichts, wenn er wenig Vermögen hat, wenig kann, oder wenig taugt. Da es denn nach einer noch weitern Figur auch für unerheblich, unwichtig, unvermögend gebraucht wird. Wie gar nichts sind alle Menschen! Ps. 39, 12. Alle Menschen sind doch ja nichts, Ps. 62, 10. Der Heiden Götter sind lauter nichts, Jerem. 10, 3, haben kein Leben, kein göttliches Wesen. Das heißt nichts gesagt, nichts das zur Sache dienet. So auch in Gestalt eines Hauptwortes. Je mehr wir die Unzulänglichkeit oder das Nichts unsrer Kräfte einsehen u. s. f. Gell. Ingleichen, obgleich seltener, von einer unbedeutenden, unerheblichen Person. So viele Nichts sind durch den gütigen Einfluß des Goldes zu Etwas geworden.

[Bd. 3, Sp. 488]



   Anm. Im Isidor neouuihd nist, bey dem Willeram nicuuetes, im Schwabenspiegel und noch jetzt in einigen Oberdeutschen Gegenden nihtzit, nützit, bey den Schwäbischen Dichtern nuitzit, nuite, in den gemeinen Hoch- und Oberdeutschen Mundarten nischt, im Nieders. niks, im Angels. nowhit, nowit, im Böhm. und Pohln. nic, bey den Krainerischen Wenden nas und nezh, im Dän. und Schwed. intet. Es scheinet aus nicht was oder nicht es zusammen gesetzet zu seyn. Kero und Ottfried gebrauchen noch nicht dafür oder vollständiger nach ihrer Aussprache und Schreibart neouueht, niauuiht. Manche Sprachlehrer rechnen es zu den Pronominibus, von welchen es doch nicht das mindeste an sich hat.
 
Artikelverweis 
Das Nichtseyn, des -s, plur. car. in der wissenschaftlichen Schreibart, der Mangel des Daseyns oder des Seyns, im Gegensatze des Seyns oder Daseyns.
 
Artikelverweis 
Nichtsnützig, -er, -ste, adj. et adv. welches nur in der gemeinen Sprechart üblich und aus der R. A. zu nichts nütze zusammen gezogen ist. Ein nichtsnütziger Mensch, der zu nichts zu gebrauchen ist, nichts taugt. So auch die Nichtsnützigkeit.
 
Artikelverweis 
Nichtswürdig, -er, -ste. adj. et adv. keine Würde, keinen Werth habend, auch in der anständigen Schreibart. Eine nichtswürdige Sache. Nichtswürdiges Geld. Nichtswürdige Dinge. Ingleichen keinen moralischen Werth habend. Ein nichtswürdiger Mensch, ein im hohen Grade lasterhafter Mensch. Sein Vermögen an Nichtswürdige verwenden.
 
Artikelverweis 
Die Nichtswürdigkeit, plur. die -en, die Eigenschaft einer Person oder Sache, da sie nichtswürdig ist; ohne Plural. Ingleichen eine nichtswürdige Sache; mit demselben.
 
Artikelverweis 
Das Nichtwollen, des -s, plur. car. in der wissenschaftlichen Schreibart, der Mangel des Wollens, die Abwesenheit des Willens; im Gegensatze des Wollens.
 
Artikelverweis 
Das Nick, S. Adelung Genick.

 

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