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Neuerlich bis Neugierigkeit (Bd. 3, Sp. 477 bis 478)
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Artikelverweis  Neuerlich, adj. et adv. neulich, vor kurzen, ingleichen neu, so wohl als ein Bey- als auch als ein Nebenwort; doch nur am häufigsten im Oberdeutschen. Ich habe ihn erst neuerlich gesehen, erst neulich. Seine neuerlich angenommenen Lehren. Als ein Beywort, in neuerlichen Zeiten, ist es im Hochdeutschen noch seltener. Nieders. nuur, im Hannöv. nuus; nuur Dages, vor wenig Tagen, nuur Abends, neulich des Abends. S. Adelung Nur.
 
Artikelverweis Die
Neuerung, plur. die -en, die Veränderung in dem bisherigen Herkommen, eine neue Gewohnheit, ein neuer Gebrauch, doch am häufigsten in engerer Bedeutung, eine vorher nicht da gewesene Sache zu bezeichnen, welche jemand, bloß weil sie etwas Neues ist, einführen will. So nennt man neue Auflagen, neue Anstalten, neue Verordnungen im gehässigen Verstande Neuerungen. Allerley Neuerungen aufbringen. Neuerungen in der Lehre, in der Rechtschreibung u. s. f. Neuerungen anfangen. Daher die Neuerungsbegierde, die Neuerungssucht, d. i. ungeordnete Begierde nach Neuerungen, d. i. nach neuen Gewohnheiten, Lehren, Gebräuchen u. s. f. bloß um ihrer Neuigkeit willen. Es scheinet nicht, daß dieses Wort den nachtheiligen Nebenbegriff von je her bey sich gehabt hat, denn Frisch hat es irgendwo auch von der Erneuerung einer Obligation gefunden. Das mittlere Lat. Novitas und Franz. Nouveauré sind mit eben diesem Nebenbegriffe üblich.

[Bd. 3, Sp. 478]



 
Artikelverweis Der
Neufänger, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, so wohl derjenige, welcher einen Gang zuerst gefunden und aufgenommen hat, als auch derjenige, welcher die letzten Maßen gemuthet hat; wo es nach einer verderbten Aussprache für Neufinder zu stehen scheinet.
 
Artikelverweis 
Neufürstlich, adj. et adv. den neuern Fürsten gehörig, in ihrer Würde gegründet, S. Adelung Altfürstlich.
 
Artikelverweis Der
Neugänger, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, derjenige, welcher einen neuen Gang entblößet und ergangen hat.
 
Artikelverweis 
Neugebacken, S. Adelung Neubacken.
 
Artikelverweis 
Neugeboren, besser neu geboren, adj. et adv. erst vor kurzen geboren. Ein neu gebornes Kind. Der neugeborne König der Juden, Matth. 2, 1. Ich bin wie neu geboren, empfinde neue Kräfte, neuen Muth, neue Munterkeit. Bey dem Ottfried niuui boranaz.
 
Artikelverweis Das
Neugereut, des -es, plur. die -e, S. Adelung Neubruch und Reuten.
 
Artikelverweis Die
Neugier, oder Neugierde, plur. inus.die Gier oder Begierde etwas Neues, d. i. eine neue uns bisher unbekannte Sache zu erfahren, wo es von einigen, obgleich nicht mit dem besten Erfolge, für Neubegierde und Wißbegierde in weiterer Bedeutung gebraucht wird. Am häufigsten ist es im engern und nachtheiligen Verstande üblich, und da ist es die merkliche Begierde, eine uns unbekannte Sache bloß um ihrer Neuigkeit, oder aus sinnlichem Vergnügen an Veränderungen zu wissen. Die Neugier plagt ihn. Jemandes Neugier stillen, befriedigen. Aus bloßer Neugierde nach etwas fragen. Gier und Begierde sind zwar sonst den Graden nach verschieden; allein in Neugier oder Neugierde und Neubegier oder Neubegierde wird dieser Unterschied, der über dieß in der Partikel be keinen Grund hat, weil sonst Neubegierde einen stärkern Grad bezeichnen müßte, nur selten beobachtet. In Boxhorns Glossen heißt die Neugier Forskili,von forschen, im Nieders. aber Nijlikheid.
 
Artikelverweis 
Neugierig, -er, -ste, adj. et adv. Neugier habend, besitzend, und in derselben gegründet, besonders in der engern Bedeutung des Hauptwortes. Im Nieders. niisgirig, nijpligtern, in Boxhorns Glossen forskalmer, Schwed. nyfika, von fika, forschen.
 
Artikelverweis 
Die Neugierigkeit, plur. inus. die Fertigkeit sich neuer Nachrichten und Erkenntnisse bloß um ihrer Neuigkeit willen, oder bloß aus sinnlichem Vergnügen an Veränderungen, zu befleißigen, wofür doch auch Neugier und Neugierde üblich sind.

 

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