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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Nsttaube bis Nêtzkammer (Bd. 3, Sp. 472 bis 474)
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Artikelverweis Die Nsttaube, plur. die -n, junge Tauben, welche noch nicht ausgeflogen, sondern aus dem Neste genommen sind.
 
Artikelverweis 
Nêtt, -er, -este, adj. et adv. ein besonders in der vertraulichen Sprechart übliches Wort, welches alles das in sich begreift, was man sonst rein, glänzend und zierlich nennet. Ein küpfernes Gefäß ist sehr nett gescheuert, wenn es rein und glänzend ist. Ein nettes, zierliches, Kleid. Sich immer nett halten, reinlich und zierlich. Eine nette Jungfer, ein netter junger Mensch, beydes vornehmlich in Ansehung der Kleidung. Das steht ihm nett. Nett tanzen, zierlich. Eine nette Schreibart, eine zierliche.

[Bd. 3, Sp. 473]



   Anm. Im Nieders. gleichfalls nett und nette, im Schwed. nätt, im Engl. neat, im Ital. netto, im Franz. net, im mittlern Lat. nectus. Es ist mit dem Lat. nitidus verwandt, ohne eben davon abzustammen, und bedeutet daher eigentlich glänzend. S. auch Niedlich. Im Nieders. wird es auch für genau, accurat, gebraucht. Das macht nett zehen Thaler. Wofür bey den Hochdeutschen Kaufleuten das Ital. netto üblich ist, welches auch für rein, nach Abzug aller Unkosten, ingleichen nach Abzug des Gewichtes der Emballage, gebraucht wird.
 
Artikelverweis Die
Nêttigkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es nett ist. Ital. Nettezza, Nitidezza.
 
Artikelverweis Das
Nêtz, des -es, plur. die -e, Diminut. das Netzchen, Oberd. Netzlein. 1. Eigentlich, ein aus gezwirnten Fäden mit gemeiniglich weiten Maschen verfertigtes Gestrick. 1) Überhaupt, wo es mehrere Arten von Netzen zu allerley Arten des Gebrauches gibt. Das Netz über einen Ball. Bey den Perrückenmachern ist das Netz das kleine runde Gewebe, welches den Grund der Perrücke ausmacht. Ein Netz stricken. 2) In engerer Bedeutung, ein solches Gestrick, so fern es zum Fange der Fische, Vögel und einiger vierfüßigen Thiere gebraucht wird, wo sich so wohl die Jäger als auch die Fischer der Netze bedienen, welche bey beyden auch Garne genannt werden, (S. Adelung Garn,) und in einzelnen Fällen viele eigene und besondere Nahmen bekommen. Ein Jägernetz oder Jagdnetz, Fischernetz, Vogelnetz, Lerchennetz u. s. f. Ein Netz stellen. Das Netz auswerfen, Fische darin zu fangen. Einen Wald mit Netzen umstellen. Das Wild in das Netz treiben. Ingleichen in einigen figürlichen R. A. Jemanden in das Netz locken. Im Netze seyn. Jemanden das Netz über den Kopf werfen, ihn mit List fangen, welche einige von den Retiariis bey den Römern ableiten, welche sich mit einem bloßen Netze gegen bewaffnete Fechter zu vertheidigen wußten. 2. Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt. 1) In der Geometrie, Perspective und Zeichenkunst bestehet das Netz aus mehrern in Form eines Gitters oder Netzes über einander gezogenen Linien, welche sich nach rechten Winkeln durchschneiden, und den Grund einer Zeichnung abgeben. Einen Riß durch ein Netz copiiren. Ital. Craticola, wegen der Ähnlichkeit mit einem Gitter. 2) Bey den thierischen Körpern ist das Netz ein häutiger, von verschiedenen Adern in Gestalt eines Netzes durchkreuzter Theil, welcher sich nahe über die Gedärme ausbreitet, und oben an andere Theile geheftet ist; Omentum, die Netzhaut, im Oberd. Schlem. Von einigen wird auch die Darmhaut, Peritonacum, so wie von andern das Zwerchfell, Diaphragma, wegen gleicher Ähnlichkeit, das Netz und die Netzhaut genannt. Die Netzhaut des Auges, Retina, ist von ähnlicher Art.
   Anm. In der engern eigentlichen Bedeutung schon bey dem Ottfried Nez und Notker Nezz, bey dem Ulphilas Nati, im Nieders. Nett, im Angels. Net, Nyst, im Engl. Nett, im Dän. Net und Näkke, im Schwed. Nät, im Isländ. Net, im Lat. Nassa; ohne Zweifel von nähen, Griech. νθειν, Schwed. nästa, so fern es ehedem überhaupt verbinden, und folglich auch flechten, stricken, bedeutet hat, wovon im Oberd. noch Nätz, im mittlern Lateine Netus, ein Faden zum Nähen ist. Ihre lässet es mit Wachtern von dem Gothischen nutan, fangen, abstammen, welches aber vielmehr von Netz herzukommen scheinet. S. das folgende. Die zum Fangen üblichen Netze sind doch immer nur eine kleine Unterart. Das mittlere Lat. Natia, eine grobe Decke, ist vermuthlich aus eben dieser Quelle, eigentlich eine geflochtene Decke.
 
