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Neugereut bis Neuling (Bd. 3, Sp. 478 bis 479)
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Artikelverweis Das Neugereut, des -es, plur. die -e, S. Adelung Neubruch und Reuten.
 
Artikelverweis Die
Neugier, oder Neugierde, plur. inus.die Gier oder Begierde etwas Neues, d. i. eine neue uns bisher unbekannte Sache zu erfahren, wo es von einigen, obgleich nicht mit dem besten Erfolge, für Neubegierde und Wißbegierde in weiterer Bedeutung gebraucht wird. Am häufigsten ist es im engern und nachtheiligen Verstande üblich, und da ist es die merkliche Begierde, eine uns unbekannte Sache bloß um ihrer Neuigkeit, oder aus sinnlichem Vergnügen an Veränderungen zu wissen. Die Neugier plagt ihn. Jemandes Neugier stillen, befriedigen. Aus bloßer Neugierde nach etwas fragen. Gier und Begierde sind zwar sonst den Graden nach verschieden; allein in Neugier oder Neugierde und Neubegier oder Neubegierde wird dieser Unterschied, der über dieß in der Partikel be keinen Grund hat, weil sonst Neubegierde einen stärkern Grad bezeichnen müßte, nur selten beobachtet. In Boxhorns Glossen heißt die Neugier Forskili,von forschen, im Nieders. aber Nijlikheid.
 
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Neugierig, -er, -ste, adj. et adv. Neugier habend, besitzend, und in derselben gegründet, besonders in der engern Bedeutung des Hauptwortes. Im Nieders. niisgirig, nijpligtern, in Boxhorns Glossen forskalmer, Schwed. nyfika, von fika, forschen.
 
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Die Neugierigkeit, plur. inus. die Fertigkeit sich neuer Nachrichten und Erkenntnisse bloß um ihrer Neuigkeit willen, oder bloß aus sinnlichem Vergnügen an Veränderungen, zu befleißigen, wofür doch auch Neugier und Neugierde üblich sind.
 
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Neugläubig, adj. et adv. S. Neubekehrt.
 
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Die Neuheit, plur. die -en, welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Abstractum und ohne Plural, der Zustand, die Eigenschaft eines Dinges, nach welcher es neu ist. 1) In Absicht seines Daseyns; in welchem Verstande es doch nur selten vorkommt. Noch häufiger 2) in Absicht unserer Empfindung oder Erkenntniß, mit dem Nebenbegriffe des Ungewohnten. Die Neuheit der Sache. Gegenstände, die wegen ihrer Neuheit etwas Auffallendes an sich haben. Diese Empfindungen hatten für mich den Reitz der Neuheit. 2. Als ein Concretum, eine neue bisher noch nicht erfahrne oder erkannte Sache; wofür doch Neuigkeit üblicher ist. Die Neuheiten lieben, neue Nachrichten, neue Veränderungen, wo es zuweilen im gelinderm Verstande für Neuerung gebraucht wird, weil es den unangenehmen Nebenbegriff nicht hat. Es ist erst in den neuern Zeiten eingeführet worden, um einen anständigern Ausdruck so wohl für Neuigkeit, als auch für Neuerung zu haben.
 
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Die Neuigkeit, plur. die -en, welches gleichfalls auf doppelte Art gebraucht wird. 1. Als ein Abstractum und ohne Plural, die Eigenschaft eines Dinges, nach welcher es neu ist. 1) In Absicht

[Bd. 3, Sp. 479]


auf dessen Daseyn; in welchem Verstande es doch nur in den gemeinen Sprecharten zuweilen vorkommt. 2) In Absicht auf unsere Empfindung, oder Erkenntniß. Die Neuigkeit einer Nachricht, einer Empfindung, eines Gedankens u. s. f. wofür jetzt in der anständigen Sprechart Neuheit üblicher ist. 2. Als ein Concretum, eine neue Veränderung; als ein glimpflicher Ausdruck für das härtere Neuerung. Noch häufiger aber in Absicht der Erkenntniß, ohne doch die Neuheit des Daseyns auszuschließen. Nach Neuigkeiten begierig seyn, nach Nachrichten von neuen Begebenheiten. Eine wichtige Neuigkeit erzählen. Haben sie keine Neuigkeiten? nichts Neues?
 
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Das Neujahr, des -es, plur. car. ein aus das neue Jahr zusammen gezogenes Wort, welches ohne Artikel gebraucht wird, den Anfang eines neuen Jahres zu bezeichnen. Es wird bald Neujahr seyn. Wir kommen auf Neujahr. Wenn Neujahr vorbey ist. Nach Neujahr. Noch häufiger ist es in den Zusammensetzungen der Neujahrstag, das Neujahrsfest, das Neujahrsgeschenk, die Neujahrsmesse u. s. f. Der große Neujahrstag ist ein Nahme, welchen auch wohl das Fest der Erscheinung Christi oder der heil. drey Könige bekommt.
 
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Das Neuland, des -es, plur. die -länder, S. Adelung Neubruch.
 
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Neulich, adj. et adv. vor kurzen, ingleichen was vor kurzen gewesen ist, oder geschehen ist, doch alle Mahl nur in Absicht auf den Redenden. Er ist erst neulich wieder gekommen. Ich habe ihn erst neulich gesehen. Neulich, als ich mir es am wenigsten vermuthete, fand ich es. Als ein Beywort kommt es in der anständigen Schreibart seltener vor, ob es gleich in dieser Gestalt im gemeinen Leben nicht selten ist. Euer neuliches Schreiben. Die neuliche Begebenheit.
   Anm. Bey dem Ottfried niuenes, nuuuiu, im Schwabensp. niuueclich, im Nieders. nijlik, welches aber auch neugierig, lüstern, ingleichen ungewöhnlich, seltsam bedeutet, im Holländ. nieuwelick, im Dän. nylig, im Lat. nuper, welches seiner ersten Sylbe nach damit verwandt ist.
 
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Der Neuling, des -es, plur. die -e. 1) Eine Person, welche in einer Sache noch neu, d. i. unerfahren ist, weil sie sich noch nicht lange mit derselben beschäftiget hat, wo es von beyden Geschlechtern, so wie alle Wörter auf -ling, gebraucht wird. Ein Bischof soll nicht seyn ein Neuling, 1 Timoth. 3, 6, d. i. ein Neubekehrter, νεοφυιος. Denn er ist kein Neuling in Kenntniß der Schönheit, Weiße. 2) Eine Person, welche Neuerungen liebt und zu machen sucht; in welchem Verstande man es doch um der Zweydeutigkeit mit der vorigen Bedeutung willen vermeiden sollte.

 

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