Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Nêsselgarn bis Nstelnadel (Bd. 3, Sp. 470 bis 472)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Das Nêsselgarn, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, ein zartes, aus den Fäden in den viereckten Stängeln der großen Brennnessel gesponnenes Garn. Figürlich, wird auch wohl ein sehr zartes, glattes und gleiches baumwollenes Garn Nesselgarn genannt. S. Adelung Nesseltuch.
 
Artikelverweis Der
Nêsselkönig, des -es, plur. die -e, ein Nahme, welchen an einigen Orten der Zaunkönig führet, weil er sich gern auf den Zäunen, dem gewöhnlichen Aufenthalte der Nesseln, finden lässet; besonders derjenigen Art, welche auch Meisenkönig, Schneekönig oder Winterkönig genannt wird; Motacilla Trochlodytes L.
 
Artikelverweis Die
Nêsselkrankheit, plur. doch nur von mehrern Arten, die -en, S. Adelung Nesselfieber.
 
Artikelverweis Die
Nêsselstaude, plur. die -n, ein Italiänisches Staudengewächs, dessen sägeartig gezähnte Blätter den Blättern der Nessel gleichen; Prasium L.
 
Artikelverweis Die
Nêsselsucht, plur. inus. S. Adelung Nesselfieber. Andere unterscheiden die Nesselsucht noch von dem Nesselfieber, und da ist die erste eine chronische Krankheit ohne Fieber, vielleicht eine bloße Hautkrankheit.
 
Artikelverweis Das
Nêsseltūch, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -tǖcher, eigentlich ein zartes aus Nesselgarne, d. i. aus den in den Stängeln der großen Brennnessel befindlichen Fäden, verfertigtes Gewebe. Derjenige klare Zeug, welcher jetzt unter dem Nahmen des Nesseltuches bekannt ist, führet diesen Nahmen nur figürlich, in dem er aus weißer Baumwolle, vielleicht nach Art des ehedem üblichen eigentlichen Nesseltuches, verfertiget wird.
 
Artikelverweis 
Nếsseltūchen, adj. et adv. aus Nesseltuch bereitet. Eine nesseltuchene Schürze.
 
Artikelverweis Das
Nst, des -es, plur. die -er, Diminut. das Nestchen, Oberd. Nestlein. 1. Eigentlich, ein Haufe mehrerer mit einander verbundener, bey und neben einander befindlicher Dinge; eine nur

[Bd. 3, Sp. 471]