Artikelverweis Der
Nêtzbaum, des -es, plur. die -bäume, bey den Maurern, diejenigen Bäume eines Gerüstes, welche in der Mauer befestiget werden; vermuthlich auch von Netz, ehedem eine jede Verbindung

[Bd. 3, Sp. 474]


oder verbundenes Werk, weil diese Bäume das Gerüst mit dem Gebäude verbinden, und ihm dadurch Festigkeit geben.
 
Artikelverweis Der
Nêtzbrúch, des -es, plur. die -brche, derjenige Bruch an den thierischen Körpern, wenn das Netz, omentum, in die Leisten oder den Hodensack tritt; Epiplocele. Tritt dasselbe in der Gegend des Nabels aus, so wird ein solcher Bruch ein Netznabelbruch, Epiploomphalon, genannt.
 
Artikelverweis 
Nêtzen, verb. reg. act. welches von dem Worte naß abstammet, naß machen, als das Activum von dem Neutro nässen oder nassen. Die Finger netzen. Den Flachs im Spinnen netzen. Das Mehl zum Kneten, das Getreide zum Mahlen, das Papier zum Drucken netzen, wofür auch feuchten üblich ist. Ich netze mit meinen Thränen mein Lager, Ps. 6, 7. Und fing an seine Füße zu netzen mit Thränen, Luc. 7, 38. S. auch Benetzen. Daher die Netzung.
   Anm. Bey dem Ottfried nezen, bey dem Notker nezzen, im Nieders. naten, wo es auch intransitive für nassen, nässen, gebraucht wird, im Hebr. 05e005d605d4. S. Adelung Naß. Netzen setzt eigentlich mehr Feuchtigkeit voraus als feuchten, indessen wird der Unterschied so genau nicht genommen.
 
Artikelverweis 
Nêtzförmig, adj. et adv. die Form, d. i. Gestalt, eines Netzes habend.
 
Artikelverweis Die
Nêtzhaut, plur. die -häute, eine netzförmige Haut, siehe Netz 2. 2).
 
Artikelverweis Das
Nêtzjagen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Jägern, eine Art des Jagens, da das Wild in die aufgestellten Netze getrieben, und daselbst entweder gefangen oder erlegt wird.
 
Artikelverweis Die
Nêtzkammer, plur. die -n, von dem Zeitworte netzen, bey den Brauhäufern, ein Gemach, worin das Malz, ehe es auf die Mühle kommt, genetzet, d. i. angefeuchtet wird.

 

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