noch in einigen Fällen übliche Bedeutung. So pflegen die Bergleute, welche uns überhaupt noch die erste und eigentliche Bedeutung so vieler Wörter erhalten haben, einen Haufen in der Erde bey einander befindlichen Erzes ein Nest zu nennen. Ein Erz bricht nesterweise, wenn es sich in solchen Haufen, deren Länge der Breite ungefähr gleich ist, befindet. Die Stockwerke sind eine Art solcher Nester. S. Niere, welches Wort nur von kleinen Häufchen Erzes gebraucht wird. Das Nest auf einem Frauenzimmerkopfe entstehet, wenn die geflochtenen Haare oben auf dem Kopfe um die Nest- oder Nestelnadel geschlagen werden, welche Art noch unter geringen Personen, besonders auf dem Lande, üblich ist; die Nestel, das Haarnest, Zopfnest. Im gemeinen Leben wird es, doch gemeiniglich nur im Scherze, von mehrern bey einander befindlichen Dingen gebraucht, wo es aber auch zu folgenden Bedeutung gehören kann. 2. In engerer und gewöhnlicher Bedeutung ist das Nest ein von Reisern, Stroh, Moos und andern weichen oder biegsamen Dingen bereitetes tiefes Behältniß, welches sich die Vögel und einige Arten von Insecten und vierfüßigen Thieren zu ihrem Aufenthalte verfertigen, besonders aber ihre Jungen darin auszubrüten oder zu werfen. 1) Eigentlich. Das Vogelnest, Katzennest, Wespennest, Mäusenest u. s. f. Die Vögel bauen sich Nester. Sprichw. Man kann es an dem Neste sehen, was für ein Vogel darin wohnet. Zu Neste tragen, sagt man von den Vögeln, wenn sie die Materialien zu ihrem Neste zusammen tragen. Das Nest ausnehmen, die darin befindlichen Jungen oder Eyer heraus nehmen. Das Nest eines Raubvogels wird ein Horst genannt. 2) Figürlich. (a) Die in einem solchen Neste befindlichen Eyer oder Jungen. Ein Nest Vögel, Mäuse u. s. f. Das Raupennest, die in einem gemeinschaftlichen Gespinste bey einander befindlichen Raupen. (b) Ein Haus, eine Wohnung. Ein Mann, der kein Nest hat, Sir. 36, 28. Man gebraucht es nur noch im verächtlichen Verstande, von einem schlechten elenden Hause, oder einem solchen Aufenthalte; besonders in den Zusammensetzungen Hurennest, Diebsnest, Raubnest u. s. f. In eben diesem verächtlichen Verstande pflegt man auch wohl ein festes Schloß, einen kleinen aber festen Ort, ein festes Nest zu nennen. (c) Das Bett, doch nur im vertraulichen Scherze. Zu Neste gehen, zu Bette. Er will nicht aus dem Neste, nicht aus dem Bette.
   Anm. Schon bey dem Notker Nest, im Engl. Angels. und Nieders. gleichfalls Nest, im Schwed. Näste, im Wallis. Nith, im Irländ. Nead, im Griech. νεοσσια, νεοττια, im Latein. Nidus. Die Slavonischen Mundarten setzen noch den Hauch- und Gaumenlaut voran, wie das Pohln. Gniazdo, das Böhm. Hnizdo, und das Krainerische Gnesdu. Es stammet ohne Zweifel von nähen, so fern es überhaupt verbinden bedeutete, her, zumahl da im Angels. nestan, im Schwed. nästa, und im Bretagnischen nezza gleichfalls nähen bedeutet. S. Adelung Nestel, Netz und Nisten. Die Niederdeutschen lassen in diesem Worte ein scharfes geschlossenes e hören, wie das erste e in stehen ist, die Hoch- und Oberdeutschen aber ein gedehntes offenes.
 
Artikelverweis Die
Nstel, plur. die -n, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, welches nur noch im Oberdeutschen üblich ist. 1) Das Haarnest, oder die um eine große Nadel gewundenen geflochtenen Haare auf den weiblichen Köpfen, S. Adelung Nest 1. 2) Schmale lederne Riemen, oder auch runde Schnüre, etwas damit zuzuschnüren oder an den Kleidungsstücken an- und zuzubinden. Die Schnürnestel, zum Zuschnüren, Schuhnestel, die Schuhe damit zuzubinden, die Hosennestel, die Beinkleider damit zuzubinden. Jemanden die Nestel, oder eine Nestel, ein Nestlein knüpfen, ein ehemahliger Aberglaube, da man durch Knüpfung eines Riemens jemanden zum ehelichen Beyschlafe untüchtig machen zu können glaubte.

[Bd. 3, Sp. 472]



   Anm. In dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter schon Nestel, im mittlern Lateine Nastala und Nastula, im Schwed. Nast und Nestla, welches aber auch ein Häkchen an den Kleidungsstücken bedeutet, im Angels. Nostle; gleichfalls von nähen, so fern es ehedem verbinden überhaupt bedeutete, und dem noch im Schwed. vorhandenen nästa, nähen. Im Ital. ist Nastro ein Band, eine Cocarde, und im Oberd. wird ein Faden zum Nähen noch jetzt Netze genannt. S. das vorige, ingleichen Netz.
 
Artikelverweis Der
Nstelbeschlag, des -es, plur. die -schläge, auch nur im Oberd. das Stückchen zusammen gerolltes dünnes Blech, womit eine Nestel, d. i. Riemen oder Schnur, am Ende beschlagen ist, um dasselbe steif zu machen; der Nestelstift.
 
Artikelverweis Die
Nstelnadel, plur. die -n. 1) Im Oberdeutschen, eine Schnürnadel, S. dieses Wort. 2) Auf dem Lande einiger Gegenden, die starke metallene Nadel auf den weiblichen Köpfen, um welche die geflochtenen Haare zu einem Neste gewunden werden; die Nestnadel, Haarnadel.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: